Einzelbild herunterladen
 

Nassauische Allgemeine Zeitung.

Wr /.IV. Montag den 4. Juli WS

Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal der Nassauischen Allgemeine! Zeitung werden baldigst erbeten.

DitNassamscde «Ußemrine gritunß mit dein bdluriftifdmt ®eibta:tDer Wanderer" erweinl, LonnlaqS anSqcnommen, täflli* und beiraql der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Koftrrgulariv nunmehi fit den stanzen Unifanst deS Ddurn- und TariS'schcn »erwalrunstSbezirtS mit Anbestriff des PostaufschlastS 2 fl., für die übrigen Länder deS denisch-öfterreichischen PoswereinS, wie für das Ausland 2 ft. 24 tr. - Inserate werden die Vieri Peile, eile oder beim Raum mit 3 tr. berechnet. Besteilunsten beliebe man in der Buächandluu« von W. Friedrich, Lanstgaffe 42, auâmârtS bei den nächsistelestenen Postämiern, zu machen.

Amtlicher Theil.

D i e n 6 n a ch t i ch t e n.

Lehrer Martin in Breitenau ist in den Ruhestand veksctzt, Lehrgehülfe Alzen von Dehren zum Lehrerin Breitenau ernannt und mitVersebung der Lehrgehülfen- schule zu Dehren, der Schulcandidat Briel von Ahl- büch beauftragt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Zur orirutalischen ^rage.

* Ein Manchester Korrespondent der K. Z. will aus Petersburg erfahren haben, daß der englische Gesandte am russischen Hof dem Kaiser Nicolaus unumwunden erklärt habe, beim ersten Kanonenschuß würden die eng­lischen Bomben auf die russischeu Arsenale fliegen. Der Kalischer Corrcspondent desLloyd" ersucht die Bom- bardemcntlustigcn englischen Blätter die furchtbaren, mit Paixhaus gespickten Üferbatterien und das nach der ncuc- sten Kriegskunst umgcbante Fort des H. Jrenus bei Sebastopol sich etwas näher zu besehen und den un­gleichen Kampf der hölzernen Schiffen gegen die Ufer- batcricn anfgegebcn. Gefährlicher wäre allerdings die Lage Odessas oder eines anderen Handelshafens. Aber mit der Zerstörung Odessas würden die Engländer selbst eine Quelle ihres Verkehrs zerstören. Die Köl. Ztg. schildert überhaupt das englische Volk alö sehr kriegs­lustig, sein Rechts sinn sei allzutief verletzt, anderseits gesteht sie zu, daß der Grund der Kriegslnst in der Ungewißheit der jetzigen Zustande in der dadurch hervor- gerufenen Stockung der Geschäfte und darin liege, daß in einem Kriege, der aus dem Staatssäckel geführt wird, sich von einem geschickten Speculanten mancher gute Schnitt machen läßt.

Die neueste Post aus C o n st a n t i n o p e l, bis zum 20. Juni reichend, meldet die bereits telegraphisch bekannt gewordene Ablehnung des russischen Ultimativ simums. Das Regicrungsorgan beleuchtet in einem längeren sehr gemäßigten Artikel dieses Ereigniß und läßt die Hoffnung auf eine friedliche Ausgleichung nicht sinken. Die Thatsache, meint dieses Blatt, daß die russische Kauzlei und die Post, welche die Haudels- und Schifffahrtsangelegeuheften besorgen, zurückbliebcu, sowie der erhabene Charakter des Kaisers Nicolaus seien ge- wichtigte Gründe dafür.

DemWarschauer Courier" zufolge weilt Herr vonOzeroff mit demGesa n dtschaftspcrso n alc in Odessa.

A u s den D o n a u f ü r st c n t h ü m e r n , im Junius, läßt sich die B r e S l. Z t g. berichten, daß die russische Protection dort mehr gesülchter werde, als die türkische Oberherrschaft. Wenn die verbündeten Mächte erklären, schließt der Korrespondent, daß wir frei von der russi­schen Protection, wie die Serben unter den Türken stehen sollen, so stehen die Donaufürstenthümer für die Pforte auf. (?) Privatbriefe vom 20. Juni melden: In Folge der von dem Fürsten der Walachei ertheilen Be­fehle war zu Brailow, einem Douauhafeu, bereits eine ansehnliche Quantität Schlachtvieh eingeh offen, welches von Handelsleuten des Landes für Rechnung der walachi- schen Regierung geliefert worden; eS wurde dasselbe in Heerde« von 500 Stück nach dem Innern geschafft. Die Pöntonniers des russischen Heeres hatten einen großen Park bei Huschk errichtet und alle ihre Vor- kehrungcu getroffen, um auf diesem Punkt eine Brücke über den Pruth zu schlagen. Die dießfälligen Anstalten waren so geordnet, daß die Brücke in 20 Stunden fertig sein konnte. Die russische« Konsuln hatten den Loscht erhalten, alle Schiffe, welche sie auftreiben können, zu rcqmrircn.

Aus Galacz wird derZeit" vom 24 Juni ge­meldet: Noch haben die Russen den Pruih nj^t über- schritten, obwohl seit langer Zeit alle Vorbereitungen dazu getroffen waren.

Aus Lemberg wird dem Lloyd vom 28. Juni geschrieben: Gestern Abends ist hier aus I s y die Nachricht von dem Einmärsche der Russen j« h^ Donausürstenthümer angclangt, und wurde von dortigen Handelshäusern an solche nach Paris und London durch den Telegraphen weiter befördert. Unser hiesiges Tele­graphenamt, als letzte Telegraphenstalion gegen Osten,

ist, seit die orientalische Frage einen ernster« Charakter anzunchmen begann, mit massenhaften Aufträgen über« häuft. Die meisten Nachrichten kommen aus Odessa, wo man ebenfalls nicht immer aus dircctcr Quelle un­terrichtet ist, daher die vielen unrichtigen und verfrühten Mittheilungen in den Zeitungen. Die Russen sollten sogleich an drei Punkten in die Donaufürstcrthümer etnrücken, cs sollte dies erst dann geschehen sein, nach­dem Frankreich in einer Note erklärt hat, es sehe in dem Einmärsche ebensowenig als England einen Casus belli. Fürst Mentschikoff ist zwar mit dem Oberbefehl zu Wasser und zu Lande betraut, befindet sich aber der­zeit noch nicht bei der Armee, vielmehr soll der V.r- kehr zwischen dem kais. Statthalter FM. Fürst Pasffe- wicz und den Obercommandcn des vierten und fünften Armeecorps sehr lebhaft sein. Die Stockungen des Handels dauern fort und rückwirken auf die materiellen Verhältnisse im Allgemeinen höchst nachtheilig.

Nach telcgraph. Berichten aus Wien war dort am 2. d. das Gerücht verbreitet, der Einmarsch der Russen in Jassy, angeblich mit 12,000 Mann, sei a m 2 5. Juni erfolgt. Das Journal de Coiistantinoplc bezeichnet die Ucberschrcitung der eigent­lichen türkischen Grenzliiiie (der Donau) als eine Kriegserklärung.

Ein Börsenbericht aus Wien von demselben Tage (2. Juli) enthält die 'Notiz: Prnth ü be r gang be­zweifelt, auch blieben die Course an der Wiener Börse (am 2.) beinahe unverändert; Wechselcourse auf London gingen nur 1 kr. höher, trotz niedrigerer Pariser Rentencourse vom 1. d. und dem (bezweifelten) Gerücht vom Ucbergang der Russen über den Pruth. Ein hier erscheinendes Blatt,schließt daraus, daß der teL Börsen­bericht aus Paris vom 2. Jul i der Köln. Ztg. bei Schluß deS Blattes noch nicht zngckommen war, und die bei Einlangen derselben durch die betr. Ziffer zu ersetzenden Nullen der Notirung gemäß noch nicht ab- geändcrt wären, auf eine solche Panique an der Pariser Börse, daß die Course gleich Null waren und gar nicht gehandelt wurde. Diese Panique tritt sehr häufig ein. So wieß z. sB. die am 1. Juli hier eingetroffene Köln. Ztg. ebenfalls nach, daß die Börsencourse am 30. Juni gleich Null waren und an der Börse gar nicht gehan­delt wurde. Die französische Regierung soll am 1. b. die Nachricht erhalten haben, daß die vereinigten Flot­ten sich bereits im Hafen von Constantinopel heftig dcn. (?) (Siehe neueste Nachrichten.)

DentNWWk

LTiesbaden, 2 Juli. (Sitzung der ersten Kammer vom 25. Juni. Forts.) Bellinger: Der AuS sebußbericht habe in pünktlicher Weise die Nothwendig- keit zweier Seminarien für das Herzogthum bargethan. Er stimme den dafür angegebenen Gründen bei. Se­minarien mit überfüllten Klassen tönnten weder bezüg­lich des Unterrichtes, noch der Erziehung das leisten, was Heul zu Tage gefordert werde. Die Trennung des Seminars in Idstein in 2 Anstalten müsse daher als ein bedeutsamer Fortschritt des nass. Set'ulwesens betrachtet werden. Dem Antrag der Commission auf confesfiouelle Trennung pflichte er aus vollster Ueber­zeugung von der hohen Wichtigkeit desselben bei. Fac- tisch bestünden zwar schon seit 1851 cvnfessionclle Se­minarien , allein Der factische Zustand fmüsse auch als ein gesetzlicher ausgesprochen werden, zumal Idstein ge­setzlich ein paritätisches gewesen sei. Mit der Annahme des Antrages werde den Seminarien ein bestimmter re­ligiöser Character gegeben, wie ihn die Seminarien al- ler Länder Deutschlands fast ununterbrochen besessen hätten, und stellten sich damit wieder auf den Boden des positiven Glaubens der christlichen Kirche. Die SchnUehrerseminarken seien in viel höherem Grade, wie die Gymnasien Erziehuiigsaustaltcn; darum müsse in ihnen das religiöse Element der rothe Faden sein, wel­cher alle Einrichtungen durchzieht. Die Seminarien sollten in ihren Zöglingen ein kräftiges religiöses Leben wecken, damit dieselben in ihrem Berufe als Lehrer der Volksschule durch Wort und Bciipiel die Kinder zur Religiöfität erziehen helfen und so die große erziehende Macht, die Kirche, in ihrem Wirken unterstützten. Dies sei aber nur dann möglich, wenn sie selbst in dem Geiste der Kirche, welcher sie angehörten,' gebildet und erzogen seien. Die beiden Kirchen des Herzogtbums, diekatho lischt und die protestantische, hätten das Recht zu ver-

langen, daß die Lehrerbildungsanstalten zur Erreiff jenes Zweckes eulsprechei.d eingerichtet seien. Die sei lische Kirche könne nur von wirklich katholischen, evangelische nur von wirklich evangelischen Lehrern r same Unterstützung erwarten. Eine Bildung fol Lehrer müsse aber das Seminar in seiner ganzen, nein und äußern, Einrichtung den Character einer stimmten Konfession haben. Der Unterricht allein nüge nicht; die Religion wolle gelebt sein; in kirchliche Leben müsse man sich hineinleben , wenn fruchtbar sein solle: die Seminarien seien nur dann eignet, Lehrer für die beiden christlichen Confessio» erziehen, wenn ihr ganzer Character auf der Erzeug des bestimmten religiösen Bewußtseins abzicle: Den fei die Scheidung in ein kath. und ein evang. Semi nothwendig.

Man höre oft sagen, im Volke sei man glc gültig, ob ein Lehrer katholisch oder evangelisch ; wenn er nur guten Unterricht ertheile. Das sei c I nicht also.

I Wenn die früheren Versuche, das bestimmte co» sionelle Leben zu uivclliren und zu verwischen, viels dcn kirchlichcn Sinn geschwächt hätten, so sei cs l noch nicht so weit gekommen, daß die Gemeinden gte gütig waren in Betreff der Religion ihrer Lehrer? 5 evangelischen Gemeinden virtaugten auch jetzt evang sehe Lehrer, und das mit Recht; ebenso verlangten a auch mit Recht die katholischen Gemeinden katholi' Lehrer. Und was die Gemeinden thäten, daS gcsch auch von den einzelnen Mitgliedern der beiden Kirch Der Vater, welcher seine Kinder evangelisch gebildet ben wolle, suche einen evangelischen Lehrer, und der tholische Vater einen katholischen Lehrer. Selbst T jenigen, welche von sich rühmen, daß sie bezüglich Confcsfivn des Lehrers ganz gleichgiltig wären, feien doch in der That nicht. Ein rationalistisch gebillu Mann wolle keinen Lehrer, der entschieden positiv gl, big sei; einen entschiedenen Katholiken wolle er eben wenig, alö ein strenggläubiges Mitglied der cvaug schcn Kirche, oder gar einen Pietisten.

Wäre aber wirklich das Volk in kirchlicher Hins so verkommen, daß cs ganz gleichgiltig in feiner wi tigften Angelegenheit, nämlich der Religion, wäre, müßte in der That der Staat alles aufbieten, um l religiöse Leben wieder zu heben, weil er nur de sicheren und festen Bestand habe, wenn Frömmigi und religiöser Sinn das Volk beherrsche. Wo 't kirchliche Leben kräftig sei, da befestigten und kräftig sich auch die sittlichen Bande der Gesellschaft.

Gegen die confessionellc Trennung höre man zuw len noch eunvenben, daß durch dieselbe Religionsstr ligkeiten, Jntolcranz,.hervorgerufen würden. Er wc hiergegen nur bemerken, daß die Erfahrung dem vi ständig widerspreche, indem sie zeige, daß gerade 1 wo jeder Confessio» ihr Recht widerfahre und jede i( besondere Schule habe, Religioiisstreitigkeitc» am wen stcn verhüllen. Hätte man in Preußen, wo von jef confessiouelle Trennung der Seminarien bestanden Hal kW gegenseitige Erfahrung gemacht, man würde sich, lich schon längst das Uebel radicaliler gebellt und ! Confessions-Seminarien beseitigt haben. Sie bestäub aber dort bis zur Stunde fort und Niemand denke do an, eine Aenderung zu treffen* Und wie sei es bei ui gegangen seitdem die zwei Seminarien bestünden? Ni mand habe Klage darüber führen hören, daß sie rei giöfe Zwistigkeiten hervorgerufen habe, während bagegt in früherer Zeit, wo ein paritätisches Seminar bèstai den habe, vielfach über Kränkungen und Berlctzungc in religiöser Beziehung geklagt worden sei.

Was noch besonders für den Antrag des AuSschu ses spreche, fei, daß durch seine Annahme die Parift der beiden Kirchen unseres Herzogtbums in Beziehui, auf die Seminarien gesetzlich anerkannt würde. S- (die Katholiken) wollten nur die Parität. Was sie fu die katholische Kirche forderten, daS geständen sie scho damit,daß sie es forderten, auch der evangelischen Kirch zu. In einem Staate, der fast zu gleichen Theile, von katholischen und evangelischen Einwobuern bewohr würde, da könne nur eine paritätische Behandlung zi^ allgemeinen Zufriedenbcit führen.

Was schließlich den Antrag wegen Einführung bis Internate betreffe , so sei es nicht nöthig , sich weitH darüber auszulassen. Es sei so ziemlich allgemein b, sannt, daß dieselben, sowohl in Hinsicht auf geistig