Einzelbild herunterladen
 

stieben ein hohes Alter zutraute. Seitdem hat man erkannt, daß kriegerische Gelüste auch in den nächsten Kreis des Monarchen dringen können und dies hinreicht, um den öffentlichen Credit heftig bis zu einem Sinken von 4 und 5 Fr. bei den Fonds und 150 Fr. bei den solidesten gewerblichen Etablissements zu erschüttern. Man schloß nun sogleich weiter, daß die frühere materielle Wohlfahrt nur auf der Oberfläche und die glan­zende Zukunft, die man ausgebreitet gesehen, nur Dunst gewesen. Sogleich hat fast alle Speculation aufgehört, Niemand will sich in ein Geschäft eiukiffen, das erst nach Monaten reif wird, und von Unterneh­mungen, die Jahre fordern, will man gar nichts mehr wissen. So hat z. B. einer meiner Bekannten eine Reise nach Italien gemacht, um dort von einem der italienischen Staaten eine Eisenbahn-Concession auszm wirken. Das Unternehmen ist ein äußerst lockendes und englische Capitalisten lauerten schon lange darauf. In Paris aber rissen sich zwei große Häuser um die Con­cession. Genug, es findet sich ein Verein französischer Kapitalisten und der Agent reist am 7. Mai ab, unter­handelt mit der fraglichen Regierung, erhält die Ga- rankte einer 4*/1yroc. Verzinsung und kehrt vergnügt zurück. Zu seinem Staunen aber wird er kalt empfan­gen, und man erklärt von allen Seiten nichts mehr von dem Unternehmen wissen zu wollen, da die Kriegs^ aussichten als eine Art vis major gelten müßten, die alle Verpflichtungen löse. Man habe sich über den Zustand von Europa getäuscht; und er sei feitbem der­artig geworden, daß ein Funke einen allgemeinen Brand anstecken könnte. Bei diesen pessimistischen Ansichten er­hält sich mit Zähigkeit das Gerücht oder die Sage von einem im Hippodrom beabsichtigten Complotte und von Verhaftungen unter den höheren Ständen, obgleich Nie­mand einen Namen anzügeben vermag. Auch denn- ruhigt man sich, daß die rothe Partei ihr Haupt wieder zu erheben wagt und dies unter der Wachsamkeit einer beinahe absoluten Gewalt. Die Aufhebung des PolizeiministeriumS sieht man da­her keineswegs als ein Zeichen des Vertrauens an, son­dern als ein Mißverständniß über die Lage des Staates.

Die Oberredacteure der Pariser Journale und die Directoren der politischen Korrespondenzen wurden heute zu dem Minister des Innern Hru. v. Persigny beschic- ben, welchem nun seit Aufhebung des Ministeriums der allgemeinen Polizei, die Angelegenheiten der Presse zu­gewiesen sind. Es halte zwischen Herrn von Persigny und den Journalisten nicht eine Collectivzusammenkunft statt. Sie wurden einer nach dem andern in das Câbinet des Ministers vorgelassen. Näheres über diese verschiedenen Unterredungen hat nicht verlautet. Doch -wich versichert, daß sämmtliche Journalisten durch die. Keundlichkeit und das Wohlwollen des Ministers des Innern sehr zufriedengestellt wären, und daß man er­warten zu können glaubt, eS werde die fresse von heute an eine weniger schwierige Zeit haben.

Schwei).

Freiburg. Hr. Louis Weck, einer der Theilneh- mer am Attentate vom 22. April, ist wegen Krankheit provisorich der Haft entlassen worden.

Tessin. Die N. Z. Z. meldet vom 22: Während die fortdauernde östèrreichiiche Sperre für die ausgewie­senen Tessiner immer drückender wird, ist in der obern Verwaitung der UeterstützungSgelder eine unbegreifliche Schläfrigkeit cingetreteu. Nach den Anfangs getroffe­nen Einrichtungen sollen nämlich die Unterstützungen allmonatlich den 25. an die Nothleibenden ausgegeben werden, wem wird es aber nicht auffalleu, daß man diese armen Leute auf die letztverfallene Rate vom 25. v. M., bts vor wenigen Tagen, d. h. fast vier Wochen warten ließ?!

Es verlautet, daß der Bundesrath in jüngster Zeit verschiedene nachgiebige Schritte gegen Oesterreich, und zwar in aller Stille gethan haben soll.

Niederlande.

Haag, 27. Juni. Der Minister für den katholi­schen Cultus, Lighteveld, befindet sich noch hier, wird aber dieser Tage über Brüssel und Paris nach Rom reisen, um über Wien und Berlin zurückzukchreu. Man versichert, daß er beauftragt sei, die Gesinnungen der verschiedenen Höfe gegen Nicderlaud zu fonbimt.

Großbritannien.

London 27; Juni. Der Prinz und die Prinzes­sin von Preußen trafen in vermiedener Nacht in Dover ein. Sie nahmen ihr Absteiganartier imShip Hotel" und setzten heute Vormittag um 9% Uhr auf der Ei­senbahn ihre Reise nach London fort. Bei ihrer An­kunft an der Station der Londoner Brücke verfügten sich die erlauchten Reisenden direct nach nach dem Bucking- Hampalaste. Das zu Spithead versammelte Ostsee- Geschwader besteht aus 18 großen Kriegsschiffen mit zusammen 982 Kanonen. Im Oberhaus stellte gestern Lord Lyndhurst die Frage an die Regierung, ob sie ge­neigt sei, auf dem Tische des Hauses eine Abschrift der jüngst veröffentlichte», von dem Grafen von Nesselrode unterzeichneten Depesche in Betreff Rußlands in den orientalischen Angelegenheiten niederzulegen. Lord Lynd- HUtst sagte:Wenn diese» Document authentisch ist, so nehme ich keinen Anstand zu erklären, daß dieß eines der täuschendsten, unlogischsten und beleidigendsten Do­kumente ist, die ich jemals das Unglück hatte zu lesen."

Graf Aberdeen erwiderte, es solle dieses Actenstück in einigen Tagen auf dem Tische des Hauses niedergelegt werden; man habe Grund dazu, dieß nicht schon jetzt zu thun.

Die Motion, welche der Marquis von Clanricarde am 30. d. M. in dem Oberhanse, in Form einer an die Königin zu richtenden Adresse stellen will, wird also lauten:Die Kammer erklärt, da sie vernommen, daß die russische Regierung eine Politik ausgestellt und Maß­regeln genommen hat, welche die Integrität und Unab­hängigkeit des ottomanischen Reiches beeinträchtigen, so versichert sie Ihre Majestät, daß sie auf den Eifer und die Dahingebung der Kammer zählen könne, sowie auf ihre loyale Mitwirkung zur Aufrechthaltung der von England unterzeichneten Verträge, und zur Sicherung der politischen und territorialen Bestimmungen, von de­nen der allgemeine Frieden Europa's die Sicherheit des Handels und die nationale Unabhängigkeit unserer alten Bundesgenossen bedingt werden."

Die Blätter geben lange Beschreibungen von den großen" Manövern im Feldlager von Chobham. Kö­nigin Victoria zu Pferd, im prachtvollen Reitornat, mit roth weißem Federbusch vom Amazonenhut niederwallend, war wohl für die guten Londoner der anziehendste Ge­genstand. In der That war Chobham so stark besucht, wie Epsom oder AScott zur Zeit der Wettrennen. Die ganze manövtirenbe Militärmacht belief sich aus 8129 Mann Infanterie, 1508 Mann Reiterei und 24 Kano­nen mit dazu gehöriger Bedienung.

Neben dem Strike der Arbeiter in Stockport, durch den 20,000 Hände feiern, bereitet sich ein anderer in Blackburn und Darwen von gleich, großer Ausdehnung vor. Die Fabrikbesitzer haben hier wie dort erklärt, lieber ihre Elablisiement schließen zu wollen als an die geforderte Lohnerhöhung zu willigen. Theilweise haben sie auch versucht Arbeiter von anderwärts anzustellen, doch werden diese von den allen so eingeschüchtert und mißhandelt, daß sie sich nicht behaupten können.

Wir kommen auf eine wichtige Erklärung zurück, welche die Times am 7. Juni darüber gab, warum die englische Flotte bis jetzt nicht an und durch die Dar­danellen ging; diese sind durch die Verträge deö Jahres 1841 jeder sremden Macht geschlossen, undwenn eine englische Flotte innerhalb der Dardanellen erschiene, so erhielte eben dadurch Rußland den vollständigen casus belli, der ihm eben bis jetzt noch fehle." Käme auch die englische Flotte früher als die russische vor Constan- tinopel, was zu bezweifeln, so hätte Rußland immer noch durch seine Landmacht den ungeheueren Vortheil, die Donäuprovinzen in Europa und den Hafen von Datum in Asien zu besehen, also die Beherrschung des DouauhMdels und des persischen, der über Datum ohne Vergleich leichter und sicherer als über Trapezunt geht, an sich reißen, ehe es irgend möglich wäre, dies durch ein materielles Einschreiten zu hindern. Die Verlegen­heit der englischen Regierung erklärt sich also sehr leicht abgesehen von der verdächtigen Stellung Frankreichs, das man sogar in Verdacht zu haben scheint, es wolle durch ein Einlaufen seiner Flotte Rußland dencasus belli verschaffen.

Dänemark.

Copenhagen, 25. Juni. In den reichstägigen Kreisen hat sich das Gerücht verbreitet, daß noch in dieser Session der G e s a m m t st a a t s e n t w u r f zur Sprache kommen wird. Dabei soll es die Absicht der Regierung sein, ein Parlament aus allen drei Reichen zu bilden, in welches die Provinzialversammlungen von Dänemark, Schleswig und Holstein ihre Delegirten wählen, die durch eine Anzahl vom König unmittelbar ernannter Pairs verstärkt werden sollen. Diese Ver­sammlung würde dann mit der Berathung aller gemein­samen Angelegenheiten für alle Theile der Monarchie | betraut werden.

Schweden

Stockholm, 19. Juni. Die Läsare - Sccte hat sich wieder auf der Insel Gothland geregt. Zu Wam- lington erregten ihre Anhänger einen Tumult in der Kirche und versuchten den Prediger mit Gewalt von der Kanzel zu vertreiben. EinReisender" derselben Secte verweigerte beharrlich die Taufe seines Kindes, die dann auf Anlaß der Behörde vollzogen wurde.

Italien.

Der Marchese Massimo d'Azeglio ist am 22. Juni von England in Turin eingctroffen.

Der König von Neapel hat vier Personen, welche von den Kriegsgerichten von Palermo und Catanisetta in den Monaten Octobcr bis December v. I. zum Tode verurtheilt worden waren, zu 6jähriger Verban­nung und beziehungsweise einjähriger und (Monatlicher Gefängnißstrafe begnadigt. Deßgleichen wurde einem von dem politischen SpecialgerichtShof von Messina im September v. J. Verurtheilteu die Todesstrafe in Ga- leercnstrafe verwandelt.

Russland.

Wie der N. Pr. Z. aus Odessa vom 15. b. M. geschrieben wird, hat die Kais. Oesterr. Regierung der Pforte den Rath gegeben, daß Ultimatum Sr. Maj. des Kaisers von Rußland zu unterzeichnen, dagegen aber von Sr. Majestät Ministerium eine Empfangsbe­scheinigung zu verlangen, in welcher eine zufriedenstellende Erklärung gegeben wird über diejenigen Stellen des

Ultimatums, aus denen nicht sowöhl die Pforte, als die englische und französische Diplomatie folgern wollen, Rußland wolle eine Art von Soüverainetât über Unter­thanen der Pforte üben. Der Vorschlag ist wohl ge­eignet, die Sache endlich zu Ende zu bringen, denn Se. Maj. der Kaiser, der nichts will, als' daß die Pforte die von ihr selbst gemachten Versprechungen in verbindlicher und bindender Form abgebe, wird schwer­lich Anstand nehmen, die verlangteEmpfangsbescheini­gung" abzugcbcn, freilich mit der Maaßgabe, daß da­durch der verbindliche Charakter der türkischen Note nicht alterirt wird.

Wie der A. A. Z. von der moldauischen Grenze unterm 17. Juni gemeldet wird, ist man in Jassy des nahen Einmarsches der russischen Truppen so ge­wiß, daß man schon eine KriegSsection im Ministerium des Innern errichtet und die Beamten ernannt hat, welche die Truppen an der Grenze empfangen sollen. Ein Feldjäger, der die Reise von St. Petersburg nach Jassy in fünf Tagen gemacht hat und nach zweistündi­gem Aufenthalte im dortigen russischen Consulate, nach Bukarest geeilt ist, brachte nämlich folgende höchst wich­tige Nachrichten: Rußland hat einen neuen Ver- s u ch genrachk, dem Ultimatum Menczikoff's Geltung zu verschaffen, und zwar mittelst peremtorischer Mote des StaatSkanzlers Grafen 9kffe(robe an Reschid Paschä. Bleibt auch dieser Schritt erfolglos, nimmt die Pforte binnen vier Tagen (nach anderen binnen 24 Stunden) das Ansinnen nicht an, so sollen die an der russisch­moldauischen Grenze aufgestellten drei Armeecorps in die Moldau iiub Walachei ein rücken und diese Länder bis zur Donau, die hermetisch gesperrt werden soll, be­setzt halten. Das bereits gedruckte Manifest des Kal' sers wird am Tage des Einmarsches der Truppen ver­öffentlicht werden und die Versicherung enthalten, daß die militärische Besetzung der Fürstenthümer keineswegs die Einverleibung derselben, sondern blos die Nöthigung der Pforte zur Annahme des Ultimatums beabsichtige. Briefe der A. A. Z. von der polnischen Grenze und ans Warschau lauten bei weitem nicht so kriegsdrohend. In Warschau hatte Fürst Pas- kiewitsch mit vielen Generalen mehrmals die Pferde­reunen besucht, und manches ließ auch dort die Friedens- Hoffnungen gegenüber den Kriegserwartungen überwiegen.

Türkei.

Eine telegraphische Nachricht ans C o nsta n ti nopel vom 17. Juni in derAllg. Ztg." bestätigt die Ab­lehnung des russischen Ült i m ati ssi m u ms Seitens der Pforte, welche jede Garantie an Rußland zu Gunsten der griechischen Kirche verweigerte. Der russische Gesandtschaftssecretär Balabine hat an demsel­ben Tage Coustantinopel mit dem Archiv verlassen; die russischen Unterthanen bleiben unter österreichischen Schutz gestellt; ;

Die Umgegend Konstantinopels erhält an einem Punkte landeinwärts Befestigungen, wo es leicht ist die von der Natur gebotenen Terrainsgestaltungen dazu zu benutzen. Bei Beikos nämlich, einige Meilen von dort, geht ein Seè und ein Flüßchen durch eine tiefe Thalschlucht ; eine Brücke bildet den einzigen Ueber- gangsputtkt, und ein Gebirgskamm, der die Wasserscheide zwischen dem schwarzen und dem Marmora-Meere bil­det, ist schwer practicabel^ und leicht zu vertheidigen; dort sind jetzt auch Blockhäuser errichtet worden.

Griechenland.

Ein Brief aus Athen vom 18. Juni meldet, daß die Regierung des Königs Otto beschlossen habe, drei Kriegsschiffe anszurüsten, um für den Fall ernsthafterer Verwicklungen in der orientalischen Frage den griechi­schen Unterthanen Schutz angedeihen zu lassen.

America.

Die neuesten Nachrichten and Nordamerica reichen bis zum 15. Juni. In Montreal waren von den Personen, welche bei den durch den Pater Gavazzi erregten Unruhen von den Truppen verwundet worden, zwölf an ihren Wunden gestorben Nichtsdestoweniger wird der würdige Mann seine Vorlesungen auf eine ihm gewordene Einladung hier weiter fortsetzen.

Nach den letzten Nachrichten ans Mexico ist der Minister des Auswärtigen Herr Ala man am 1. Juni gestorben. Der neue Zolltarif von St. Anna, der hö­here Zollsätze enthält, als der von 1845 hat große Unzufriedenheit erregt.

t Aus Canada kommen sehr betrübende Nachrich­ten über die Verheerungen an, welche ein furchtbarer Orkan in St. Laurent angerichtet hat. Mehrere Schiffe sind in der Bai, wo sie vor Anker lagen, gescheitert. DaS norwegische Schiff Norder, Capitain Halverson, hat im Hafen von Tibbis einen solchen Windstoß er­halten, daß es augenblicklich versank.

Kr^ Um den geehrten Lesern die seit Einführung des Schnellzuges zwischen Berlin und Paris früher als sonst eintrcffenden Nachrichten auch früher, wenn gleich in gedrängter Kürze, mittheilen zu können, wird vom 1. Juli an der Wanderer mit einer übersichtlichen Zu­sammenstellung derselben anstatt wie bisher mit dem Hauptblatt schon Abends zuvor um 7 Uhr ausgegeben und mit den vor Ausgabe des letzteren ab. gehenden Posten versendet werden._____________________ Verantwortlicher Nevacteur: Dr. A. Kocrer.