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Verzögerung als eine Beschleunigung der Geschäfte und eigentlich nichts Anderes, alS ein unruhiges Trachten nach Beschränkung der Präsidialbefugnisse aus Kosten deS Geschäftsbetriebes. Daß der Gang der Geschäfte nicht sehr schnell sein könne, daß ist bei einem Vereine von einigen dreißig Staaten wohl begreiflich. Kommt hierzu noch eine stetige Opposition gegen jeden gemein­nützigen oder bedeutenderen Vorschlag, welche die Bnu- dcsprotvkolle meist von Einer Seite Nachweisen, so braucht man nicht auf vermeintliche oder wirkliche Mängel in der Geschäftsordnung zu rccurrircn, um Jncompeteuz- erklärungen uud Verzögerungen zu begreifen.

Nach demNürnb. Corr." hätte das Frankfurter Handelshaus Hahn der Regierung deS Herzogthums Koburg-Gotha Vorschläge für Errichtung einer Credit­bank für Mitteldeutschland in Gotha, mit einem Ge- sellschaftScapitale von 4 Millionen Gulden gemacht; diese Vorschläge sollen jedoch nicht den gewünschten An­klang gefunden haben.

Heidelberg, 27. Juni. Die gegen Professor- Hagen dahier von auswärts angeregte und hier ge­pflogene Untersuchung hat zu keinem Resultate geführt. Es ist derselbe deßhalb freigesprochcn.

Freiburg, 26. Juni. Wie die Bad. Ldz. meldet, ist dieser Tage eine erzb isch ckfl ich c Denkschrift an den Bundestag von hier abgegangen, welche eine Befriedigung der bekannten kirchlichen Forderungen ver­langt. ES soll dieselbe mehrere Bogen umfassen und von dem Generalvicar Dr. Buchegger ausgearbeitet worden sein.

Weimar, 25. Juni. Die heutige Weimarische Zeitung bringt folgenden Erlaß des Großberzogö: Die vielen Beweise von Liebe und treuer Ergebenheit, die Mir namentlich auch von Seite Meiner getreuen Unter­thanen am 15. d. Mts. und an den darauf folgenden Tagen gegeben worden , haben Meinem landesväter­lichen Herzen wahrhaft wohlgethan. Ich sage für alle Meinen Dank. Sie sind Mir ein werthvoUes Zeichen gewesen, daß die Art, wie ich den von Gott Mir über­tragenen fürstlichen Beruf fünfundzwanzig Jahre hin­durch iu guten und in schlimmen Tagen zu erfüllen ge­strebt habe, auch in den Herzen Meiner getreuen Unter­thanen Wurzeln geschlagen und Früchte getragen hat. Möge das Band, welches Jahrhunderte geknüpft und befestigt haben, auch durch das neuliche Eriuucruugs« fest an Stärke zunehmen und auf späte Enkel sich ver­erben I Möge Gottes Segen und GotteS Frieden im­mer auf diesem Lande ruhen! Gegeben Schloß Bel­vedere, 23. Juni 1853. Karl Friedrich.

Meiningen, 27. Juni. Es heißt, daß die Actio­näre der thüringer Eisenbahngesellschaft in Erfurt den Beschluß gefaßt haben, deU Bau der Werra-Eisènbahn selbst in die Hand zu nehmen, während sie früher eine andere Actiengesellschaft dafür suchen wollten.

Wir brachten kürzlich eine Correspondenz aus der N. Pr. Z.", welche verschiedene Bedenken über die Newyorker Industrieausstellung ânßerte. Diese finden in einem Schreiben eines Kaufmanns in Philadelphia, welches in einem sächsischen Localblatt veröffentlicht wird, ihre Bestätigung. Nach diesem Schreiben ist sie nur eine Privatspeculation und steht durchaus nicht un­ter der Protection des Gouvernements.

Köln, 28. Juni. DieDeutsche Volkshalle" zeigt an, daß Herr v. Florencourt demnächst die Redac­tion deS Blattes wieder übernehmen werde.

Hannover, 25. In Folge der andauernd günsti­gen Witterung ^glückliches Hannover!j sind die Preise des Roggens und Waizcns bedeutend im Sinken und verspricht man sich namentlich eine sehr reiche Erndte an Sommerfrüchten.

Hannover, 27. Juni. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer eröffnete der Justizministcr Windthorst dem Präsidenten den Wunsch der könig­lichen Regierung, daß die Verfassungsfrage auf eine der nächsten Tagesordnungen gesetzt werde. Sie wünsche , es nicht aus dem Grunde, um neue Vorschläge einzu- - bringen, denn die königliche Regierung verharre uner­schütterlich bei der von ihr abgegebenen Erklärung, ! sondern nur, damit ihr nicht der Vorwurf der Ueber- . eilung gemacht werden könne. Es möge daher auch die letzte Abstimmung noch zugelassen werden. Diese Worte, welche sicherlich auf den Inhalt einer gestern aus Eng- ; land hier eingelaufeneu königlichen Depesche sich grün- : den, fanden beifälligen Anklang im Hause.

Osnabrück, 23. Juni. Bisher wurde in der ' Volksschule des osuabrückschen ConsistorialbezirkS ein I regelmäßiger Kirchenbesuch nur von den Confirmanden ' seitens des Predigers verlangt. Durch ein so eben er­lassenes Rescript deS königl. evangelischen Konsistoriums : wird verordnet: daß die Kinder der Volks- und Pri- vatschulen mindestens vom vollendeten 11. Lebensjahre an am öffentlichen Gottesdienst sich betheiligen. Dis- Ipensationen vom Kirchenbesuche können von dem Lehrer nur für einen einzelnen Fall ertheilt werden, bei län­gerer Dispensation bedarf es der Genehmigung des Predigers.

Berlin, 27. Juni. Glaubhaftem Vernehmen nach sind zur Zeit die Dispositionen für die Zollvereins- ; Konferenzen so getroffen, daß die Eröffnung der- , selben am 5. Juli durch den preußischen Bevollmächtig­ten erfolgen soll. Dieselben werden wahrscheinlich ziem­

lich lange dauern, da sie ein sehr reiches Pensum ver­schiedener Arbeiten vor sich haben. Ob aber Preußen auch nur seine sehr bescheidenen Tarifcrmäßigungsanträge durchsetzen wird, ist noch sehr proplemaNsch. In Oe st er reich regt sich inzwischen ein frischer Geist, trotz deS Lamentirens der dortigen Fabricanten. Die Lin­zer HandelS- und Gewerbâmmcr spricht in ihrem von dem Handelsministerium eiug-eforderten Gutachten über die Aenderung des Zolltarifs die Ueberzeugung aus, daß die hohen Schutzzölle nichts Anderes wären, alS eine Prohibition unter einem anderen Namen. Sie gibt sich der tröstenden Zuversicht hin, daß durch ein Minimum der Zölle die Industrie nach und nach ge­weckt, ja, genöthigt wird, sich zu ermannen; daß man endlich zur Einsicht kommen wird:Nur im Fortschritte allein liege das Heil und Wohl der Gewerbslhätigkeit." Belangend die Einfuhr deS Roheisens, glaubt sie ihr Gutachten dahin abgeben zu müssen, daß derzeit die zollfreie Einfuhr so gewiß sich alS eine Nothwendigkeit herausstelle, alS sonst Stillstehen vieler Werk und Ar­beitslosigkeit im sogenannten Eisenbezirke in einem so trostlosen Maße um sich greifen würde, weil Mangel an Roheisen natürlich die Arbeit hindert. So ruft im Lande ob der Enns weder die Sensenfabrication, noch die Chemicalieuerzeugung, noch die Fabrikation der Schmiedewerkzeuge oder des Reps- und LeinölS um Schutz. Der Herzog von Genua ist nach Königsberg i. Pr. von hier abgereist.

Die Zeit enthält heute folgende officiöse Notiz: Die königliche CabiuetSordre, die gemischten Ehen, die Offiziere und Soldaten schließen, betreffend, Hat'an ei­nigen Stellen die Deutung erhalten, als ob durch die- selbe überhaupt den Soldaten untersagt wäre, eine ge­mischte Ehe zu schließen. Das sagt indessen die Cabi- netSordre nicht, sie verbietet nur den Soldaten, das von römisch-katholischer Seite verlangte eidliche Gelöbniß abzulegen. Das Motiv für die Cabinetsordre ist darin zu suchen, daß das Schließen der Ehen im Heere von der Genehmigung des Befehlshabers abhängig ist, und daß nicht gleichzeitig eine Genehmigung von Außen, von Rom, zugestauden werden kann-, weil sonst beide mit einander in Widerspruch kommen könnten. Außer­dem ist es aber dem Soldaten nicht erlaubt, eidliche Verpflichtungen nach Außen einzugehen."

Während man hierschreibt man der A. A. Z. aus Berlin jeden Augenblick einer bestimmten Detail- Nachricht über den vollbrachten Einmarsch der russischen Truppen in die Donaufürstenthümer entgegensieht, hat sich der Standpunct des preußischen Cabinets auch bie- ser Wendung gegenüber bereits zu Gunsten der russischen Intentionen festgesteüt. Preußen^ schließt sich der Auf- fassung Oesterreichs und Englands an, in jenem Schritt weder eine Verletzung^ der bestehenden Verträge Noch eine Eröffnung kriegerischer Feindseligkeiten selbst zu er­blicken, sondern da, in nur den Anknüpfungspunkt für die eigentlichen diplomatischen Verhandlungen mit dem St. Petersburger Cabinet zur Lösung der gesummten Differenz zu ersehen. Die reservirte und gänzlich un­parteiische Haltung, welche die Vertreter Englands, Frankreichs, Oesterreichs und Preußens bisher auf einer durchaus gemeinschaftlichen Grundlage in Constantinopel selbst eingenommen, machte die weiteren Entschlüsse der vier Großmächte gewissermaßen von der Auffassung ab­hängig, welche die Pforte selbst der nächsten thatsäch­lichen Wendung ihrer Situation geben würde. Es wird nach der hiesigen Auffassung auch jetzt noch auf die Art und Weise ankommen wie die Pforte das Ueber- schreiten der Russen über den Pruth aufnimmt, und welche Anträge sie deßhalb an die europäische Diplo­matie richten wird. ES wird erst dann die vielventilirte Vermittelungs- Aufgabe eintreten können, die an den Alternativen der russischen Forderungen, welche bisher noch jeden unmittelbaren Mcinungs-Austausch zwischen Rußland und den übrigen Cabinetten fremd geblieben, bis jetzt noch keinen Boden gewinnen konnte. Die Idee eines europäischen Congresses ist vorderhand nur eine Zeitungsidee geblieben, welche weder innerhalb der Ca- binde entstanden noch auch bei denselben bisher irgend einen Raum gefunden hat. Man hält sich hier dahin unterrichtet, daß das St. Petersburger Cabinet darauf bestehen wird, den Austrag der Streitfrage unmittelbar zwischen Rußland und der Pforte bewirkt zu sehen, was der neuesten, wahrscheinlich erfundenen Nachricht der fauzösischen Blätter wenig Terrain verspricht, wonach Louis Napoleon einen besonderen Abgesandten nach Petersburg geschickt, um dem Kaiser Nicolaus die Ab­haltung eines europäischen Congresses zur Schlichtung orientalischer Differenzen vorzuschlagen. , Es wird hier nicht glaublich befunden, daß Frankreich weder mit sei­ner Diplomatie noch mit seiner Kriegslust sich isoliren werde, obwohl das preußische Cabinet über die neuesten Intentionen des Kaisers der Franzosen durchaus nicht sicher orientirt zu sein scheint, und sich darüber eben so sehr im Dunkeln befindet als die öffentliche Meinung Europa's überhaupt.

Gnesen, 25. Juni. (N. Pr. Z.) In diesen Ta­gen war ein Commisjarius der königlichen Regierung zu Bromberg zur näheren Untersuchung der polni­schen Demonstration hier anwesend, welche sich die hiesige katholische Schule am 7. d. M., dem Jah­restage des Hinscheidens Friedrich Wilhelms HI., er­

laubt hat. Die Untersuchung ergab sb viel Schuldba­res und so große Taktlosigkeit wie Mangel an Pattrio- tismus von Seiten des Lehrerpersouals, daß der pro­visorisch angestellte Rector Wittig durch Negierungs­verfügung, als der Leitung einer Unterrichtsanstalt un­würdig, sofort seines Amts enthoben und ein Theil der Lehrer mit ernstlichen Vorwürfen bedacht werden ist.

Die Demonstration bestand in folgendem: Die Schulen feiern in dortiger Gegend alljährlich einen so­genannten Mai-Gang. In diesem Jahre nun war dies Fest in Gnesen auf den 7. d. Mts., den Sterbetaades Hochseligeu Königs, angesetzt. Obgleich die LeiN'dar« auf aufmerksam gemacht waren, daß es doch unschicklich sei, gerade diesen Tag zu einem Freudentag für die Jugend zu machen und obgleich ihnen deßhalb auch die Begleitung der Militärmusik abgeschlagen war, so wurde das Fest doch auf keinen anderen Tag verlegt. Viel­mehr zog die Jugend der polnischen Schule in feier­lichem Zuge, eine zusammengerollle, mit Kränzen um­wundene Fahne voran, durch die Straßen der Stadt nach einem benachbarten Wäldchen, unter Begleitung der Lehrer der Anstalt. Außerhalb der Stadt wurde die Fahne aufgerollt, wo >sich dann ergab,, daß sie die polnischen Nalionalfarben trug, und daß in bereit Stifte der polnische (weiße) Adler gemalt wâr. Gleichzeitig stimmte die gesummte Jugend das bekannte polnische Revolutionslied:Noch ist Polen nicht verloren" an, dem noch andere polnische Natiöuallieder folgten.

Wien, 26. Juni. Das gestrige Abendblatt der Wiener Zeitung bringt einen anscheinend officiellen Ar­tikel über die Berathung der oberrheinischen Bischöfe zu Freiburg, der sich mehr für die Auffassung der Bischöfe als für diejenige der betheiligten Regierungen entschei­det. Als Zweck der in Freiburg gepflogenen Verhand­lungen gibt die Wiener Zeitung an:Die Regelung der Differenzen, welche sich zwischen dem oberrheinischen Episkopal und den betreffenden Regierungen in Bezug auf die Wiederbelebung des katholischen Kirchenlebens und die diesfalls von Seiten ber Bischöfe ausgespro­chenen Wünsche und Anträge ergaben. In den An­trägen deS oberrheinischen EpiscopateS, sieht das Blatt unleugbar einen Ausfluß der reinen Absicht, ihre gelb­lichen Pflichten mit ihren weltlichen Obliegenheiten m Einklang zu bringen."

DieAustria" macht die Bemerkung, daß die In­haber der Wiener Zuckerraffinerieen ihren Bedarf ân Rohzucker gegenwärtig nicht mehr, wie in frühern Jah­ren, ausschließlich aus Triest beziehen, weil Hamburg diesen Artikel nicht nur billiger, sondern auch vollgewich­tig und stets nnvermischt liefert, was in Triest nicht mehr zu erreichen ist. Der Staub deß FlöttiUencörpS auf der Donau, dem Po, dem Gardasee und den La­gunen ist vorläufig auf 70 Dampf - und Schleppschiff« mit 1200 Mann festgesetzt worden.

Frankreich.

$art$, 28. Juni. In den Journalen wird heute vorzugsweise das russische Ultimatissimum besprochen. Die Drohung Rußlands, mit Waffengewalt seine For- derungen durchzusetzen, bat hier wenig Eindruck ge­macht, da damit bekanntlich nichts weiter als die Be­setzung der Donaufürsteuthümer gemeint ist, durch welche die Anknüpfung neuer Unterhandlungen nichts weniger alS unmöglich gemacht wird. Der Wiedereintritt der schönen Witterung hatte die durch den Stand der Erndte hervorgerufenen Besorguisse wieder beschwichtigt; und da die meisten Speculaiiten hoffen, daß die orien­talischen Angelegenheiten in gütlicher WeisL werden ge­regelt werden, so zeigte sich anfangs lebhafte Nachfrage nach Renten. Die 3proc. Rente Hobe sich auf 77. 75. Die Notirung konnte sich jedoch nicht auf diesem hohen Stand behaupten. Die Schlußpreise der Renten pr. E. d. waren 101. 70 und 76. 85.

Man bringt die Abberufung des bisherigen Gesan­dten HiS de Butenval aus Brüssel in Beziehung zur orientalischen Frage. Die Kreuzzeitung hat zuerst die niemals ernsthaft in Abrede gestellte Nachricht von der bekannten Verbalnote dieses Diplomaten an daS Bel­gische Cabinet gebracht. Die Abberufung von HiS de Butenval soll einer Zurücknahme der in der Verbal- Note enthaltenen Drohung als welche der centente corllinle nichts weniger als förderlich gleich kommen.

Herr Baroche wird daS bisher vom Polizeiminister bewohnte Hotel beziehen. Man spricht fortwährend von neuen Veränderungen in der hohen Verwaltung. Morny wird immer noch als der künftige Minister des Aeußern genannt. Herr Latour Dumoulin, der durch die Unterdrückung deS Polizeiministeriums feilte Stel­lung verloren hat, wird als Entschädigung zum Prä- fecten oder zum Unterstaatsrath befördert werden..

Fünf italienische Flüchtlinge, welche bei dem letzten Ausstandsversuch in Mailand beteiligt waren, haben sich von Havre nach London eingeschifft. ".Der be­rühmte Akademiker de Jussieu ist gefährlich erkrankt. Aus dem kaiserlichen Almanach ersieht man, daß die Kaiserin am 5 Mai 1826 geboren wurde.

Man stellt sich schwer im Auslande vor, wie drü­ckend und peinlich die orientalische Frage auf allen Ge­schäftsleuten lastet. Man hatte sich so sehr gewöhüt in der kaiserlichen Regierung die starke Beschützerin der materiellen Interessen zu sehen, daß man dem Welt-