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Nassauische Allgemeine

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Donnerstag den 30. Juni

1833.

Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

DirÜtofTotttfdir Sillgemkint geituii«" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonniaqs au^ftcnommen,^Nch und betraut der PkLnumeraiionSprerS für Wiesbaden und , nach deni menen Postregnlartv nunmehr auch für den stanzen Umsonst deS Ll>urn» und TariS'schen PerwaltttnstSbezirls mit Zntrqriff des Postaufschlasts 2 fl., für die übrigen Händer deS deutsch,österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 kr, Inserate werden die »ierspallig Pet, Neile oder deren Naum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den trachstgelegenen Postämtern, zu machen.

Deutschland.

Wiesbaden, 27. Juni. (Sitzung der ver­einigten Kammern vom 17. Juni. Schluß der Dis- cussion über Capitel X. Lehranstalten.) Nach Ableb- nung des Antrags deS Abgeordneten Reichmann kam der Ausschußantrag:der Regierung den bereits im vorigen Jabre ausgesprochenen Wunsch, daß dieselbe der hohen Ständcversammtung wegen zweckentsprechender Vereinfachung und Reduction der höheren Lehranstalten sobald als thunlich eine Vorlage machen wolle, dringlich zu wiederholen" zur Ab­stimmung und wurde Mit Mehrheit angenommen.

Der weitere Antrag der Commission:daß hierbei von der Regierung auf die in dem Bericht angedente- ten allgemeinen Bemerkungen über Reorgani­sation des Schulwesens geeignete Rücksicht ge­nommen, und insbesondere auch die Zweckmäßig­keit der Umänderung des R e a l g ymu a s i u m s in eine höhere Gewerbeschule, sowie die Verlegung dieser Anstalt und deS landw. Instituts aus der Stadt Wiesbaden an einen oder zwei andere Orte des Landes, in ernste Erwägung gezogen werde," kam in seinen einzelnen Theilen zur Cr- orkerung und Abstimmung, und zwar in nachstehender Reihenfolge:

1) Der Antrag auf Umänderung des Real- Gymnasiums in eine höhere Gewerbe­schule wird im Bericht etwa so motivirt: das als Landesanstalt errichtete Realgymnasium habe gesetzlich 2 Abtheilungen, nämlich die 4 untern Classen (oder die städtische mittlere Realschule) und die 3 obern Classen (oder das eigentliche Realgymnasium). Für jede Ab, theilung bestehe ein eigener Zweck, indem auf der er­sten die, welche zu einem technisch-praktischen Beruf un^ mittelbar überzugeben, auf der zweiten aber die, welche ihre Studien quh eiuer Fachschule fortzusctzcu gedenken, Vvrbereitet werden sollen. Diesen Zweck l)â jedoch das Realgymnasium für die erste, weit zahlreichere Ab­theilung nicht erreicht, und nicht erreichen können, weil die vorherrschend und wissenschaftliche Richtung deS Unterrichts schon in den 4 untersten Classen beginnen, aber in ihnen nicht zu einem für den unmittelbaren Ueber» gang in das Leben genügenden Abschluß gebracht werde: Auf der andern Seite dagegen habe die Anstalt gerade in Hinsicht auf die höheren technischen Fächer, welche für das kleine Land nur wenige Schüler liefern kann, über die ur­sprüngliche Bestimmung hinaus ihren Wirkungskreis so weit ausgedehnt, daß den Gclchrtcn-Gymnasien nur noch die Vorbildung der Theologen, Juristen und Philolo­gen verbleiben sollte. In Folge dieser den Verhältnis­sen widerstrebenden Einrichtung habe sich die Schüler- zahl deS zudem ganz überwiegend (zu zwei Drit­teln) von Wiesbadenern besuchten Real-Gymna- siums stetig vermindert, nämlich von 212 im Jahre 1847 auf 180 im Jahre 1852, während die frühere Realschule zu Wiesbaden allein im Jahre 1844 schon 130 Schüler gezählt und eine erst seit 1852 für tech. nisch-praktische BerufSarten errichtete Docentenanstalt des Dr. Schirm trotz eines viel höheren Schulgeldes bereits auf 180 Schüler sich erhoben habe. Hieraus ergebe sich wohl augenscheinlich, daß dem Lande nicht abermals eine gelehrte Schule, sondern eine praktische Anstalt, eine höhere Gewerbeschule wahres und weit überwiegendes Bedürfniß sei.

Müller: Das Realgymnasium solle nicht von der Stadt Wiesbaden allein, sondern auch von Schü­lern aus dem Lande besucht werden. Diese hätten mei­stens eine mangelhafte und lückenhafte Vorbildung, seien in dem einen Gegenstand wohl voran, in dem anderen zurück und würden nun vielleicht wegen eines für das künftige Fack ganz gleichgültigen Gegenstandes in eine niedere Classe gewiesen, dagegen der Gelegenheit, in den schon erlernten wichtigeren Dingen fortzuschrciteu, be­raubt. Nur wenn man dieses ändern und den Schü­lern Gelegenheit zur Ausbildung nach ihrem Bedürfniß gebe, wie auf der hiesigen Docentenanstalt, werde auch die geringe Frequenz der Schule zunehmen. Schel­lenberg: Das Realgymnasium habe von unten auf eine streng-wissenschaftliche Methode cingeführt und aus­schließlich'nur für die gesorgt, die ihre Studien auf Akademien fortsetzten, dagegen die durch das Gesetz auch vorgeschriebene Bestimmung für solche, die sich einem bürgerlichen Geschäft widmen wollten, das technisch- praktische Element aus den Augen verloren, ja einige

diesen Zweck fördernde Gegenstände, z. B. Technologie, gar nicht gelehrt. Damit solle eine unwissenschaftliche Behandlung des Unterrichts nicht befürwortet werden; Theorie und Praxis könnten auf einer solchen Anstalt recht gut Hand in Hand geben und jene an diese sich anlehnen. Dann würde die Schule für eine weit grö­ßere Zahl von jungen Leuten, die sich einem wissen­schaftlichen Beruf nicht widmeten, von Segen fein. Auch die Verbindung der hiesigen Realschule mit dem Real- gymnasium scheine ihm nicht zweckmäßig, weil die streng- wissenschaftliche Methode in den untern Classen beginne und sich an die oberen Classen eng anschließe. Wollten nun die verschiedenen Realschulen im Lande ihre Zög­linge für die Classen des Realgymnasiums vor bereiten, so müßten sie dieselbe Methode einhallen, dadurch aber wenig für die niet t in das Realgymnasium übergehen­den Schüler, und diese seien überall die Mehrzahl, ge­eignet werden. Er halte daher die Umwandlung des Realgymnasiums in eine höhere Gewerbschule für sehr zweckmäßig. Reg.-Comm. S ch m i d t: Das Realgym­nasium bestehe erst seit 1844 und diese Zeit sei zu kurz, um über dessen Werth ein Urtheil zn fällen. Auch die geringe Frequenz sei kein sicherer Maßstab, hänge noch von anderen Ursachen ab. Früher sei die Errichtung eines Realgymnasiums dringend gewünscht worden; es sei daher mißlich, es schon wieder anfzuheben. Man solle nicht organisiren und sofort reorganistren, sondern erst die Sache reiflich erwägen. "Abg. Reichmann: Mit der geringen Frequenz des Realgymnasiums sei cs auch nicht so schlimm; es zähle im Ganzen 137 und in den vier oberen Classen 77 Schüler, stehe also dem Gelehrten-Gymuastum fast gleich. Ob es anders orga- nisirt werden müsse, verstehe er nicht und wolle dieses der Regierung anheimgeben.

Heidenreich: Im Allgemeinen sollen die Rech- Gymnasien ihren Gluudcharakter mit den Gymnasien gemein Haven: èzwhnng^drs Merstchen zur Humani­tät; ihr abweichendes aber soll nur darin bestehen, daß sie einen Theil des Stoffes aufgeben, woran die Gym­nasien Geist und Gemüth ihrer Zöglinge entfalten, um dafür denselben Zweck verfolgend, einen andern zu wählen, über den ihre Schüler für ihre spätere Thätig­keit hier herrschen lernen (Program des Realgymnasi­ums von 1846 S. 5.), sie sollen nämlich eine streng wissenschaftliche Vorbildung geben, welche, ohne Ver­nachlässigung des Uebrigen ( ? !) , die jugendliche Gei­steskraft besonders an den s. g. exacten Wissenschaften enthalte. (Program des Realgymnasiums von 1847. S. 5.) In dem Realgymnasium sollen daher gemäß dem Program von 1846 (S. 28.) künftige Kaufleute, Fabrikanten, Techniker, Mechaniker und überhaupt hö­here Gewerbtreibende, sowie künftige Pharmaceuten, Berg- und Hüttenbeamte, Baukünstler und Ingenieurs, Oekonomen, Forstmänner, höhere Militärs die erfor- berufe Vorbildung erhalten; das Program von 1847 aber fügt auch noch die Camcralistcn und Aerzte hin­zu , weil die mit der Vorbereitungsweise des Realgym­nasiums verbundenen Vortheile für diese Fachstudien so bedeutend seien. (S. 31.)

Die letzteren Wörte allein schon würden den wahren Zweck des Realgymnasiums und seinen eigentlichen Un­terschied von den Gelehrten Gymnasien hinlänglich klar machen, selbst wenn die Rücksicht darauf, welchen Stoff die Realgymnasien aufgeben und welchen anderen sie dafür wählen, nicht hinzukäme. Denn während dieGc« lehrtengymnasien nur eine allgemeine Vorbildung für künftige Universitätsstudien ohne weitere Rücksicht auf das, was etwa noch für einzelne Facher nützlich sein könnte, bezwecken, so faßt das Realgymnasium im Ge­gentheil gleich von vorn herein künftige besondere Fach^ studien in's Ange, es bemißt seinen Stoff hauptsächlich nach dem Nutzen für solche Fachstudien, und sucht auch seine Schüler ausdrücklich durch die Hinweisung auf die ihnen hierdurch gewährten Vortheile anzuziehen.

Hieraus ergibt sich also unzweifelhaft schon so viel, daß die Gelehrtengymnasien die unbedingt höhere und würdigere Richtung verfolgen; dagegen erscheint cs ge­wiß mehr als zweifelhaft, ob man dem Stoffe des Real­gymnasiums den Namen der Studien ächter Hu­manität (studia humanitatis ad humanilatem per- tinentia. Cie.) mit demselben Rechte beilegen, und da­von dieselbe Erziehung zur Humanität erwarten dürfe, wie dieses bezüglich des Stoffes der Gelehrtengymnasien der Fall ist.

Realgymnasien, im Sinne des unsrigen, sind über­haupt noch eine sehr neue und vereinzelte Einrichtung in Deutschland. Es war also schon ein gewagtes Ex­periment, eine solche Anstalt bei uns zu errichten, ohne, daß anderweitige Erfahrungen über Zweckmäßigkeit, Singen und Bedürfniß zu Gebote standen. Namentlich über scheint man ganz übersehen zu haben, wie wenig der auf einen 7jährigen wissenschaftlichen Unterricht be­rechnete und dem Vernehmen nach sogar auf 8 Jahre ausgedehnte Lehrplan im Einklang ist mit den Verhält­nissen und Anforderungen der großen Mehrzahl unserer Oeconomcn und höheren Gewerbtreibenden, welche näm­lich nur sehr selten in der Lage sind, sich eine so kost­spielige und zeitraubende Vorbildung zu verschaffen. Die allermeisten wollen und müssen viel früher in ihren Be. ruf selbst übergeben. daher auch weit unmittelbarer und schneller dazu vorbereitet werden, als eS nach dem zu­sammenhängenden wissenschaftlichen Plane des Realgym­nasiums möglich ist: daher geht ihr Bedürfniß und ihr Wunsch auch nicht auf ein solches, sondern auf eine höhere Gewerbeschule, welche zwar den gelehr­ten Dünkel nicht wecken und keine stets unzufriedenen Halbwisser erziehen wird, wie dieses etwa bei einem nicht über die unteren Klassen hinausgehenden Besuch des Realgymnasiums zu besorgen wäre, welche beigegen aber eine auf das Nothwendige beschränkte in sich mög­lichst (natürlich nicht absolut) abgeschlossene und vollen­dete praktische ^Vorbildung nenne man sie immerhin (vornehm) ein' Zu stutzen und Abrichten (R. G. Prog. von 1847 S. 3) zu geben vermag, wie sie eben den Verhältnissen angemessen und für das Leben wirk­lich brauchbar ist.

Mit diesen Ansichten haben sich auch heute so wie im allgemeinen Ausschuß mehrere Redner einverstanden erklärt, nur, daß sie den Namen des Realgymnasiums beibchalten, in der That aber statt der gelehrten eine mehr prakrische Richtung eingeführt wissen wollten. In­dessen hat, fürchte ich, gerade der Namen eines Real­gymnasiums zu der Meinung, es müsse auch hier nur eine streng wissenschaftliche Richtung verfolgt werden, hauptsächlich verführt, so daß es nicht rathsam zu sein scheint, eine so schädlich gewordene Benennung ferner bcizubehalteii-

Wo es aber die Umstände (Vermögen, Zeit, Fähig­keiten) zulassen, ein Gymnasium nicht blos theilweise zu besuchen, sondern zu absolviren, da ist dieses auch in anderen, als den gelehrten BerufSarten, gewiß sehr wünschenswerth, sowohl für,das Individuum, als für die Gesellschaft. Jedoch dürfte die Zahl solcher Schü­ler, die sich für ein höheres Gewerbe auf einem Gvm« nasium vor bereiten können, und der höheren Techniker, welche dieses müssen, in unserem kleinen Laude schwer-- lich groß genug sein, um ein eigenes Realgymnasium zu erfordern und die beträchtlichen Kosten dafür zu recht­fertigen: zumal da es kaum in Frage stehen dürfte, daß selbst jene höheren Techniker und Gewerbetreibenden, wenn der unmittelbare Stutzen für das künftige Fach nicht allein etwa entscheiden soll, auf Gelehrtcugymna' sicn eine eben so gute, ja in Bezug auf ächte Humani­tät weit vorzüglichere Vorbildung erhalten würden, als auf dem Realgymnasium. Aust das entschiedenste mus ich mich jedoch dagegen aussprechen, daß letzteres für die Aerzte eine nur irgend wie geeignete Korberei: tungSanstalt abgebe, ober gar als solche mit den Ge^ lehrtengymnasien in die Schranken treten könne, Wenz dies"s auch in neuerer Zeit von Aerzten selbst mitunte' behauptet worden ist? und die hiiisichtlich der Aerzt, gegen den Besuch des Realgymilasiiimö sprechendes Gründe möchten auch auf andere höhere technische F:p cher der Hauchtsache nach anwendbar sein. (Forts. f.) '

Frankfurt, 29. Juni. Dieser Tage wird Her, Senator Fellner als Bevollmächtigter Frankfurt- zur Theilnahine an den am 4. Juli in Berlin begin «enden ZollvercinSconfcrcuzen nach der picußischeii Haupt, stadt Abreisen. Seit einiger Zeit werden von hie, aus bedeutende Parthieen Frucht nach dem Oberrhei^ und der Schweiz verladen. j

Wir lesen sagt die Kass. Ztg. in einigen Blättern von preußischen Vorschlägen zur Verbesserung der Ge­schäftsordnung, von einer in Frankfurt am Main ven theilten Denkschrift, welche in den dortigenpolitischer Kreisen maunichfachen Anklang" finden soll. Nach der- was uns zu Ohren gekommen, läge darin eher eil