Nassauische Allgemeine Zeitung
2Vr /79. Dienstag den 28. Juni 1833»
Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.
Dir,,Raffauischr Allgcmeinr Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" rrschetnt, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumkrationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Unifang des Ldurii» und TariS'sche« Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deâ PostauffchlagS 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. — Inserate werden die »ierspaltist Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. — Bestellungen beliebe ma» in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auâwärl« bei den nLWgrlLgcnrn Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
D i e n st n a ch r i ch 1 e n.
MitVersehung der zu Ems neu errichteten Lehrge- Hülfenschule ist der Schulcandidat Kolb von Kettenbach beauftragt worden.
Nichtamtlicher Theil.
Jur orientalischen Frage.
* Eine Berliner Korrespondenz der A. A. Z. verbreitet sich über die Haltung Preußens in der orientalischen Frage. Die vertrauliche und freundliche Haltung des Herrn v. Wildenbruch in Constanti- nopel entspringe nur aus den politischen Antecendentien und den früheren innigen Beziehungen, und berühre den kritischen Punkt nicht. Das preußische Eabiuet habe bisher keine Ursache ersehen, eine Aenderung in diesen freundlichen Beziehungen eintreten zu lassen, während es aus der andern Seite, wie auf das allerbestiininteste angenommen werden kann, die Rechtmäßigkeit der russischen Forderungen im Princip anerkennt. Das preußische Ministerium hatte sich, heißt es weiter, in dieser Sache von vornherein zu der maßvollen Entschließung gewandt, jede prononcirtc Stellung zu dem russisch-türkischen Conflict den Eventualitäten vorzubehalten und denselben jedenfalls in keinem Sinne vorzugreifen, der da- fundamental festzuhaltende Verhältniß Preußens zu Rußland und Oesterreich zweifelhaft erscheinen lassen könnte. Wenn Vie Ueberzeugung beim diesseitigen Ka- binct durchdrang, daß ein specifischer Standpunkt- Preußens in der orientalischen Frage von vornherein nicht existire, sondern erst mit den daran hängenden europäischen EvenlualllDen beginne, jo wurde damit allerdings zunächst die Anforderung zurückgewiesen: durch eine unmittelbare Kundgebung für Rußland die europäische Position Preußens sogleich auf das schärfste und unzweifelhafteste zu zeichnen. Eine andere Aufforderung, welche ebenfalls von der Kreuzzeitungspartei lebhaft unterstützt wird, ging dahin, wenigstens hinreichende Vorbereitungen zu treffen, um beim Eintritt gewisser thatsächlicher Wendungen, denen dann auch Preußen nicht mehr passiv gegenüberstehen dürfte, sofort eine wirksanre Stellung entwickeln zu können. Dieser Rath hat allerdings die Ansicht für sich, daß Preußen, wenn es in diesen Eventualitäten seine Stellung vergreist oder verpaßt, dadurch für immer seiner europäischen Machtposition vergeben könne. Man scheint aber hier in der orientalischen Frage ebenso weit entfernt von diplomatischen Uebereilungen, als von militärischen und sonstigen Vorbereitungen für eine Kriegseventualität bleiben zu wollen. Dies Vertrauen soll auch bei dem neuesten Stande der Dinge nicht wankend geworden sein, obwohl man sich auch hier in den Regierungskrei- scu nicht zu verhehlen scheint, daß das letzte auf achttägige Frist gestellte Ultimatum RußlaudS, welches am 9. d. M. in Eonstantinopel angekommen, den Kriegsfall oder wenigstens das Einrücken russischer Truppen in Jassy dringender und näher als je in Aussicht gestellt hat. Die sogenannte Neutralität Preußens in der orientalischen Frage war aber keineswegs eine charakter- lose, sondern suchte vielmehr dem Gesetz seiner alten und unwandelbaren Allianzverhältnisse Rechnung zu tragen. Die in England ventilirte Idee einer Ouadrnpcl- Coalition gegen Rußland hätte vielleicht schwächere und kurzsichtigere Staatsmänner, als gegenwärtig in Oesterreich, Preußen und England selbst am Ruder befindlich, zu einem politischen Kraststück und damit zu einer unberechenbaren Umkehr aller conservativen Staatsordnungen Europa's hinreißen können. Die nächste Folge davon würde ein europäischer Krieg gewesen sein, in welchem das türkische Heer zu einem neuen Sammel- und Organisationspunkt aller revolutionären Flüchtlinge Europas geworden wäre, und der sich bald auf die innersten Lebenselemente der Staaten zurückgeworfen hätte. Diese Quadrupel- Allianz gegen Rußland, der bisher freilich noch jeder thatsächliche Anhalt fehlte, ist eine europäische Principienfrage, in der Preußen keinen Augenblick mit seiner Entschließung gewankt haben kann. Die diesseitige Stellung ist überhaupt keine schwankende mehr, seitdem durch die neu gewonnene grundthümliche Uebereinstimmung Oesterreichs und Preußens ein stark
befestigtes Geleise dastcht, in welchem die beiden deutschen Großmächte auch ihre europäische Position sicher und unabweiSlich entwickeln können, und in dem Preußen ebenso wenig einer diplomatischen Jsolirung als principiellen Zugeständnissen an die Revolution zu verfallen vermag. Dies Verhältniß muß aber seiner innersten Natur nach jeder systematischen Koalition gegen Rußland widerstreben, wie immer auch die Würfel der Thatsachen fallen mögen. Wenn der erste Factor der europäischen Friedensbürgschaften in der nach allen Seiten entscheidungsinächtigen österreichisch - preußischen Allianz liegt, so ist der zweite Factor die als vollendet zu betrachtende Ausgleichung Englands mit Rußland und Oesterreich, welche in allen zwischen diesen Cabine- ten bestandenen Differenzen stattgefunden hat. Diese positiven Elemente der europäischen Diplomatie sind mächtiger geworden, als aus der anderen Seite das Lnftproblem der englisch-feanzösische» Allianz, in welcher, ungeachtet alles Anscheins des Zusammen handelns der beiden Westmächte, doch nur rejervirte Stellungen künstlich gegeneinander spielen.
Jetzt, da die kürzlich vom „Journal de St. Petersburg" veröffentlichten Actenstücke bekannt geworden sind, glaubt der Lloyd dje Ueberzeugung aussprecheu zu können, daß nicht allein die Kabinette von Paris und London sondern auch die Botschafter von Frankreich und England die Mission des Fürsten Menczikoff ganz anders aufgefaßt haben, als das Journal de St. Petersburg, und daß Lord Redeliffe und Herr de la Cour, wenn sie der hohen Pforte gerathen haben, es lieber auf einen Krieg mit Rußland ankommen zu lassen, als jene diplomatische Note zu unterzeichnen, deren Entwurf im „Journal de St. Petersburg" enthalten war, sie dann den Sinn jener 9iote in einer ganz andern Weise inter- pretirt Haden müssen, wie dieses durch dle Circular- depesche des Grafen Nesselrode geschieht. Der Lloyd weiset darauf hin, wie unvollkommen die vertraute» Organe der französischen und der englischen Regierung von den diplomatsscheu Verhandlungen in Constautinopel benachrichtigt waren. Jene Zeitungen hätten besser benachrichtigt sein müssen, falls es ihre Regierungen ge wesen wären. Die irrige Auffassung der diplomatischen Verhandlungen könne nicht allein auf die Journalisten beschränkt gewesen sein. Der Lloyd erwartet daher daß der Inhalt der Actenstücke des Journal de St. Petersburg auf die Gestaltung der öffentlichen Meinung in England und Frankreich einen außerordentlichen Einfluß nehmen werde. Der Schluß des Artikels wird durch die Ansicht bemerkens- werth, welche da8 genannte Blatt in Beziehung auf die Berechtigung Rußlands zur Besetzung der Donau- fürstenthüiner durchschimmern läßt. Derselbe lautet: Die Circulardepesche des Grafen Nesselrobe nebst der sie begleitenden Note würde für uns die vollste Beruhigung mit sich führen, vorausgesetzt, daß sie so früh zur Kenntniß der Cabmette von London und Paris wäre gebracht worden, um dort als Grundlage neuer Instructionen für die Botschafter jener Mächte in Con- stantinopel dienen zu können. In diesem Falle hätte sie gewiß das Einrücken des russischen Heeres in den Donaufürstenthümern verhindern können. Wie cè jetzt ist, dient sie vielleicht nur dazu, um eine solche Maßnahme zu erläutern und zu beschönigen. Jedenfalls aber bahnt sie den Weg zu erneuerten Unterhandlungen, welche nicht verfehlen können, den Frieden Europa's sicher zu stellen. - - —-
* Wie der „Jndcpendance Belge" aus Constanti- nopel vom 13. d. gemeldet wird, stimmen alle Ansichten darin überein, daß die Antwort der hohen Pforte auf das russische Ultimatum eine ablehnende sei» wird. Das letzte Schreiben des Grafen Nesselrode, welches Hr. Bella- bine aus Odessa überbrachte, hat eine Aenderung in dem Entschluß der hohen Pforte nicht bewirkt, die auf die Zusicherungen der Garanten der Verträge von 1841 fast zu bauen scheint, während diese sich nur auf die Erhaltung der Integrität des osmanischen Reiches beziehen und keinen genügenden Schutz gegen die Nach- theile des jetzigen Zustandes unnatürlicher Anspannung aller Kräfte gewährt, und es den Anschein hat, daß Rußland etwas thun wird un diesem Zustand ein Ende zu machen oder desselben unabsehbare Dauer abzukürzen. Die russische Regierung ist auf eine abschlägige Antwort gefaßt und die russische Canzlei in Eonstantinopel, welcher der Befehl zugegangen ist, sich auf das erste Zeichen zur Abreise bereit zu halten, ist seit einigen
Tagen mit Verpackung der Archive und sonstigen Papiere beschäftigt. Nach Angabe desselben Blattes haben die am 1t. und 12. angekommenen Dampfschiffe Caradoc und Chapital nebst der Antwort auf die Depeschen, in welche» der englische und französische Gesandte den Abbruch der Unterhandlungen und die Abreise des Fürsten Menczikoff gemeldet hatten, noch die Nachricht gebracht, daß die englische und französische Flotte den Befehl, sich den Dardanellen zu nähern, erhalten haben. Am Sonnabend nach Ankmsst des Caradoc begab sich Lord Redeliffe in den großherrlichen Palast, um dem Sultan die eben empfangenen Instructionen mitzutheilen, mußte sich aber, da der Sultan nicht zu Hause war, mit einer Konferenz mit Reschid Pascha begnügen. Lord Redcliffe läßt es sich sehr angelegen sein,- sein Zögern und das seiner Regierung Vergessen zu machen, nnb man bemerkt mit einiger Verwunderung, wie er sich zss allen Ministern, selbst zu denjenigen, die er so unbedachtsamer Weise als Lügner, Volks-Aussauger u. s. w. bezeichnet hatte, in gute Beziehungen zu setzen sucht. Auch bat er den Häuptern der christlichen Gemeinschaften einen Besuch abgestattet und zum ersten Male hat man einen englischen Gesandten in officiellem Besuche sich zu den Patn> archen begeben sehen. Es hat dieß einen großen Eindruck hervorgebracht, namentlich bei den Leuten, welche Alles dem englischen Einflüsse zuschreiben und sich ein« bilden, England strebe auf jedem nur möglichen Wege für sich nach dem Protectorate, welches man Rußland verweigert ____________
Deutschland.
t * Wiesbaden, 27. Juni. (Sitzung der Vere» nisten Kammern vom 16. Juni. Fortsetzung.) Hiw sichtlich der Besoldungen der Lehrer an den höherer Schulanstalten im Allgemeinen bemerkt der BuSfchnßbe richt, daß dieselben nur bei einem ordentlichen Lehre das Maximum erreichen und bei allen Kategorien nod mehr oder minder unter dem gesetzlichen Medium stehen weßhalb wohl die am meisten Verkürzten gerechten An spruch auf Gehaltserhöhung haben möchten,- eine zi große Belastung der Staatscasse aber durch Ersparniff an Schulapparaten u. s. w. und allmähliche Reductio, der Lehrerzahl selbst sich vermeiden lasse. Außerdcu wurde der Herzoglichen Regierung zur Erwägung an heim gegeben, ob es nicht für den Staatsdienst über Haupt und für die Schulen insbesondere überwiegend Nachtheile herbciführe^ wenn die Beförderung fast einzi nach dem Dienstalter erfolge und bezüglich der Gehalt iu einem Fach auf andere Fächer eine solche Rücksich genommen werde, daß hiernach selbst eine höhere Stell nur eine möglichst geringe Dotation erhalte. — Reg. Kommissär Faber will nur darauf Hinweisen, daß Bc merkungen der Stände über Besoldungen nur dann z machen seien, wenn diese über, aber nicht wenn sie un ter dem gesetzlichen Medium ständen. — Reg.-Con S ch m i d t bemerkt: Es bestehe keine Zurücksetzung de Lehrer im Vergleich zu den andern Dienstcategoriecr Bevorzugung eines Einzelne» werde nur Andere miß vergnügt machen u. s. w. — Abg. Müller: ma solle nicht fortwährend auf höhere Besoldungen hinwit teil, sondern weniger Lehrer austellen, sonst werde c für die Landessteuercasse zu theuer und belästigend. - Abg. Reichmann: Die Stäudcversammlung hab nur Anforderungen zu bewilligen. Eine Kritik über di Einrichtung des Schulwesens liege nicht in chrem Kreisi Lieber wolle er eine ganze Anstalt streichen, wenn sic die allgemeine Stimme des Publicums gegen eine solch ausspreche. — Abg. Rau: Mau dürfe au einer An statt die Lehrerzahl nicht vermindern, wohl aber sollköi die Anstalten reducirt werden, um Kosten zu erspare. Die Stände seien übrigens nicht blos zum Geld bewilligen, sondern auch zum Urtheile über die ganz Staatsverwaltung, insbesondere über die Einrichtuin deS Schulwesens berechtigt. Sollten aber nur Fach männer urtheilen dürfen, dann wären landstândisch Verhandlungen unstatthaft, jeder dürfe sich nur um sei, StandeSinteresie kümmern, dann müsse man freilich de, Juristen in der Kammer alles überlassen, was in dt Jurisprudenz einschlage und die Mediciner würde, allein über Medicinalorganisation, insbesondere dir Me dicinaltaxe, zu bestimmen haben. Adg. Reichmann leg Gewicht auf das Urtheil des PublicumS, warum dein nicht auf die Stimme der Abgeordneten, die das Publi cum gewählt habe. Jeder Gebildete habe über di