am 18. d. Mts. mit dem dortigen Staatsminister, Hr. von Watzdorf, die Ratificationen des Ueberein- kommenS, bezüglich auf die Sicherung des literarischen Eigenthums und gegen den Nackdruck, ausgcwechselt.
Was man heute hier hört, weist Alles aus die Fort- dauer deS Friedens hin. „Constitutionnel" und „Payö", die beiden officiösen Blätter, bringen sehr beruhigende Artikel über die Circuiariwte des Grafen Nesselrode; nur das halbofficielle Bulletin führt eine ziemlich ener- giscke Sprache. Frankreich verlangt von Rußland eine schnelle Antwort auf die Frage, Krieg oder Frieden. Dieses wird — sckließt das Bulletin — und muß das Ultimatum des Napolcoiiistischen Frankreichs sein. — Wie man hier aus guter Quelle erfährt, ist dem Fürsten Menczikoff, welcher seither autorisirt war, alle Noten und Depeschen der türkischen Regierung an das tot Petersburger Cabinet bei ihrem Durchgang durch Odessa zu öffnen und dann nach Umständen zu handeln, ohne weitere Instructionen abzuwarten, — diese Vollmacht wieder entzogen worden und der Kaiser wird nun selbst von St. Petersburg aus die Entscheidung treffen. Ob Rußland durch diese neueste Verfügung absichtlich Zeit gewinnen oder verlieren will, ist freilich schwer zu entscheiden. Es mag für Eines wie für das Andere seine guten Gründe haben.
Laroche -Iaquelcin, den es vielleicht genirt, der einzige abgefallene Vendeer zu sein, hat der napoleonischen Regierung einen andern geschichtlichen Namen zugeführt, nämlich einen jungen Caboudal, der einen Staatsdienst angenommen hat. Man erwartet die nahe Herausgabe der angeblich die Familie Orleans compromiltirenden Briefe, wovon schon früher die Rede war. Die Sanun- lung soll über 500 Stücke enthalten, und den Titel „Prétenom“ führen. — Aus England erhalten wir die Nachricht, daß die dortige Europa-Propaganade um eine bisher nicht mehr vertretene Nationalität vermehrt worden sei. Herr Iskander Herzen werde in russischer Sprache und mit russischen Lettern eine „BefreiungSli- teratur" gründen. Es wird wiederholt versichert, der Kaiser habe bei einem Gastmahl einigen kriegslustigen Generalen zu verstehen gegeben, er werde nicht für die Revolution arbeiten. Wie cs scheint, hat das Verschwinden Kossuths und Mazzinis aus England und deren muthmaßliche Fahrt nach Osten Besorgnisse erweckt. Man spricht von einem Brief, den Kossuth au den Sultan gerichtet, worin er au die frühere Verbindung der ungarischen Opposition mit der Türkei erinnere und cs für einen Act der Dankbarkeit erkläre, seine Person und die Hülfe seiner Freunde der bedrohten Pforte zur Verfügung zu stellen. In den Tuilerien sollen dieses und ähnliche Gerüchte Veranlassung zu einer Nachforschung bei -der britischen Polizei gegeben haben, ob die Trennung Ledrü-Roliins und der französischen Flüchtlinge von den übrigen Nationalitäten keine Erfindung oder Kriegslist sei. Es heißt nämlich schon seit längerer Zeit, daß die germanisch-slavisch-italienische Propaganda die französische Fraction einer möglichen Allianz mit dem Bonapartismus zum Opfer bringen wolle.
An heutiger Börse stiegen die 472p6L um 25 Cent., bis 101. 65, und die 3pCt. um 45 Cent., bis 77. 20. Die Bankaktien stiegen von 2670 auf 2680. Eisenbahnacticn gingen ebenfalls in die Höhe.
Schweiz.
Freiburg. Nach den neuesten Nachrichten ist zwar in Freiburg Alles ruhig, aber die Mannschaft überall aus Piket gestellt. Nach dem „Oberländer Anzeiger" herrscht in den Uhren des Canto ns großer Wirrwarr, welcher darauf berechnet sei, bei der Ratio- nalrathswahl vom nächsten Sonntag in den Reihen der Conservativen eine Verwirrung hervorzurufen.
Herr Charles fordert in einem Schreiben an die Wähler der Bezirke Greyerz und Vcocyse dieselben zu zahlreichem Erscheinen auf, cs sei jetzt. nach den Vorgängen vom 1. Mai zugleich Pflicht und Ehrensache, übrigens sei keine Wiederholung jener Vorgänge zu besorgen. Sie sollen sich gemeinbeweise unter Führern ordnen, sich genau zählen und auch auf die Gegner sorgfältig achten, daß nicht Unberechtigte mitstimmen. Viele Zeugen aus anderen Cantoucn würden übrigens gegenwärtig sein. Auf Seiten der Radikalen hatte Herr Remy zu einer Vorversammlung auf letzten Sonntag tingelade», um über die Mittel zu berathen, welche geeignet wären, den Sieg zu erringen; das Schreibe» war gerichtet an die Syndics und die véritables ciloyens jeder Gemeinde.
Der Vergiftungsverslich an den Berner Bären lief glücklich ab. Die Natur half den stolzen Wappenthie- ren. Der Bärenattentätcr ist ein mit Kräutertabak u. s. w. hausirender Glariicr. Ein scharfes Juquirircn desselben soll nichts aus ihm herauSgebracht haben, als daß er unabsichtlich sein Schächtelchen Kräuterschnnpf habe in den Graben fallen lassen. Er wurde auf 4 Jahre auS dem Kanton verwiesen.
Belgien
Brüssel, 23. Juni. General Changarnier hat heute Morgen unsere Stadt verlassen, um einige Wochen in Baden - Baden zuzubringen, von wo er sich sodann nach Italien begeben wird.
Niederlande.
Haag, 23. Juni. Auf dir heute durch eine De
putation der ersten Kammer überbrachte Antwort-Adresse hat der König Folgendes erwidert: „Ich bitte Sie, meine Herren,' für ihre Adresse meinen Dank zu sagen. Ich halte mich gern davon überzeugt, daß die Kammer die Bemühungen der Regierung für die Wohlfahrt des Vaterlandes fortwährend unterstützen und befördern wird." Aus dem Tone tiefer Antwort will man folgern, daß die Tendenz der Adresse der ersten Kammer höheren Orteö nicht ganz beifällig bemerkt worden ist. In ter zweiten Kammer fängt morgen die öffentliche Adreß- Debatte an. — Es heißt, daß Hr. Lightevell der Minister für den katholischen Cnltuö, diese Nacht mit einer außerordentlichen Sendung nach Rom abreisen werde.
Dänemark.
Copenhagen, 22. Juni. Die zweite Berathung der Erbfolgcbotschast schloß gestern mit der Annahme des mit dem Regierungsvorschlage übereinstimmenden Mölte'schen Antrages. Derselbe wurde beim Namensaufruf mit 113 Ja gegen 7 Nein (Dreier vom Landsthing, Aagaard, N. Andersen, Etler, Chr. Larsen, Lindberg und Wilkens vom Volksthing) angenommen. Zehn Mitglieder enthielten sich der Abstimmung und vierzehn fehlten. Die dritte Berathung ist aus den nächsten Freitag, den 24. t. M., anberaumt.
Großbritannien.
London, 23. Juni. Das Unterhaus hat gestern das angeregte K l o st e r g e s e tz , durch welches unter tem Vorwande, die persönliche Freiheit zu schützen, die Klöster unter Staatsaufsicht gestellt werden sollten, — mit 207 gegen 178 Stimmen verworfen. — Wie man vernimmt ist das Geschwader drs Admirals Corry bereit, bei der ersten telegraphischen Benachrichtigung unter Segel zu gehen. Es ist für vier Monate mit Proviant versehen.
Der „N. Pr. Z." wird folgendes über die Thätigkeit der magyarischen Emigration berichtet: Bei Kossuth waren am letzten Sonntage ungefähr 70 magyarische Flüchtlinge versammelt, unter welchen sich auch ein gewisser Kosztolany befand, der erst kürzlich aus Constan- tinopel hier eingetroffen ist. In der einstündigen Rede, die Kofsnth hielt, erwähnte er, daß Omer Pascha dem Memorandum des „Ungarischen Gesandten" (Klapka) seinen vollen Beifall gegeben habe, und daß der türkische Oberbefehlshaber 'den Augenblick sehnlichst herbeiwünsche, in dem es ihnen vergönnt sein werde, im Verein mit der „ungarischen Nation" Rußland und Oesterreich für seine „Schandthaten" zu züchtigen! — „Auch Reschid Pascha nun wieder Minister," — fuhr Kossuth fort — „ist ganz zu unseren Gunsten gestimmt, denn dieser Staatsmann und alle aufgeklärten Türken wissen, waS sie von Rußland und Oesterreich zu erwarten haben! Unsere Agenten in Constantlnopet sind in fortwährender Thätigkeit und Alles athmet dort Haß und Rache gegen die Austro-Russen." Als Beweis, wie „allgemein" dieses Gefühl sei, führte Kossuth an, daß ein Opernsänger vor einiger Zeit schmachvoll auSge» zischt wurde, weil man ihn in ganz Stambul als einen „Schwarzgelben" kannte. — Die directe Verbindung, mit Ungarn sei trotz der österreichischen Polizei nickt gestört und die ungarischen Agenten in Constantinopel mit den Patrioten in regem Depeschenverkehr. „Wie jedoch die Dinge im Orient jetzt stehen" — meinte der Agitator weiter — „müsse Alles auf das Beste gefaßt sein, indem, wenn Rußland wirklich so übermüthig oder verblendet sein sollte, Krieg anzufangen, dieser mit der Niederlage des letzteren enteil müßte. Ist Rußland geschlagen, so fällt Oesterreich hinterdrein, denn daS erstere ist seine einzige Stütze, ohne die cs wie ein Kartenhaus zusammenfajlen muß." —Der übrige Theil der Rede enthielt bekannte Redensarten, mit deren Wiederholung ich Sie verschonen will. Nach Kossuth nahmen Kosztolany, Szirmay, Balogh u. A. das Wort, ohne jedoch etwas Neues zu sagen. Kossuth schloß dann die ganze Verhandlung mit den pomphaften Worten: „er werde, sobald die Russen über den Pruth gegangen, einen Dampfer besteigen und an die Grenze» Ungarns eilen! Die Zeit der Vatcrlandsbcfreiung fei dann gekommen!" Gegen 2 Uhr Nachts trennte sich die Haupt- versamnstung,' es verblieben indessen noch Kosztolany und einige andere Auserwählte bei Kossuth, mit welchen wahrscheinlich die eigentlichen geheimen Punkte besprochen wurden.
Griechenland.
Athen, 17. Juni. Griechenland ist schon wieder in einen neuen Conflict mit dem türkischen Gesandten, Neffet-Effendi, gerathen, welcher dem Ministerium des Acußern eine Note überreichte, -worin er sich über eine öffentliche Beleidigung von Seiten eines dienstthuenden Reiterosfiziers beschwert und Genugthuung oder seine Pässe verlangt. Der Offizier wurde auf diese Anklage hin sogleich in strengen Casernenarrest gesetzt und eine Commission zur Untersuchung dieser Angelegenheit nie? dcrgesctzt. Das Ergebniß ist bis zur Stunde noch nicht bekannt.
Türkei.
f Scutari, 15. Juni. Der Fürst der Miriditcn erhielt Befehl, möglichst viele irreguläre Truppen zu sammeln und nach Schumla zu führen. — Der rhema- lige Commandant der Festung Zahljak wurde abermals verhaftet rind nach Konstantinopel abgeführt. — Ansehn
liche Truppenmengen werden zu Dulcigno nach Com- stantinopel eingeschifft.
Die über den Brand im Zollgebäude zu Constantinopel über Corfu hier eingetroffenen Nachrichten waren übertrieben.
Aus Magnesia wird vom 14. Juni der „Triest. Z." geschrieben: DaS hiesige Tagesgespräch der Türken ist: „im Laufe unseres Ramazan werden wir alle Chri> stenhunde umbringen." Abends ziehen die Gamins durch die Straßen und klopfen mit großen Knütteln an die Hausthüren ter Christen. Der griechische Bischof > wollte abreisen, allein der Gouverneur und die Gemeinde ließen es nicht zu. Sämmtliche Schenken müssen Abends eine Stunde vor Sonnenuntergang geschlof- - fen werden. Die Redifs (Landwehr) haben sich gewei- rl gert, der Einberufungsordre zu folgen, um die große '' Christenmetzelci in ihren resp. .Wohnorten nicht zu ver- , säumen, und hier ist man der Ansicht, daß bei einem = ausbrechenden Kriege die Türkei ihr Ende durch eine n sieilianifche Vesper besiegeln wird. Erst wollen wir Al- | les lödten was wir können, sagen die Türken, und a dann gehen wir nach unserem gesegneten Arabien, um e nicht den Giaurs als SclaveU in die Hände zu fallen. » — Die sonst üblichen nächtlichen Spaziergänge nach -i teil Buden des Ramazan sind den Christen vom Gou- b vcrncnr untersagt worden, um Streitigkeiten vorznbeu- >1 gen. — Von hier sind bereits mehrere der reichsten griechischen Familien nach Smyrna ausgewandcrt.
* Briefe ans Syrien berichten, daß die ottoma- 5 nische Regierung nunmehr die erforderliche Ermächtigung i zum Bau einer kath. Kirche in Antiochia ertheilt hat. t
* Rach ten neuesten Nachrichten aus Al exan d rie it hatte der Vicekönig von Aegypten bereits 80,000 Mann | Truppe» unter teil Waffen. i
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Die Puritaner im britischen Parlamente, welche sich von ihrem Schrecken über die Einverleibung Pegus noch kau»! erholt, erbalten Anlaß zu neuen Bcschwer- den, indem die Bombay Gazette die Absicht der Regierung verkündet, sich für ihre Forderungen an den Nizam dafür bezahlt zu machen, daß sie einen Theil seiner Besitzungen mit den ostindischen Präsidentschasten vereinigt. Der Nizam, dessen Finanzen bekanntlich in der größten Unordnung sind, und dem überdies ein englischer Resident ans tem Nacken sitzt, suchte Anfangs allerlei Ausflüchte, »rächte aber zuletzt doch gute Miene zunr bösen Spiel und trat das verlangte Gebiet ab, dessen jährlicher Ertrag von 360,000 Pfd. die Engländer als Ersatz für den ihnen gebürenten Tribut von 400,000 Pfd. anzunehmen großmüthig genug sind. — Die englisch chinesischen Blätter bereichern die Geschichte des Kampfes zwischen der regierenden Dynastie und den Anhängern des Prätendenten durch mehrere Actenstücke, worunter wir eine auf den Mauern Nankings angeschlagene Proclamation der letzteren in Versen und ein Document hervorhebe», das im Namen Lo'S, des Gene- neralS für das östliche Gebiet, und HwangS, General- Cvmmissars und Mitglied des Kriegsrathes, erschienen ist und unterm 2. April am Thore von Su-chau angeschlagen wurde. Darin wird von Seiten der Rebellen die erste bkleidigende Anspielung auf die Fremden gemacht, welche „stinkend" genannt und als des Men- schennamcnS unwürdig bezeichnet werden. Man vermiß thet jedoch , daß hier ein frommer Betrug im Spicke sei, den sich die Mandarinen erlauben, um die Fremden gegen die Insurgenten auszuhctzcn.
Nachrichten aus Hong-Kong vom 22. April stellen die von französischen und englischen Blättern gemeldete Wiedereinnahme Nankings durch die Kaiserlichen enlschiedcn in Abrede. Die Rebellen haben Nanking nicht verlassen und sind ebenfalls nicht in eiiwst späteren Gefechte 30 englische Meilen von jener SW geschlagen worden.
torjk Nachrichten.
Berlin, 25. Juni. Die Königin von Griechen land wird morgen auf der Hamburger Bahn hier ein treffen. In Begleitung derselben befinden sich der Erz Herzog Stephan und Prinz Wasa. Die Königin wirs alsbald ihre Reise nach Triest antreten. — Der Her zog von Genua traf gestern Morgen von Dresden hie ein und hat II. MM., sowie der Frau Erzherzog» Sophie im Schloß Bellevue einen Besuch abgestattel — Der bekannte geh. Ober - Medicinalrath Professo Dr. Schönlein, der'sich aus seiner Thätigkeit zurückge zogen hat, beabsichtigt wirklich gänzlich nach Bamber zu übersiedeln.
Lippe. Das Fürstenthum Lippe-Detmold ist der deutsch-österreichischen Postverein (vom 1. Ju t. J. an) beigetreten.
Triest, 23. Juni. Se. k. k. Hoheit der Erzherzo Johann ist zum Gebrauch der Seebäder Hier angckommei
Turin, 21. Juni. Die Parlamentssitzung ist g schlossen worden.
* Aus Rio Grande schreibt man, daß Caravaj und Genossen aus dem Gefängniß entlassen ivurti und gegen teil americanischen Marshal eine Klage w gen willkürlicher Verhaftung anhängig gemacht habe
Verantwortlicher Revactcur: Dr. A. Aocjtk