Nassauische Allgemeine Zeitung
^ 14?
Samstag heu 25. Juni
S8S3
I
Bestellungen- auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal der Nassauischen Allgeineinen Zeitung werden baldigst erbeten.
Die „Nassauische gtlgemtiaf Zeitung" mit vem beUetriflifdien Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntage auegtunuunen, lâgit.l! mit betragt tri Pcänumeraiie-nSpreiS tut Wiesbaden und , nach deut neuen PofiregulOttv nunmehr auch für den ganze» Umfang deS Ldurne und TaiiS'fchen BerwaltungSbezirkS mit In bi griff deS PoffanffchlagS 2 iL, ine die übrigen bänder des HiitfctvöftermdHfdwt PoffvereinS, wie füi daS Ausland 2 ft. 24 tr. — Inserate werden die »terspalt»« Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, banggaffe 42, auâwäna bei den »ächstgeleget,ei> Postämtern, zu mache».
ct
>1
s
3ur orientalischen Frage.
habe und die rebellischen Gelüste von Tunis bei jeder Gelegenheit unter seinen Schutz nehme. Man legt Kisseleff noch viele andere Bemerkungen in den Mund. Louis Napoleon soll übrigens die Unterhaltung mit einer halben Drohung abgebrochen haben. — Von Paris ist ein Courier nach St. Petersburg abgcgangen, welcher dem Kaiser Nikolaus von Seiten der französischen Regierung den Vorschlag überbringt, daß zur Ordnung der orientalischen Frage, namentlich der religiösen Seite derselben, ein europäischer Kongreß abgehalten werden solle. Die Bestimmung der Stadt, wo dieser Kongreß stattfinden soll, ist dem Czareu anheimgegeben.
Der „A. A. Z." wird ans Wien vom 20. Jun geschrieben. Während das Journal le Paps, welches in seinen politischen Ansichten einer hochstehenden Ein- gebung folgen soll, in der orientalischen Frage wieder einen friedlicheren Ton anstimmt und die Besetzung der Donaufürstenthümer durch die Russen „als eine in eigenthümlicher Form (forme parliculière et insolite) ab- gefaßte diplomatische Note an den Divan bezeichnet," ist eS nicht wenig auffallend die Sprache der Repräsentanten Frankreichs zu hören, die — wie ich zuverläßlich erfahre — sich gar nicht scheuen, die Ansicht bervortre» teu zu lassen und geltend zu machen: daß Frankreich jede Macht, die nicht mit ihm ginge, als gegen sich betrachten würde. Welch geheimnißvolle Taclik einer solchen Drohung znm Grunde lirgen mag, wollen wir ununtersucht lassen.
Dentlchlaud.
^ Wiesbaden, 25. Juni. Ein Frankfurter Blatt schreibt in einem Bericht über Tagesneuigkeiten u. A.: „Die Frequenz der umliegenden Tauuusbäbcr m i t Ausnahme Homburgs ist hinter den gehegten Erwartungen zurückgeblieben." Wir wissen nicht, ob Homburg aus gänzliche JsvUrung von der Außenwelt gefaßt war, oder ob die übrigen Taunusbäder förmliche Völkerwanderungen erwartet haben; eS fehlt uns daher jeder Maßstab zur Beurtheilung der eigentlichen Tragweite dieser mysteriösen Andeutung. Erwähnen müssen wir jedoch, daß im vorigen Jahre zur selben Zeit auf allen Dampfschiffen und Eisenbahnen ein ganz anderes Lied gesungen wurde. Damals versicherte man, daß in den Taunusbädern „mit Ausnahme Homburgs" kein Platz mehr zu finden sei. Dieß scheint nicht verfangen zu haben. Man versucht es jetzt, wie cs scheint, mit dem Gegentheil. Man schildert die Taunusbäder „mit Ausnahme Homburgs" als verödet, verlassen, als pcnsylvanische Strafanstalten. Hoffentlich und allem Anschein nach geschieht dies nicht auf „offi- cielle" Anregung. Es ist uns nicht bekannt, ob Wiesbaden ebenso wie Sodcu, von dem daS leidende wie das vergnügungssüchtige Publicum sich ganz abgewendet haben, soll auch unter die um Frankfurt liegenden TaunuS- bä der gerechnet wird. Unsere letzte Kurliste zählt an 7000 Fremde und weist bisher einen tagtäglichen Zuwachs von weit über 100 Kurgästen nach. Bei eiu- tretendem günstigerem Welter dürste dieses Verhältniß sich ebenfalls günstiger gestalten. Nebst dem ungewöhnlichen Aufwand der in diesem Jahr zur Verschönerung der Ankagen und der an sich schon reizenden Umgegend gemacht werden soll, sind dem Vernehmen nach, besondere ausschließlich den Comforr der Fremden und die Erleichterung und Belebung des gesellschaftlichen Verkehrs unter den Badegästen bezweckende Einrichtungen im Kurhaus in Aussicht gestellt. Bewahrheitet sich dieß , so sind wir den Spielpächtern für die Opfer, weiche sie zur Hebung unseres Badeortes bringen, zu besonderem Danke verpflichtet. Da unser Theater unter den Vergnügungen, welche den Fremden hier gcbo ten werden können, eine nicht unbedeutende Rolle spielt, so sei erwähnt, daß mit dem Anfang Juli eine der großartigsten und genialsten Schöpfungen Richard Wagn er's, der „Lohcngriu" hier in Scene gehen wird.
* Wiesbaden, 25. Juni. Von Anfang dernäch» sten Woche an werden wir die weiteren ausführlichen Mittheilungen über die bisherigen Verhandlungen der Ständeversammlung — zunächst über die zur Erörterung gekommenen Schulsragen und das Gemeindegesetz in rascher Aufeinanderfolge bringen.
A Obertiefenbach, 23. Juni. Seit einiger Zeit werden Zustände unserer Gemeinde und hiesige Vorfälle auf eine höchst leidenschaftliche Weise in der „Mittelrheinischen Zeitung" besprochen. Die Absicht der
* Auch die „TimeS" findet, daß die Veröffentlichung der russischen Circularnote wesentlich die Schwierigkeiten der Lage erhöht. Die letzte Veränderung in den Men- czikoff'schen Vorschlägen betrifft nur die Form, nicht die Sache; denn das Ultimatissimum enthält alle Artikel des Sened, und die passive Annahme desselben wäre ein eben so volles Bekenntniß der Ohnmacht, wie der Abschluß eines Vertrages zu gleichem Zweck. Die offi- cielle Bekanntmachung jenes Entwurfes scheint anzudeuten, daß die russische Regierung entschlossen ist, der Türkei keine Wahl als Unterwerfung oder Krieg zu lassen. An einem Punkte des Gesichtskreises jedoch, sagt das erwähnte Blatt, läßt sich noch eine Hoffnung erblicken, daß Unterhandlungen wieder ausgenommen werden mögen. Der Kaiser von Rußland hat das Wiener Cabi- net angegangen, daß eS seine bons Offices in Constau- tinopel dahin geltend mache, die Pforte zur Unterwerfung unter das Ultimatum zu bewegen, und dieser Umstand hat ohne Zweifel zu der ungenauen Angabe Anlaß gegeben, die Vermittlung Oesterreichs sei angenommen worden. Die österreichische Regierung soll erwidert haben, sie könne ihre freundschaftlichen Bemühungen und ihren Beistand nicht bloß zu dem Zwecke leihen, um die Pforte zur Annahme von Bedingungen zu bewegen, die sie (die österreichische Regierung) nicht billige, (?) (die erstere Regierung scheint mehr die Form der Unterhandlungen zu mißbilligen) sei aber bereit, den Jnternun- cins, Herrn v. Bruck, anzuweisen, er möge irgend einen Mittelweg oder ein Kompromiß zwischen den letzten Forderungen des Fürsten Menczikoff und dem letzten Zugeständnisse der Pforte zu ermöglichen suchen. Nimmt der Kaiser von Rußland diesen versöhnlichen Vorschlag i Oesterreichs an, so sei noch die Möglichkeit vorhanden, | daß der Friede aufrecht erhalten bkivL
Nach einer telegraphischen Depesche auS St. Petersburg vom 14. d. M. wird die russische Regierung keinen Entschluß über die Besetzung der Donaufürstenthümer fassen, bevor sie die Antwort der Pforte auf die letzte Mittheilung, welche an dieselbe gerichtet worden, erhalten hat. — Ist diese Nachricht gegründet, so wird daS russische Cabinet seinen Entschluß frühestens am 25. d. fassen können; und sollte derselbe für die Besetzung der Donaufürstenthümer ausfallen, so wird der Uebergang über den Pruth wohl nicht vor dem 9. Juli bewerkstelligt sein.
Wie von zuverlässiger Seite versichert wird, zielte daS Streben der in diesem Punkte vollkommen einverstandenen britischen und französischen Politik jetzt Haupt- sächlich, wo nicht auf die Beseitigung, doch auf eine wesentliche Milderung des dem Vertrag von Unklar Ske- leffi (vom 8. Juli 1832) beigefügten geheime» Artikels, welcher also lautet: „In Folge des Artikel 1 des Offensiv- und DcfensivbündnisseS zwischen dem kaiserlich russischen Hofe und der hohen Pforte, sind beide hohe contrahirende Theile gehalten, sich gegenseitig die wirksamste Hilfe und den kräftigsten materiellen Beistand für die Sicherheit ihrer respectiven Staaten zu gewähren. Statt der Hilse, welche die hohe Pforte erforderlichen Falls, dem Principe gegenseitiger, durch den Vertrag näher bestimmter Unterstützung gemäß, leisten soll, wird dieselbe ihre Thätigkeit zum Vortheil des kaiserlich ruf» fischen Hofes darauf beschränken, die Dardanellenmeer- enge zu schließen, d. h. keinen fremden Kr iegSfahrzeugen erlauben, unter welchem Vorwande eS auch sei, diese Meerenge zu berühren und zu passireu. Der gegenwärtige geheime Separatartikel wird dieselbe Kraft und denselben Werth haben, als wenn er Wort für Wort in dem Allianzvertrage vom heutigen Tage enthalten wäre." Durch diesen Artikel sicherte sich Rußland gewissermaßen eine Obe, Herrlichkeit über den Bospor, indem es ihn für alle Flotten Europas unzugänglich machte. Zugleich konnte die Pforte darin keinerlei Beeinträchtigung für sich erblicken; vielmehr nahm sie den Artikel als einen Beweis des innigsten Wohlwollens und der freundschaftlichsten Gesinnungen von Seiten Rußlands entgegen. - , „ .
Der N. Pr. Z. wird gerüchtweise der Inhalt einer Unterhaltung zwischen dem Kaiser und dem russischen Gesandten mitgetheilt. Graf Kisselcff soll dem Kaiser seine Verwunderung darüber ausgedruckt» haben, daß sich Frankreich die Unabhängigkeit der Türkei so lehr zu Herzen nehme, da es doch selber Algerien erobert |
Denuncianten ist hierbei leicht zu erkennen. Hoffentlich n wird man an betreffender Stelle Pers, neu uub Zustände
nicht nach solchen Zeitungsartikeln, soude.n nach der n Wirklichkeit beurtheilen. Jedenfalls ist es übrigens ein charakteristisches Zeichen, daß bekannte Demokraten Plötz- n lich als Stützen der Regierung sich gebehrdeu und f Leute, die in ihrer Treue gegen die Obrigkeit noch nie $ gewankt haben, als Aufwiegler verdächtigen wollen. n
Mainz, 23. Juni. Wie man vernimmt, steht die $ Eröffnung einer weiteren Strecke unserer Lubwigsbahn, „ nämlich bis nach Alsheim, ganz in der Kürze bevor. L
Frankfurt, 23. Juni. Die Angelegenheiten un- ,, serer neu projectirten Bank sowohl, wie der schon länge- rer Zeit in Aussicht genommenen Frnchthalle scheinen in's Stocken gerathen zu sein. Bezüglich der ersteren ^ cursirt das Gerücht fortwährend, daß eine Vereinig- :l ung mit der Darmstädter Bank nicht zu den Un- s, Möglichkeiten gehöre. — General Jacobi, der Nach- e folger des früheren k. Hanooer'schen BundeStagsgesandten >r von Bothmer, hat den übrigen Bundestagsgesandten be- reits ausgewartet und wird sich an der nächsten Bun- j, destagösitzung betheiligen. — Rach einer neuesten An- q gäbe wäre Freiherr v. Marschall, der frühere badische Minister des Innern, welcher in Activität bleibt, zum ^ obersten Director der großherzoglichen Posten bestimmt n — Der kgl. preuß. Polizeidirector Dnncker verweilt z mehre Tage in Frankfurt. — Wie man hört, sind in ,; der letzten Zeit mehrere hiesige Burschen, die mit dem Gesetz beständig in Streit waren, durch die betreffenden i Behörden, welche die Ucberfahrtskosteu, 122 Gulden
* per Kopf, bezahlten, nach America befördert worden. si
Aus Bade», 23. Juni. Die Bischöfe , welche n in vergangener Woche zur Konferenz in Freiburg gc- °, wesen, sind am Montag wieder abgereist, und zwar die x von Limburg und Fulda unmittelbar in ihre resp. Diö- e ccsen; die von Mainz und Rottenburg aber vorerst l( noch nach Straßburg, um dem dortigen -ochwürdigsten r Herrn -Bischof Dr. Räß einen Besuch abzustatten. Die r Verhandlungen der Konferenz sind mit seltener Ein- z mülhigkeit geführt worden und haben wir demnächst f Seitens der Bischöfe eine ausführliche Deukschrift über 9 den Verlauf der Angelegenheit zu erwarten. — Das u Frankfurter Journal will wissen, daß die entschiedensten , Beschlüsse des Vorgehens via facti gefaßt worden sind. ei Es bezeichnet sogar den Weg, der eingeschlagen wird ;{ und die Zwangsmittel, von denen das EpiScopat Ge- zj brauch zu mnchen gedenkt. li
Constanz, 21. Juni. Heute fuhr auf festlich ge- d schmücktem Dampfboot und mit Musik das hiesige Offi- 0 ciercorps nach Bregenz, um den nenlichen Besuch der g österreichischen Osficiere zu erwiedern. 3'
Stuttgart, 20. Juni. (Schw. M.) Die Jah- z reSversammlnng süddeutscher Buchhändler ward heute u abgehalten. Nach Erledigung anderer GeschäflSfragcn >ti wurde der Antrag: eS solle an sämmtliche Regierungen Di der zum Zollverein gehörenden süddeutschen Staaten die ci motivirte Bitte gestellt werden, bei dem Zollvereine die js nöthigen Schritte zu thun, daß der Vereins-Eingangs- ia zoll für in nicht zum Zollverein gehörige Staaten zum >i CommissionS-Berkauf gesendete und von dort unverkauft t zurückgekommene Bücher, Musicalien, Lithographieen, - Kupfer- und Stahlstiche nachgelassen werde, — einstim- al mig angenommen. d
Se. k.Hoh. Prinz Friedrich von Würtemberg is ist seit einigen Tagen von seinem mehrwöchigen Gebrauch fi der Kaltwasser-Anstalt zu Michelstadt zurück wieder hier Id angelangt, welcher, wie daS Aussehen deS Prinzen an- Hi deutet, demselben vortrefflich bekommen zu sein scheint, tè
München, 22. Juni. Nachdem Ihre Majestät ci die Königin schon am Sonntag den vom letzten Hoch- 's! wassen Beschädigten mehrfache Unterstützungen gewährt ns hatte, hat Sc. Majestät der König gestern, gleich nach m dem vorgenommenen Besuch der Stätte der Wasser- ick Verheerungen, dem StaatSministerium des Innern 1000 sch fl. zum gleichen Zweck übersenden lassen. — Das vor ei vierzehn Tagen vom hiesigen Schwurgericht gegen den de Mörder seiner Schwester, den Metzgcrknccht Bachmeier, di erlassene Todesurtheil wurde heute vom obersten Ge- de richtshof aus dem Grunde vernichtet, weil in die an Ri die Geschwornen gestellte Frage „die Absicht zu tödten„ eg uicht mit ausgenommen war; zugleich wurde die noch- en malige Verhandlung gegen Bachmeier vor das impfte, bl Schwurgericht von Oberbayern verwiesen. d
Kassel, 24. Juni. Die zweite Kammer nahm