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Jahren hier anwesend und hatte sich den Namen eines Dr. Schmidt beigelegt. In der jüngâen Zeit war er Theilhaber einer Fabrik von künstlichen Mineralwassern hierselbst. Wahrscheinlich wiegte sich S. in vollkom­mener Sicherheit, als er am Montag, den 13., plötzlich verhaftet und gestern Abends mit dem Courierzuge durch den hier. angelangten Polizei-Lieutenant Goldheim nach Berlin tranSporlirt wurde. Derselbe war in contuma­ciam zu vier Jahren Festungs-Arrest verurteilt.

Berlin, 21. Juni. (K. Z) Als Nachtrag zur neu­lichen Mittheilung über die CabinetS-Ordre, welche den protestantischen Officieren, sofern sie in dem Armeevcr- bande verbleiben wollen, Misch-Eben unter der Befol­gung der Bedingungen deS vom Bischof Arnoldi publi- cirten Breve's einzugehen, bemerke idr, daß hi der Ca- binets-Ordre der Accent auf den Eid gelegt wird, wel­cher von Seiten des protestantischen Theils dem katho­lischen Geistlichen wegen der katholischen Kinder-Erzie­hung zu leisten ist.

Nach dem durch die Petersburger Ztg. veröffentlichten Rundschreiben deS Grafen Nesselrode an die russische Diplomatie hält Rußland seine Forderung ihrem ganzen Inhalte nach aufrecht und gibt auch in der Form nichts auf, als daß es einwilligt, nicht eine neue Ucbereinfunft abzuschließen, sondern sich'einen Revers dahin ausstellen zu lassen, daßVerträge" des verlangten Inhaltes be­reits jetzt cxistiren. Der Pforte, welche diese Behaup­tung entschieden in Abrede gestellt hat, muß, so bemerkt die heutigeZeit", diese neue Form demüthigender er­scheinen, als die zuerst verlangte einer neuen llcbcrcin« kunft. Sie scheint deßhalb die Ablehnung dieser neuen Forderung von Seiten der Pforte vorauszusetzen und erwartet deßhalb, daßdas Petersburger Cabiuet nach dem Ablaufe der in seinem Ultimatum gestellten acht­tägigen Frist zur Vollziehung der in demselben ausge­sprochenen Drohungen schreiten, und seinen in der Nähe des Pruth und der Donau zusammengezogencn Streit­kräften den Befehl ertheilen wird, die Gränze zu über­schreiten", und sie zweifelt nicht, daß wirgegen das Ende des Monats die Nachricht erhalten, daß die rus­sischen Colonnen in Jassy eingerückt sind." Sie setzt indeß dennoch sogleich hinzu:Daß dieser Schritt aber zu einer Störung des allgemeinen europäischen Friedens führen sollte, ist nach allem, was wir bisher in Erfah­rung zu bringen vermocht haben, in keiner Weise zu besorgen." Worauf sich diese Zuversicht stützt, ob sie ein späteres Nachgeben Rußlands, oder ob sie ein Nach­geben der Türkei und des übrigen Europa erwartet, darüber gibt sie keine weiteren Andeutungen. Ein großer Theil der Berliner Presse äußerl sich nicht so günstig über die russische Circulardepesche, sie tadelt die ausgestellten Principien, wie die daraus bergeleiteten For­derungen. Auch hat die Note keineswegs beruhigend auf die Börse gewirkt. Im Gegentheil waren gestern die Pa- i Piere gedruckt, die heute in Folge der Nachricht, daß ; das 4. und 5. Armeecorps zum Uebergange über den i Pruth bereit sei, einen weitern Rückgang erfuhren, wel- ; cher indessen die preußischen Fonds noch nicht be- rührt hat.

Zu den in der bevorstehenden Zoll-Co nferenz zur Verhandlung kommenden Gegenständen gehören auch diejenigen Punkte, über welche in den neu abgeschlossen * neu Zollvereinsvcrträgen die spätere Vereinbarung vor-

2 behalten ist. Diese betreffen, der Voss. Ztg. zufolge, das Verfahren, welches nothwendig ist, um den Gehalt von Zuckerflüssigkeiten an krystallisirbarem Zucker festzu- ; stellen, da unter Syrup mit 2 Tblr. Steuer nur solcher verstanden ist, welcher krystaüistrbare» Zucker gar nicht i oder nur in geringer Menge enthält; ferner die im * Schluß-Protocoll vorbehaitcnen Verhandlungen über ein übereinstimmendes Regulativ für die in den wichtigeren ^Seeplätzen zu errichtenden freien Niederlagen.

Im Schluß - Protokoll 7, 4 ist eine Revision und an- $ derweite Feststellung der Uebersicht der Steuersätze, welche in denjenigen VcreinSstaatcn, wo innere Steuern g auf die Hervorbringung oder Zubereitung gewisser Er- zeugnisie gelegt fu*, von den gleichnamigen vereinSlän- tt dischen Erzeugnissen erhoben oder bei der Ausfuhr sol- ir cher Erzeugnisse nach anderen Staaten rückvergütet wcr- - den, so wie eine Revision der UebergangS-Abgabensätzc

Vorbehalten, im Schlußprotocoll 12, 3 eine Revision der °" wegen des Rabatts für W ei n - 6) r o ß h ä n d i c r 'in bestehenden Verabredungen, im Schluß-Protocoll 17 über die Stationirung von Controleuren bei den han- A nover'schen und oldenburgischen Hauptämtern, sowie über die Stationirung Hannover'scher und oldenburgischer Controleure bei Hauptämtern in andern Vereinsstaaten. 618 Endlich sind im Schlußprotocoll zu der Ucbereinfunft fif wegen Besteuerung des Rübenzuckers Bcrathnngen dar- über vorbehalten, ob die Controlen, welche zur Siche- "" rung der richtigen Erhebung der Rnbenzuckersteuer gegen- wârtig bestehen, auch nach dem Eintreten der bevorste- henden beträchtlichen Erhöhung dieser Steuer für aus- Ab reichend zu erachten, oder in welcher Weise sie zu ver- ^ stärken sein möchten.

DasCorr. Bureau" schreibt:Im Interesse der »< Aufrechthaltung der Union in der evangelischen Landes- " kirche Preußens hat kürzlich eine Versammlung zu Neu- Dietendorf bei Erfurt stattgefunden, um über eine An­zahl Thesen, welche der geistliche Inspektor Niese zu Pforta zu der Unionsfrage gestellt hatte, Beschluß zu

fassen. Es war die Absicht, einenVerein von Freun­den der Union zur Förderung der Union" zu gründen und das Verhältniß dieses Vereins dahin bezeichnet, daß nicht die Absicht fei, die Union ohne Weiteres zu recht­fertigen , eben so wenig dürfe man sie aber ohne Wei­teres verwerfen; eS komme nur darauf an, die Mitglie­der der unirten Kirche zu einer gemeinschaftlichen festen Stellung zu ihr zu vereinigen. Von den Gegnern, welche an der Versammtung Theil nahmen, wurde das Vorhandensein einer unirten Kirche gänzlich in Abrede gestellt, und nur die Existcns einzelner nnirtgestuntcr Glieder der Kirche und mehrer aus lutherischen und re- formirlcn Elementen zusammengesetzten Gemeinden zu­gegeben. Nachdem die Debatten bis gegen Abend ge­währt hatten, verzichtete der Antragsteller auf Bildung eines Vereins, der denn auch nicht zu Stande gekom­men ist. Auch auswärtige Theologen von Ansehen, u. A. Probst Nielsen aus Schleswig, hatten an der Ver- sammlung Theil genommen."

Die Absicht unserer Regierung in Betreff der mit der Geschäftsordnung und den organischen Einrichtungen der Bundesversammlung etwa vorzunehmenden, Modi- ficationen beschränkt sich auf möglichste Vereinfachung der Geschäfte und die Reduktion des BcamtenpersonalS. Jm Nebligen soll der Status quo vor dem Jahr 1848 wieder hergestellt werden.

Die Norddeutsche Zeitung entnimmt einem Briefe, daß das preußische Geschwader, welches den 5. April die Rhede von Montevideo verlassen, am 19. Mai nach glücklicher Fahrt in BarbadoeS, der englischen Station in Westindien, angekommen ist, wo es sich mit Wasser und Proviant für die Weiterreise zum Besuch verschie­dener Punkte Ceuttalamerica's und der Antillen versah. Das gefürchtete gelbe Fieber fand man in Barbadoes nicht mehr vor. Der Gesundheitszustand auf den Schiffen ließ nichts zu wünschen übrig. Von Verlusten an Mannschaften und Offizieren ist durchaus keine Rede. DaS Geschwader unter dem Commodore Schröder be­staub nur noch aus der Fregatte Gefion und der Cor- vette Amazone, der Merkur war am 4. Mai nach Fal­mouth und von dort nach Danzig abgegangen.

Prag, 20. Juni. Die Jnscctenzüge, die man an vielen Orten Böhmens und Sachsens in letzter Zeit gesehen, werden nicht, wie man anfänglich muthmaßte, von Heuschrecken, sondern von vierfleckigcn Wasserjung­fern (Libellulina quadrimaculata) gebildet; die häufigen Niederschläge in heurigem Frühjahr waren der Ent­wickelung der Larve dieser übrigens ganz unschädlichen und von kleinen Insekten sich nährenden Libellen ganz besonders günstig.

Wien, 19. Juni. Die Haltung unseres Cabinet- tes gegenüber bem- Turiner scheint dieselbe bleiben zu wollen, und hat man sich dies wohl daraus zu erklären, daß man ein aufrichtiges Eiuverständniß mit demselben nicht für möglich hält und daher den moralischen Ein­druck der Entschiedenheit und Consequenz vorzieht.

Den Hamburger Nachrichten wird aus Wien mit Bestimmtheit gemeldet, daß die Pforte am 12. oder 13. die letzte russische Note beantwortet hat, und zwar in einer motifvirten Abweisung.

Die Allerhöchste Entschließung daß die im Alter von 36 und 37 Jahren zur Landwehr gestellte Mannschaft, welche sich dermalen im Negimentsverbande befindet, sogleich in die Reserve übergesetzt werde, in welcher über­haupt kein Mann über das 45. Lebensjahr hinaus zu behalten ist, und daß alle jene Individuen, welche ur sprünglich zur Landwehr gestellt worden, und seither in Verhältnisse getreten sind, durch welche sie zur Sellung in die Linie enthoben worden wären, ohne weitere Ver­handlung mit Abschied aus dem Militärverbande entlaß fen werden müssen, werde mit großer Befriedigung aus­genommen. Außerdem, daß eine Menge arbeitsamer Hände dem Civilstande wieder gegeben werden, erblickt man darin nicht mit Unrecht auch ein thatsächliches An­zeichen , daß die Chancen eines europäischen Krieges bei weitem nicht so nahe gerückt sind, als von mancher Seite behauptet oder besorgt wird.

Sc. Maj. der Kaiser wird im Laufe des nächsten Monats einen Besuch in Ischl abstatten. In den nächsten Tagen begibt sich im Auftrag des Handelsmi­nisteriums eine Commission nachGlogguitz, nm die Sem- meringbauten zu inspiciren, ehe die Bahn dem Ver­kehre übergeben wird. Dieß wird Ende August oder Mitte September geschehen, doch dürften im heurigen Jahre keine Personeuzüge, sondern nur Gütertrains bc- fördert werden. Was die Maschinen betrifft, welche spe­ciell für die Semmeringfahrten gebaut worden sind, so werden wohl die meisten derselben bis August fertig sein. Die Versuche, welche mit der von dem k. k. Oberinge- nicur Fischer erfundenen Verbesserung der zu Bergfahr­ten 'bestimmten Locomotive gemacht wurdcn, sind sämmt­lich sehr befriedigend ausgefallen.

Se. Excellenz Herr sFranz Graf Thuu-Hoheustein, Besitzer des Fideicommiß Tetschen, hat mit Zustimmung der k. k. Behörde und sämmtlicher Fideicommiß-Jntcres- senken allen Jenen, welche vom Jahre 1823 bis 1848 ihre Robot mittelst förmlicher Contracte freiwillig abo- lirt hatten, denjenigen Betrag rückerstattet, um welchen sie damals mehr zahlten, als jene Robotpflichtigen, wel­chen gegenwärtig die Wohlthat der Grundentlastung zu Theil wurde. Der auf so hochherzige Weise an die

frühern Robotabolentett freiwillig geleistete Rückersatz be­läuft sich auf die Summe von 65,183 fl. 51 fr. Der k. k. österr. Gesandte in St, Petersburg, Herr General Baron MennSdorff-Ponilly, ist heute in Be­gleitung seines Bruders zum Curgebranche nach Carls-- bad abgereist.

Kürzlich ist hier ein höherer österreichischer Offizier aus Montenegro angekommen, welcher den Fürsten Da­nilo nach Cettinje begleitet hatte. Sehr interessant ist die Beschreibung, welche derselbe von der Befestigung der österreichischen Gränze in jener Gegend macht. Auf sechs der höchsten Bcrgspitzcn sind Forts errichtet, die mit Bergkanoncu nnb Haubitzen besetzt sind. Letztere mußten zerlegt und auf dem Sincken von Saumthieren hinaufgebracht werde». In jebem dieser FortS liegt eine Compagnie Infanterie und eine halbe Compagnie Jäger. Offiziere und Mannschaft werden alle neun Monate abgelöst. Seit ungefähr einem halben Jahre werden diese kleinen Festungen durch das Regiment Freiherr von Heß" mit Mannschaft versehen, dessen Stab gegenwärtig in Zara liegt.

Die zwischen TulmatS und Zvod bei Hermannstadt gelegene Pulvermühle ist aus bis jetzt unbekannter Ur­sache am 9. d. M. in die Luft geflogen. Menschen­leben ging keines verloren, da sich die Arbeiter etwa fünf Minutm vor der Explosion aus derselben entfernt hatten.

Der Logothet Aristarchis, der in den letzten Nego­tiationen in" Konstantinopel eine so hervor tretende Mit­wirkung übte und dessen Anknuft in Wien als bevor­stehend bezeichnet wurde, hat seine Reise über Galizien nach Berlin fortgesetzt. Dem Vernehmen nach dürfte derselbe sich ehestens nach Petersburg begeben.

Die Triester Zeitung bestätigt als ganz zuverlässig, daß sich Fürst Danilo von Montenegro mit der Tochter des dortigen Kaufmannes und Schiffrheders, Hr^ Kne- quid), verlobt habe. Die Vermählung soll noch im Laufe des Jahres staltfinden. '

Frankreich.

Paris, 21. Juni. Die vom Journal de St. Pe- tersbourg veröffentlichte Circularnote deö Petersburger Hofes, welche am vorigen Samstage vom russischen Ge­sandte» dem Herrn Drouin de l'Huys vorgelesen wurde, wird- hier verschiedentlich beurtheilt. Von Einigen wird sie im friedlichsten Sinne aufgefaßt, von Anderen wie­der als der erste Trompetenstoß des Krieges. Nach den Ersteren soll sie von Einfluß auf den veränderten, fried­lichen Ton der Regierungsblätter,gewesen sein und na­mentlich die am Sonntage Morgens im Moniteur all gemein erwartete Erscheinung der Note verhindert ha­ben, welche die Besetzung der Donaufürstcnthümer zum förmlichen Casus bëlli cftlai^ Toöt

der Notre-Dame-Kirche die Leichenfeier für den Nun­tius Garibaldi statt. Der Trauerzug setzte sich um 11 Uhr in Bewegung. Die Zipfel des Leichentuches wur­den von dem Minister des Aeußern und drei katholi­schen Gesandten getragen. Den Zug eröffnete eine Ab­theilung Soldaten; dann kamen vier Trauerwagen mit Geistlichen, zwei Huissiers schritten dem Todtenwagen unmittelbar voraus; eS folgten die Mitglieder der päpst­lichen Nunciatur, die Leidtragenden, die Galawagen deS Verstorbenen, zwei kaiserliche Equipagen und die der Minister; 15 Trauerwagen schlossen den Zug. Der Erz­bischof empfing die Leiche am Eingang der. Kathedrale; sie wurde alsbald in's Innere der Kirche getrag-n, worauf der Gottesdienst begann. Wie man versichert, hat Louis Napoleon, nachdem er die von Herrn von ManpaS feit einiger Zeit in den meisten Fällen ohne ernstlichen Beweggrund vorgenommencn Verhaftungen erfahren, sofort die Aufhebung des Polizeiministeriums unterzeichnet. Dieses Gerücht findet sehr viel Glauben. Es heißt, die Aufsicht über die Presse und den Buch­handel solle dem Ministerium des Innern zugetheilt und Hr. Carlier solle zum Generaldircctor der Polizei ernannt werden. Es ist ferner von einer Ministerkrisis die Rede. Die Regierung hat beut General Ca- vaignac einen exceptionellen militärischen Posten ange­boten, nämlich den Befehl in Algerien mit sehr ausge­dehnten Befugnissen und einer Cwillistc. So sehr man aber auch in den General drang, darauf einzugchen, Alles war umsonst. Der Prinz Napoleon ist in die Bäder von Dieppe gereist. Die Direction der Badean­stalt macht große Vorbereitungen zu dessen Empfang. Sie hat die Badezelte gekauft, welche der verstorbene König Louis Philipp zum Empfange der Königin von England unfertigen ließ.

Es sind Nachrichten vom Expcditionscorps der Ba- borS bis zum 8. d. ein getroffen. Die beiden Divisio­nen , unter den Befehlen bis GeneralgonverneurS ver­einigt, waren seit dem 6. zu Ziama gelagert. Sie hat­ten ein abscheuliches Wetter zu bestehen, welches sie auf ihrem Marsche von Souck-el-Et»in nach Ziama überfal­len hatte. Trotz der Tag und Nacht unaufhörlich nie- derströmenden Regengüsse hatten die Soldaten nicht all­zu viel zu leiden; sie hatten Holz im Ueberfluß und ihre Verproviantirung war über Bugia mittelst der DampscorvetteTitan", mit der man in Communica- tion war, gesichert. Die herrliche Witterung, welche nun seit mehreren Tagen zu Algier herrscht, gibt uns die Gewißheit, daß der Generalgouverneur seinen Marsch wieder fortsetzeti und unter den möglichst besten Ver-