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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Jsr / F ? Dienstag den 21. Ium issa

Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag- ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationspreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr c für den ganzen Umfang des Iburii» und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PostausschlagS 2 st., für die übrigen Länder des dèulschâstetrkichisckrn Poswerein-, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die vierspal

Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nâchstgklegeuen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Verfügung, betreffend die ordentlichen Assisen der Hofgerichtsbezirke Dillenburg und Wiesbaden im dritten Quartale des

Jahres 1853.

Der Unterzeichnete verfügt hiermit in Gemäßheit der Artikel 7, 8 und 11 des Strafproceßgesetzes:

daß die ordentlichen Assisen im dritten Quar­tale 1853

a) im Hofgerichtsbezirke Dillenburg Montag den 29. August und

b) im Hofgerichtsbezirke Wiesbaden Montag den 22. August,

Vormittags 9 Uhr eröffnet werden sollen, und ernennt zugleich den Herzogl. Hofgerichtsrath, Herrn Trcpka dahier zum Präsidenten der Assisen des hiesigen Hof­gerichtsbezirks, und den Herzog!. Hofgerichtsrath, Herrn Forst zu dessen Stellvertreter, sowie den Herzogl. Hof- gerichtsrath , Herrn v. Reichenau zum Präsidenten der Assisen des HofacrichtSbezirks Dillenburg und den Herzog!. Hofgerichtsrath , Herrn v. Bierbrauer zu dessen Stellvertreter, und überläßt cs dem Herzoglichen Generalstaatsprocurator, Herrn H e r g e u h a h n , diese Verfügung öffentlich bekannt zu machen.

So geschehen Wiesbaden den 16. Juni 1853.

Der Präsident des Herzog!. Nass. Cassationshofs

(LS.) gcz. Müsset.

Für die richtige Ausfertigung:

In Abwesenheit des Secretärs des Herzoglichen Cafsationshofs, der mit dessen Geschäften bcanf-, tragte Amtssecretär

gcz. v. Massenbach.

Verkündigt :

Wiesbaden, den 16. Juni 1853.

Der Generalstaatsprocurator Hergenhahn.

Nichtamtlicher Theil.

Zur orieutalifchrn £ra^

Selten tauchte wohl eine politische Frage von all­gemeinem Interesse aus, die nach wochenlangen Debatten verwickelter erschien, wie am Tage ihres ersten Auftretens. Nachdem die'e Frage verschiedene Stadien durchgemacht hat, ist die intime Allianz zwischen Frankreich und Eng­land eine ausführliche Thatsache geworden, und cs han­delt sich nur darum, zu wissen, wie weit die beiden Al- liirten im Beschützen der Pforte gehen wollen und nament­lich, ob das Besetzen der Donau-Fürstenthümer als ein casus belli betrachtet werden soll oder nicht. Wenn die englische und französische Presse dieser Frage allein zu entscheiden hätteo, so dürfte kein russischer Soldat über den Pruth marschiren, ohne den gefürchteten allgemeinen Krieg auzuzünden. Die Absicht der Cabinette beider Länder ist jedoch für diese Eventualität weniger klar, als sie vor einigen Tagen erschien, und die Regieruugs- organe der neuen Aliirtcn bekämpfen ziemlich heftig die Besetzung der Moldau und Wallachei, ohne zu sagen, welchen Einfluß deren Verwirklichung auf die gemein­schaftliche Politik ausübeu werde. DaS vertraute Organ der französischen Regierung, dasPayS", führt heute das ganze Sündenregister Rußlands auf, ohne daß seine Absicht weiter gehen zn wollen scheint, als auf die öffentliche Meinung einzuwnken. Es sagt: Wir wissen nicht, wie die moderne Politik und die Ge­schichte diese fortdauernden Alternativen beurtheilen soll, denen die europ. Nationen in ewiger Agitation zwischen den lärmenden Revolution und dem sich immer ausdeh­nenden Rußland unterworfen sind. Es scheint, daß man nicht der einen Gefahr entgehen kann, ohne in die andere zu fallen; und es ist, beiläufig erwähnt, keinsge- ringer Ruhm für unser Vaterland und dessen Regier­ung, daß sie die würdevolle Rolle zu übernehmen wußte, in welcher sie einerseits als Ueberwiuder der Anarchie und Retter der modernen Civilisation, und anderer­seits als Dämpfer des unbesonnen Ehrgeizes und Be­schützer des Völkerrechts, der Völkerverträge und des Weltfriedens erscheint. Das erste Unrecht Rußlands bestand darin, daß es eine Frage, welche das europäische Gleichgewicht zu erschüttern droht, unter den gegenwär­tigen Umständen geweckt hat. Sein zweites Unrecht

liegt in seiner Vorstellung, mit welcher cs feine ei­gentlichen ehrgeizigen Absichten so lange als möglich den befreundeten Mächten zu verdecken suchte. . Es ist nicht möglich, daß ein solches Verfahren vor dem leichtfertig­sten Gewissen und vor den dehnbarsten Principien deS Völkerrechts gerechtfertigt werden kann. DaS dritte, größte und entfebeibenfte Unrecht Rußlands aber und aller feiner Vertrete rbesteht darin, daß sic noch einmal die öffentliche Meinung über die Bedeutung der beabsichtigten Besetzung der Donaufürstenthümer täu­schen wollen, welche sie als mit den Rechten Rußlands übereinstimmend darstcllcn wollen." Nachdem das Pays" durch Citirung der verschiedenen darauf be­züglichen Verträge die Unrechtmäßigkeit derselben nach- gewiesen hat, sagt eS:Die Besetzung ist also eine ungerechte Gewaltthat, die man Rußland kaum zu- muthen konnte, womit es die Türkei zur Annahme von Bedingungen zwingen will, die für sie eine demüthigende, durch nichts veranlaßte Abdankung nach sich ziehen würde. Es gibt blinde Politiker oder solche, die frei­willig vor dem Lichte die Augen schließen, welche die un­geheuere Wichtigkeit der russischen Forderungen nicht an­erkennen wollen. Mit der Ueberschreitung des Pruth will Rußland einen Zweck erreichen, und dieser ist augenschein­lich kein anderer, als auf den Sultan einen wirksameren, drohenden Einfluß auszuüben und mit den Waffen das Ultimatum Menczikofss zu unterstützen. Dieser Schritt würde sonach unzweifelhaft einer Kriegserklärung gegen die Pforte gleichkommen und dieselbe berechtigen, Re- ! pressalien zu üben, indem sie den Beistand aller 21 (Hirten anruft, auf die sie zu zählen zu können glaubt. Rußland zählte auf die Uneinigkeit der großen westlichen Mächte und es findet sic einig und entschlos­sen. Es zählte auf die Schwäche des ottomanischen Reichs, und findet es energisch, unternehmend und be­reit zum Kampfe. Es zählte aus den Einfluß, den es auf verschiedene souveräne Höfe ausübte, und diese durch Dankbarkeit au Rußland geketteten Mächte zaudern in# dessen nicht, ihm im Principe Unrecht zu geben. Es hat sich also verrechnet. Es gibt jedoch für eine große Macht immer eine Möglichkeit auf einem verderblichen Wege nmznkehrcn.' Die Diplomatie hat für solche Irr­thümer Ansknuftsmittel genug, um einen Rückzug ehren­voll zu decken und die Würde zu wahren, wenn der beabsichtigte Zweck unerreichbar war."

Der Constitutionnel widmet heute der russisch-türki- schen Frage abermals einen langen Artikel Gravier de CassagnacS. Der officiösc Publicist betrachtet die angedrohte Besetzung der Donau Fürstenthümer, welche der Vertrag von Balta-Liman auch nicht im Entfernte­sten rechtfertigen könne; alS eine Kriegshandlung (casus belli) und meint, cs frage sich jetzt nur, wie die großen Mächte nunmehr die Sache betrachten und ob sie keinen Kriegsfall darin sehen würden, daß Rußland unter Schutz der Donau - Fürstenthümer" die durch 'nichts motivirte Besetzung, derselben verstehe. Zum Schluffe sagt er:Streng genommen, konnten,bisher noch Zweifel über die Weise obwalten, wie der Czaar das Protcctorat verstehe; wenn seine Heere den Pruth überschritten haben, fällt jeder Zweifel weg. Dies ist die neue Phase, in welche jetzt die orientalische Frage eintritt. Wir sind fern davon, einen unvermeidlichen Krieg darin zu cr- blicken; aber cs scheint uns schwierig, daß man darin einen gesicherten Frieden sehe. Der Augenblick, wo Rußland alle Befürchtungen der Mächte rechtfertigt, scheint uns nicht geeignet, sie zu beruhigen und zu ent­waffnen. Gott bewahre unS, den Krieg herbeizurufen, aber es ist ein zu großer Irrthum, zu glauben, daß man beii Schlägen entgehe, wenn man ihnen den Rücken hiuhält; in diesem Falle trägt man nur die Schläge und die Schande davon. Der Krieg ist wie die Un­geheuer; das sicherste Mittel, nicht von ihm verschlungen zu werden, besteht darin, nicht vor ihm zu zittern." Die Behauptung Rußlands: es wolle keinen Krieg an- sangcn und die gleichzeitige feindliche Uebcrziehung der Donau - Fürstcnthümcr durch dasselbe laß sich eben schwer zusammenreimen!

Die Morning Post prophezeit mit gesperrter Schrift, ob mit irgend einer officielleu Ermächtigung, steht dahin daß man nächstens vom Einlaufen der englischen und französischen Flotte in die Dardanellen hören werde. Die Invasion der Moldau bilde vor der Hand einen russisch-türkischen Casus belli, denn sie könne keinen an­dern Sinn haben, als die Türkei durch Waffengewalt

zur Annahme des Menczikoff'schen Ultimatums zu zivn gen. England und Frankreich würden, indem sie dur ihre Rotten die Türkei vertheidigen, sich nickt als kric, führende Hauptparteien (principals) betrachten, auß falls der Czat ihnen wegen ihres Einschrcitcns de Krieg erklären will; sie würden daher bis zu letzter, Eventualität keine russischen Kauffahrteischiffe wegnel men, noch sonstige Feindseligkeiten gegen Rußland begi hen, sondern sich auf die bewaffnete Unterstützung, d der Süllen in Anspruch nehmen kann, beschränken.

Zu einiger Orientirung in der türkischen Frage we: den derA. A. Z." von Berlin ans folgende sicher Angaben gemacht. Ueber die englische unb französisfi Politik ist dort in Kreisen, welche mit dem Gange di Angelegenheiten vertraut sind, nichts genaueres bekam geworden. Die Cabinette von Wien und Berlin, welch in der Frage von gleichen Ansichten ausgehe», si»d vo Seite Rußla»ds nicht um Vermittlung ersucht, und He den daher auch bis jetzt keine Veranlassung gehabt, si< birect in die Differenz zu mische». Diese Ausicht lieg einer Cireulardcpesche zu Grunde, welche gestern alle preußischen Gesandtschaften Übermacht ist. Es wird dar in erklärt: Preußen habe keine Veranlassung sich übe die türkische Angelegenheit auszusprechcn, da ihm kein diplomatlsckcn Mittheilungen über die schwebende Tiff« renz gemacht seien. Die Gesandten werden angewicsei auf die Gefahren einer Uebercilung in der Sache sowof von Seite Rußlands als von Seite Frankreichs aufmcrl sam zu machen.

Derrtschlattd.

t ZÄiesbaöe», 17. Juni. In den Mittheiluu gen des Gewerbevereins für das Herzogthum Nassa vom 15. Juni ist folgende Bekanntmachung erschienen »Ju Folge Auftrags des herzoglichen StaatS-Ministc üuuis, Abtheiluug des Innern, hat der Gewerbeverci die Leitung der Strohflechterei übernommen, und wir den Verkauf der angefertigtcn Strohflcchtcii, sowie dc Unterricht in bem Fertigen von Strohflechtcn und Stroh falricatcn in den dahier bestehende» Fabrik-Anstalten vermitteln. Desfallsige Anfragen können also eutwede an den unterzeichneten Centralvorstaud oder an bi Vorstände der Lotal-Gewerbevereine gerichtet werden Wiesbaden, den 28. Mai 1823 Der Centralvorstanl des GewcrbcvereinS für das Herzogthum Nassau. De: Direktor (gcz.) Lex."

Mainz, 20. Juni. Nach dem M. I. soll ein Reibe schmählicher Angriffe imVolksblatt für Mail und Rhein" auf die Justizbehörden in Bezug auf bei Tod der Gattin des Herrn Dr. Müller - Melchior« zur Beschlagnahme des Blattes, Verhaftung des ReVac teurs und Schließung der Df sie in Veraulassüug gege ben haben.

. Nürnberg, 17. Juni. (N. C.) Gestern fanl hier die feierliche Eröffnung der Sammlungen desger manischen Museum" statt, bei welcher auch die k. Uni versität Erlangen durch Anwesenheit des Prorektors uni einiger Professoren vertrete» war. Die EröffiiungSred« hielt der Vorstand des Museums, Dr. Frhr. von uni zu Aufseß.

München, 18. Juni. Nach heute hier einge^ tr off dien Bestimmungen hat Sc. Mas. unser König ge­stern Wien wieder verlassen und gedachte heute Nach­mittag in Salzburg cinzutreffem Von da will Seine Majestät morgen einen AuSflug zn seinem königlichen Vater nach Berchtesgaden machen und dann Montag früh von Salzburg ans die Reise nach München sort- setzen. Die Ankunft Sr. Majestät in unserer Stadt, wo sich alles zu einem höchst festlichen Empfang vorbei reitet, wird demnach Montag Abend erfolgen. Wie man in Hofkreisen vernimmt, beabsichtigen Ihre Maje­stäten der König und die Königin in den ersten Tagen des Jnli eine Reise nach Bcrli». (?)

I» Folge ber enormen Regengüsse hat heute die Isar die Vorstadt Au überschwemmt, so daß der be­kannte Prachttc'npel, die Aucrkirche, wie arrs einem See emporragte. Später fiel das Wasser jedoch, um Mit­tags abermals zu steigen, unb zwar zu einer Höhe, welche die Ueber schrvcminung des Jahres 1851 noch übertraf. DaS tosende Elemcnt verbreitete sich nicht nur über die schönen Anlagen an der Isar, über die Vorstadt An, sondern bespülte du elf auf verderbliche Weise die nächstgelegcnen Stadtthcilè, verwüstete die Gärten, zerriß die Straßen n. f. w. Die reitende Ar-