Nassauische Allgemeine Zeitung.
JVr 149, Montag dm 20. Mi 1S33.
Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.
Dir „iHuifauifdit allgemeine Leitung" mit oem beUetri|tii»en '.Beiblatt „üei Wander»»" rrtdiriiit, seiuuaqei «u#gfliemmen; ihgiim mir bttranuvr. ptjnumtrationtpreif filr Wik-raden und , nach trat neuen yoftregulatis nunmehr au«
für den ganzen Umfang de« rinnt- und TariS'sân »erwaltunflSbeiukS mit gnbtgritr w« poilauffd>lag6 2 N., für feie übrigen Länder des reulsch-dsterrkiauiwe» Poitvereois, mie für da« Ausland 2 g. 24 fr, — Inseraie werden die »ierfpaUi| Peru, e, le oder deren Raum mit S fr. berechnet. — «esieUunaen beliebe man in der Buchdandluna von W. Friedrich, Uann»aNl 42, auswärts bei den nâdiflgelegenen Postämtern, zu machen.
Jur orieutaiischen /rage
Nach den mit dem Dampfschiffe „EgYptuS" in Mar- stille cingelroffciwn Nachrichten auS Constantino- pcl vom 5. Juni war ein neues Anlehen von 12 Mill, beabsichtigt, dasselbe kam nicht zu Stande. In Cou- stantinopel glaubt man wohl an den Frieden, doch ist daS Volk noch in Gährung, namentlich zeigen die Griechen eine drohende Haltung. Man sagt, Rcscbid 'Pascha habe die fremden Gesandten von neuen Concessionen au die Christen in Kenntniß gesetzt. —Auch in Smyrna soll in Folge der kritischen' Aspecten für die orientalische Frage eine große Gährung bestehen und von griechisch- russischeu Emissären auf alle Weise genährt werden. Diese Stadt, das Hauptemporium d?s Levante-Handels, ist reichlich zu zwei Dritttheilen von Griechen bewohnt und zwar Jnsclgriechcn, in welchen der Geist der alten Nationalität bei weitem mächtiger lebt und wirkt, als in denen des Festlandes. Das Ende der türkischen Herrschaft in Europa wird als eine Vorherbestimmung des Schicksales, als ein KeSmet, wie eS der Muselmann nennt, mehr und mehr zum allgemeinen Glauben, und es ändert daran nichts, ob die Russen mit stürmender Hand in Constantinopel einziehen, oder ob die Pforte das nur in der Form veränderte Ultimatum annimmt und damit ohne Kampf ihren eigenen Untergang besiegelt. Zwar soll Reschid Pascha gesagt haben: „Wir haben Stambul mit den Waffen, genommen, mit den Waffen wollen wir es auch verlieren." — Ferner heißt eS, daß die Pforte für den äußersten Fall an Abd-el- Kader denken und die Absicht haben soll, ihn an die Spitze des heiligen Kampfes zu stellen und durch ihn alle Gläubigen des Korans zur Theilnahme anzurusen. Der Enthusiasmus der Türken ist groß, und die, Truppen verlangen mit Ungestüm ins Feuer geführt zu wc^ den. Nach den Dardanellen sind europäische Ingenieure geschickt worden, nm die Befestigungen auözubcssen. Zugleich erhielt der dortige Gouverneur Befehl, von seiner Garnison 1000 Mann nach der Hauptstadt zu finden. Dieser Befehl war kaum bekannt, als die ganze Garnison ausrücken wollte, so daß der Gouverneur genöthigt war, die verlangten 1000 Mann durch das Loos be- stlmmcn zu lassen, worauf sie dann unter lautem Hur- rah abzogen. Von Smyrna aus werden ebenfalls T>up- pen nach Constantinopel gesandt, und der Zudraug von Freiwilligen (Türken), die kämpfen wollen, i|t groß. Ebenso haben sich eine Menge politischer Flüchtlinge aller Nationen der Pforte zur Verfügung gestellt. — Das letzte französische Dampfboot hatte 40,000 Gewehre für Constantinopel an Bord. Zufolge Nachrichten auö Rumelien, Anatolien u. s. W. herrscht auch dort große Aufregung und kriegerischer Sinn bei den Türken.
Die „Triester Zeitung" erhielt durch den Lloyddam- pfer „Vorwärts", Briefe aus Constantinopel bis znm 6. Juni. Die Rüstungen dauerten daselbst fort, aber nur Wenige theilten dix Furcht vor einem Kriege. Die Stimmung war im Allgemeinen ruhig, und im Geschäfte zeigte sich ebenfalls mehr Vertrauen, das auch in den Wechselcomsen Ausdruck fand. Man uotutc zuletzt London 122—123, Wien 442, Tri. st 440 und Frankreich 194*/,. (Die Notirnngen acl^Tage vorher waren: London 126—125, Wien 450 und Frankreich 198—106.) Von der Annäherung der eng isch französischen Flotte war noch nichts bekannt; dagegen sah man mit Sehnsucht der Ankunft deS k. f. JnternuntlUS entgegen , weil man auf die östei reichliche Vermitlelung hoffte. Se. Excellenz war am 9. Früh, gegen 7 Uhr, in Cerfu ang» kommen und, nachdem die „Custozza" Kohlen eingenommen hatte, Nachmittags nm 2 Uhr weiter gereist. Während des Besuches, den Frhr. v. Bruck dem Lord Obercommissär machte, ließ dieser, der Sr. Excellenz überhaupt auf die ehrenvollste und herzlichste Weise cntgegcnkam, von den Batterien der lw= tf[ie eine Salve von 19 Kanonenschüssen abfeneru. Die Fahrt war bis dahin vom herrlichsten Welter begünstigt und hatte sich nur deßhalb verzögert, weil der Dampfer einen Abstecher nach Kleck und Eastelnuovo («utto- rino) machte, damit St. Excellenz twie Punkte, welche vielleicht ebenfalls Gegenstand der Unterhandlungen bilden werden, persönlich in Augenschein nehme. Das Geschwader lag nach den letzten Nachrichten noch. ruhig vor Salamis. — "Wie die Pforte die gegenwärtigen Verhältnisse ausfasse oder aufgefaßl zu sehen wümcht, geht aus folgender, ihren öffentlichen Organen zugcseu-
deten , /Mittheilung" vom 4. hervor. Dieselbe lautet: „Da die beiden Theile sich über sämmtliche Fragen, welche Se. H. der Fürst Menczikoff — der neulich mit dem Charakter eines außerordentlichen Gesandten des erlauchten russischen Hofes in Constantinopel angckom- men war — kraft seiner ihm übertragenen Mission vor. brachte, nicht einigen "konnten, so hat Se, H. die diplomatischen Verbindungen mit der h. Pforte abgcbrocheV, seiner Botschaft ein Eiide gemacht und Constantinopel verlassen. Wiewohl diese Ereignisse in einer Zeit, wo die H. Pforte die freundschaftlichen Verbindungen mit dem russischen Hofe aufrecht zu erhalten sorgfältig bemüht ist, der Regierung Sr. Maj. des Sultans Kummer verursachen mußten, hofft man dennoch, daß eine gerechte Würdigung ihur loyalen und friedlichen Gesinnungen von Seite des russischen Hofes sowie die Kundgebung ähnlicher Und friedlicher Absichten von ihrer Seite in Balde die guten Beziehungen beider Mächte auf gleichem Fuße wie früher wieder Herstellen werden; ; übcldieß läßt die Erwägung, daß Rußland nicht einen I Krieg unternehmen werde, zu welchem keine gegründete i Ursache vorhanden ist, hoffen, der Friede werde nicht gestört werden. Da indeß die Thaffache», wie die Abbrechung der amtlichen Verbindungen und die Abreise des Fürsten, ohne die Versicherung, daß kein Krieg erfolgen werde, geblieben sind, und da Rußland zu Lande wie zu Wasser große Kriegsvorbereltungen trifft, so hat d>e H. Pforte bei der gleichzeitig den hohen Mächten abgegebenen Erklärung, daß sie nicht die geringste feindliche Absicht hege, sich in der peinlichen Nothwendigkeit gesehen, bloß vorsichtshalber und einzig und allein um sich in den Veriheidigungszustanb zu setzen, einige Maßregeln, als Truppenbewegungen und Befestigungen, zu ergreifen. J>i Folge dessen hat sie cs unternommen, durch Verwelrbuiig der Truppen und anderer Mittel die kaiserlichen Festungen jenseits des Balkan und an den Donauufern, sowie die anderen wesentlichen Gegenden, dann die Enge des schwarzen Meeres in einen guun Vertheidigimgsstand zu setzen. Die Enlsendliug drr Kriegsschiffe nach diesem Passe bildet einen Theil drr fraglichen Vorsichtsmaßregeln. Da die Beamten ta rufst cheii HandelSkanzlei in Constantinopel und die russischen Consuln auf ihren Posten verbleiben, und die HaubelSoperationcu der russischen Kaufleute und Unter; thancu wie bisher fortgehen, so hat die H. Pforte, um einen neuen Beweis ihrer Rücksichten für den russischen Hof zu bieten, Befehle erlassen, überall den Kauflenlen und Angehörigen dieser Nation noch mehr Erleichterungen zu gewähren und alle russischen Beamten mit der geziemenden Achtung zu behandeln, woraus die Negierung Sr. Maj. deS Sultans viel hält." — Um andererseits zu zeigen, daß die Pforte auch auf ihre eigene HcereSmacht große Stücke hatte, hat man der am 30. vorgenomlnenen Prüfung und Prcisverlheilung in der Militärschule den größten Glanz zu verleihen gesucht. — Der Minister des Answärligeii, Reschid Pascha, er- stattete in den letzten Tagen den Beitretern Englands, Frankreichs, Oesterreichs, Preußens und Griechenlanbö Besuche. —Der neue bclgiiche GJchäslSträgcr, Vicomte Kerckbove, ist in Constantinopel e,»getroffen und wurde mit großer Allszelchnung empfangen. — Man erwartete die ântunft des tiütuchen GeichwaderS aus Alexandria mit Truppen. — Zuverlässigen Nachrichten zufolge haben die Russen den Pruth noch nicht überschritten, in Folge eines zur rechten Zeit von Petersburg eiugelrof- feneu Gegenbefehls. Die Stellung ist daher noch dieselbe, wie' sie zur Zeit der Abreise deS Fürsten Menczikoff war. Nur setzen die Suiten die begonnenen Nullungen mit Energie (ort; der ganze Bospor ist ein einziges festes Bollwerk, die Flotte ist längs Bujukdere cchello- nht, Tausende von Händen arbeite» an den Verschanzungen der einzelnen Schlösser, wohin auch die ganze Artillerie der Dardanellen gebracht wird. Aus allen Provinzen des Reiches, wo der Redif (Landwehr) ein» berufen worden , werden Truppen und aus Aegypten 12—15,000 Mann erwartet. Die Türken zeigen viel Muth, rechnen aber hauptsächlich, wie unS ein anderer Correspondent aus Constantinopel meldet, auf die Ver- . Mittlung Oesterreichs , für welche Macht sie in diesem Augenblicke besonders günstig gestimmt sind. Zu England hegen sie kein besonderes Vertrauen (Lord Stratford Canning soll Hilfe unter gewissen Bedingungen versprochen haben) und Frankreich halten sie für zu schwach. Unter diesen Umiländen sehe man, heißt es,
der Ankunft Sr. Exc. des Herrn JuternuntiuS mit Ungeduld entgegen.
Von einer Verwerfung des russischen „Ultimatisss- mum" ist in den Berichten der „Triester Zeitung" nicht die Rede, über welche die früheren telegraphischen Depeschen vom 6. d. M. berichteten. Die Nat.-Z. bringt zwar folgende Korrespondenz auS Wien vom 15.d.M.: Die türkische Gesandtschaft hat dem Vernehmen nach heute eine telegraphische Depesche aus Semlin erhalten, worin gemeldet wird, cs habe die Pforte das mit einem außerordentlichen Courier von Petersburg nach Constantinopel entsendete Ultimatisstmum in ausführlicher Begründung und unter Hinweisung auf das den fremden Gesandtschaften mügetheilte Memorandum ablehnend beantwortet. In Folge dessen hält man den Einmarsch der Russen in die Donaufürstenthümer für unvermeidlich, wenn er auch noch nicht erfolgte, wie gestern ein Börsengerücht verlautete, welches in der Tbat auch den CourS aller Papiergattungcu empfindlich traf. Was Oesterreich betrifft, so soll es sich gegen die Bezeichnung der orthodoxen orientalischen Kirche als „griechisch-russischer (greco-russe") erklärt haben; übrigens steht eS bei weitem mehr auf Rußlands alS der westlichen Mächte Seite, und seine Vermittlerrolle dürfte wöhl dann erst zu beginnen haben, wenn die Besetzung der Donaufürstenthümer erfolgt (resp, wenn das russische Ultimatum abgèlebut) sein wird. Dagegen erwähnt eine Korrespondenz der N. Pr. Zeitung aus Constantinopel vom 9, dieses Monats gar nichts von der Verwerfung deS kaiserlich russischen Ultimatums. Nach dreier Correspondenz verlangt das letzte Ultimatum, der Minister des AuSwäüigen, Reschid Pascha, solle in einer Nole' an den Fürsten Menczikoff erklären;
1) Die hohe Pforte verspreche, die griechischen Christen und die griechische Geistlichkeit deS Reichs bei denjenigen Privilegien und Immunitäten zu erhalten, die sie ab anliquo (von Alters her) besessen, so wiè diesen Christen und der kaiserlichen Botschaft alle die Rechte einzuräumcn, die den Christen anderer Cour fesstouen und den Gesandtschaften anderer Souveräne zngcstandcn worden seien oder in Zukunft noch zuge- standen werden würden. 2) Die hohe Pforte verspreche in den Angelegenheiten des Heiligen Grabes all.S im Status quo (sowie cs jetzt ist) zu belassen und die griechischen Christen bei den Privilegien und Immunitäten zu erhalten, die sie dort ab anliquo besessen. 3) Tie hohe Pforte willige ein, daß zu Jerusalem eine griechische Kirche und ein griechischeS Hospital für die russischen Pilger erbaut werde, das unter dem kaiserlichen General konsulat für Syrien und Palästina stehen werde. 4) Die Hobe Pforte verspreche, sofort die nöthigen Ordres zur Ausführung des betreffenden Fermans zu erlassen. Das, sagt der Korrespondent, ist der Inhalt deS russischen Ultimatums, und ich meine, Se. Majestät der Kaiser von Rußland ist, wie ich schon in meinem früheren Briefe gesagt, so vollständig im Recht, daß nur der grundloseste Argwohn seine -Absichten in Zweifel ziehen kann.
Hcirtfdilnnh.
t* Wiesbaden, 17. Juni In der gestrigen Nach- mittagssitzung der vereinigten Sammern nmke die auf Antrag dcr Abgg. König und Schellenberg eingegebene Vorlage dcr Regierung zur Einfühlung des ViehsalzcS im Herzogthum nach Antrag des Ausschusses einstimmig allgenommen. Zur Berathung kam- hierauf da» Ministcrialbudgct des Innern. Bci Cap. 11.: Beförderung der Industrie, rvciden bewilligt unter T-tcl 1> Landwirthschcrft 34,028 fl. und zwar für den landwlrth- schaftlichen Verein 2,500 fl., für daS landwiridschs^llche Institut 200 fl., für Culluranlagen auf dem Westerwald 200 fl., zur Beförderung der Consolidationcrr 2700 fl., für das Landgestüt 9488 fl., zur Beförderung der Seidenbaues 540 fl., zur Unterhaltung deS chemi» scheu Laboratoriums 1000 fl. Der Antrag deS Abgeordneten Münch : die hohe Staalsregierung zn ersuchen, dafür zu sorgen, daß wo möglich alle Beschäler für das Landgestüt im Lande erzogen und angekauft würden," wurde mit großer Mehrheit angenommen. Abgeordneter Schlachter berichtet über den Tit. 2. (Gewerbe), Prä. sident Möller wünscht, die Regierung möchte die Resultate der Commission zur Industrieausstellung in London bekannt machen, so daß sie jeder betreffende Gewerbe- trelbeude benutzen könnte. Unter Tit. 2. sind gesordc