Nassauische Allgemeine Zeitung.
Wb / //. Samstag den 18. Juni iSSS»
Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.
Die,,Nassauische Allgemeine Zkilung" mit dem belleiristischen Beiblatt „Der Wanderer" erMitint, SonmaqS ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach rem neuen PSssreguiakiy nunmehr auch, für den ganzen Umfang deâ Lburn. und Tariâ'fchen BerwaltungSbezirks mit Inbegriff des poffausschlags 2 fl., für die übrigen Länder des t«utsch-rsterreichischen PoffvereinS, wie für das Ausland 2 ft 24 !r. — Inserate werden der SleespalliL Petitzeile oder deren Raum mit 3 ke. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelkgenen Postämtern, zu machen.
B
Amtlicher Theil
$ i e m st II achricht c n.
Seine H ohcit der Herzog haben
dem
Obristlienteuant a. D. von Haveln, in Anerkennung der von ihm in seiner Eigenschaft als Hof- und Polizci- Commissâr zu Bad-Ems geleisteten Dienste, den Charakter eines Obristen zu ertheilen geruht.
Seine Hoheit der Herzog haben den Proba- tor Vietor znm Revisor bei derMinistcriak-Abtheilung der Finanzen zu ernennen, den Revisor Stahl in den Quiesccnteustand und den Botenmeister Hartmann von der Ministeriell - Abtheilung der Finanzen an die Rech - nungskammer zu versetzen geruht.
Dem Justizamts-Aeeessisten von Rößler zu Nassau ist die nachgesuchte Dienstentlassung ertheilt worden.
Nichtamtlicher Theil
Zur oricutalischen Frage
Wir haben, sagt die „N. Pr. Z.", unlängst erörtert, daß vielfach die Forderung auftrat, Preußen solle den Widerstand der Türkei, sowie Englands und Frankreichs gegen die russischen Forderungen durch seinen Einfluß verstärken, in der Hoffnung, dann werde Rußland seine Forderungen mäßigen, und so sei im Orient der Friede zu erhalten. Jene Hoffnung bezeichnen wir von vornherein als illusorisch; — und jetzt möchte wohl kaum noch ein umsichtiger Staatsmann die Ansicht vertreten, Rußland werde von feinen Forderungen abstehen, wäre es selbst gezwungen, mit der Gewalt der Waffen dieselben zur Geltung zu bringen. Allseitig fühlt und er- kennt man jetzt, daß die Erhaltung des Friedens im Orient nur möglich ist, wenn England und Frankreich ihren Widerstand mäßigen oder aufgeben. Dort stellt man Concessionen in Aussicht, und die Hoffnung auf Frieden belebt sich. — Die Forderung der Betheiligung Preußens gegen Rußland, ist sie aber allein von Denen erhoben, die den Frieden erhalten zu sehen hofften? Ueberwiegend ward sie geltend gemacht von den Feinden der Staaten und Könige, in der Ueberzeugung, auch Preußens Einfluß werde die russischen Forderungen nicht mäßigen, — in der wohlbcrcchncten Absicht, Preußen hineinzuzichen in die Verwicklung, deren Her- aunahen die Förderer richtig erkannten, — in der Hoffnung, ihre gefährlichen Pläne dann leichter zur Ausführung zu' bringen. Erklärt sich auch kielt. Der Flüchtlinge Neigung, Theil zu nehmen am Kampfe gegen Rußland, dem gefürchtctstcn Gegner ihrer Hoffnungen und Pläne, zielt ihre Rührigkeit wirklich dorthin und dorthin ausschließlich? — Die gleißnerischen Worte Anfangs, der Zorn, weil der Versuch scheitert, geben Zeugniß von der Gefahr, die sie heraufzufördern suchten.' Die Conscquenz und Gleichmäßigkeit aber, mit der sie in allen ihren Organen ihre Pläne vertreten, beweisen cs, wie schnell Demokraten aller Schattiruu- gen sich verständigen und vereinigen. Trotz innerer Zerwürfnisse gilt es,'die europäische Staatenordnung zu erschüttern.
So sehr wir auch wünschen und hoffen, schreibt der Berliner Corrcspondcnt deS „Lloyd" daß bei der Ent schtiduug über die orientalische Frage die Stimme Preußens als europäische Großmacht gehört werde, so sonderbar müssen wir cs finden, wenn Berliner Correspon- dcnten fast mehr noch als die hiesigen Zeitungen fortwährend von der Wichtigkeit reden, welche diese Frage für Preußen habe, und sich das Ansehen geben, als wären wir zumeist berufen, eine Vermittelung hcrbeizusüh- ren. Auch wenn die Machtverhältnisse unseres Staates ganz andere wären, als sie in Wirklichkeit sind, käme der Orient für Preußen immer nur in zweiter Linie und es ist ziemlich klar, daß der Antheil, welchen unsere Diplomatie an ähnlichen Entscheidungen zu nehmen berufen ist, sichaufein festes Zusammengehen mit Oester- -reich beschränken muß. Eben darum ist cs auch ausgemacht, daß unsere Dicgicrunß sich bis jetzt weder für noch gegen die Forderungen Rußlands ausgesprochen hat, und es heißt wirklich Vermittlungen bei den Haaren herbei- ziehen, wenn die Presse zu diesem Zwecke einen preußischen General bald nach Constantinopel, bald nach Petersburg reifen läßt. Einen sichereren Beweis für
die friedliche Beilegung des Streites kann man in den Schackren russischer Notabilitäten erblicken, welche gegenwärtig unsere Stadt passircn um sich meist nach deutschen Bädern zu begeben. Baron von Budberg, der russ. Gesandte am hiesigen Hofe, hat sich schon vor mehreren Tagen nach Dresden zumEmpiang Ihrer faiietL Hoh. der Großfürstin Marie, verwittwcten Herzogin v. Leuchtenberg, begeben, und die politischen Conjectu.en, die man an diese Reise knüpft, sind eben nur Conjec- turcn. Berlin ist überhaupt nicht der Ort, wo die orientalische Frage ihre Erledigung findet, und cs gehört eine gute Dosis Unklarheit dazu, England in dieser Angelegenheit mit Preußen unterhandeln zu lassen.
Der Lloyd kommt oberm al auf die orientalische Frage zurück und bleibt bei ihrer Ansicht, daß der gliche unseres Weltthcils nicht würde gestört werden. Rußland sagt dieses Blatt wünscht Zugeständnisse von der Pforte. Hätte es den Krieg gewünscht, so wären seine Streitkräfte schon vor Wochen Coustantinopel näher gewesen, als sie cs heute sind. - In einem solchen Falle hätte es die Politik gefordert, die diplomatischen Verhandlungen plötzlich abzubreche», und zwar in solcher Weise, um deren Wiederaufnahme unmöglich zu machen, und dann eben so plötzlich die Armee, wenn nicht die Flotte, in Bewegung zu setzen. Ehe Frankreich und England sich zu gemeinsamen Zwecken geeinigt hätten, wäre cs dann möglich gewesen, einen Ausschlag gebenden Vorsprung zu gewinnen. Rußland ist so langsam gewesen, nicht aus Mangel an Voraussicht, an Kraft oder an Energie, sondern auS wirklicher Vorliebe für den Frieden. Daß diese aber nicht so groß ist, um den Krieg ganz außer dem Bereich der Möglichkeit zu stellen, versteht sich von selbst. Rußland wünscht nicht allein Zugeständnisse von der hohen Pforte, sondern cS muß auch Zugeständnisse erlangen. ES hat eine Position eingenommen, welche viele Schwenkungen, aber keinen vollen Rückzug zuläßt. Den letzteren zu begehren hieße den Krieg begehren. Wer aber wollte diesen? In diesem Momente weder Frankreich, England, noch irgend eine andere Großmacht. Darüber täuscht man sich weder in Paris noch in London, daß gar keine Eventualität eines russisch-türkischen Krieges denkbar ist, bei welcher die Macht der hohen Pforte gewinnen könnte. Die Mäßigung der europäischen Großmächte kann den Frieden und kann durch den Frieden die Integrität der hohen Pforte erhalten, aber ein Friedensschluß erhält sie nicht mehr. Kommt dieser einmal nach dem vorangegangenen Kriege, so ist an eine Wiederherstellung des Gewesenen nicht mehr zu denken. Frankreich und England haben im günstigen Falle Nichts zu.gewinnen. selbst dann nicht, wenn Rußland Nichts gewinnt. Die westlichen Seemächte werden darum nur im äußersten Falle zum Kriege rathen, wenn Rußland starr und nachgiebig verbliebe, und Rußland wird nur den Krieg beginnen, wenn die Pforte, berathen von Frankreich und England, eben so starr und nachgiebig sich beweisen sollte Alle Interessen weisen aber zu gebieterisch auf einen Vertrag, auf eine Modi skaliern der Verweigerung bin, als daß wir — wenn auch die Lösung sich einige Wochen verzögern sollte, wenn sie auch zu einem oder dem andern unangenehmen Zwischenfalle führte — nicht mit vollem Vertrauen auf die Erhaltung dcs europäischen Friedens in die nächste Zukunft blicken sollten.
Oesterreich wird, sagt ein Corrcspondcnt der „Allg. Ztg." „von der Donau", in selbstständiger und selbstbewußter Politik, befreundet mit Rußland für die Erhaltung und Integrität der Türkei, so weit solche noch lebensfähig ist, nützlicher wirken können, als [maritime oder sonstige Demonstrationen anderer Mächte das zu erzielen vermögen. Unzweifelhaft theilt das preußische Cabinet das Vertrauen zu den großherzigen Absichten des Kaisers Nikolaus, welches die Schritte deS k. k. Gouvernkmeuts bestimmt. Der Friede wie die Ruhe Europas können keine sicherere Bürgschaft haben, als sie in der ungetrübten Eintracht dieser Mächte jbesteht.
Veutschland.
* Wiesbaden, 7. Juni. So wie in vielen Gemeinden unseres Herzogthums, so hat sich jetzt auch in Geisenheim eine Strohflechtschule unter der Leitung der durch ihre Mildthätigkeit rühmlichst bekannten Frau Gräfin von Ingelheim gebildet und haben sich nebst den Mitgliedern des dortigen Frauenvereins auch sonst viele Frauen bis jetzt schon betheiligt.
Frankfurt, 17. Juni. Der katholische Stadt- pfarrer und geistliche Rath, Herr Beda Weber, ist vor, einigen Tagen aus Oesterreich hierher zurückgekehrt. —( Der Frankfurter Volksbote, das Organ der sogenannten. Gotbaer Partei, wird einem vorgestrigen Beschluß der, Aktionäre zufolge arrch fernerhin erscheinen.
Kassel, 16. Juni. In einer in den letzten Tagen; stattgehabten vertraulichen Sitzung der ersten Kammer; ist, glaubhaftem Vernehmen nach, dem Gesetzentwurf,! die Fortdauer und Erweiterung des Zollvereins belr./. zugestimmt worden.
Hamburg, 14. Juni. (Wes. Z.) Nach kurzer Unterhandlung hat nun die schwedische Regierung mit dem hiesigen Hause S. Heine eine Anleihe abgeschlossen. Dieselbe steigt, wie wir erfahren, bis auf 3 Millionen Mt.-B., und um diese Summe iu Silber nach dem Norden zu fördern, werden drei schwedische Dampfschiffe; hier ciutreffen.
, Kiel, 14. Juni. (W.-Z.) Bekanntlich Übermächte, j der König von Dänemark der bombardirten Friedrich- I stadt 100,000 Rbthlr. - mit der Bestimmung, daß dieselben unter diejenigen beschädigten Bewohner vertheilt werden sollen, welche weder gegen Dänemark die Waffen getragen, noch nach Frankfurt oder Kiel wählten, Adressen unterschrieben , kurz keinerlei Symptom einer deutschen Gesinnung bethätigten. Und um nun die Würdigen herauszufinden, wurde der dortige Magistrat beauftragt , Bericht zu erstatten. Allein es verging längere Zeit und der Bericht lief nicht ein. Abermals an seine Pflicht ermahnt ; berichtete der Magistrat nach Kopenhagen , daß er nichts zu berichten hätte, denn er würde alsdann sämmtliche Friedrichstädter, mit Ausnahme eines einzigen alten Frauenzimmers, von der Liste der Loyalen streichen müssen, indem alle mehr oder minder sich am Kriege betheiligt hätten. Daraus lief ein Ca- binets-Schreibeu ein, man wolle, den freiwilligen Waffendienst ausgeschlossen, allen übrigen Vergehen Nachsehen, und darüber sei zu berichten. Doch aber sollten alle Reklamanten in Verhör genommen, summarisch ein politisches Glaubcnöbckenntniß von ihnen verlangt und schließlich die Protokolle eingesandt werden. Dies geschah, und cs stellte sich nun gerade das umgekehrte Verhältniß heraus: sämmtliche Bewohner sind freigesprochen, mit Ausnahme eines einzigen, der die Waffen gegen Dänemark freiwillig getragen.
Berlin, 16. Juni. Das hiesige officiöse „Corre- spondenz-Lüreau will erfahren haben, gestern seien bei zweien diesigen Gesandtschaften Nachrichten eingegangen, denen nach ö. M. der Kaiser von Rußland sich zu einer nachgiebigeren Erklärung in der orientalischen Frage herbeigelassen.
Nach Andeutungen in den hiesigen diplomatischen Kreisen bahnt sich eine V c r st â n d i 3 u n $ der Großmächte in Beircff der orientalischen Angelegenheit gegenwärtig in London an. Was die Erklärung Preußens betrifft, welche in diesen Tagen in der türkischen Frage nach Petersburg und nach London ergangen ist, so halt sich Preußen in derselben die Hand ganz frei, so daß cd weder Rußland, noch England uud Frankreich gegenüber in Bezug auf die orientalische Angele- genheil irgend welche Verpflichtung übernimmt. — Von München aus wird berichtet, daß von Seite Bayerns dem von Preußen ausgehenden Anträge auf Herabsetzung der Eisenzölle im Interesse der bayerischen Industriellen cntgegengcwirkt werden würde. Zugleich wird in dem Bericht hervorgehobcu, daß man in Bayern an Württemberg in dieser Beziehung Unterstützung zu finden hoffe.
Wien, 14. Juni. Se. Majestät der König von Baiern hat gestern in Begleitung Sr. Majestät deS Kaisers Früh 10 Uhr die Artillerie - Etablissements am Reunwcge, um 11 Uhr das Central-Militär EquitationS- Jnstitut und um 12 Uhr das Slrsenal in Augenschein genommen. Später besuchten die Majestäten die k. k. Hof- und StaatSdruckcrei und verweilten längere Zeit in diesem Kunstinstitute. Nachmittags war großes Diner bei Hofe und Parkwusik, sodann Tbeatre pars im Schloßtheater zu Schönbrunn, wo bei festlicher Beleuchtung von Mitgliedern des Hofburgtheaters „der Hauptmann von der Schaarwache,, und „die Mördergrube" gegeben wurden. Abends fand glänzende Soiree statt. Heute Früh 9 Uhr wird, wie schon erwähnt, die große Militärparade am Glacis abgehalten, und Abends werden die Allerhöchsten Herrschaften int L k. Hofburg.