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Heit erklärt, daß es durchaus keine Gebietsvergrößerung auf Unkosten der Integrität der ottomanischen Pforte beabsichtige, und diese Versicherung aus dem Munde eines Herrschers, dessen erhabene Einsicht, GerechtigkeitS- und Friedensliebe die Welt mit Recht bewundert, dessen Wort allüberall einem unantastbaren Heiligthume gleich­geachtet wird, und dessen Mäßigung sich jederzeit und unter allen Umständen erprobt hat, ist unstreitig eine der verläßlichsten Bürgschaften, deren Wirksamkeit, nach unserem reiflich erwogenen Dafürhalten, über alle Wech­selfälle, welche die Verwickelung des Augenblickes noch erzeugen könnte, hinausreicht. Die Integrität des o t t o m a n i s ch e n Reiches und die Verhütung seines Zerfalles bildet derzeit ohne Widerspruch ein entschieden ausgesprochenes und vvrwalteudes Interesse der euro­päischen Großmächte. Es scheint uns übrigens die Ur­sache des gegenwärtigen Zerwürfnisses mehr in der Form, in der zufälligen Art und Weise des Ganges der ftühe- ren Verhandluügen, als in der Sache selbst zu liegen. Wir können auch jetzt der Hoffnung nicht entsagen, durch weise und friedliche Mittel der Verständigung die Schwierigkeiten des Augenblickes beseitigt zu sehen.' In dieser wahrhaft gemeinnützigen Richtung zu wirken, muß das k. k. Cabinet zunächst seinen Beruf erkennen, denn er liegt unzweideutig und klar in den Verhältnissen vor- gezeichnct.

Der A. A. Z. wird auö Wien geschrieben: Wir können nur einen Beweis der Mäßigung des russischen CabinetS darin sehen, daß Graf Nesselrode nach der Nachricht von der Abreise des Fürsten Menczikoff aus Eonstantinopel noch eine Note an Neschid Pascha ge­richtet hat, welche einen neuen achttägigen Ter­min mit der Einladung enthielt, bin gerechten Forde­rungen Rußlands in Betreff der griechischen Kirche im Orient zu entsprechen, da diese nur eine Garantie sür längst bestehende und anerkunicke Rechte wünschen. Zur richtigen Beurtheilung der russisch-türkischen Differenz gehört überdies nothwendig die Erinnerung, daß Fürst Menczikoff gleich bei seiner Ankunft in Eonstantinopel ein in den freundschaftlichsten Ausdrücken abgefaßtes eigenhändiges Schreiben des Kaisers Nikolaus an den Sultan überbracht hat, welches bisher unbeantwor­te t g e b l i e b e n ist.

Aus Pesth schreibt man vom 8. Juni. Mancherlei Anstalten, die hier von Seiten der Militär - Behörden getroffen werden, lassen in naher Zukunft starke Truppen- Durchmärsche vermuthen , besonders an Fuhrwesen und Reiterei. Nach Temeswar ist am 9. d. M. eine tele­graphische Depesche abgegaugen, wodurch zwei Jufan- terie-Regimenter, welche in der Festung und Woiwodina stationirt sind, den Befehl erhalten haben, an die äu­ßerste Grenze vorzurücken. Aus Weixelburg schreibt man , daß die daselbst zeitweilig in Garnison liegende BrigadeSigismund" den Befehl erhalten hat, Lis auf weitere Ordre stehen zu bleiben. Man erwartet daselbst nun mit jedem Tage den Befehl, an die Grenze zu rücken. Glina und Petrinia ist stark besetzt und der vor einigen Monaten von hier nach Karlstadt abge- gangcne Artilleriepark bereits an die Grenze beordert worden. Weitere Truppeusendungen stehen in Aussicht.

In Est e wurden am 30. April von 48 des nächt­lichen Einbruches mit bewaffneter Hand, des Raubes theilweise auch des Mordes überwiesenen und kriegsge­richtlich zum Tode verurteilten Individuen 22 mittelst Pulver und Blei hingerichtet, die Anderen zu je 2 4 5 6 810 1112161820jährigcm schweren Kerker begnadigt; einem Individuum wurde, besonders mildernder Umstände halber, der Untersuch ungSarrest als genügende Strafe eingerechnet. Auch aus Ungarn wurde in der letzten Zeit wieder eine ziemliche Anzahl von standrechtlichen Hinrichtungen, we­gen Raubes rc., gemeldet.

Triest, 14. Juni. Nachrichten aus Corfu vom 9. d. M. zufolge war der Dampfer Eustozza mit dem k.

f. Jnteruuntiuö Freihcrrn von Bruck am Bord daselbst eingetroffen und von sämmtlichen Hafenbatterien mit Salven begrüßt worden, worauf nach kurzem Aufent­halte die Weiterreise erfolgte. Das levantische und ägyptische Dampfboot wird heute erwartet, doch ist cs noch nirgends sichtbar. Die russische Kriegsbrigg Orpheus" ist hier eingelaufen. Die spanische Flo- tille hat Befehl erhalten, nicht nach Malta, sondern nach Barcelloua zu segeln. Der Blitz hat in der verflossenen Nacht die Apparate am hiesigen Telegraphen zerstört und überhaupt eine Unterbrechung auf der Wien- Triester Linie verursacht.

Frankreich.

Paris, 14. Juni. Der Moniteur thut der russi­schen Note keine Erwähnung, und es ergibt sich, daß Graf Panin in gar seiner diplomatischen Mission nach Paris gekommen ist, sondern blos, um seine Gattin nach den Bädern von Vichy zu begleiten. Wir er­fahren einiges Nähere über die Veranlassung der in den letzten Tagen stattgehabten Verhaftungen. Es ver­lautet folgendes: Ein weitverzweigtes Complot gegen das Leben des Kaisers und zum Umsturz der bestehen­den Negierung soll in London angezcttcll worden sein. Eine Anzahl in Paris angekommener Flüchtlinge sollte angeblich mit Hilfe chemischer Präparate das von dem Kaiser und der Kaiserin bewohnte Schloß von St. Cloud, so wie das PalaiS des PolizcimimsterS und des Kriegs­

ministers in Brand stecken. Die französische Regierung war, wie es heißt, durch eine Note Lord Palmerston's davon in Kenntniß gesetzt, so daß eS möglich wurde, die Schuldigen bei ihrer Ankunft in Paris zu fassen. Unter den Verhafteten befindet sich der Advocat Mau- blanc, Vertheidiger Bianqui's vor dem hohen Gerichts­höfe von Bourges, Dernaud, ehemaliger Redacteur des Courrier Franyais, und Pascal, ehemaliger Redacteur des Blattes LÄtelier und im Jahre 1848 Oberstlieute­nant in der 11. Legion der Nativnalgarde. Maublanc ist wieder in Freiheit gesetzt worden. Die Börse war, wie sich voraussehen ließ, bei ihrer Eröffnung gedrückt und zahlreiche Verkäufe fandcn statt. Glücklicher Weise gaben neue Friedens - und Versöhnungsgerüchte den Speculanten wieder Muth, und die Rente stieg um ei- nige Centimes. Es hieß, die französische Regierung habe aus Petersburg die Zusicherung erhalten, daß nach Besetzung der Donanfürstenthümer Rußland die Vermittlung der Mächte annehmen werde. Man be­schäftigt sich schon mit den Anstalten zur Feier des 15. August, deren Leitung Hru. Visconti übertragen ist und die äußerst glänzend ansfallen soll. Die halbamtli­chen Blätter bringen heute, gewiß nicht ohne Zweck, die gleichlautende Notiz, daß man nach allen Briefen aus Wien dort trotz der russischen Rüstungen an keinen Krieg glaubt. Daß Kossuth und ein Theil der un­garischen Flüchtlinge sich, wie man derAllg. Z." ans Paris gemeldet, nach Eonstantinopel eingeschifft hätten, findet sich bis jetzt nirgends bestätigt. Die Krönungs­frage kommt wieder aufs Tapet. Der Papst, so heißt eS jetzt auf einmal, wird zwar nicht selbst kommen, al­lein sich durch einen Legaten vertreten lassen. Ueber die Zeit der Feier herrscht die alte Ungewißheit. 45 neuerbaute Häuser in der Straße Rivoli sollen nic- dergerisseu und von Neuem in einer anderen Bauart mit Arcaden wieder 'ausgeführt werden. Diese Arbeit ist bereits begonnen.

Schweiz.

Nach Berichten aus Tessin unterliegt cs keinem Zweifel mehr, daß der Bunoesrath die Jnternirung der im Canton Tessin befindlichen italienischen. Flüchtlinge verfügen werde. Das Fremdeugesetz wird mit 1. k. M. in Wirksamkeit treten. Nach einer Pariser Corresp. desJournal de Geneve," die in allen diplomatischen Fragen sehr gut unterrichtet zu sein pflegt, erklärte der französische Geschäftsträger, Herr von Gobincau, vor seiner Abreise von Bern (und vor der Abreise des österreichischen Geschäftsträgers) dem BundeSrathe, daß im Falle eines vollständigen Abbruchs des diplomati­schen Verkehrs Frankreich zwar nicht dieselben Maßre­geln ergreifen werde, daß eS jedoch auch eben so wenig sich gegen die Forderungen Oesterreichs zu erklären be­absichtige, da die, französische Regierung wie die öster­reichische der Ansicht sei, daß die zuvorkommende Gast­freundlichkeit (facilité hospilalière), welche die Flücht­linge in der Schweiz genießen, ihre Gefahren für die Ruhe Europa'S habe.

Nullund.

Petersburg, 7. Juni. (Hamb. N.) Die all­gemein gehegte Ansicht, Rußland werde von seinen an die Pforte gestellten Federungen in keiner Weise ab­gehen , ist in dcn letzten Tagen zur Gewißheit gewor­den. Die deßfallsige Entscheidung des hiesigen Cabi- nets hing keineswegs von der Rückkehr des Fürsten Men- czikoffs ab. Derselbe hat sich seines Auftrages zur Zu­friedenheit des Kaisers entledigt , indem er sich streng an seine Instructionen hielt und nach deren Wortlaut bandelte. Graf Nesselrode wurde von dem Fürsten nach Paris und Loudon mit der Erklärung abgeschickt, der Kaiser werde von seinen Forderungen nicht absteben. Eine Note in ähnlichem Sinne übersandte Fürst Men- czikoff von Odessa an die Pforte, nachdem er von hier aus neue Instructionen erhalten hatte. Oesterreich, heißt eS, wolle den Frieden, werde aber mit Rußland Hand in Hand gehen. Die Gerüchte von der unsicheren Hal­tung des Herrn v. Bruunow und v. Kisseleff dürften des Grundes entbehren, weil alle russischen Gesandte dahin instruirt worden sind, die respectiveu Kabinette von dem Entschlusse deS diesigen, in Betreff der gestell­ten Forderungen, zu unterrichten. Man weiß, daß beide, Frankreich und England, nichts sehnlicher wünschen, als den Krieg zu vermeiden. Eben darum wird Rußland sich nicht durch allgemeine Maßregeln der Pforte zu Gunsten der Christen abspeisen lassen. Es fordert eine obligatorische Acte in Betreff der griechisch-orthodoxen türkischen Unterthanen , und bei dieser Forderung wird beharren. Die englische und die französische Flotte können sich immerhin im Archipel vereinigen. Rußland wird dadurch eben so wenig wie 1828 abgehalten wer­den, seine Executious-Truppen marschiren zu lassen. Die Annäherung einer russischen Armee dürfte in Bulgarien, Serbien, Czernagora, Moldau und Walachei eine Stim­mung hervorrufen, welche die Pforte zur Nachgiebig­keit zwingt. Darauf rechnet man wenigstens hier sehr stark. Inzwischen wird der Verkehr von ankommenden und abreiseuden Generalen immer lebhafter. An- gekommen sind die Generale: Der Carabinierbrigadc Tschcrkow und des Grcnadicrcorps Nipp; abgereist sind: nach Minsk Fürst Radziwill, nach Moskau Fürst Men- czikoff, die Generale Fürst Schachowski, Urusow, Kruse, Kantakuzeno, Chrulew: nach Warschau dcs General

des Soldauditoriats der activen Armee, Dokudowskl und Generaladjutant v. Budberg.

Warschau, 12. Juni. Die Flügeladjutanten Sr. Maj. des Kaisers, Fürst Theodor Paskewitsch und Fürst Labanow-RostowSki, sind von hier nach St. Petersburg abgereift.

Türkei.

Wie demWanderer" ans Eonstantinopel vom 2. Juni gemeldet wird, ist die türkische Flotte vom golde­nen Horn bis zum Schloß am schwarzen Meere in Echelons aufgestellt. Im Kiosk von Therapia wird alles für den Empfang des Sultans vorbereitet, denn dieser Kiosk ist zum Wohnort des Padischab bestimmt, falls ein Krieg ausbrcchcn sollte. Dieses Schloß liegt am Eingänge des schwarzen Meers und seine Lage hat den- Vortheil , daß der Sultan nicht aus dem Bereich der europäischen Diplomatie kommen wird. Die Redif sind ein berufen, die Bataillone sind vollzählig, die Di­visionen bereits formirt und die Corps von Ismail Pascha und Kara Achmet Pascha marschiren von der montenegrinischen Grenze an die Donau. Von allen Seiten laufen Petitionen an den Sultan ein, welche den­selben um Bildung eines Corps von verlornen Kindern (enfans perdus) angehen. Verloreiw Kinder nennt man hier die alten ausgedienten Soldaten, die bereits ihrer R.seivcpflicht als Redif Genüge gethan habe» und den­noch dienen wollen. Von diesen sollen sich gegen 30,000 Mann gemeldet haben. Der englische Gesandte Hat^ sich mit dem französischen dahin einverstanden, daß je eine Fregatte jeder Diatibn im Bosporus Anker werfen soll. Die eine wird für den Dienst der Gesandtschaft bestimmt sein, die andere führt die von der Türkei in Frank: eich an gekauften Waffenvorräthe an Bord.

Es wurde neulich gemeldet, die Pforte habe ihren Gesandten in St. Petersburg abberufen. Diese Nach­richt ist eine sehr irrige, da die Pforte seit dem Vertrag von Adrianopel nur durch einen Consul vertreten ist. Die türkischen Gesandten und Botschafter hatten bis da­hin in St. Petersburg stets in einer so unerquicklichen Stellung sich gefühlt, daß die Pforte im genannten Ver­trag sich durch eine besondere Clausel daS Recht vorbe­hielt, nach St. Petersburg keinen Gesandten zu schicken. Nur in außerordentlichen Fällen hat sie einen besondern Botschafter dahin gesandt, der nach Erledigung der spe­ciellen Angelegenheit sofort nach Eonstantinopel wieder zurückkehrte. Der letzte dieser Botschafter war Fuad Effendi, der in der FlüchtlingSangelegenheit dahin ging.

America.

Washington, 1. Juni. Der N. P. Z.) wird geschrieben: Die Industrie-Ausstellung in New - Aork scheint in Preußen überschätzt zu werden, sie ist ledig­lich eine Privat-Unternehmung, das Gebäude wird statt am 1. Mai, erst am 1. Juli fertig werden, und alle Einrichtungen und Vorkehrungen ermangeln derjenigen Einigkeit sind Sicherheit, die allein ein solches Unter­nehmen gewinnreich machen können. Die Europäischen Aussteller werden weder gute Plätze noch ver­mehrten Absatz eringen, da ohne Zweifel den America­nischen Ausstellern der größte Vorschub geleistet werden wird. Die Actien sind an der New-Aveker Börse von 150 auf 120 gefallen.

Neuche Nachrichten.

Köln, 12. Juni. Es werden hier auf Anregung des Ministeriums eie Notablen zusammentreteii, um den Bau einer Eisenbahn von Deutz durch das S i e g t h a l nach Gießen zu berathen.

Paris, 15. Juni. Man liest in derLiberte" von Lille: Wir vernehmen in officieller Weise, daß die Ankunft des Kaisers Louis Napoleon im Lager von St. Omer auf den 23. Juni festgesetzt ist. Die Patrie berichtet: Ein Schreiben aus St. Petersburg vom 3. Juni meldet von einer großen Revue, welche der Kaiser am Tage zuvor bei Peterhof abgehalten. Während dieser militärischen Feierlichkeit machte cr nicht die ge­ringste Anspielung auf die gegenwärtigen Umstände. Die Zusammcnziehung von Truppen im Lager von Pe- terhof. welche jährlich um diese Zeit stattfiuden, ist die­ses Jahr zahlreicher als gewöhnlich. Abd-el - Kader hat an den Präfecten des Indre- und Loire-Depar­tements geschrieben, um dem Andenken desselben sich zu empfehlen.

* Parks, 15. Juni. (F. Bl.) Das Gerücht, in Mailand sei ein Aufstand ausgebrochen, hat ein Fallen der Papiere an der heutigen Börse zur Folge gehabt. 3pCt. 77. 30. 47,p6t. 101. 50. Paris-Straßburg 882. Paris-Lyon 896.

* London, 15. Juni. (F. Bl.) ' Im Unterhause gelangte Gladftoue'S Erbschafts st euerbill gestern zur zweiten Lesung; Pakington's Motion ans sechs­monatliche Vertagung wurde durch 268 gegen 185 Stimmen verworfen.

Neapel, 8. Juni. Ein Handels- und Schifffahrts­vertrag ist auf Grundlage des Reciprocitäts - Princips mit Rußland abgeschlossen worden.

Eonstantinopel, 6. Juni. (F. Bl.) Die hiesige Stimmung ist ruhiger geworden, aber die Rüstungen werden fortgesetzt. Auch baS neueste Ultimatum Ruß­lands soll von der Pforte ab gelehnt worden sein. Wechselcours auf London: 122.

Verantwortlicher Ncvacteur: Dr. A. Korsrk.