Nassauische Allgemeine Zeitung.
Wr /SS. Mittwoch den 15. Mi 1853. ,1
Dik,,Naffau!sck'c WUflemrinr Zritnn," mit dem bea«riflif»en Beiblatt „Der Wanderer" erscketnt, Sonntaq« auéßtnommrn, täqfi* mit beträgt der PränumeratignspreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch ' fär den ganzen Umfang deS Lburn- und TariS'schen BerwaltungSbezirkS mit Inblgriff deS Poilauffchlag« 2 fl., für die übrigen trätet deS deutfch.bsterreichifchen PastdereinS, wie für daS Ausland 2 «. 24 tr. — Inserate werden die vierspaltix ' Pttitzeile oder deren Raum mit 3 ft. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedri ch, Vanggasse 42, auSwärtS bei den nâchstgelegeucu Postämtern, zu machen. '
Jur orientalische» âge
Der Lloyd hofft ebenfalls eine friedliche Lösung der russisch-türkischen Differenz: Ein Marsch der Russen auf Konstantinopel sagt der „Lloyd" scheint Jedermann im höchsten Grade unwahrscheinlich. Ob aber dieselbe den Pruth überschreiten werden oder nicht, ob sie die Donaufürstenthümer besetzen werden, das ist die nächste Frage, deren Beantwortung man mit Spannung ent- gegensieht. Es ist möglich, daß ein derartiger Schritt unterbleibt, aber wenn er auch geschähe, so halten wir uns doch dann überzeugt, daß er noch nicht zu einem Krieg führen werde, und daß alsbald hierauf bezügliche Erklärungen des russischen Cabinets würden abgegeben werden. Die Krise, in welcher wir uns befinden, kann möglicher Weise noch einige Wochen dauern, aber ein gefährlicher Ausgang derselben scheint uns zu den unwahrscheinlichen Dingen zu gehören. So lange, wie Kaiser Nicolaus lebt, ist seine Persönlichkeit allein eine Bürgschaft dafür, daß der europäische Friede nicht ohne Noth von Rußland wird gestört werden.
Auch die „Presse" will, trotzdem, daß der Westen Eu- ropas»eine geharnischte Stellung zum Schutze der Türkei einnehmen zu wollen scheint, trotzdem, daß Rußland kampfgerüstct dasteht, keinen Augenblick die Hoffnung aufgeben, daß noch in der letzten Stunde, in dem er= eignißschweren Augenblicke der nahebevorstehenden Entscheidung, diese eine solche sein werde, welche die gegründeten Wünsche und Rechte der streitenden Parteien in ehrenvoller, und die Ruhe Europas sichernder Weise lösen werde. — Daß aber Rußland mächtig rüstet, wird jetzt von den verschiedensten Seiten bestätigt. Die von uns bereits gemeldete Berufung deö Chefs vom Generalstabe der activen Armee, Fürsten Gortschakoff, nach Petersburg, scheint , wie man den „H. N." aus Petersburg 2. Juni schreibt, auf ernste Schritte gegen die Türkei zu deuten. Das Grenadiercorps hat über- dieß die Weisung erhalten, sich marschfertig zu halten, um, falls auS Polen einige Truppen nach Bessarabien gezogen werden sollten, diese zu ersetzen. — Der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister des Kaisers bei der ottömanischen Pforte, Geheimerath Titoff, und der Geheimerath Richter haben sich eiligst von Petersburg mit einem besonderen Zuge auf der Eisenbahn nach Moskau begeben. Man will wissen, Herr Titoff habe wichtige Aufträge mitgenommen. Mit Ordres an den Fürsten Statthalter ist der Generaladjutant des Kaisers, Baron von Mcyendoiff, nach Warschau abgereist. In den Ministerien des Aeußeru, des Krieges und dem Proviant-Departement herrscht große Thätigkeit. Großfürst Constantin, Chef der Marine, ist von seinen Geschäften so sehr in Anspruch genommen, daß er seine Abwesenheit bei der jüngsten Versammlung der geographischen Gesellschaft, der er zu präsidiren beabsichtigt hatte, hat entschuldigen lassen müssen. Alle diese Vorbereitungen scheinen auf eine Expedition nach der Türkei zu deuten; wie weit der Schein sich verwirklichen wird, läßt sich noch nicht bestimmen. — Aus Warschau, 5. Juni, wird demselben Blatte geschrieben: „Der General Schilder hat Anordnungen getroffen, einiges Divisionen im Gouvernement Lublin nach dem Süden Rußlands zu dirigiren." Aber derselbe Btticht fügt noch beruhigend hinzu: „Trotz der Gerüchte von einem noch bevorstehenden Kriege mit der Türkei verweilt der Fürst von Warschau in aller Ruhe noch hier am Orte und scheint bis jetzt keinerlei Vorbereitungen zu treffen." Ebenfalls über die russischen Rüstungen wird dem „Wanderer" aus Constantinopel, 30. Mai, geschrieben: Die Vorbereitungen Rußlands an den türkischen Grenzen gestalten sich jeden Tag drohender. 180,000 Mann sind jeden Augenblick bereit, unter Lüders und Dannenberg in die Donaufürstenthümer zu rücken. Viceadmiral Kornileff hat auf der Donau eine Flotille von 46 Kanonenböten zusammengebracht. Sie führt 168 Kanonen mit sich und kann ein Corps von 10,000 Mann auf dem ersten besten Puncte über die Donau setzen. — Viceadmiral Berg hat die Flotte deS schwarzen Meeres in Sebastopol vereinigt. Er erwartet in jedem Momente den Befehl zur Abfahrt. Alle diese Bewegungen sind auf Ordre des Fürsten Meuczikoff vorgenommen worden, der zur Zeit Commandant aller Land- und Seetruppen ist." — Die N. Pr. Zeitung läßt sich etwas bedenklicher über die orientali- s ch e Frage vernehmen. Sie hält den Ausbruch von Feindseligkeiten für wahrscheinlich und Preußens Haltung für entscheidend, auf daß der Kampf nicht.ein europäischer werde. Sie recapitulirt den Gang der Ereig- Nisse in folgendem: Die Forderungen Rußlands im
Orient, über deren furchtbaren Ernst sich nur Gutmüthige täuschen konnten, wurden gefährlich für den Frieden Europas, sobald sich mit Gewißheit hcrausstellte, daß namentlich England seinen gewichtigen Einfluß verwandte, die Türkei zu veranlassen, die Forderungen Rußlands zurückzuweisen. Gestützt auf die ehrende Ueberzeugung, die ganz Europa von dem Kaiser Nikolaus hat, er werde von seinen Forderungen abstehen, sobald er sie als ungerecht erkenne, versuchte man allseitig nun Rußlands Forderungen als ungerecht zu erweisen. Man machte die Sache sich sehr leicht und*argumenlirte hier auf die unsinnigste Weise. Auch die Forderungen Rußlands, die wirklich gerechtfertigt sind, bei ruhig und billig Denkenden auch bereits Anerkenntniß im erhöhten Maaße finden müssen, wurden als ungerecht bezeichnet. Das Bedürfniß nach Frieden hatte dies Verhalten bedingt , praktisch war es nicht. Lange währte es nicht, so erkannten die Einsichtigeren die Unmöglichkeit, die Ansicht des Kaisers von der Gerechtigkeit seiner Forderungen zu ändern, ihn zum Nachgeben zu bewegen, den Frieden auf diesem Wege zu erhalten und griffen nach einem zweiten Strohhalm. .Coalition Englands, Frankreichs, Preußens und Oesterreichs sollte den Kaiser schrecken und von seinen Forderungen abbringen. — Sollte die Coalition Comödie oder Ernst sein? — Wie schlecht kennt man den Kaiser, wie leicht täuscht man sich selbst. —• Durfte Oesterreich oder Preußen sich einer Coalition gegen Rußland anschließen. ? — Sollte Preußen und Oesterreich sich unbrauchbar machen für die wichtige Frage, den Kampf auf den Orient zu beschränken, wenn er entbrennt, und dort mit Erfolg auf die Wiederherstellung deS Friedens cinzuwirken?— Wer aber, fragen wir, wer bürgt Europa für Frankreich?---Schnell wechselte die Forderung. Einsichtigere verlangten neben der Coalition Englands und Frankreichs das Auftreten Preußens und Oesterreichs als Vermittler. Vermittler, mit welchem Grundgedanken: Rußland hat Recht, oder Rußland hat Unrecht? — Man forderte von Preußen und Oesterreich als Vermittlern, den Kaiser zu überzeugen, er habe Unrecht und müsse von seinen Forderungen abstehcnz diese Vermittlung, fast identisch Mit dcr'Coalition, mußte aus gleichen Gründen unterbleiben und ist unterblieben. — Jetzt wird Oesterreichs Vermittlung nach Verständigung mit Rußland erwartet. Natürlich erfolgt sie jetzt mit dem Grundgedanken, Rußland hat Neckt, und hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn sie dahin führt die Türkei, oder richtiger gesagt England und Frankreich in der Türkei zum Nachgeben zu bringen. Die Vermittelung Oesterreichs, die Parteinahme Oesterreichs zu Gunsten Rußlands, wird sie jcnci Nachgeben herbeiführcn? — Die Vereinigung der französischen und englischen Flotten, ihr Erscheinen im Orient, das Ergebniß des CabinrtS-ConscilS in London vom 9. d. M., die ausgedehnten Vollmachten, die England seinem Gesandten ertheilt hat, machen den Ausbruch der Feindseligkeiten im Orient sehr glaublich. — Und daß der Kampf nicht ein europäischer werde: Preußens Haltung wird entscheidend wirken.
Deutschland.
Frankfurt, 12. Juni. Der K. Z. wird ge- schrieben: In der letzten Bundes-Sitzung wurde die v. d. Kctteuburg'sche Beschwerde - Angelegenheit, wie bereits hiesige Blätter, aber ungenau, berichteten, erledigt. Die Bundes-Versammlung erklärte sich mit 11 gegen 6 (nicht 10 gegen 7) Stimmen dahin, sich nicht veranlaßt zu sehen, in diese Angelegenheit sich einzumischcn. Es handelte sich somit weder von einer Competenz- noch Principien -Frage der Bundes-Versammlung. Die sechs in der Minorität stimmenden Staaten, welche die Bundes-Versammlung allerdings berufen glaubten, in dieser Sache einzuschreiten, sind Oesterreich, Bayern, Königreich Sachsen, Kurhessen, Großherzogthum Hessen und die Staaten der sechSzchn- ten Stimme Liechtenstein, Reuß, Schaumburg-Lippe, Lippe, Waldeck und Hessen-Homburg) .(Also wäre Nassau nicht bei der Minorität gewesen.
Die aus der Menagerie Kreutzberg's entwichene und im hiesigen Forste sich amüsirende Hyäne ist durch polizeiliche Bekannmachung als Mystifikation erklärt worden. Wie aus guter Quelle verlautet, haben sich einige Stücke Dammwild aus den Jagden Sr Gr. H. des Prinzen Emil von Hessen in unseren Wald verirrt und die Sachsenhäuser brauchten einen Schießpaß, um sich diese Braten zu holen; deswegen wurde das Gerücht von einer entwichenen Hyäne ausgebreitet.
Darmstadt, 13. Juni. Bei der morgenden
, ....------- ■ - — '......rn
Feier zum Andenken Ludwigs 1. soll der älteste Sohn.’ des Prinzen Carl, des Bruders deS Großherzogs und I präsumtiven Regierungsnachfolgers, Prinz Ludwig, der ' in dem Alter von 17 Jahren steht, als Lieutenant vor- j gestellt werden. Auch wird versichert, daß ihm zugleich . das Prädicat Erbprinz beigelegt werden soll. Das 1 Prädicat Erbgroßherzog gebührt bloß dem dem Throne J am nächsten stehenden Leibeserben deS Regenten.
Michelstadt, 10. Juni. Wie dem „F. Journ." r geschrieben wird, ist die auch in unser Blatt ans der * „B. L.-Z." übergegangene Nachricht, daß kürzlich bei ‘ einer in der Behausung des Altbürgermeisters Reubold 1 zu Schönau, im badischen Odenwald, vorgenommenen \ Haussuchung Sckieß - und Hiebwaffen aller Art, auch ' mehrere Dolcke, sowie eine beträchtliche Quantität Pul* ver, Kugeln und andere Dinge gefunden worden seien, ■ übertrieben.
Aus Rheinhessen, 12. Juni. Den 22. Juni ’ findet die Jahresversammlung des hessischen Hauptver- " eins der Gustaw Adolph-Stiftung in der alten, chrwür» 1 digen Lutherstadt WormS statt. *
Mannheim, 14. Juni. Mittelst der Main- c Neckar - Eisenbahn ist heute früh die Frau Herzogin ‘ Stephanie nebst Gefolge zur DermählungSfeierlickkeit ? ihrer Enkelin der Prinzessin Carola Wasa nach Dres- । den abgereift.
Karlsruhe, 13. Juni. Der k. preuß. Gesandte am hiesigen Hofe, Fahr, von Savigny, ist vorgestern * von Berlin hierher zurückgekehrt und hat sich unmittel- r bar nach Badem Baden begeben, woselbst er so lange, ' als der Aufenthalt dcr Prinzessin von Preußen königl. ' Hoh. an diesem Orte dauert, verweilen wird.
Heute treten die Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprovinz zur abermaligenConferenz in Freiburg zusammen
München, 10. Juni. (A, Ztg ) Da in sicherer Aussicht steht, daß eine Staatseisenbahu von Nürn- ! bcrg über Amberg, Regensburg und Passau an die öfter- 1 reichische Grenze geführt werden wird, so ist in Berück« 1 sichtigung der Vortheile für den bedeutenden Getreide- } und Viehhandel in Niederbayern eine Zweigbahn von ' Straubing nach München unbedingt noihwendi'g. Die RekchSräthe von Niethammer, Graf Arco-Valley, Graf Montgelas und Graf Waldkirch haben auch bereits beim ’ Staatöministerium des Handels und der öffentlichen Arbeiten um eine Concession nachgesucht, diese Zweigbahn f durch eine ActieugcseUschaft bauen zu dürfen.
Coblenz, 43. Juni. Die hiesige Zeitung berichtet: f „Es wird uns heute von gut unterrichteter Seite versichert, daß gestern Abend eine aus den höchsten Kreisen Berlins abgegangene telegraphische Depesche hier einge- troffcu ist, welche sich mit größter Zuversicht darüber 1 ausspricht, daß der Frieden Enropa's nicht werde gestört : werden."
Fürstenthum Lippe, 12. Juni. Geh. Staatsrath Dr. Fischer wird bei Sr. Durchlaucht unserm ' Fürsten als geh. Cabinetsrath mit 3000 Thlrn. Gehalt ’ und dem Titel Excellenz in Dienst treten.
Lübeck, 11. Juni. Der Senat publicirt heute auf Anordnung der deutschen Bundesversammlung vom 12, ■ Mai d. J. den Bundesbeschluß vom 12. Juni 1845, ' wonach der gräflichen Familie Bentinck die Rechte des i-1 hohen Adels und der Ebenbürtigkeit im Sinne des Art.
14 der DundeSacte zustehen. '
Mecklenburg Von den in Bützow Verhafteten ist noch keiner entlassen worden. Einzelne derselben ha- • ben, wie die N. Pr. Z. meldet, umfassende Geständnisse ' abgelegt, darunter namentlich der Rostocker Advokat ' Hane, dessen Vater Geistlicher ist und in seinem Sohne eine Sinnesänderung bewirkt haben soll. <
Berlin, 11. Juni. Bekanntlich war die Ankunft l deS neuernannten französischen Gesandten am hiesigen ' königlichen Hofe, Marquis de Moussier bereits auf den f vergangenen Monat angcsetzt gewesen. Aus zuver- p lässiger Quelle wird uns die Notiz, daß der Grund < des eiiigetreteucn Aufschubes lediglich in der Unentschie- : beiseit der orientalischen Krisen zu suchen ist. Maner- 11 wartet in Paris nur irgend eine maßgebende Entscheidung in dieser Frage, um den neuen Gesandten für e seine hiesige Stellung mit genügenden Instructionen ° versehen zu können. Daß die Ankunft des Gesandten e in nächster Zeit zu erwarten, möchte äußerlich der Um« ' stand beweisen, daß seine Equipagen und ein Theil der , Effecten bereits gestern auf dem hiesigen Bahnhöfe der > Berlin - Potsdam , Magdeburger Eisenbahn im Voraus t eingetroffen sind. — Herr von Radowitz ist von der ; Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitgliede er- e nannt worden. " 6