gen; aber es fasst auk, daß Graf Leiningen dorthin in Mission abgeht, wo sich eben fein österreichischer Gesandter befindet, denn Graf McnSdorff, unser Gesandter in Petersburg, befindet sich augenblicklich auf dreimonatlichem Urlaub zu Boskowicz in Mähren Der vorgestern früh, nach sechsmonatlicher Abwesenheit, wieder hierher zurückgekehrte k. russische Gesandte, Graf Meyendorff, hatte gestern eine längere Konferenz mit unserm Minister des Auswärtigen, Grafen Briol. Die Nat. Ztg., welche obige Nachrichten bringt, will sogar den Inhalt dieser Unterredung schon kennen. ES wird ihr berichtet, Herr von Meyendorff (stebe daS gestrige Blatt) habe in derselben dem Herrn Minister die bestimmte Versicherung gegeben, daß bis jetzt noch keine russischen Truppen die Grenzen der Fürstcnthümer überschritten haben, daß dies aber in dem Momente geschehen würde, wo ein einer fremden Macht gehöriges Kriegsschiff in die Dardanellen cinlaufeii würde. Weiter heißt es noch, daß Baron Meyendorff den Auftrag habe, hierorts anzufragen, in wie fern man in Wien bei allenfallsigen kriegerischen Eventualitäten geneigt wäre, einem russischen Armcecorps den Durchgang durch Siebenbürgen an gestatten. (?) — Heute hatte Herr von Meyendorff eine zweite Konferenz im Ministerium des Acußern, nachdem gestern -Abend Generalmajor v. Lomanosov hier angckommcn, welcher dem Herrn Gesandten Depeschen überbrachte, die ohne Zweifel auf die orientalische Frage Bezug hatten. Mittags fuhr Herr von Meyendorff nach Schönbrunn, wo <r von Seiner Majestät dem Kaiser empfangen wurde und dem Vernehmen nach demselben ein eigenhändiges Schreiben seines Souveräns überreichte. Auch Herr von Bonr- quenev hatte gestern und heute Couferenzen mit dem Minister des Aeußern über die tüikische Angelegenheit.
— Aus Bern ist Herr Conlin in ofsicicller Eigenschaft hier angekommen: cs bestätigt sich, daß die d i p l o m a tischen Verbindungen mit der Schweiz demnächst wiedcrhergestcllt werden sollen. Von einer Vermittlung Frankreichs in dieser Angelegenheit kann jedoch um so weniger die Rede sein, als man vielmehr gegründete Ursache hat zu glauben, daß eine deutsche Regierung die Vermittlung bereits übernommen habe.
Ihre kaiserliche Hoheit Frau Erzherzogin Sophie wird Mittwoch den 15. Juni zur LermählungSfeier Sr. königl. Hoheit des Prinzen Albert von Sachsen nach Dresden reisen. — Fürst jDanilo hatte einen französischen Sprachmeister mit sich nach Cctt nje nehmen wollen, dieser blieb jedoch zurück, und der Fürst nahm an seiner Statt einen Wiener mit, um sich in der Staats- Biffcnfcbaft unterrichten zu lassen. Auch die Stiftung einer montenegrinischen Ordensdecoration scheint vertagt zu sein. — Der in der montenegrinischen Frage öfter genannte russische Oberst von Kowalewsky ist vorgestern nach einem längeren Aufenthalte in Wien, nach Petersburg abgereist. — Der k. spanische Gesandte am hiesigen Hof, Herr de la Torre-Ayllon, welcher auch am bayerischen Hofe beglaubigt ist, begibt sich Ende dieses Monats nach München, um Sr. Maj. dem König sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. — Die Regierung der Republik San Marino erhielt mittelst eines österreichischen Offiziers ein kaiserliches Dankschreiben für die Glückwünsche, welche an Se. Maj. den Kaiser bei Gelegenheit seiner glücklichen Rettung aus Mörderhand gerichtet hatte. — Graf Stadion ist heute iu Folge eines langen NervenUidenS im 47sten Jahre sei- «es Alters gestorben. — F.L.M. Graf Strassoldo ist pensionirt worden.
Wie der „Wanderer" meldet, wird die Vermählung Sr. k. Hoheit des Herzogs von Brabant mit Ihrer t k. Hoh. Frau Erzherzogin Marie nicht durch Procu- ration, sondern in Anwesenheit der beiden hohen Verlobten stattfinden. Der Tag der Vermählungsseier ist »och nicht definitiv bestimmt.
Se. Maj. der König Maxmilian II. von Baiern wird daS Absteigquartier während höchst Sr. Anwesenheit in Wien im Hotel der k. baierischen Gesandtschaft Nehmen, wo heute bereits ein Theil der königlichen Dienerschaft eingetroffen ist und die Appartements von heute an in Bereitschaft gehalten werden. — Der kais. russische Gesandte, Hr. Daron v. Meyendorff, bat heute einen längeren Besuch bei dem k. englischen Gesandten Lord Westmoreland abgestattet.
Der Herr Graf von Chambord steht, dem Vernehmen nach, wegen Ankauf deâ Gutes Gödöllö in Unterhandlung.
AuS Pesth schreibt man vom 8 Juni: Mancherlei Anstalten, die hier von Seite der Militärbehörden getroffen werden, lassen in naher Zukunft starke Truppe üdurchmärsche vermuthen, besonders an Fuhrwesen und Reiterei.
Frankreich.
Paris, 11. Juni. In Folge der gestern im Moniteur en'haltenen Nachricht, daß die französische und englische Flotte am 4. d. M. den Befehl erhalten haben, sich dem Darch.anel len zu nähern, find heute alle Fonds gewichen: 3pCl. bis 75. 15 und 4'/,pCt. bis 99; Paris - Straßburger Eisenbahn bis 825 und Lyoner Eisenbahn ebenfalls bis 825. Heute hoben sich die Fonds wieder und stehen 3pCt. 75. 65, 47apKt. 100, Paris-Straßburg 840, Paris-Lyon 850.
Man liest im „Moniteur" : „Böswillige haben das
Gerücht von einer nahe bevorstehenden Auflösung der Nationalgarde der Bannmeile "und der Arrondissements von Paris, wo sie organisirt ist, zu verbreiten gesucht. Dieses Gerücht ist durchaus ohne Grund." — Nach dem „Courner du Havre" bat der Marineminister den Besebl gegeben, sofort alle Seeleute, die noch nicht vier Jahre auf den dem Staate gehörigen Schiffen gedient haben, und die seit länger als einem Jahre beurlaubt sind, nach Brest zu schicken. Diese Maßnahme, mit deren Vollzug man bereits begonnen hat, beweist, daß die Regierung sich für jedes Ereign iß bereit halten will.
Acngstlichkeit und Spannung, so wird der A. Z. aus Paris geschrieben, herrscht fortwäbrend in Bezug auf die orientalische Frage. Sie wird noch dadurch vermehrt, ■ daß man in den diplomatischen Kreisen eine Rathlosig- I keit wahrnimmt, die sich nur zu deutlich in den Halb- ; offtcieden Blättern abspiegelt. Des Kaisers gewohnte ; Wortkargheit wird bei dieser Gelegenheit schwer gefühlt. ; Das frische, heitere Leben der Börse ist verschwunden, i seitdem man sich nicht mehr auf improvisirte Nachrichten und Depeschen verläßt. Die Cursnolirungen beweisen am deutlichsten wie sehr die Börse kränkelt. Die widersprechendsten Gerüchte sind in Betreff der Haltung Englands im Umlaufe. Das britische Cabinet kann übrigens nicht anders als, vorläufig wenigstens, Hand in Hand mit Frankreich gehen. Gestern und heute (am 6. und 7.) sind mehrere diplomatische Couriere nach London abgcgange». Hr. Drouin de l'Hnys arbeitet mit größter Anstrengung biö tief in die Nacht. Man ist hier auf das Aeußerste gefaßt, hofft jedoch noch immer Ruß land werde wenigstens den Krieg nicht erklären. Viele reiche Russen, die seit längerer Zeit hier wohnten, kehren in ihr Vaterland zurück. Die unbehagliche Stimmung der Pariser hat die Krönungsfrage und Alles was sich an dieselbe knüpft in den Hintergrund gedrängt; allein es ist sicher, daß bei Hof die Rede davon war, die Krönung auf den 15. August festzusetzen. Vom heiligen Vater ist bis jetzt weder Zusage noch Verweigerung erfolgt diesen Act vorzunehmeu. Der Erzbischof steht seit einiger Zeit in sehr innigen Beziehungen zum Hofe. Es ist die Rede davon, daß sich der hohe Prä- lat nächstens nach Rom begebe.
Admiral Baudin ist, wie man versichert, eben abgereist, um den Befehl über die französische Flotte zu übernehmen.
In Folge des Decrets vom 6. März hat gestern der Staatsschatz an die erloschene Eisenbahngesellschaft von Bordeaux nachCette die Hälfte der gestellten Cau- tion mit 5'/, Millionen zurückgezahlt. Die Actien dieser Gesellschaft, welche alle Aussicht zur Erlangung dieser Rückzahlung verloren hatte, waren beinahe auf Null gesunken und sind meistens in die Hände von Spe- c u l a n t e n zu unbedeutenden Preisen übergegangen, so daß die späte Vergütung diesen fast ausschließlich zu gute kommt.
Aus Constantinovel sind heute keinerlei neuere Nachrichten von Bedeutung bekannt geworden. — Bezüglich der Sendung des Herrn von Nesselrode nach London wird jetzt versichert, daß derselbe im Namen des Kaisers Nicolaus nähere Explicationen über das etwas heftige Verfahren des Lords Stratford de Redcliffe verlangen solle. Diese Behauptung klingt indeß sehr unwahrscheinlich und findet auch wenig Glauben.
Die neuesten Berichte von den Sandwich-Inseln vom 2. April melden, daß seit der Ankunft des französischen Confuls Perrin die besten Beziehungen zwischen der dortigen Regierung und Frankreich herrschten.
Schweiz.
Bern, 10. Juni. Es heißt, Graf Karnicky werde bald auf seinen GesandtschaftSposten zurückkehren. — Ein Beweis, daß Oesterreich wieder viel freundlicher gesinnt ist, liegt in der von den lombardischen Behörden gegebenen Erlaubniß, daß die Herausgabe der in der Lombardei überwinterten Kühe an die tessinischen Eigenthümer, welche verboten war, nun gestattet worden ist. Auch wird den rechtmäßigen Eigenthümern das Holz zurückgegeben, das vom diesseitigen Ufer nach dem lombardischen geschwemmt wurde und von den dortigen Einwohnern und Soldaten als gute Prise war in Beschlag genommen worden. — Der gr. Rath in St. Gallen hat die Prügelstrafe für Verbrechen gegen das Leben, gegen die Sittlichkeit rc. eingesührt.
Weil die badischen Behörden Waffensendungen nach der Schweiz nicht passiren lassen wollten, sondern sie >n Mannheim zurückbchieltcn, hat man sich an die französische Regierung gewendet, welche dem Wunsche des Bundesraths, den Durchpaß betr., mit Bereitwilligkeit entsprochen hat.
Freiburg. Hr. Frachebonnd, der Erwählte der ihre Gegner niedersäbelndcn Minderheit von Bulle, hat nach dem Journal de Genèvre noch immer sich weder für Annahme noch für Ablehnung der Wahl ausgesprochen. — In Betreff der NationalrathSwahl glaubt man, dieselbe werde so spät als möglich erfolgen, wenn die Greyerzer Sennin -so hoch als möglich auf den Alpen fein werden.
Niederlande.
Haag, 8. Juni. Nach einem ziemlich unwahrscheinlichen Gerüchte soll Prinz Heinrich zum General-Gouverneur unserer indischen Besitzungen ernannt werden.
Großbritannien
London, 9. Juni. In den Häfen von Portsmouth, Plymouth und Cbatham wird lebhaft gerüstet und die Sprache der Blätter ist fortwährend eine sehr leidenschaftliche gegen Rußland. Die CousolS sind um '/« pkt. gefallen, dagegen sind die Assecuranzen für Schiffe, welche nach dem schwarzen Meere und Petersburg geben, bedeutend gestiegen. — Die Arbeiterbewegung in Liverpool greift um sich.
In der Sitzung des Unterhauses vom 4. d. legte Sir Charles Wood die längst erwartete Bill über die Organisation der j n d i s ch e u V e r w a l t u n g vor. Bekanntlich erlischt der gegenwärtige Freibrief der CoM' pagnie im April deS nächsten JâhreS und die öffentliche M'inung, sowohl in Indien als im Mntlerlaude, bat sich schon seit Jahren auf das Entschiedenste gegen die jcithrnge, von Mißbräuchen, Willkür und Nepotismus strotzende indisch-britische Wirthschaft ausgesprochen. Der neue Entwurf bringt indessen nur wenige radicale Reformen. Die indische Regierung bleibt in England, nur wird die Zahl der von der Compagnie gewählten Direcloren von achtzehn auf zwölf Herabgesetzt und die Regierung ernennt ihrerseits scck'S Mitglieder aus Beamten, die wenigstens zehn Jahre in Indien gedient haben, so daß der ganze Directorenhof nunmehr an8 achtzehn Mitgliedern besteht. Der Generalgouvernenr von Indien, welcher seither auch noch Gouverneur von Bengalen war, wird dieses letztem Postens enthoben und für die Präsidentschaft Bengalen ein eigener Vice« Gonvern.ur bestellt; den Directoren wird es anheim- gegeben, eine neue Präsidentschaft in den Districlen deS JnbuS zu errichten. Endlich werden die Vollmachten des gesetzgebenden Rathes für Indien ausgedehnt und demselben zwei neue Richter beigegeben. Die vorläufige Berathung der Bill ist.auf nächsten Montag anberaumt.
Nusslnnd.
Petersburg, 2. Juni. Der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister deS Kaisers bei der ottomanischen Pforte, Geheimerath Titow und der Geheimerath Richter haben sich eiligst von hier mit einem besonderen Zuge auf der Eisenbahn nach Moskau begeben. Man will wisse», Herr Titow habe wichtige Aufträge mitgenommen.
Eriechrnlaud.
t Athen, 27. Mal. Der „Oservateur d'AtheneS" ist ermächtigt, das Gerücht, daß der französische Minister , B. Forth-Rouen und der englische Gesandte, Hr. Wyse, die' griechische Regierung zur Zurückberufung der an die türkische Grenze entsendeten Truppen aufgefordert haben, als eine müßige Erfindung der Oppositionsjour- nale zu bezeichnen.
Cürker.
Die „Triester Zeitung" erhielt durch den Lloydam, pfer „Jinperatrice" Briefe aus Konstantinopel bis zum 30. v. M. Man hegte dort in allen Kreisen die Hoff» .nuiig, die russisch-türkische Differenz friedlich ausgeglichen zu sehen, die indeß ihre Einwirkung auf Handel und Wandel nicht verfehlte. Niemand dachte an ein Geschäft und die Wechsclcurse erreichten wieder einen sehr hohen Standpunct. London war zuletzt 126—125, Marseille 198— 196 und Wien 450 notirt. In der Pforte selbst scheint man die allgemeine Hoffnung zu theilen; sie unterläßt jedoch nicht, sich für jede Eventualität vorzubereiten. Die Corpscommandanten in deu verschiedenen Provinzen haben bereits ihre Weisungen erhalten; ein Theil der Flotte ward mittelst Dampfern aus dem Bosporus nach dem schwarzen Mcere bugsirt, und Omer Pascha, der, wie bereits gemeldet, mit seiner Armee Albanien verlassen hat, sollte nächstens in der Hauptstadt ein treffen. — Konstantinopel ist bereits von allen russischen Legationsbeamten geräumt und das Ge- sandtschaftshotel im strengsten Sinne des Wortes leer und abgesperrt. Dasselbe wird nur von einem Kawa- ßen (Polczeischützen) bewacht. Viele russische Handelsleute haben sich in dieser Woche mit ihrem Hab und Gut eingeschifft. Die Adler wurden ebenfalls abgcnom» men, wozu man fast die ganze Woche verwendet hat. Außer dem Gesandtschaftssccrctär Balabine, zwei Dolmetschern, der Post und deren Beamten sieht man hier Niemanden mehr aus dem officiellen russischen Diploma- tenzirkel. Die Dampfschifffahrt-Agentie fungirt noch immer, ebenso findet auch die bisher übliche Verbindung zwischen Odessa und Konstantinopel statt, und man sagt, daß dieselbe nicht unterbrochen werden wird. Die. der russischen Marine angehörigen, die Bemannung der Postdampfschiffe bildenden Personen zeigen sich nur in Civilkleidern in der Stadt. — Unter wessen Schutz die russischen Unterthanen gestellt werden sollen, wußte man nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Man nannte in dieser Beziehung zuletzt Nieder land. 3* Betreff des Fürsten Menczikoff wird hier viel und.wahx« scheintich nur Falsches berichtet. So heißt es z. B^ daß er sein: Ultimatum hinsichtlich^ Zuerkennung des Schutzrechts über die griechisch^gläubige Bevölkerung aus freien Stücken und ohne höheren.Auftrag versaßt und der Pforte vorgelegt habe. Man sagt ferner, um das erste Gerücht wahrscheinlicher zu machen, daß Fürst Menezikoff als Vertreter der rein slavisch-russischen Par» tei durch diesen Schritt den russischen Kaiser zum Heilige» Kriege gegen die Türkei zwingen, und wenn der