Nassauische Allgemeine Zeitung.
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E 134. Freitag den 10. Juni 1833.
Die „Nassauische Allqemeine Seitunn“ mit dem beUeiristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, SonntaqS ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für WieSbaren und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Tdurn« und TariS'sche» Verwaltungsbezirks mit Jnbigriff des Postausfchlagâ 2 fl., für die übrigen Länder deS deutfch.össerreichischen Postvereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserat« werden die »rerspaltix
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Aktenstücke zur ruMch-türKischen Differenz.
Die erste Note des Fürsten Menczikoff lautet:
Verbal-Note von dem russischen Botschafter dem türki- schen Minister des Auswärtigen mitgetheilt.
Pera, 19. April 1853.
Se. Excellenz der Minister des Auswärtigen hat, indem er bei seinem Amtsantritt von den Statt gehabten Verhandlungen Kenntniß nahm, das zweideutige Benehmen seiner Vorgänger gesehen. Er muß sich überzeugt haben, wie sehr man die dem Kaiser von Rußland gebührenden Rücksichten außer Acht gesetzt hat und wie großmüthig derselbe ist, wenn er der Pforte die Mittel bietet, sich «aus den Verlegenheiten zu ziehen, welche ihr die Unredlichkeit ihrep Minister bereitet hat. Diese Minister haben nämlich die Religion ihres Herrschers gemißbraucht, indem sie ihn mit seinen eigenen Worten in Widerspruch setzten und ihn zu seinem Bun- VeSgenossen und Freunde in eine Stellung brachten, welche weder mit dem hohen Decorum, noch mit der Würde des Souveräns verträglich ist. Obgleich von dèm Wunsche erfüllt, das Vergangene zu vergessen und keine andere Genugthuung, als die Absetzung des bc- tivgerifchett Ministers und die offene Ausführung feierlicher Versprechungen verlangend, sah sich der Kaiser doch genöthigt, sichere Bürgschaften für die Zukunft zu fördern. Er verlangt sie formal, positiv und die Unverletzlichkeit des Cultus sichernd, zu welchem sich die Mehrheit der christlichen Unterthanen sowohl der hohen Pforte wie Rußlands uub endlich der Kaiser selbst bekennen. Er kann keine anderen wollen als solche, die er Hinfort in einem mit einem Vertrage gleichbedeutenden Act, oder in einem Vertrage und geschützt vor den Auslegungen eines übelberatenen und gewissenlosen Mandatars findet. Die Zögerungen, mit welchen man sich bisher einem endgültigen Beschlusse hinsichtlich der Vorschläge des russischen Gesandten entgegengcstemmb hat, zwingen ihn nunmehr, von der Pforte eine kategorische Antwort zu verlangen, auf welche er nicht länger warten kann. Er fordert demnach: 1) einen ex« Meativen Fekman, über dessen Form man sich zu verständigen hat, in Betreff der Schlüssel der Bethlehemkirche und des silbernen Sterns auf dem Altar der b«J ligen Geburt in dem unterirdischen Theil desselben Sanc- tuariums; ferner den Besitz der Grotte von Gethsemane für die Griechen, mit Erlaubniß der Lateiner für die Ausübung ihres Gottesdienstes, so jedoch, daß den Orthodoxen (Griechen) die Prâcedenz und die Priorität der Feier des Gottesdienstes in diesem Sanctuarium bleibt; endlich eine Regelung des gemeinsamen Besitzes der Gärten von Bethlehem für Griechen und Lateiner, alles aus den Grundlagen, welche zwischen Sr. Excel- lenz Rifaat Pascha und dem Botschafter discutirt sind. 2) Einen großherrlichen Befehl für die sofortige Ausbesserung der Kuppel des heiligen Grabcstempcls durch die ottomanische Regierung mit Betheiligung des griechischen Patriarchen und ohne Einmischung des Delegaten irgend eines anderen Cultus, so wie für die Auf- richlung einer Mauer vor den Harems, die auf das Sanctuar hinauSsehen, und für die Demolirung der an die Kuppel stoßenden HaremS, wenn die Thunlichkeit nachgcwiese» ist. Der Botschafter ist beauftragt, über diese Punkte eine formale Zusicherung und Notifikation zu erlangen. 3) Einen Sened oder eine Convention für die Garantie des strikten Status quo der Privile- gien des katholischen griechisch-russischen Cultus, der Kirche des Morgenlandes und der Heiligthümer, welche dieser Cultus sowobl ausschließlich als in Participation mit den übrigen Riten in Jerusalem besitzt. Der Botschafter muß an dieser Stelle dem Minister des Auswärtigen wiederholen, was er ihm schon zu verschiedenen Malen ausgesprochen hat, —daß Rußland von der Pforte keine politischen Zugeständnisse fordert; sein Wunsch ist, die Gewissen der Gläubigen zu beruhigen durch die Gewißheit der Erhaltung dessen was ist, und was stets bis auf unsere Zeit hinab geübt worden ist. In Begegnung der feindlichen Tendenzen, welche seit einigen Jahren gegen alles, was Rußland berührt, sich kund geben, und im Interesse der Religionsgesellschaften des orthodoxen Cultus, verlangt Rußland einen explikativen, positiven Act von Bürgschaften, — einen Act, der in keiner Weise die anderen Religionen, noch die Beziehungen der Pforte zu anderen Mächten afficirt. Die ottomanische Pforte wird in ihrer Weisheit wohl die Schwere des begangenen Unrechts erwägen und sie mit der Mäßigung in den Genugthuungs - Forderungen und den Bürgschaften vergleichen, welche das Gefühl
Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwânS bei den nâchstgeleg.
berechtigter Vertheidigung weit ausgedehnter und peremptorischer gestellt haben könnte. Die Antwort des Ministers des Auswärtigen wird dem Botschafter die weiteren Pflichten andeuten, welche er zu erfüllen haben wird und die nicht anders als der Würde der von ihm repräsentirten Regierung und der von ihm bekannten Religion entsprechend sein können.
Deutschland.
* Wiesbaden, 10. Imst. J. k. Hoheit, die ver- wittwete Frau Herzogin, die dun!geistigsten Princessinen Helene und Sophie, sowie Se. Durchl. der regierende Fürst zu Waldeck sind gestern Abend im er- wünschtesten Wohlsein in dem PalaiS auf dem Berge eingefroren.
Frankfurt, 9. Juni. (F. P. Z.) Seit einigen Tagen wird unsere Einwohnerschaft und die Bevölkerung der Umgegend durch ein Gerücht beunruhigt, welches immer mehr an Consistenz gewinnt. ES soll sich im hiesigen Stadtwalde eine aus der Kreutzbergschen Menagerie entsprungene Hyäne umhertreiben, die mehrere Leute an verschiedenen Orten gesehen haben wollen. Gestern wurde durch den hiesigen Forstmeister die Sache zur amtlichen Anzeige gebracht und heute soll durch das Forstpersonal und die Feldschützen eine große Streife abgehalten werden.
Nach dem „Nürnb. Corr." sind von Seiten der österreichischen Präsidialgesandtschaft den übrigen Bun- destagsgesandtschaften die diplomatischen Correfponden- zen und die übrigen Aktenstücke in Bezug auf die österreichisch-schweizerische Differenz mitgetheilt worden. Es dürfte demnach die Einbringung eines förmlichen Antrages in der Bundesversammlung in Betreff jener Angelegenheit in nächstens zu erwarten sein.
Mannheim, 5. Juni. Nach dem „Schwäbischen Merkur" werden die durch den Proceß Gervins, der jetzt als vollständig erledigt zu betrachten ist, veranlaßten nicht unbedeutenden Kosten (Herr Gervinus reiste z. B. in Folge der an ihn von Heidelberg aus ergangenen Vorladung von Berlin nach Heidelberg), sämmtlich von der Staat sc asse getragen. Gespannt ist man nunv ob unter diesen Verhältnissen nicht auch der gegen das Buch selbst ausgesprochene und vollzogene Beschlag aufgehoben wird. I» wie weit deßhalb von Herrn Gervinus oder dessen Anwalt, Herrn v. Soiron, Schritte bei den betreffenden Behörden geschehen, ist bis jetzt noch nicht bekannt.
Aus Baden, 6. Juni. (S. M.) Unsere Landstände werden gegen das Ende dieses Jahres, etwa im Monat November, wieder zusammentreten. AuS diesem Grunde ist nun auch höher» OrtS ausgesprochen worden, daß die evangelische G e n e r al sy n o d e in diesem Jahre nicht abgehalten wird. Im Synodalrecesse vom Jahr 1835 wurde nämlich ausgesprochen, daß eine Einberufung der Generalsynode je im siebenten Jahre flattfinden solle, wenn nicht in demselben Jahre eine Ständeversammlung eintrete, oder alsdann ein Jahr früher oder eins später.
Die „N. Pr. Ztg." knüpft an die Entlassung des Hrn. v. Marschall den besonderen Wunsch, daß vielleicht nun auch die badischen Lutheraner weniger werden gedrückt werden.
Stuttgart, 7. Juni. Die für die Ueberschwemm- ten bis jetzt eingelaufencn Liebesgaben belaufen sich an baarem Gelde auf nahezu 32,000 fl., außerdem, daß sehr viele Kleidungsstücke, Betten und andere Sachen eingenommen sind.
Eisenach, 4. Juni. Heute hat der Verein für thüringische Geschichte und Alterthumskunde hier seine erste Versammlung unter Leitung deS Prof. Dr. Michelsen von Jena gehalten. Se. königliche Hoheit der Erbgroßherzog ist von Weimar herübergekommen um derselben beizuwohnen.
Hamburg, 5. Juni. Prinz Peter von Olden« bürg, der bekanntlich in russischen Diensten steht, wird zum 10. in Eutin erwartet, und glaubt man, daß der- selbe eine Einladung vom russischen Kaiser an den Großherzog zur Hinkunft nach Petersburg überbringen wird, in welchem Falle der Großherzog in Begleitung des Prinzen auch wirklich dahin reisen dürfte.
Stettin, 7. Juni. Heute Vormittag um 9% Uhr traf das königl.Postdampschiff „Preuß. Adler" mit 135 Personen am Bord hier ein. Unter den Angc- kommenen befand sich auch der Prinz Peter von Oldenburg, welcher sich sofort per Bahnzug nach Berlin begab. Mit dem „Adler" kamen ferner fünf kaiserlich russische CabinetScouriere an verschiedene europäische Höfe hier an und setzten sogleich ihre Reise fort.
'nen Postämtern, zu machen.
Berlin, 7. Juni. In Betreff der orientalischen Frage schreibt heute die Litb. Cors.! „Hier und da find von der Presse Rathschläge der Abkürzung wegen in die Fon» von Thatsachen gekleidet worden, und so u. A. auch die Absendung eines hochgestellten Militärs nach Consta utinopel angekündigt. Nach allem, was in gut unterrichteten Kreisen verlautet, war diese Ankündigung sehr vorzeitig. Es scheint zwar, daß die preußische Legierung ihre Stellung zu der großen Frage, welche Europa seit Wochen i» Spannung erhält, als eine vermittelnde auffasse und ihren Beruf darin erkenne, nach dieser Auffassung sich an den Verhandlungen zu beteiligen; sie wird jedoch ohne Z'-oeifel vor dem ersten Schritte in dieser Richtung darüber gewiß sein müssen, daß die Lage der Sache eine Dazwischenkunft wün» schenswerth macht. Bis zu diesem Augenblicke aber ist das Geheimniß so gut gewahrt worden, daß ein Urtheil über das gegenwärtige Verhältniß der nâchstbethei- ligteu Mächte und über die durch dasselbe gebotenen Schritte der preußischen Regierung nichts als leere Ver- muthungen zur Grundlage haben könnte." — Auf Befehl des Ministers der geistlichen, Unterricht- und Medicinal - Angelegenheiten, Hr« v. Raumer, wird seit der zweiten? Hälfte des vorigen Monats (Mai) im königlichen Seminar für Stadtschulen zu Berlin auch Turn-Unterricht ertheilt.
Zur orientalischen Krisis wird dem Nürnb« Corr, aus Berlin vom 6. d. geschrieben: Gestern traf hier ein Courier aus London mit Depeschen für Petersburg ein, deren wichtiger Inhalt durch den Umstand angedeutet wird, daß ein Secretär der englischen Gesandtschaft mit einem Extrazuge nach Stettin ging, wo indeß die rechtzeitige Abfahrt des Dampfschiffes die Ueberfenbung der Depeschen auf dem gewöhnlichen Wege möglich machte. Ueber den Inhalt der Depeschen scheint wenig bekannt zu sein. Inzwischen fangen selbst die eigensinnigsten Optimisten an, die Dinge im Orient ernster anzusehen. Man glaubt noch immer nicht an einen allgemeinen europäischen Krieg, wohl aber an eine bevorstehende langwierige Krisis und an eine große diplomatische Verwirrung. Personen, deren Umsicht und Knude sich gewöhnlich bewährt haben, sprechen von einer Besetzung der Donaufürstenthümer durch die Russen während der nächsten Tage, vielleicht schon für den 10. Man sieht dann weiter einem gemein« schaftlichen Vorgehen der französisch-englischen Flotten in den Dardanellen entgegen und einer Stationirung der russischen am Bosporus. Kriegerisch« Demonstrationen also, ein großes Geräusch in der Preffe, heftige Ausfälle der fraiizöstsch-inspirirten (in diesem Punkte richtig, wenn auch in berechneter Absicht inspirirten) Preffe gegen Rußland, das am Ende doch Alles zu seiner Zufriedenheit regeln wird. Es soll keinem Zweifel unterliegen, daß Rußland bei der Forderung des Protcctorats über die griechischen Unterthanen des Sultans beharrt, daß England und Frankreich dem gegenüber sich scheinbar nähern und Oesterreich und Preußen natürlich zum Frieden reden. Ich kann diese an unterrichteter Stelle eingeholten Erkundigungen dahin zusammenfassen, daß wir einer großen Verwirrung der Weltlage, die einige Monate überdauern dürste, entgegengehen, daß aber trotzdem ein allgemeiner europäischer Krieg höchst unwahrscheinlich bleibt.
Ein zweiter Korrespondent dieses Blattes behauptet gleichfalls: Wie zweifelhaft auch der Ausgang des ruf« sisch.türkischen Conflicts erscheinen mag, so steht doch eine friedliche Lösung dieser Frage sicher zu erwarten. Seine Behauptung stützt sich auf die verbürgte Thatsache, daß die Großmächte jetzt über die Berufung eines Cong ress es unterhandeln, auf welchem die orientalischen Angelegenheiten erledigt werden sollen. Man hat sich noch nicht über den Ort geeinigt, wo der Kongreß stattfindeu soll: Rußland wünscht dringend, daß derselbe in Petersburg abgehalten werde, wähs- rend die übrigen Großmächte Wien dazu vorgeschlagen habe».
Man spricht von amtlichen Beschränkungen der zunehmenden Pferdeausfuhr nach dem Ausland, namentlich nach Frankreich; jedoch ist an ein förmliches Ausfuhrverbot nicht zu denken.
Ludwig Uhland ist vorgestern hier aus Tübingen« eingetroffen und im Hotel du Nord abgestiegen.
Prag, 3. Juni. (D. V. H.) Unter den vielen Reisenden, welche jetzt den österreichischen Staat häufig besuchen, um sich über den mit der Wirksanrkeit des Handelsvertrages so wesentlich erleichterten Absatz hierher zu Orientiren, sind besonders die rheiupreußi- schen Fabrikanten sehr zahlreich svertreten. Eâ