Nassauische Allgemeine Zeitung.
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Wr J3O. Montag hm 6. Juni 1833.
Dit,,Naffauis»c Allgemeine Zkilung" mit dem beUetriflifdien Beidlati „Der Wanderer" erscheint, Sonnlags ausgenommen, lagliL und beträgt der PrânumeratlonSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Lburn- und ZarirfWn Verwaltungsbezirks mit Inblgriff dès PostausschlagS 2 fl„ für die übrigen Länder des deurfch-bsterreichifchen PostvereinS, wie für daâ Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserate werden die »ierspallig Vetitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Deutschland.
< Biebrich, 4. Juni. Heute Morgen um 6 Uhr sind Se. Hoheit der Herzog von hier ab nach Dessau gereist und werden in etwa 8 Tagen mit Ihrer Hoheit der Frau Herzogin und dem Erbprinzen wieder dahier eintreffen.
* Wiesbaden, 4. Juni. (Assisenverhandlung gegen Karl Phil. Künstler von Wiesbaden wegen Meineides.) Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für nicht schuldig befunden und von dem Assi- senhose freigesprochen.
* Wiesbaden, 6. Juni. (Assisenverhandlung gegen Christian Löcher von Laugenschwalbach, wegen Meineides.) Am 26. Juli v. I. machte der damals zu Höchst in Arbeit stehende Glasergcselle Christian Löcher, 48 Jahr alt, bei dem Herzogl. Justizamt daselbst die eidlich erhärtete Anzeige, daß ihm ein Paar Strümpfe aus der Werkstätte von Anna Maria Kaufer aus Nied, der Pflegetochter seines Meisters, entwendet worden seien. Durch die Aussagen der vernommenen Zeugen ist ermittelt, daß der Angeklagte selbst die Strümpfe einer gewissen Caroline Huber zum Verkauf übergeben und als er mit dem Gebot nickt zufrieden war, derselben geschenkt habe. Der Angeklagte ist dem Trunk ergeben und wurde an dem Tage, an welchem er die Anzeige machte, aus der Arbeit entlassen.
Die Verhandlung leitet Assisenvicepräsident Trepka, die Staatsbehörde vertritt Staatsprocurator- Substitut von Reichenau, als Vertheidiger des Angeklagten fungirt Procurator Lang.
— Dillenburg, 3. Juni. (Assisenverhandlung gegen Heinrich Rudolph Müller von Langenbach, wegen Schriftfälschung u. Betrugs.) Präsident: Hr. Hofgerichtsrath von Bierbrauer; Staatsanwalt: Hr. Substitut Schröder; Vertheidiger: Hr. Procurator Schenck. Heinrich Rudolph Müller, 32 Jahr alt, Bergmann von Gewerbe, ist angeklagt, im Jahr 1849 eine Anzahl falsche Wechsel angefertigt und als ächt producirt zu haben. Der Angeklagte ist ein schon ost bestrafter Verbrecher, der namentlich im Jahr 1843 wegen Desertion aus dem Militärdienste und wegen Diebstahls zu zehn Jahren Zuchthaus kriegsrechtlich verurtheilt wurde, im Jahr 1848 wurde er indessen wieder freigcgcben und trieb sich derselbe nach dieser Zeit in der Gegend von Köln umher, wo er sich bald für den Obersteiger, bald für den Jnspector einer Berg- werksgesellschäft ausgab. Hier war es, wo er von den falschen Wechseln Gebrauch machte. Später kehrte er wieder in seine Hcimath zurück und wurde hier, da seine Schurkereien der Sicherheilsbehörde bereits bekannt waren, auch bald von Landjägern ergriffen und an das Herzogl. Justizamt Marienberg abgelicfert. In der Voruntersuchung hat er Mehreres eingestanden, heute leugnet er Alles, und weist jene Geständnisse mit der Bemerkung, daß er zu jener Zeit geisteskrank gewesen sei, dreist zurück. Er will mit jenem Obersteiger- oder Jnspector Müller durchaus nicht eine und dieselbe Person sein, und sind ihm alle Verbrechen, deren er beschuldigt ist, gänzlich fremd. Die Zeugen, 16 an der Zahl, lassen indessen wenig Unklares an der Sache, auch kann man aus seiner Selbstvertheidigung nur zu deutlich entnehmen, daß er sich der Schuld bewußt ist. Er wird von den Geschwornen für schuldig erkannt und hierauf von dem Assisenhofe zu einer Zuchthausstrafe von acht Jahren und zum Ersatz der entstandenen Kosten verurtheilt.
Frankfurt, 4. Juni. Für die Zeit der Abwesenheit des kön'gl. preußischen Bundestagsgesandten, geh. Legationsraths v. Bismark - Schönhaus en, der vorgestern Abend nach Berlin gereist ist, wird der k. k. österreichische Präsidialgesandte die preußische Stimme beim Bund vertreten und LegationSrath Wentzel die Gesandtschastsgeschäfte besorgen. — Ueber die in diesem Jahr abzuhaltenden Ferien der Bundesversammlung sind bis jetzt noch keine Beschlüsse erfolgt; ebenso wenig liegen bis jetzt bestimmte Anträge vor.
Karlsruhe, 3. Juni. In einer Corrcsp. der F. P. Ztg. wird als Ursache des Rücktrittes des Hrn. V. Marschall wie auch als richtig anzunehmen ist, die kirchliche Frage bezeichnet, welche zu immer schwic- rigereu Differenzen zu führen drohte und deren Beile- gUng von diesem persönlichen Moment abhing. Mit Hr. von Marschalls Rücktrit dürften jene Conflicte im Wesentlichen ihre Endschaft erreicht haben und das Werk der Mediation, für welches von kirchlicher Seite her besonders der Bischof von Straßburg, Dr. Räß, thätig war, rascher vor sich gehen. Der Herr Bischof war erst wieder zu Anfang dieser Woche am hiesigen Ort anwesend
und wurde von Sr. königl. Hoh. dem Regenten in längerer Audienz empfangen. Es ist natürlich, daß man die seither eingetretene Ministerkrisis damit in Zusammenhang bringt.
München, 2. Juni. Sc. Majestät der König wird auf der wahrscheinlich am Donnerstag angetretenen Rückreise aus Italien (von Rom) einige Tage am Herzoglichen Hofe zn Modena verweilen und hierauf die Reise nach Triest und Wien fortsetzen. Alle an den Monarchen von hier aus zu machenden Sendungen gehen von heute an nach Wien. — Ein Leitartikel der „N. M. Z." stellt bezüglich der Schweizerfrage die Ansicht auf, daß hier nicht die einzelnen deutschen Regierungen, sondern der deutsche Bund vorzugehen habe. Es sei dies der Weg, den man zunächst für geeignet halte, sowohl zur Erledigung dieses für Deutschland so wichtigen Gegenstandes, als auch zur Bewahrung der Schweiz selbst vor immer größeren und schwierigeren Verwickelungen. — In Betreff des vorigen Samstag vom hiesigen Schwurgericht zum Tode verurtheilten Schwestermörders Bachmeier vernimmt man, er sei jetzt körperlich und geistig so gebrochen, daß er die allerhöchste Entscheidung über das gegen ihn erlassene Todesurtheil kaum erleben werde.
Koburg, 29. Mai. Gestern Mittag 12 Uhr ist durch den StaatSminister ö, Seebach der gemeinschaftliche Landtag für vertagt erklärt worden.
Coblenz, 3. Juni. (Cobl. Ztg.) Der Erzherzog Stephan ist gestern Mittags, von seinem Schlosse zn Schaumburg kommend hier eingetroffen und hat nach kurzem Aufenthalt seine Reise nach Oldenburg fortgesetzt.
Hannover, 3. Juni. (Z. f, Nordd.) Sicherem Vernehmen nach wird der Staatsrath von Bothmer als hannoverscher Bundestagsgesaudter durch den General Jacobi (ehemaliges Mitglied des Octoberministeriums) ersetzt werden.
Kiel, 30. Mai. (K. Z.) Am letzten Freitag Abend sind zwei im Schloßgarten spazierende Osfiziere der hiesigen Garnison von vier Individuen (wie es heißt, fremden Handwerksgesellen) überfallen und genöthigt worden, sich mit ihren Degen zu vertheidigen, wodurch es ihnen denn auch gelang, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Die Thäter sind bereits ermittelt und zur Haft gebracht. Der bedauerliche Vorfall findet natürlich allgemeine Mißbilligung.
Berlin, 2. Juni. Nach dem „Corr.-Bureau" erzählt man sich hier von Aeußerungen einer distinguirten Person, die ihrer Stellung nach hier am besten mit der russischen Politik vertraut sein muß. Dieselben lassen nichts weniger als ein Nachgeben Rußlands in der orientalischen Frage erwarten und stellen die schleunigste Besetzung der Donaufürst en thüm er in Aussicht.
Wie dem Nürnb. Corr, gemeldet wird ist General Graf v. d. Gröben, Commandeur des 7. Armeecorps in Westphalen, auf Befehl des Königs durch den Telegraphen nach Berlin berufen worden. Man legt diesem Umstande eine wichtige Bedeutung bei und bringt ihn mtt dem Gerüchte über aggressive Schritte gegen die Schweiz in Verbindung. In einer kürzlich an den Bundesrath gerichteten Note soll wiederholt das Recht auf Neuenburg gewahrt worden sein.
Der Ministerpräsident wird seinen viermö- chentlichen Urlaub für jetzt noch nicht antreten. — Heute Mittag wurden die preußischer Seils an dieZollcon- ferenz zu richtenden Vorlagen in einem Ministerrath endgiltig festgestellt.
AnS der Schweiz her verlautet, es sei in den letz- ten Tagen eine Note der preußischen Negierung an den Bundesrath ein gegangen, in welcher die Ansprüche an Neuenburg auf's Neue geltend gemacht würden. Die N. Pr. Z. gibt dies als Gerücht und meint: „Jedenfalls würde eine solche Note wohl nur aus ge- wisse Eventualitäten berechnet sein."
Es soll Aussicht dazu vorhanden sein, die eine der bekannten, in den Kammern erörterten katholischen Forderungen — die Anstellung eines katholischen Professors der Geschichte an der Universität Breslau — erfüllt zu sehen.
Aus Görlitz schreibt man der „Breöl. Ztg.": „Am 29. Mai kam ein Gefangener unter scharfer Bewachung hier an, der in Dresden festgenommen worden war. Derselbe hat ein vornehmes Aeußere und gehört, wenigstens der Sprache uach, Rußland an. Am folgenden Tage wurde er über Glogau nach Posen trans- portirt.
Wien, 31. Mai. Nach der A. A. Z. befindet sich eine einflußreiche Persönlichkeit, die sich in einer
Mission von Constantinopel nach Wien und London begibt, bereits auf dem Wege nach Wien, um über die obschwebende russisch-türkische Differenz Aufklärung zU geben. (S. u.)
Wien, 1. Juni. Ihre kaiserliche Hoheit diefFraÜ Erzherzogin Sophie hat die beabsichtigte Reise nach Dresden und Berlin aufgeschoben/ weil, wie bisher verlautet, Se. Maj. der König von Bayern am 11. Juni hier eintreffen und bis zum 17. verweilen wird. — Die hohe Braut des Herzogs von Brabant, die Erzherzogin Marie kaiserl. Hoheit, wird dem Vernehmen nach iN kurzem im Geleite ihrer Frau Mutter eine Reise nach Bremen antreten, um nochmals aus längere Zeit mit ihrem hohen Verlobten zusammenzutreffen. Der Ober- hofmeister der Wittwe des Palatins ist bereits vorgestern von hier abgegangen und man bringt seine Abreise mit den nöthigen Vorbereitungen für den angegebenen Zweck in Verbindung.
Nach aus Turin bei der hiesigen sardinischen Gesandtschaft angelangten Briefen steht die Ankunst des Grafen Revel binnen Kurzem bevor und wird derselbe die Gesandtschastsgeschäfte wieder übernehmen; auch die mit der schweizerischen Eidgenossenschaft unterbrochenen diplomatischen Verbindungen .werden dieser Tage in aller Stille wieder ausgenommen werden. Bereits ist dem schweizerischen hiesigen Geschäftsträger, Hrn. Steiger, die Inklination zugegangen, dem hiesigen Ca- binette die hierauf bezügliche Eröffnung zuksmmen zu- l.sseu. Derselbe ist eben beschäftigt, die in vergangener Nacht abgenommene, mit der lAusschrist „Schweizerische Gesandschaft" versehene Firmatafel vor dem von ihm bewohnten Hause, dießmal bei Sonnenschein, wieder aufheften zu lassen.«
Wie der N. Pr. Z. geschrieben wird ist es mehr als wahrscheinlich, daß durch die Bemühungen Oesterreichs die jetzt abgebrochenen Verhandlungen zwischen Rußland und der Türkei wieder ausgenommen werden, und es wird aus guter Quelle versichert, daß der österreichische Gesaudte für die Türkei. Frhr. v. Bruck, bereits mit den nöthigen Instructionen versehen sei, um in dieser Hinsicht mit Erfolg wirken zu können. — Die oberste Polizeibehörde hat dem in Chur erscheinenden Journal: Bündner Zeitung, den Postdebit in Oesterreich entzogen.
Der Inhalt der schon in unserem Blatt erwähnten Circulardepesche, welche Graf Buol zu Wien unterm 26. Mai an sämmtliche österreichische Missionen gerichtet hat, wird von der „Zeit" folgendermaßen angegeben: „Große Freude des Kaisers und der kaiserlichen Fa« milse über den Besuch der beiden Könige: eine Freude, woran das Publikum zu Wien Theil nahm, und welche dadurch erhöht wurde, daß die ^Vermählung der Erzherzogin Marie Henriette mit dem Herzoge von Brabant bei dieser Gelegenheit fest beschlossen wurde. Die Zusammenkunft der Souveräne, welcher jedèr politischer Gedanke fremd geblieben ist (â laquelle tonte pensée politique est restée étrangère) und die zwischen denselben bestehenden Bande der Freundschaft, der Verwandtschaft und des Vertrauens fester zusammengezogen hat, kann demnach Niemand einen Anstoß geben (ne saurait dès lors donner de l’ombrageâ personne.) Sie scheint uns vielmehr geeignet, von allen Freunden der Ordnung uud des Friedens als ein neues diesen Interessen gegebenes Unterpfand angesehen zu werden."
Die österreichischen Commissäre, welche nach dem Uebereinkommen Oesterreichs mit Preußen und dem Zollverein auf die verschiedenen Stationen des Zollgebiets abgeschickt werden sollten, um die Einrichtung und Verwaltung des Zollvereins kennen zu lernen, sind,, wie man der Börsen-Halle mittheilt, schon zum Theil auf ihrem Posten angelaugt, und in Sonderheit iii- Herr Maresch für Berlin und die Ostseeküste, Herr Czörnig für Leipzig und den ganzen Meßverkehr, und der Oberzolldirector von Tirol für München und den- Süden bestimmt.
Wien, 2. Juni. Die Wiener Zeitung bringt heute die officieüe Anzeige von der bevorstehenden Vermählung Se. K. H. des Herzogs von Brabant mit Ihrer k. k» H. der Erzherzogin Maria Henriette. Der Artikel schließt mit folgenden Worten: „Diese Verbindung wird nicht nur die beiden souveränen Häuser, sondern auch die zwei Völker mit der lebhaftesten Freude und Genugthuung erfüllen."
Die letzten Nachrichten aus Constantinopel sind wie die österreichische Correspoudenz vom 2. Juni schreibt insofern ernster und bedeutungsvoller Art als die Abreise deS außerordentlichen kaiserlich russischen Gesandten Fürst Menczikoff und deS Botschafts-