daß Hr. de la Cour dem Admiral de la Suffe den Ferman zugesandt hat, der die französische Flotte au- torisirt, die Dardanellen zu passiren. — Die Regierung hat der Vereinigung der beiden Eisenbahngesellschasten von Orleans und Lyon, wegen der schweren Mißstände, die daraus entstehen könnten, — ihre Genehmigung nicht ertheilt.
In kompetenten politischen Kreisen, wo man es mit den Tagesfragen ernstlich nimmt, herrscht allgemein die Ansicht, daß es zu einer Störung des europäischen Friedens nicht kommen werde. An der Börse dagegen sind die wunderlichsten und haltlosesten Gerüchte im Umlaufe. Die Baissiers suchen Alles, was nur möglicherweise befürchtet werden kann, als vollbrachte Thatsachen darzustcllem So erzählte man sich, daß die in Paris sich aufhaltenden russischen Offiziere den Befehl zur schleunige» Rückkehr erhalten hätten; daß Preußen die in den türkischen Diensten befindlichen preußischen Offiziere zuriMerufen habe; (die Absicht soll die preußische Regierung, wie Berliner Blätter meldeten, gehabt bei der günstigeren Gestaltung der Verhältnisse wieder aufgegeben haben), daß ein österreichisches Armeecorps im Canton Tessin eingerückt sei, unb dergleichen fabelhafte Dinge mehr. Gewiß ist es, daß viele Speculantut bereits große Verluste erlitten haben.
Herr LatourIDnmvulin hat Herrn Larochejaquelcin einen Besuch abgestattet im Namen des Polizciministers Herrn v. Maupas, um ihm dessen Zufriedenheit mit der neuen Broschüre des Vicomte an den Tag zu legen. Der Polizeiminister werde Alles thun, was in seinen Kräften stehe, um für die Verbreitung dieser Broschüre zu sorgen, und nächstens soll im Moniteur eine ausführliche Kritik nebst längeren Auszügen veröffentlicht werden. Der Präsident des Senats, Herr Troplong, hingegen, ist mit der Schrift des ehemaligen Legitimisten nicht ganz zufrieden; er findet sie noch zu wenig deutlich.
Paris, 1. Juni. Von verschiedenen Punkten hier eingctroffenej telegraphische Depeschen melden, daß Fürst Menczikoff in der Nacht vom 23. zum 24. Mai in Odessa eingetroffen ist, von wo er am 24. Morgens seine Reise direct nach Petersburg fortgesetzt hat. Man rechnet, daß er den 31. d. M. in letzterer Stadt an- kommen werde. — Von Turin ist heute die Nachricht hierher gelaugt, daß die sardinische Regierung das Gesetz wegen der Anleihe von 400,000 Fr. zum Vortheil der durch die Sequestration in der Lombardei Betroffenen promulgirt hat. — Da die Liquidation fast beendet ist, war die Stimmung der Börse heute besser als gestern.
Schweiz
Bern, 31 Mai. Die Einberufung mehrerer eidgenössischer Stabsofstcicre hat nur den Zweck über die Art der Ausführung des an alle Cantone versandten Decretcs zu berathen , wonach dieselben dringend auf- gcfordcrt werden, ihre Militärcontingente unverzüglich in den Stand zu setzen, um dem ersten Rufe zu folgen. Besonders will man diesen Anlaß benutzen, die neue Militärorganisation durch die ganze Eidgeilosseuschaft auf eine rasche und gleichmäßige Weise durchzuführen. Deßwegen ist das eidgenössische Militärdepartement beauftragt, den Cantonalbehörden die nöthigen allgemeinen Weisungen und speciellen Instructionen zu ertheilen, sowie die ordentlichen und nöthigenfalls außerordentlichen Inspektoren in hinreichender Anzahl zu bezeichnen. — Der BundeSrath hat den Rath des Cantons Neuenburg aufgelöst.
Der freiburger Correspondent des „Journal de Geneve" weist nach, daß die Regierung, schon vor der Wahl in Bulle ihrer Niederlage sicher, Alles vorbereitet hatte, um eine Abzählung, die ihre Minderheit an den Tag gebracht haben würde, zu verhindern. Unter anderen Beweisen ist der schlagendste der: Durch den Tod von Dr. Büssard waren zwei Stellen erledigt, eine im großen Rathe und eine im Nationalrathe. Der Bergbezirk hatte für beide Stellen zu wählen. Der Staatèrath verordnete daher auch Anfangs, wie es natürlich war, daß beide Wahlen gleichzeitig, zuerst in den Nationalrath, hernach die cantonale, vorgenommen werden sollten. Dieser Beschluß des StaatsratheS war noch nicht veröffentlicht, existirt aber nichtsdestoweniger noch in einigen Exemplaren. Der Staatörath besann sich aber eines Andern und ordnete nachher blos die Vornahme der cantonalen Wahl an. Warum dies? Weil an der Nationalrathöwahl neben dem Bergbezirk noch zwei andere Bezirke Theil zu nehmen hatten, dieselbe sonach an drei Orten getrennt hätte stattfindcn, also die Abzählung nothwendig hätte vorgcnommen werden müssen, eine Abzählung, welche die Minderheit der Radicalen herausgestellt hätte, daher um jeden Preis zu vermeiden war!
Neigien
Brüssel, 1. Juni. Der König wird heute die Glückwünsche des Senates und der Repräscntantenkam- mcr zur bevorftebenben Vermählung des Herzogs von Brabant entgegennehmen. Wie man sagt, wird die jährliche Dotation des Herzogs von 200,000 Francs stuf 500,000 Francs erhöht werden.
Dänemark.
Kopenhagen, 28. Mai. „Faedrelandet" bringt in seiner heutigen Nummer die nicht unwichtige Nach
richt, daß das Danewerk, bekanntlich der alte Margarethenwall eben südlich von der Stadt Schleswig, demolirt werden solle. Das Danewerk in seinen Uebcrrcsten, vom Norden her rechts an die Trenne und links an die Schlei sich lehnend, bildet gegen einen Angriff von Süden eine starke Vertheidigungslinie und ward, wie man weiß, namentlich im Jahre 1850 als solche gegen die schlcöwig - holsteinische Armee mit dem besten Erfolg benutzt.
©rxi^britainncn.
London, 30. Mai. Vorgestern wurde ein Ca- binctsrath gehalten, der sich ohne Zweifel mit der orientalischen Frage beschäftigte. Er dauerte über drei Stunden, und am Schluß desselben, Abends um 6 Uhr, hatte der türkische Botschafter, Herr Muffurus, eine Besprechung mit Lord Clarendon. Seitdem war der telegraphische Verkehr mit Paris ungemein lebhaft. — Morning Post spricht mit Zuversicht von einer bevorstehenden großen englisch-französischen Demonstration in den Dardanellen. In ähnlicher Weise äußert sich das Chronicle, und selbst Daily News schenkt heute den Erklärungen Lord John Russells und Lord Clarendons über die Einigkeit Englands und Frankreichs unbedingten und freudigen Glauben. Möglich, daß diese Einigkeit erst ein paar Tage alt ist, aber an ihrer Existenz scheint jetzt kein Grund zu zweifeln. Die ziemlich heftige Sprache der Post scheint darauf berechnet, den Eindruck zu machen, als wäre die britische Regierung von Rußland ganz auffallend getäuscht worden, als hätte sie bis vor wenigen Tagen wirklich keinen Grund gehabt, den letzten Zweck der Menczikofs'scheu Sendung zu ahnen. Der Herald würde reden, wenn er der Regierung Uneinigkeit mit Frankreich vorwerfen könnte, aber er schweigt. Ebenso schweigt heute die „Times", die auch in ihrem vorgestrigen anti-russische» Artikel sorgfältig vermieden hat, über diesen ihr unliebsamen Punkt — das Zusammengehen mit Frankreich —• und über die ministeriellen Erklärungen von Freitag Abend ein einziges Wort fallen zu lassen. Genug, die Situation hat sich entschieden geändert, und bic allgemeine Ansicht ist, daß Rußland zur Nachgiebigkeit gezwungen werden wird.— Im Oberhause stellte Lord Hardwicke eine ähnliche Anfrage, wie Disraeli im Unterhause gestern über Absendung der englischen Flotte nach den Dardanellen sie stellte. Die Anfrage wurde in gleich ausweichender Weise beantwortet.
Der Herzog von Genua wird morgen hier erwartet. Er wird in Mivari's Hotel wohnen und hat den Marquis d'Azeglio nach Paris beschieden, um in dessen Begleitung die Reise von dort hieher zu machen.
Unlängst zeigte Lord Lyndhurst an, daß er eine neue Eidesformel für die Mitglieder des Parlaments in Vorschlag zu bringen beabsichtige. Es ist jetzt die Formel bekannt geworden, durch welche er die seither gültige ersetzt zu sehen wünscht. Doch auch in ihr kommen wieder die Worte: „auf den wahren Glauben eines Christen" vor, deren Beibehaltung die Zulassung der Israeliten zu dem Parlamente verhindert.
Cardinal Wiseman hat in einem Hirtenbriefe eine Kirchencollecte zum Bau neuer Kirchen in seiner Diö- cese angeordnet. Die Titelbill scheint in Vergessenheit gerathen zu sein; wenigstens heißt der Eingang des Hirtenbriefes: „NicolauS, durch Gottes Barmherzigkeit der heiligen römisch-katholischen Kirche Cardinalpriester von St. Pudenliua und Erzbischof von Westminster." Nach der angchängten Uebersicht über die vorjährige Collecle hat die Erzdiöccse Westminster, die bekanntlich den größeren Theil der Stadt London, einige Vorstädte und die nächste Umgebung umfaßt, 42 katholische Kirchen und Capellen.
Italic».
Nom, 23. Mai. Se. Maj. König Max von Bayern will, wie heute cingcgaugen Nachrichten melden, spätestens übermorgen Abend aus Neapel hier eintreffen, und am folgenden Morgen an der Fronleichnamsproccs- sion im Vatican Theil nehmen. Die widrigen- Winde, welche vorgestern und gestern ohne Unterlaß stürmten, waren wohl Ursache, daß der von Sr. Majestät K ö n i g Ferdinand von Neapel vorbereitete gemeinschaftliche Besuch in Porto d' Anzio unterblieb. Dem Papste selber thut die Seeluft überaus wohl. Gestern ccleb- rirte er in der Pfarrkirche des Orts das Hochamt. Morgen Abend wird er im Vatican zurückcrwartet.
Die Gazzetta di Venezia meldet ans Rom , daß Monsigncure Saccapieira vom Papste mit einer außerordentlichen Sendung nach Hayri betraut worden sei, um den Kaiser F a u st i n 1. seinem Wunsche gemäß zu krönen, (?)
Türkei.
Aus Consta ntinopel vom 19. Mai wird dem Wanderer über die Haltung des französischen und englischen Botschafters Folgendes geschrieben: Der französische Gesandte Herr de la Cour, jeiebt sich sehr geneigt , der Pforte mit seinem Rath beizustehen und ein ausgleichcndes Arrangement mit Rußland herbeizufüh- I ren. Der Vertreter Englands hingegen scheint, trotz I seiner friedfertigen Instructionen, einer Concession von Seite der Pforte wenig geneigt zu sein. Lord Rcdcliffe soll an den Fürsten Menczikoff einen Brief geschrieben haben, worin er sich beklagt, daß alle Forderungen Rußlands mit den von Herrn v. Brunnow in London ge
gebenen Versicherungen in Widerspruch ständen, und daß er ihm für den Fall eines allgemeinen Conflicts die Verantwortung hierfür anfbürden müsse. Die Antwort soll nicht besonders artig gewesen sein; der Fürst berief sich dirs seine Instructionen, innerhalb deren Grenzen er handle, während Lord Redcliffe die Grenzen der (einigen überschritten habe. Die Spannung zwischen beiden Gesandten ist begreiflicher Weise durch diesen Briefwechsel noch vergrößert worden.
Wie dem „Wanderer" ferner aus Constantinopel geschrieben wird, hat man zu Bukarest das Gericht verbreitet, daß der Kaiser von Rußland willens sei den Fürsten Alexander abzusetzen und mit dessen Würde den Fürsten Michael Obrenowitsch (Sohn des Fürsten Mi- losch) zu bekleiden, was nach der Versicherung sonst gut unterrichteter Personen als unbegründet erscheint. Fürst Michael Obrenowitsch steht eben im Begriff, sich mit der jungen und schönen Gräfin Julie Hunyady zu vermählen.
JießUptett.
Aus Alexandria, 16. Mai, schreibt man der Times: „Abbas Pascha hat endlich den zahlreichen Protesten der- Europäer nachgegeben und den Dampfverkehr zwischen hier unb Kairo eröffnet, zu welchem Zwecke die nothwendige Quantität Wasser in den Mahmoudieh- Canal geleitet wurde. Auch sollen die österreichischen und französischen Dampfbootcompagnieen für den Waa- rentranfit durch Aegypten künftig nicht mehr als die Peninsular and Oriental Company zu bezahlen haben. Der jetzige Director der Transitbeförderung, Abdallah Bey, ein englischer Renegat, gibt übrigens zu vielen Klagen über Unpünktlichkeit und unnütze Scherereien Veranlassung."
.Jimmca.
Aus Vera Cruz hat man Nachrichten über Ha- vannah. In letzteren Hafen lief nämlich der Dampfer „Aron" mit General Arista an Bord ein. Man hört jetzt, daß der Ex-Präsident nicht ganz freiwillig sein Vaterland verließ. Eine bewaffnete Escorte brachte ihn an Bord des „Aron" und hatte die Ordre, falls der Dampfer bereits abgegangen wäre, den General im Fort San Juan de Ulloa bis zur Abfahrt eines anderen Schiffes gefangen zu halten. Santa Anna's Regierungsweise erfreute sich eben keiner ganz allgemeinen Beliebtheit. So weigerten sich die Stadträthe von Tampico, ihn als Präsidenten anzuerkennen; der militärische Gouverneur, General Woll, ließ sie verhaften und nach Mexico escortiren. — Folgendes ist die Liste der neuen mexicanischen Gesandten im Auslande: Uraga geht nach Berlin; General Almonte nach Washington; J. Ramon Pacheco nach Paris; Castillo y Sanzas London; Manuel Sarrainzar nach Rom, und Bueua- ventura Viro nach Madrid. Bemerkenswerth ist auch ein Decret Santa Anna's, welches alle jene Offiziere aus der Armeeliste streicht, die sich im Jahr 1847 den Nordamericanern freiwillig gefangen gaben. — Lola Montez hat man zuletzt in Panama, aus der Reise nach Ca- lifornien, gesehen.
Neueste Nachrichten.
Altenburg, 31. Mai. Nach dem heutigen Amtsund Nachrichtsblatt hat Se. Hoheit der regierende Herzog, da er zu Wiederherstellung seiner Gesundheit nach bem AuSspruche der Aercke für einige Zeit der größtmöglichen Ruhe bedarf, beschlossen, die Leitung der Re- gicrungsgcschäfte, namentlich den Vorsitz in den Ge- hcimerathSsitzungen und die Unterzeichnung der Erlasse, welche der landesherrlichen Unterschrift bedürfen, für die nächste Zeit und bis auf anderweite Anordnung dem Erbprinzen Ernst zn übertragen.
* Die „Zeit" stellt heute ein Nachgeben Rußlands in Anssick't. 'Rußland habe, sagt sie, ein eigentliches „Ultimatum" durchaus nicht gestellt. Sie glaubt, daß die seitdem erfolgte Abreise des Fürsten keine andere Folgen haben wird, als daß die diplomatischen Beziehungen zwischen der, Pforte und Rußland eine Zeit lang unterbrochen bleiben.
Aus Wien, 31. Mai, wird telegraphisch berichtet, daß die Fonds au jenem Tage sich wieder gehoben haben. Man schreibt dieses Steigen dem Gerüchte zu, daß der Conflict mit der Schweiz einer friedlichen Ausgleichung entgegengebc.
Freiburg. Der so schändlich mißhandelte Bäcker Sondan zu Bülle ist letzten Freitag an den Folgen seiner Wunden gestorben. — Znm Festort für die nächste Osstcierversammlung im I. 1854 wurde — aus dessen Anerbieten — Baden gewählt.
„Dagbladet" bezeichnet die Nachricht in Betreff einer Mission deS Herrn Urquhart für den Prinzen von N o e r als eine Mystifikation.
Frankfurt, 2. Juni. Bei der heute hier stattgehabten 2. Ziehung 1. Klaffe der 124. Hiesigen Siadtlotterie gewannen Nr. 4246 1000 fl., Nr. 5886, 45,840 und 8893 jede 400 fl.
Kassel, 1. Juni. Bei der heute hier flattzehabten 16. Serienziehung der kurfürstl. Hessischen 40-Thlr.-Loose sind nachstehende 20 Serien herausgekommen: Nr. 337 699 846 998 1707 1991 2860 3320 3977 4167 4593 5151 5177 5191 5226 5264 5494 5798 6648 und 6670. ________________
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