Nassauische Allgemeine Zeitung.
2Vr m Dienstag ben 31. Mai ISS3.
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Jur orientalischen âge.
• Die orientalische Frage ist in einen Zustand be- denklicher KristS getreten. Fürst M e N c j t k o f f hat mit seinem ganzen Gcsandtschastöpersonal Konstantinopel verlassen. DaS russische Wappen und die tussische Flagge sind auf Befehl deS Fürsten vom GesandtschaftSpalast abgenommen. Die früheren Gerüchte über die Abreise deS Fürsten entstanden daraus, baß der Fürst sich von Konstantinopel auf den Landsitz der russischen Gesandt» schaft in Bujnkdere begeben hat. Jetzt ist der Brnch vollständig und sind die Folgen desselben abzuwarten. Der „Moniteur", die „Oesterr. Korrespondenz" sprechen im Einklang mit den von dem englischen Ministerium auS Anlaß der Interpellationen in beiden Häusern abgegebenen Erklärung die Ueberzeugung an-, daß eine Störung deS Weltfriedens nicht zu besorgen sei. Die der französischen Flotte ertheilte Erlaubniß, die Dardanellen zu passiren, scheint sich auf die Ermächtigung zu begründen, die Herr de la Conr für den eventuellen Fall, daß die russische Flotte sich in Bewegung setzen werde, verlangt hat, aber keineswegs in der Absicht, die Flotte sofort nach dem schwarzen Meere abfahren zu lassen, und so als angreifender Theil zn verfahren. Fürst Menczikoff stellte seit 2'/, Monat seine verschiedenen Forderungen mit jener Feinheit und wohlüberlegten Berechnung, welche die russischen Diplomaten auSzeichnet; jedoch die vielfachen Konferenzen, welche er mit den Ministern hatte, führten ihn seinem Ziele nicht näher, biS ihm endlich das jüngst mitgelheilte Zugcständ« niß in Betreff des H. Grabes gemacht wurde, wodurch ben Katholiken zwar ein Schlüssel dazu gesichert bleibt, jedoch denselben der Eintritt nur nach Vollendung deS griechischen Gottesdienstes gestattet wird, und die keiner-- lei Veränderungen in der inneren Gestaltung der Kirche ansprechen dürfen. Ja, eS verpflichtet sich die Pforte, in Zukunft keiner der die Katholiken beschützenden Großmächte einen hierauf bezüglichen Firman anSznfolgen, bevor nicht Rußland hierzn seine Einwilligung gegeben. Nachdem der Fürst dieses erlangt, trat er höchst energisch auf unnd überreichte am 9. Mai ein Ultimatum, durch welches er die Pforte aufforderte, binnen 3 Ta» gen sich zu entscheiden, ob sie geneigt sei, die von ihm im Namen seines Kaisers verlangte Protection der griechischen und armenischen Kirche zuzngestcbcn, so wie auch die Entschädigungssumme von 40 Mill. Piaster für die Besetzung der Fürstenthümer in den KriegSjah- «n 1848 — 1851 zu zahlen, da er fest entschlossen sei, im Weigerungsfälle die Stadt zn verlassen , dann aber die Pforte sich die unangenehmen Folgen ihres Bench- menS selbst zuschreiben möge. Die Lage der Rajah'S, wie sie derzeit sich gestaltet, wäre für die Länge unhaltbar; der Kaiser alö Oberhaupt der griechischen Kirche, als Herrscher über eine große Anzahl von Armeiiieren, fühle sich im Interesse der kirchlichen und physischen Verhältnisse der Rajah'S zu diesem Schritte verpflichtet, welcher besonders darauf Hinziele, daß die von dem Eroberer ConstantinopelS, Sultan Mohamed II., den griechischen und armenischen Patriarchen gegebenen Firmane in ihrem vollen Inhalt (welcher den christlichen Unter- thanen sehr günstig ist) in Ausführung gebracht werden mögen, — was bisher nie der Fall gewesen. Die Großmächte haben nur gegen die Forderung Rußlands sich erklärt, welche daS Pivtectorat Rußlands über die griechische Kirche betrifft, und welche bei der so bedeutenden Zahl der zur griechischen Religion gehörigen Unterthanen, man schätzt dieselbe auf 11 Millionen, den Sultan zu einem Vicekönig deS russischen Kaisers machen würde. DaS Loos der Rajah soll verbessert werden, darin sind alle Mächte einig, jedoch soll dieß in Folge eines Zusammenwirkens aller Mächte erfolgen. Die Pforte ist zu diesem Zugeständniß bereit, welches die Forderungen Rußlands gewährt und zugleich die von der Gewährung erwarteten Vortheile für Rußland ganz illusorisch macht. Darauf beziehen sich auch die Erklärungen deS britischen CabinetS über die Unantastbarkeit der Souverainetât des Sultans und die Erholung der Türkei. Auch Oesterreich zögert anscheinend, bei dieser Forderung Rußland zu unterstützen. Gali- gnani'S Messenger bringt einen Brief auS Wien vom 24. Mai, der dieß vollkommen bestätigt. Es heißt darin: „Von dem Augenblicke an, wo die österreichische Regierung überzeugt war, daß Fürst Menczikoff Forderungen an die Pforte gestellt habe, welche den Sultan in der Wirklichkeit der Souverainetât über einen großen Theil seiner Unterthanen beraubt haben würden, zögerte der Kaiser, welcher tief nachzudenken und seiner eigenen Ueberzeugung zu folgen pflegt, keinen Augenblick, seine
Botschafter in Paris und London zu der Erklärung zu ermächtigen, daß er zugleich mit England und Frankreich treulich die Verpflichtungen erfüllen werde, welche Oesterreich übernommen habe, den Bestand und die Unabhängigkeit deS türkischen Reiches aufrecht zu erhalten. Da er jedoch glaube, daß Fürst Menczikoff seine Instructionen überschritten habe, und glaube, daß die Vor« stcllungcn deS englische» und französischen Gesandten hinreichen würden, alles abmwehren, was die Rechte deS Sultans verletze, und da er sich dankbar an die neulichen Dienste erinnere, welche der Kaiser von Ruß. land dem österreichischen Throne erwiesen habe, so trage er großes Verlangen, sich eines ActeS von Theilnahme in dieser Angelegenheit zu enthalten, wenn nicht strenges Pflichtgefühl einen anderen Entschluß zu fassen nöthig machen werde." Der „Constitutionuel" versichert, es sei alle Ursache vorhanden, anzunehmen, daß Preußen sich mit Wärme in demselben Sinne, wie Oesterreich, ausgesprochen habe. Wir haben mitgetheilt, daß der preußische Geschäftsträger in diesem Sinne instruirt sei. Die dem österreichischen JnternuntiuS ertheilten Instructionen wurden in unseren Wiener Correspondenzartikeln erwähnt. ES ist bei dieser Einhelligkeit der Mächte nicht anzunehmen, daß Rußland den Versuch machen wird, die auf dem diplomatischen Feld erlittene Schlappe auf dem Schlachtfeld zu rächen.
Wie ein Corr. der A. A. Z. versichert, hat bei der ganzen Unterhandlung Fürst Menczikoff nie den Casus I belli drohend gestellt, sondern immer nur auf das mögliche Abbrüchen des diplomatischen Verkehrs hingedeutet. Auch scheint der Divan die Forderungen deS Fürsten Menczikoff nicht unbedingt abgelchnt zu haben. Was auf diese Vermuthung bringen könnte, ist der Umstand, daß der am Schluß der Berathung dem Fürsten Men czikoff ^(gefertigten Note, wie die A. A. Z. berichtet, die Proposition beigefügt war, noch einmal mit dem Großvezier und dem Minister der anSwärtigen Angelegenheiten zn conferiren. Diesem Vorschläge hat der Botschafter Rußlands nicht gewillfahrt. Die Note mag am 12. d. M. Abends in seine Hände gelangt sein; um Mittag dcö anderen TagS erwarteten ihn die Minister im Pfortcnpalast, als' er utwennuthet im Palast von Tscheraghan erschien. Die Audienz, welche der Sultan sofort dem Fürsten ertheilte, soll eine ganze, nach Anderer Aussage anderthalb Stunde gedauert haben; sie bezeichnen den Moment deS Sturzes Mohammed Ali Pascha'S. DaS neue Cabinet wurde gleich nach dem Abziehen Menczikoff'S ernannt und befand sich bereits um 4 Uhr Nachmittags unter den Augen des Großherrn versammelt, in dessen Palast die Berathung biS 7 Uhr Abends fortwährte. Es ähnelt sehr dem ursprünglichen Ministerium Reschid Pascha.S, wie eS noch um 1851 im Mai bestand. Mohammed Rusti Pascha, der Scraskier, der seine Stelle dem gestürzten Großvezier überlassen mußte, ist aber als Minister ohne Portefeuille im Staatsrath verblieben und mit dem BefehlShaberposten der Garden bedacht worden. Rifat- Pascha, an dessen Statt Reschid die auswärtigen Ange, legenhciten übernommen, ersetzt den neuernannten Groß- vexier Mustapha Pascha als Präsidenten des Staats» conseils. Niemand täuscht sich darüber, daß Reschid Pascha der eigentliche Chef deS neuen Ministeriums ist, aber man weiß dicsen Umstand schwer mit der Tendenz der obwaltenden Krisis zu vereinigen. Bereits am Morgen des 14. bestieg Fürst Menczikoff das russische KriegSdampfboot Bessarabia, um sich nach dem Landhause Reschid Pascha'S zu begeben, wo sodann die erste Konferenz zwischen beiden stattfaud. Lord Stratford de Redcliffe hatte mit dem neuen Cabinet biS dahin noch nicht communicirt. Auch kam ihm, am 14. Nachmittags, StaatSrath Ozeroff, der russische Geschäftsträger, noch einmal am Pfortenpalast zuvor. Erst gegen Abend hatte der britische Botschafter eine erste Conferenz mit Reschid Pascha. WaS die Verwerfung des Ultimatums herbeigeführt, ist noch nicht bekannt.
Die orientalische Frage droht aber auch auS einem andern Grunde der Anlaß zu ernsten Verwickelungen zu werden. Nicht nur die übertriebene Eitelkeit, nein, auch der geschichtliche Stolz der französischen Nation mnß sich gekränkt fühlen durch Alles eigentlich, was in der politischen Welt jetzt geschieht. Rußland und England verhandeln im Orient, und von Frankreich ist beinahe keine Redel Belgien, dem gegenüber Frankreich sich längst gewöhnt hatte, die „Rolle deS großen Bruders" zu spielen, tritt ein in das Concert der legitimen Monarchien und Frankreich bleibt außerhalb stehen! Glaubt man, sagt die N. Pr. Ztg., daß Louis Na
poleon, daß Frankreich lange noch ein solches Verhältniß dulden werden und dulden können ? Louis Napoleon duldet eS jetzt vielleicht aus kluger Berechnung! Er allein kann nichts^ er darf den Frieden nicht stören, schon um nicht mit den mächtigen friebegietigen Geldaristokraten Frankreichs zu brechen; aber Frankreichs Gewicht fällt schwer in die Äaagc europäischer Entscheidungen, wenn hinter LouiS Napoleon der verletzte Stolz steht. Und daß dieser Stolz verletzt werde, täglich mehr verletzt werde, das muß in den Plänen Louis Napoleons liegen, denn er mnß vorwärts, weiter, wenn er nicht rückwärts gehen will; es muß in Louis Napoleons Plänen liegen, sich durch den gestachelten Zorn der Nation zum Kriege zwingen zu lassen, Und wer weiß wie bald wird sein Motto nicht mehr lauten: Fernpire e’est in palx I sondern: l’cinpire c'est l’honucur, et Fhonncur c’est la guerre I
Ventschlattd
t* Wiesbaden, 27. Mai. (Sitzung der vereinigten Kammern.) Gegenstand der Tagesordnung war die Berathung über den Exigenzetat deS Herzoglichen StaatSministeriumS, Abtheilung des Innern. Die Anforderung von 82,050 fl. für das Ministeriell- Collegium wurde verwilligt. Der Antrag des Ab- geordneten R a n, den Gehalt eines technischen Mitgliedes im Betrage von 1100 fl. zn streichen, wurde von der Kammer abgelehnt. — Der Antragsteller hatte zur Motivirnng desselben angeführt, daß nach dem OrganisationSedict vom 17. Oktober 1819 der Mini- stmalabtheilung des Innern ein Referent im Bauwesen bcizngtben sei; den Gehalt eines zweiten Re- ferenten für daS Baufach wolle er übrigens nach den von der Regierung gegebenen Erläuterungen nicht beanstanden und ebensowenig den Gehalt des Baumeisters, welcher mit der Leitung deS evangelischen KirchenbaueS in Wiesbaden beauftragt sei, da dessen Anstellung auf einem außerordentlichen Bedürfniffe beruhe. Der von der Minorität des AuöschuffeS gestellte Antrag, die all FunctionSgehalt der 3 Mitglieder des evangelischen Senat» in Anforderung gebrachten 400 fl. nicht zu bewilligen, „weil die LandeSsteuercaffe zu diesen Ausgaben für die Zwecke der evangelifchen Kirche durch kein Gesetz verpflichtet erscheine, und eine andere Berechtigung derselben hierzu nicht nachgewiesen sei", wurde ebenfalls abgelehnt. Die Anforderung von 64,489 fl. 40 fr. in Cap. II. für die Krei Sä in ter wurde bewilligt. Der Antrag des Abg. König auf Strich des GehalteS für den zweiten KreiSamtSsecretâr zn Höchst wurde mit Stimmenmehrheit abgelehnt. Für Diäten deö KreiS- amtSpersonalS im Jahr 1853 sind 8000 fl. Aussicht genommen. Nach Antrag bei Abgeordneten Höchst wurde diese Summe auf 6000 fl. wie im vorigen Jahre festgesetzt.
Die für daS LandjâgercorpS angeforderten 49,660 fl. 3 fr. wurden verwilligt; ein Antrag bei Abg. König, diese Anforderung nur unter der Voraussetzung zu bewilligen, daß die Regierung dem nächsten Landtage ein Gesetz über die stattgehabte Vermehrung diese» CorpS vorlege, abgelehnt. Die Anforderungen für F o rstverwal tu ng (26,481 fl.) Bau- u u g der LandeSgebäude (35,017 fl. 14 fr.), Landstraßenbau (200,051 fl. 44 fr.) wurden bewilligt, ein Antrag auf Verwilligung von 1225 fl. 21 kr. zum dem Zwecke einer Uniformirung ber Chaussee» wärter nach Antrag bei Abg. Eigner mit 18 gegen 15 Stimmen abgelehnt. Der Antrag bei Abg. Müller, die Regierung zu ersuchen, die Anlegung und resp, den Ausbau derjenigen Bicinalwege zu veranlaffen, deren Herstellung im Interesse bei Allgemeinen nothwendig seien, nnd daß die Regierung bei Bewilligungen von Unterstützungen an Gemeinden zum Vicinalwegbau von diesem Gesichtspunkte auSgehe, und zu diesem Behufe einen über das ganze Land sich erstreckenden Plan für den Vicinalwegbau ausarbeiten möge. Nach einer Erklärung deS RegierungScommissärS, daß ein System für den Chausseebau vorliege, und ein gleiches für den Vi» cinalwegbau bereits in Ausarbeitung begriffen fei, wurde einstimmig angenommen. Der Antrag der Abgeordneten Knapp und Schäffer, die Regierung zu ersuchen, die Chausseebauarbeiten statt im Frühjahr, wie bisher geschehen, im Herbste versteigern zu lassen, um aldann deren zeitige Vornahme im Frühjahre verordnen zu können und zu diesem Behufe die Landstände früher zu berufen oder wenn dieß unthunlich, Creditverwilli- gung in Anforderung zu bringen, wurde mit großer Stimmenmehrheit abgelehnt. Die Anforderung« für Wasserstraßenbau (183,600 fl. 59 fr.) und für