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Deuben Angelegenheit verlangt habe. Letzterer verwei­gerte diesen Aufschub und erklärte, er werde die diplo- malischen Beziehungen abbrechen und nur noch drei Tage in Constantiuopel bleiben, nm seine Vorbereitun­gen zur Abreise zu treffen. Gleichzeitig forderte er die Pforte auf, wohl zu bedenken, was sie thue, und die ihr gelassene Frist zu ihrem Vortheil zu benutzen. Der Divan hielt am 19. dieses Monats eine Sitzung. Am Schlüsse derselben erklärte er, daß die von dem Fürsten Menczikoff beantragte Ucbcreinkuuft nicht angenommen werden könne. Nachdem diese Ent­scheidung dem russischen Großbotschafter mitgetheilt worden, verließ derselbe zum größten Erstaunen Constantiuopel nicht, sondern eröffnete vielmehr Ncschid Pascha eine neue Unterhandlung. Zufolge der durch das Dampf schiff Osiris in Marseille eingetroffencu Nachrichten ans Constantiuopel hatte Fürst Meuezikosf wirklich eine ver­söhnlichere Haltung angenommen. Am 15. d. M. hatte Ncschid Pascha eine längere Unterredung mit dem französischen Gesandten, Hrn. de la Eour.

Schweiz

Bern, 27. Mai. Der Dundesrath ist heute wie­der vollzählig versammelt und Hal in lang dauernder Sitzung die Tages frage behandelt, ohne daß sein Be­schluß bis jetzt bekannt geworden ist. Sv viel ist sicher, daß er auch ein Gutachten deö Generals Dufour über gewisse Eventualitäten eingeholt und von dem greisen Kriegsmann umfassende Vorschläge erhalten hat. Der österreichische Gesandte, Graf Karnicky, hat gestern Abend die B indesstadt verlassen, um sich direct nach Wien zu begeben. Die Attaches verschiedener Gesandt­schaften und einige Patrizier geleiteten ihn bis zur Post. General Dufour hat die Einladung zum schweizeri­schen Offizierfest wegen seines noch in der Schlinge ge­tragenen Arms abgelchut, zugleich aber geschrieben, daß er im Geiste anwesend sein werde, da er die Gesinnung der Offiziere theile, und daß es mehr als je nothwendig sei, zusammen zu halten und die Glieder zu schließen, um furchtlos dem Sturme ins Gesicht zu sehen, der an den Grenzen tose und von einem Augenblick zum an­dern über uns losbrechen könne. Der große Rath von Bern hat die Todesstrafe deö gewesenen Grimsel- wirths Zybach in 20jährige Kettcnstrafe umgcwandclt. In London sind für die ausgewiesenen Tessiner 17,535 Fr. gesteuert worden.

Bern, 28. Mai. Der Bundesrath ist gestern zu keinem Beschlusse über die TageSfrage gekommen; die Berathung wird heute in außerordentlicher Sitzung fort­gesetzt. Die Bundesräthe Furrer und Frei Hcrose sind gestern Nachts hier angekommen. General Du­four ist einer großen Gefahr entgangen. Er fuhr näm­lich mit Anderen über die Rhonebrücke bei Peney, welche ihre Probe bestehen sollte. Sie stürzte plötzlich ein, sieben Personen kamen um, der General blieb unverletzt. Diese neuerbaute Brücke führt einige Stunden unterhalb Genf über die Rhone.

Freiburg. Die militärische Besatzung der aufstän­dischen Gemeinden, sowie die Garnison in der Haupt­stadt ist aufgehoben.

Belgien.

Brussel, 26. Mai. Der Senat hat einstimmig und ohne nähere Erörterung das Budget der auswärti­gen Angelegenheiten und das Gesetz angenommen, wel­ches dem KriegSdepartemeut einen provisorischen Credit von vier Mill. Fr. zugesteht.

Brüssel, 28. Mai. (K. Z.) Sr. Maj. der König Leopold ist nebst Se. königl Hoh. dem Herzog von Bra­bant um 4s/4 Uhr Nachmittags hier cingeiroffen.

Schweden.

Stockholm, 21. Mai. Ihre Maj. die Königin- Witwe hat heute die beabsichtigte Reise nach Paris an­getreten. Das KriegSdampfschiffThor" wird Ihre Majestät von KarlSkrona nach dem Kontinent hinüber- bringen.

Großbritannien.

London, 26. Mai. Die Legung des untersee­ischen Telegraphen zwischen England und Irland ist endlich imeb mannigfachen mißlungenen Versuchen glücklich bewerkstelligt worden. Es ist nicht ein, sondern cs find sechs durch Gutta-Percha isolirte Drähte, die in eine gemeinschaftliche starke Hülle eiugcschlosseu sind und jetzt die Verbindung von Donaghadee mit Port- patrik hcrgcstcllt haben. ES kostete viele Mühe, der Strömungen des irischen Kanals bei der Legung des Drahtes Meister zu werden, und es wurde zu dieser Arbeit die vereinte Kraft von drei Dampfern verwendet.

DieMoruing-Post" (vom 26 ) versichert auf das Bestimmteste, daß die vollständigste Uebereinstimmung i zwischen dem Cabincte der Tuilerien und dem von St. James in Betreff der orientalischen Frage herrsät und daß sie und ihre Repräsentanten in Constantiuopel in vollständigster und herzlichster Uebereinstimmung geh. u- delt haben und handeln werden; geleitet durch gcmciu- schastliche Interessen, eine gemeinschaftliche Politik ver­folgend und sic durch einiges und entschiedenes Auftre­ten aufrichtig anwcndcud, würden die beiden westlichen Großmächte, wie mit vollem Vertrauen zu hoffen stehe, die übergreifenden Pläne zum Scheitern bringen, welche Rußland auszuführen versuche, indem es die Schwäche bedrohe und die Starken zu täuschen suche. (Der Pa­riserMoniteur" vom 27, hat diese Erklärung derMor- 1

giug-Post" aufgenommen.) Der Globe spricht dage- nen sein tiefes Bedauern über das geringe Zusammen­wirken Englands und Frankreichs aus, und zwar gibt er zu verstehen, daß die Schuld nicht an Frankreich al­lein liege. Seltsam! Times, Chronicle und Globe sind alle drei mehr oder weniger von der Regierung inspi- | rirt, aber bei jeder wichtigen auswärtigen Frage spielt I jedes der genannten Negierungsorgane in eine andere Farbe.

Das Gerücht erzählt, daß die früher beabsichtigte und mit einem baldigen Besuch des Königs in Zusam­menhang gebrachte Instandsetzung des früheren Herzog­lich augusteuburgischen Schlosses zu Gravenstein, als zil kostspielig, wieder aufgehoben ist.

Mazzini ist, wie sich jetzt mit Gewißheit mitthci- lcn läßt, vorgestern in England cingelroffen. Welchen Weg er auf seiner Flucht eingeschlagen hat, wissen wir nicht zu sagen. Daily News und Advertiser versichern, er sei drei Monate vor Ausbruch deS Mailänder Aufstandes in letzterer Stadt gewesen und habe sich auch verborgen gehalten. Bei dem gestern Abends stattgesundcucn Meeting derGesellschaft der Freunde Italiens" war er nicht anwesend, dafür hatte Kojsuth einen Platz aus der Plattform eingenommen und hielt auf Verlangen deS Auditoriums eine Rede über die Einigkeit Italiens und Ungarns." DerMorning Advertiser sagt:Wenn cs Mazzini gestattet wäre, zu schreiben und drucken zu lassen, in welch' erstaunlicher Weise er sich gerettet hat, würden die Regierungen selbst davon überrascht sein."

Italien.

Mailand, 22. Mai. In Cremona sollen in den letzten Tagen mehrere angesehene Personen politischer Vergehen wegen festgesetzt, und durch die gleichzeitig bei ihnen vorgenommenen Haussuchungen noch mehr com- promittirt worden sein, indem neben verfänglichen Cor- rcspondenzen auch Mazzinische Braudschriften vom neue­sten Datum aufgefunden wurden. Vorgestern Nachmit­tag 3 Uhr wurde ein gewisser Herr F., als er sich bei Mad. O. auf Besuch befand, erdolcht. Welcher Zweck diesem frechen Morde zum Grunde liegt, ist noch nicht erhoben. Regen, Hagel, Donnerwetter und rauhe Winde sind noch immer bei uns in Stadt und Umgegend an der Tagesordnung.

Rußland.

Petersburg, 19. Mai. Dem Vernehmen nach hat der Kaiser in Folge der letzten von Fürst Menczi- koff hier eingetroffenen Depeschen seinen Entschluß zu einer weiteren und länger dauernden Reise vorläufig geändert. Nach Odessa sind an die Flotten' Comman­deure und au die beiden Armeecorps Befehle ergangen, sich auf die nächsten O rdwes .bereit zu halten. Merkwürdig genug glaubt das Publicum hier allge­mein, daß England allein die Pforte zum Widerstände reize.

Türkei.

Ein Corr, der A: A. Z. erwähnt, daß man in Constantiuopel das Vorhandensein eines letzten, unwi­derruflich gefaßten und auf alle Eventualitäten berech­neten Planes, hinsichtlich einer demnächstigen Auflösung des Osmaneustaats, besorgt. Man glaubt, daß Ruß­land im Sinne habe, aus dem Läuder-Complex der europäischen Türkei zunächst zwei Vasallenstaaten zu bil­den : einen slavischen, der von den Donau-Mündungen bis zum Adria-Meer reichen, und außer Bosnien, Mon­tenegro und Bulgarien auch Serbien, die Walachei und die Moldau in sich schließen würde, und einen griechi schen, für den der Kern im Königreiche Hellas bereits vorhanden ist, der aber Neu-Byzanz zu seiner Haupt- stadt erhalten würde. Wenn man hinzusetzt, England sei dieses Toppel-Projcct bereits bekannt und es habe auf alle Opposition dagegen unter der Bedingung der Ueberlassung Aegyptens verzichtet, so sind das offenbar Coujecturen, die keinen andern Werth haben, als daß sie die Stimmung bezeichnen, welche hier, in Folge des allen Erwartungen zu wi derla us e»ben Be­nehmens Lord Stratford'S, herrscht.

Aus Pera schreibt man der K. Z.: ES hält wirk­lich sehr schwer, unter der Menge von Gerüchten, welche die Stadt durchkreuzen, dasjenige herauszufinden, das sich mit gutem Gewissen berichten läßt. Die Türkei will nicht eine Convention eingehen, die sie unter russische Vormundschaft stellen würde; im klebrigen hat sie eine die Forderungen Rußlands weit übersteigende Zusage gemacht, indem sie nicht allein die Rajah'S, sondern alle in ihrem Gebiete lebenden Christen den Türken bürgerlich und kirchlich gleichstellen will. Diese Antwort würde Rußland, das nur mit feinen griechischen Rajah'S liebäugelt, im klebrigen sich aber um Armenier, Katholiken, Protestanten 2C. wenig kümmert, bedeutend zurückstellen, indem dann das christliche Europa mit England und Frankreich an der Spitze ChoruS mit den Türken gegen Rußland und seine einseitigen Plan um chen müßte. Gewiß sehr schlau von den Osmauli! Man hat hierauf gleich an der Pforte zwei von Sanft- muth triefende Fermans, die heilige Grabeskirche betref­fend publicirt. Aber Rußland verlangt Garantien, für die Execution, welche entschieden verweigert werden. Am 13. war abermals großer Divan augesagt, allein Fürst Menczikoff wohnte nicht bei, sondern begab sich allein, begleitet von seinem ersten Dragomau, direkt zum

Sultan, um noch ein letztes Mal sich zu überzeugen,- ob all das Geschehene auch sein allerhöchster Wille sei. Der Erfolg dieser Audienz war, wie cs scheint, ungünstig.

Die Triester Zeitung hat Briefe aus Constantiuopel bis zum 16. L M. reichend. Die wichtigsten Mitthei­lungen derselben beziehen sich auf die am 13. vorgefal- lencu Miüisterverändcrungen. Mustapha Giritli Pascha wurde zum Großvezier, Ncschid Pascha zum Minister dcs Acußern ernannt. Man betrachtet das neue Ca- binct allgemein als antirussisch und befürchtet neue Verwickelungen. Judessc» war Fürst Menczikoff, ob­schon die von ihm gestellte, bis zum 14. verlängerte Frist abgelaufen war, und er sich bereits auf das Dampf­schiff begeben hatte, nicht nur nicht abgereift, sondern wurde vom Sultan in einer Privataudienz empfangen, und gleichzeitig verkündet dasJournal de Constan- tinople", daß die Frage der Heil. Stätten durch zwei Firmane des Großherrn zur Zufriedenheit der Bethei­ligten geschlichtet sei. D i e französische Flotte ist wieder nach S a l a in i s z u r ü ck g e k e h r t.

Smyrna, 18. Mai. Halil Pascha (Schwager des Sultans und Statthalter von Brussa) ist gestor­ben. Er und Chosrew Pascha waren bekanntlich bisher die Führer der russischen Partei. Da sein Tod so plötzlich erfolgt ist, glaubt man allgemein, er sei vergif­tet worden.

Ab-dcl-Kader trifft in Brussa Vorbereitungen zur Be­schneidung seiner drei Söhne, bei welchem Anlasse 60 andere Knaben dürftiger Eltern derselben Operation un­terzogen und auf feine Kosten bekleidet und bewirthet werden. Der Emir wird fortwährend mit der größten Auszeichnung behandelt.

Aus Be irusth vom 14. meldet man daß die türk. Brigg Selim" in diesen Hafen eiiigelaufcn war. Sie hatte einen außerordentlichen Gesandten an Bord, der von der Pforte mit einer besonderen Mission an Hafiz Pa­scha, den Gouverneur von Jerusalem, beauftragt war. Ein Courier der französischen Botschaft befand sich eben­falls am Bord mit Depeschen des Hru. de la Cour für Hrn. Botta, dem französischen Consul in Jerusalem.

Neueste Nachrichten.

* Wiesbaden, 30. Mai. (As s is e n v e r h a nd - l u n g). Der Angeklagte Franz Stassen wurde frei­gesprochen.

Canstatt, 28- Mai. Die Großfürstin Marie von Leuchtenberg kaiserl. Hoheit wird, nach hier einaekommenrn Nachrichten, am 12. Juli mit Familie und großem Gefolge hier eintreffen.

Sonderburg, 21. Mai. Wie der D. Sl. be­richtet , ist Hofrath Barth hier angekommen, um die dem Herzog von Augustenburg, gehörigen Estcteu ent­gegen zunebme». ,D^-Bbliesekti»g--stnVrL L^â-stâ Das Werthvollste wird nach Frankfurt gebracht; daS Uebrige wird in öffentlicher Auction versteigert.

Wien, 28. Mai. (Fr. I.) Die heute aus Semlin eingetroffcue Post berichtet, daß dort stark das Gerücht verbreitet gewesen sei, Fürst Menczikoff habe am 22. d. Constantiuopel verlassen; darüber, ob das russische Ultimatum verworfen oder angenommen wurde, verlautete nichts Bestimmtes.

Die Times hat aus Wien unterm 26. Mai von. ihrem dortigen Corrcspondeuteu folgende Depesche er­halten:Fürst Menczikoff und Gefolge haben Constan- tinopel verlassen. Die in Constantiuopel lebenden Russen sind unter den Schutz des dänischen Gesandten gestellt? Die französische Flotte soll die Erlaubniß zum Passtren' der Dardanellen erhalten haben." (Wie der A. A. Z.' ans Smyrna berichtet wird, erhielt die englische Flotte^ die gleiche Erlanbniß.)

Puris, 29. Mal. (Fr. P.-Ztg.) DerMoniteur"' veröffentlicht heute daS Folgende: Da alle Der mit-: tc l u u gs ver s u ch,'c der Vertreter der Großmächte in her Störung zwischen Rußland und der Pforte vergeblich^ gewesen, ist Fürst Menczikoff am 22. Mai wirklich' nach Odessa abgereist. Demungeachtet ist es schwer^ zu glauben, daß dem Bruch der diplomatischen Bezie-' Hungen zwischen den beiden vorgenannten Staaten of-^ fene Feindseligkeiten folgen sollten. In dieser Beziehung^ setzt man ein zn festes Vertrauen in die Weisheit deS'. russischen Cabinets. Nach dem allgemeinen Völ-' kerrccht wird die Ablehnung geforderter Zugestehungett * und Vortheile, wenn dieselben nicht durch frühere Ver-', pflichtiingenstipulirt worden, nicht'als ein Kriegsfall , betrachtet. _

London, 27. Mai. In der heutigen Sitzung deS? Oberhauses erklärte Lord Clarendon auf die Interpellation deö Lord Malmesbury, die oricuta«^ tische Frage betr., jede Mittheilung hierüber sei jetzig dem Staatsiuteresse zuwider. Die Ansichten von Ihrer,r Majestät Regierung über die Nothwendigkeit der Erhal- kuug des türkischen Reiches hätten sich ,nicht geändert, |n England und Frankreich seien in diesem Punkte einig. e| Im Hause der Gemeinen gab Lord John Nus-,^ f el l aus Disraeli's Interpellation eine ganz ähnliche Antwort und sprach als seine Ueberzeugung aus, daß ( die russische Regierung schließlich keine andere Gewähr von der Türkei verlangen wird, als sich mit der vollen ^ Attlorilät des Sultans und mit der Erhaltnng des euro­päischen Friedens verträgt.

Verantwortlicher Reractcur: Dr. A. Aocjkd.