Nassauische Allgemeine Zeitung.
TV- /•<?/. Donnerstag den 26. Mai ISS».
Die,,Nassauische Sdtflemeinf Zeituuff" mit dem beUclristischen Beiblatt „Del Wanderer" erscheint, SonntaftS auSftenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen PoNeegula-iS nunmehr auch ' für den ganzen Umfang des rburn- und Taris'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 ff., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 tr. — Anserate werden die vierspaltix , Petitzeile ober deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärlS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen. i
Die Lage der österreichischen und deutschen Eisenindustrie.
(Aus der handelspolitischen Beilage der Frankfurter Postzeitung.)
Die Eisenindustrie Oesterreichs ist einer jener Ge- werbszwcige, der in Folge des Februarvertrags viel zu fürchten hat. Schlesien und Sachsen umklammern mit i ihren Hüttenbezirken gerade dasjenige Kronland, das zu einer großen Eisenerzeugung berufen ist — Böhmen. Rheinpreußen und Nassau liefern jetzt schon nicht unbedeutende Mengen verarbeitetes Eisen auf österreichischen Markt, und Belgien und England wird und kann mit seinem Hüttenerzeugniß, wird der Zolltarif in Bezug auf das Eisen nicht mit staatsmännischer Kunst geregelt, dieselben Erschütterungen auf österreichischem Markt hervorrufen, die in Deutschland dem Eisenhütten- gewerbe so schwere Schläge versetzten.
Noch ist nämlich Oesterreichs Eisenindustrie, wie so mancher andere Industriezweig, nicht im Besitze der Kraft und Selbstständigkeit, die ihr auf die Dauer eine Mitwerbung mit den weiter vorgeschrittenen schlesischen, sächsischen oder rheinländischen Hütten möglich machten. Der Mangel an guten Straßen macht eben großen Aufwand für die Fracht von Erz und Kohle erforderlich, und ehe diese gebaut, ist an die allgemeine Anwendung der Steinkohle im Hüttenbetrieb, wie in der ganzen Industrie, nicht zu denken. Die Holzpreise sind sehr gestiegen; der Arbeitslohn hat sich in Folge der ansteigenden Preise der ersten Lebensbedürfnisse bedeutend erhöht; an Zinsen zahlt man noch 8—10 pCt.; die Anwendung der Maschinen im Hüt- tengewerbe ist noch dadurch erschwert, daß diese wichtigen Förderungsmittel des Betriebes zu kostspielig sind; der Bergbau wird nicht großartig genug — oft nicht mit der erforderlichen — Wirthschaftlichkeir getrieben, und d-er Mangel eines Berggesetzes, das schon seit so lange in Berathung, wendet eben die Capitalien nicht den reichen Schätzen im Boden zu, und ist nichts weniger als geeignet, den Unternehmungsgeist so zu wecken, wie es sein soll, um eine nachhaltige, schwunghafte und wirthschaftliche Betriebsform mit Glück herzustellen
Erwägt man, wie so lange schon diese Geldkrisis und diese Gewerbestockung über Oesterreich lastet, wie die hochangestiegenen Preise der ersten Gegenstände des Lebensbedarfs die Einschränkungen in so vielen Haushaltungen, die Verminderung des Verbrauchs, den Druck auf den Absatz fertiger Erzeugnisse hervorgebracht, wie die flüssigen Geldmittel ihren Lauf nicht wie früher in das Gewerbcleben, sondern auf die Börse nehmen, und dadurch in Industrie und Handel fehlen, wie hierdurch der Eisenverbrauch in so vielen Gewerbszweigen gemindert wird — so erklärt sich einfach, warum der Absatz der Eisenerzeugnisse seit lange schon stockt, warum also die Eisenerzeugung sich mindern mußte. In diesem dauernden Stocken des Absatzes liegt eben der Grund, warum die Anlegung neuer und die Verbesserung vorhandener Werke vorerst nicht zu erwarten, und aus Mangel an zeitgemäßen bcrggesctzlichen Bestimmungen der großartige und kunstgerechte Anbau der Erz- und Kohlenlager nicht zu hoffen ist. Die Verminderung des Betriebs, verbunden mit den hohen Capitalzinsen, dem hohen Arbeitslohn, den seit vier Jahren bedeutend gestiegenen Steuern und Abgaben, haben die Eisenpreise bedeutend gesteigert, ohne daß sich die Gewinne der Hüttenbcsitzer vermehrt hätten, während sich der Absatz der Erzeugnisse bedeutend erschwerte, indem bei den hohen Preisen der Verbrauch ein mehr begrenzter wurde, und schlesisches, westdeutsches und selbst belgisches und englisches Eiseu bei den eben bestehenden Preisen mit Gewinn noch hereingeliefert werden kann.
Werden nun im Zollverein die Zollsätze den Bedürfnissen der Industrie gemäß, nicht aber nach den jüngsten Mittheilungen, festgestellt, so wird die Zufuhr von deutschem Eisen nach österreichischem Markt eine Reihe von Jahren wachsen, ohne die österreichische Hüt- tenindustrie zu erdrücken. Namentlich die geringeren, also wohlfeileren Sorten, die leichter die Frachtkosten tragen, werden hereinkommen, und dadurch den jetzigen Mangel an geringeren Sorten — also wohlfeilerem Eisen ausgleichen. Jetzt ist nur Eisen bester Sorte zu haben.
Die bis jetzt möglich werdende Abstufung der Preise führt mehr und mehr zur Preisermäßigung aller Sor- ten, und das um so schneller, je eifriger die schlesischen und rheinischen Hütten ihre günstige Stellung zu be- nutzen wissen. Es wird sich nicht fehlen, daß die so geöffneten Handelsbeziehungen Deutschlands und Oester
reichs Capital - und Kunstkraft nach Oesterreich führen, um unter den Schwingen des österreichischen Adlers die Werkstätten zu gründen, die der preußische Adler durch seine Tendenz nach freiem Handeln zu leicht gefährdet, und so wird sodann durch die Herüberrufung deutscher Techniker neues Leben in den Berg- und Hüttenbetrieb kommen. Um große Verluste zu verhüten, werden die jetzigen Hüttenbesitzer große Opfer bringen müssen, um später wieder in größeren Wohlstand zu gelangen.
Wird aber, was nach der neuesten Ansicht der preußischen Regierung möglich ist, eine Ermäßigung der Ei- scnzölle eintreten, und geht der Antrag des preußischen Cabinets bei der nächsten Generalcoiiferenz durch, so steht dem österreichischen HLttcngewerbe eine große — eine unabsehbare Gefahr bevor; denn es ist erwiesen, wiederholt durch die umständlichsten Berichte und Darlegungen der preußischen Bergcollegien erwiesen, daß bei den jetzigen Zollsätzen im Zollverein, in Bezug auf das deutsche Eisen, die überwältigende Gefahr durch die belgische und englische Eisenzufuhr nicht geschwächt, sondern nur die Möglichkeit großer Gewinne für das Ausland gewidmet wird. Nach den ausdrücklichen Aussprüchen der Zollcommissionen ist der Roheisenzoll von kOSgr. nur das unabweisbare Minimum, das geboten werden müßte, um den sinkenden Industriezweig zu erhalten, daher die beabsichtigte Zollhcrabsetznng auf der nächsten Zollconferenz das Hüttengewerbe Süddeutsch- lands vernichten, und die wichtigsten Gesammtintercssen des Zollvereins gefährden wird.
Die auf diese Weise aber durchgesetzte Maßregel wird auf Oesterreich eine starke Rückwirkung haben. Wird sie in Oesterreich nicht nachgcahmt, so wird Süddeutschland in Oesterreich den Rettungsanker vor der zerstörenden Haudespolitik finden. Wie soll das zur Zolleiuhcit führen? Neue Ungewißheit in den Geschäften — neue Verwirrung! Wird sie in Oesterreich nachgcahmt, so ist das Hüttengewerbe mit einem Schlag vernichtet. Aus dem Prohibitivsystem geht man nicht in das Freihandelssystem über, der Uebergang in das Schutzsystem. Und zudem müssen in Oesterreich noch die leicht zu benutzenden Straßen gebaut werden, die Deutschland schon hat; — die Capitalzinsen mit denen von Deutschland sich vorerst ausgleichen; — die technische Kunst auf die Höhe in Deutschland steigen; — der Unternehmungsgeist sich beleben; — die dringend nothwendigen Berggesetze gegeben werden, um den jetzigen lähmenden Zustand zu entfernen,
Wird die Zollermäßigung in Preußen durchgesetzt, so ist die nächste Folge, daß England und Belgien von diesem ihnen ohne Gegenc one ession gemachten Geschenke G e b r a u ch m a ch e n, massenhafte Einfuhren von Eisen bringen und das deutsche Hüttenerzeugniß von se i n e m M a r k t h i n w e gd r ü cke n werden. Das deutsche Erzeugniß wird sodann seinen letzten Ausweg nach Oesterreich suchen, wo es den Stillstand vieler Hütten bewirken wird. In dieser, aus krankhaften Erscheinungen herrührenden Zufuhr aus Deutschland liegt für Oesterreich die Gefahr, nicht aus jener Zufuhr, die in Folge blühenden Hüttenbetrieb in Deutschland sich ergibt.
Delrtschlond
* Wiesbaden 25. Mai. (Assisenverhandlung gegen Peter Bögler von Hofheim und Peter Carl von Oberseelbach wegen Diebstahls.) Der Angeklagte Peter Bögler wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Assiscnhofe zu 2 Jahren CorrectionShausstrafe verurtheilt; dagegen der Mitangeklagte Peter Carl für nicht schuldig befunden und von dem Assiscnhofe freigesprochen. Die Kosten betragen 47 fl. 30 kr.
* Wiesbaden, 26. Mai. Wegen des Frohn- leichnamfestes findet heute keine Assisenverhandlung statt.
Eltville, 24. Mai. Bei der gestern zu Eberbach abgehalteneu Domanial-Weinverstcigerung wurden 461/, Stück 1851r, sodann an Cabinctsweinen 1 Stück 1842r und 10 Stück 1846r vergeben und im Ganzen 68,680 fl. erzielt. Ein halbes Stück Steinberger CabinetSwein wurde um 5820 fl. versteigert.
Frankfurt, 25. Mai. Das wegen Errichtung einer Frankfurter Bank betreffende Commissionsgesuch nebst dem Statutenentwurf ist bereits vorgestern der Stadtkanzlei übergeben worden.
Die Registratur der ehemaligen deutschen Flotte ist aus Bremerhafen hierher gebracht und in den Archiven der Bundesversammlung hinterlegt worden. Sie ist ausnehmend umfangreich.
* Der Frankfurter Senat hat den Vorschlag
wegen theilweiser Wiederherstellung der politischen Rechte der Juden gemacht.
Darmstadt. 2L Mai. Sicherem Vernehmen 1 nach wird Se. Königliche Hoheit der Großherzog i Ende Juni dem Königlichen Hofe in Berlin einen 1 Besuch abstatten. 1
Mannheim, 20. Mai. Die D. Reichszeitung erfährt aus ganz sicherer Quelle, daß der großherzogliche Staatsanwalt ausdrücklich ermächtigt worden sei, den „Proceß Gervinns" auf sich, beruhen zu lassen. Ob l diese Ermächtigung einen ausdrücklichen officiellen Ver- ■ zicht zur Folge haben wird, steht noch dahin.
Karlsruhe, 24. Mai. S. k. H. der Regent hat sich heute Vormittag nach Baden-Baden begeben, um Sr. Maj. dem zum Gebrauch einer Badekur daselbst verweilenden König von Würtemberg einen Besuch zu 11 machen, und ist heute Nachmittag wieder hieher zurück- gekehrt. 1
München, 22. Mai. Vorgestern hat die k. Po« r lizeidirectiou die Nrn. 20, 22 und 23 des Berliner ( Witzblattes „Kladderadatsch" an allen Orten, wo dieselben aufgelegt, coufiscirt. <
Hannover, 19. Mai. (D. N.-Z.) Der Bun« r descommissär, Staatsrath Dr. Fischer, hat bekannt- 1 lich vor kurzem seine Mission erledigt. Unter den zu- ' letzt von ihm verkauften Gegenständen aus dem Nach- 1 lasse der deutschen Flotte befand sich auch die große, ’ nahe an 60,000 Pfund wiegende Ankerketie von dem i' vor Eckernförde in die Luft gesprengten dänische Schiffe I Christian JVllI. Diese meisterhaft gearbeitete Kette, deren Werth von Sachverständigen auf 4000 und einige & hundert Thaler veranschlagt war, soll gleichfalls von f einem Hamburger um den Preis von 750 Thlr. erstan« * deu sein.
Oldenburg, 22. Mai. Wie es heißt, wird der l Großherzog erst gegen Ende des nächsten Monats die ' beabsichtigte Reise nach Petersburg antreten. — Der Landtag ist bis zum 1. k. M. verlängert, allein es läßt i sich schon jetzt mit Bestimmtheit voraussehen, daß auch 1 trotz der angestrengtesten Thätigkeit auf beiden Seiten:: gegen diesen Termin die Geschäfte nicht zu erledigen l sein werden. Somit steht eine weitere Verlängerung in Aussicht. k
Hamburg, 22. Mai. Dr: Heckscher, welcher^ 1848 zum ersten Reichs-Justiz-Minister von dem da- maligen Reichöverweser über Deutschland, dem Erzherzog Johann, erwählt wurde, wird dem Vernehmen nach den Posten eines hamburgischen Minister-Re«" sidenten in Wien atmeten. Man vermuthet, daß bei dieser Ernennung der Einfluß des Erzherzogs Jo-" Hann sich geltend gemacht hat, da man hier wenigstens stets der Ansicht gewesen ist, daß Dr. Heckscher jenem Fürsten persönlich angenehm sei. Seit seiner Rückkehrfl hierher lebte Dr. Heckscher ziemlich zurückgezogen, nur- beschäftigt mit seiner juristischen Praxis. — Von Jn-^ teresse ist das eigenthümliche Zusammentreffen, daß ge-'^ genwärtig ein ehemaliger Reichsminister, der hiesige^ Kaufmann Ernst Merck, als österreichischer General«^ Consul für Hamburg und Hannover fungirt, während" ein anderer als hamburgischer Minister-Resident nach^ Wien geht. e
Bon der Ostsee, 20. Mai, schreibt man bet’* A. Z.: Ich glaube Ihnen mit ziemlicher Bestimmtheit" die Nachricht mittheilen zu können, daß die D e m o l i rungsarbeiten an der Festung Rendsburgs nicht blos vorläufig aufgeschobeu sind, sondern daß maim sogar ernstlich zu überlegen Veranlassung gefunden, inei welcher Weise man die niedergerissenen Festungswerks' wiederherzustellen habe. (Holsteinische Blätter Habers bekanntlich vor Kurzem gemeldet, daß die Nachricht vom" der Einstellung der Demolirnngsarbeiteu unbegründet sei und diese Arbeiten demnächst wieder beginnen wür-" den, was wohl nur rücksichtlich des Kronenwerkes de?" Fall ist.) Es war zu natürlich, daß man unter bei™ gegenwärtigen Verhältnissen und mit namentlicher Bet ziehung auf das, was sich hier für die Zukuuft vorher reiten zu wollen scheint, mit einigem Nachdruck auf bei™ tractatmäßigen Status quo ante und seine Hcrsteüuuc sich zurückgewiesen sehen mußte, namentlich da so vie^S Einzelnes gegen Einzelne sich vorfand, das sehr wenict mit dem Inhalt dieser völkerrechtlichen Verpflichtung m ’ harmoniren schien. Daß aber der Status quo ante' noch weniger als ein leeres Wort war, wenn es veror stattet sein konnte, eine so ungemein wichtige deutsch"' Festung, wie Rendsburg ist, zu demoliren, liegt an^' der Hand. 5
Bremen, 20. Mai. Die neulich auf Verfügun-" der Polizei-Direction in der Wohnung des Kaufmann