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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Jsr 120. Mittwoch den 25. Mai «833.

Die,,Raffauffche Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag» ausgenommen, täglich und beträgt der PränunierationSpreis für Wiesbaden Uno , nach dem neuen Postregulaii» nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn, und Taris'schen Verwaltungsbezirks mit Jnbtgriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postdereins, wie für das Ausland 2 st. 24 fr. Inserate werden die Uiersxallix Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auâwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

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Amtlicher Theil.

Dienstnachrichten.

Dem Pfarrer Wasmuht zu Kirberg ist die durch das Ableben des Decans Vogel daselbst zur Erledi­gung gekommene Schulinspection über einen Theil der Schulen im herzoglichen Justizamte Limburg übertragen worden.

Die durch die Versetzung des Pfarrers Wasmuht zu Dotzheim zur Erledigung gekommene Schulinspection über einen Theil der Schulen im herzoglichen Justiz­amte Wiesbaden ist dem Pfarrer Büsgen zu Dotz­heim übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Deutschland.

* Wiesbaden, 24. Mai. (Assiseuverhandlung gegen Heinrich Kunz von Attenhausen wegen ausge­zeichneten Diebstahls.) Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Assisen- Hofe zu iy2 Jahr Correctioushaus verurtheilt. Die Kosten betragen 50 fl. 27 kr.

* Wiesbaden, 24. Mai. (Assiseuverhandlung gegen Joh. Peter Schmidt von Würges wegen aus­gezeichneten Diebstahls.) Johann fPetcr Schmidt, 20 Jahre alt, ohne Gewerbe, ist angeklagt, am 28. | November v. I. in das von Hofkassirer Kraft dahier bewohnte Gebäude nach gewaltsamer Eröffnung eines Fensters eingestiegen zu sein und daselbst fünf der Dienstmagd Anna Köhler gehörige Kleider im Werthe von 9 fl. 40 kr. entwendet zu haben. Der Angeklagte, schon mehrmals wegen Diebstahls bestraft, ist der ihm zur Last gelegten Verbrechen geständig. Derselbe wurde von den Geschwornen für schuldig erkannt und von dem Asfisenhofe zu 2 Jahren Corrcetionshaus verurtheilt. Die Kosten betragen 30 fl. 42 kr.

Die Verhandlung leitete Assisenviccpräsideut Hofge- richtSrath Trepka; als Staatsanwalt fungirte Staats- procurator-Substitut Flach; als Vertheidiger Procu- rator Lang.

* Wiesbaden, 25. Mai. (Assiseuverhandlung gegen Peter Vogler von Hofheim und Peter Carl von Oberseelbach wegen ausgezeichneten Diebstahls.) Peter Vogler, 44 Jahre alt, Taglöhner, ist ange­klagt, in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar l. J. mittelst Einbruchs und Einsteigens in die zu dem Haus des Daniel Kraft zu Wiesbaden gehörige Scheune und nach gewaltsamer Eröffnung der Thüre einer Spei- cherkammer in dem Wohnhaus des Daniel Kraft Wäsche im Werthe von 43 fl. 12 kr. gestohlen. Peter Carl, 39 J. alt, Knecht von Oberseelbach ihm dadurch Vorschub geleistet zu haben, daß er einen Theil der gestohlenen Sachen in der Scheune seines damali­gen 'Dienstherr» PH. Röcker in Sonnenberg verbarg, wo dieselben, wie wir seiner Zeit berichtet haben, am 11. Januar bei der von dem Herrn Polizeirath von Rößler veranstalteten Nachforschung hinter einem Ge­fach im Kuhstall gefunden wurden. Der Ruf beider Angeklagten ist schlecht. Beide standen schon mehrmals Diebstahls wegen in Untersuchung, jedoch ohne bestraft worden zu sein. Die Verhandlung leitet Herr Assisen- Prâsident Flach, für die Staatsbehörde fungirt Staatspr. Substitut v. Reichenau, als Vertheidiger der Angeklagten Herr Dr. Leisler jun.

Karlsruhe, 23. Mai. (F. I.) Der um 12 Uhr 45 Min. landaufwärts von hier abgehende Schnellzug schwebte, wie ich so eben aus zuverlässiger Quelle ver­nehme, in der Nähe von Malsch, der zweiten Station von hier aus nach Rastatt zu, durch das HerauSgehen der Locomotive aus den Schienen, einen Moment lang in einer furchtbaren Gefahr. Durch das Zerreißen der Kette, welche die Locomotive mit dem ersten Waggon verbindet, wurde dieselbe glücklicherweise von den Pas­sagieren abgewcndet, indem der ganze Zug steheu blieb; die Locomotive aber gerieth über den Bahndamm hinab in das Feld, wobei der Locomotivführer todt blieb. Gestern fand die feierliche Uebergabe der neugebauten Offenburger Gitterbrücke au den Verkehr statt.

München, 21. Mai. Eine officiöse Mittheilung in derAllg. Ztg." berichtigt die von einigen Zeitun­gen gebrachte Nachricht, als stünde der Bau eines Ka- »als von der Isar (München) in die Donau in naher Aussicht, dahin, daß ein solcher Plan vorgeschlagen und empfohlen, auch zu den Vorarbeiten, die aber nur die specielle Aufnahme des Plans betreffen, die nöthigeil

Summen angewiesen sind, ein Beschluß aber noch nicht gefaßt ist.

Altenburg. Die aus dem Schwäbischen Merkur in andere Zeitungen übergegangene, angeblich aus gut unterrichteter Quelle hcrrühreude Nachricht, daß unser Herzog, um die schwebende Domâuenfrage schneller ih­rer Lösung zuzuführen, zu Gunsten des Erbprinzen zu abdicireu gesonnen sei, ist, wie die L. Ztg. versichert, ihrem ganzen Inhalte nach leere Erfindung.

Bonn, 22. Mai. Nächsten Montag den 30. d., gleichzeitig mit der Generalversammlung der Actionäre der hessischen Ludwigsbahn, wird dahier eine Versamm­lung der Actionäre der Ronn-Kölner Bahn stattfinden. Außer den gewöhnlichen Gegenständen, welche dabei zur Vorlage, Berathung und Beschlußfassung kommen, wird die Direction und der Verwaltungsrath der Ver­sammlung proponiren, deu Bau unserer Bahn bis Rolandsèck, beiläufig drei Stunden, fortzusetze» und zu dem Zwecke die Verwaltung zu ermächtigen, die Ge­nehmigung des Königs dazu einzuholen, welcher cs al­lein noch bedarf, nachdem in den Statuten selbst schon einigermaßen Vorsehung deshalb getroffen ist.«

Elberfeld, 21. Mai. In der heutigen General- Versammlung der Actionäre der Bergisch-Märkischen Eisenbahn ist die Uebernahme der Dortmund-Soester Eisenbahn einstimmig genehmigt, respectiv beschlossen worden.

Hannover, 21. Mai. Auf eine im Verfassungs- Ausschuß gestellte Frage, ob die Regierung versichern könne, daß sie, wenn die am 25 April von ihr bean­tragten VerfasftmgS-Acnderungcn von den Ständen ge­nehmigt würden, keine weiteren Aenderungen beantragen werde, erwiederte der Ministerpräsident v. Schele, daß die Regierung nicht in der Lage sei, eine derartige Frage zu beantworten.

Oldenburg, 16. Mai. (Wes. Ztg.) Zu den- jenigen Gegenständen, welche unser vevidirtes Staats- grundgesetz jnach anderen Grundsätzen geordnet wissen will, als welche das Staatsgruudgesetz von 1849 auf­stellte, gehört besonders das V o lks s chul w e s en. Zm Gegensatz der früheren soll nach den jetzigen Be­stimmungen der Jugend in den Volksschulen neben der allgemein menschlichen und bürgerlichen" auch die reli­giös - confessionelle Bildung bewahrt bleiben, es ssoll der beteiligten Kirche die zur religiös - confessionel- len Bildung der Jugend erforderliche Einwirkung gesichert", überhauptdie nothwendige Verbindung zwischen Kirche und Schule, unter Berücksichtigung der confessionellen Verhältnisse", durch das Gesetz geregelt werden. Hiernach bedurfte das unter der Herr­schaft bed StaatSgruudgesctzcs von 1849 bereits ent­worfene, jedoch damals noch nicht an den Landtag ge­brachte Schulgesetz einer wesentlichen Revision. Diese soll jetzt, wie wir vernehmen, durch eine besondere Com­mission vorgciiommen werden, in welche der Viccpräsidcnt Hayen, der Ministerialrath Runde, der Scminardircctor Willich, der Oberkirchenrath Geist und der Ministerial­rath Selckmann berufen sind.

Bützow, 18. Mai. Das Criminal-Collegium ver­öffentlicht unterm 16. Mai folgende Bekanntmachung: In der bei dem unterzeichneten Collegium anhängigen, mit hiesiger Personalhaft wieder 12 Rostocker Einwoh­ner verbundenen Untersuchungssache wegen Hochver- rätherischer Unternehmungen können fortan bis auf Wei­teres Besuche bei den Jnhastirten, selbst wie bisher im vorschriftsmäßigen Beisein einer geeigneten Gerichts­person, nur in Fällen einer dringenden, dem Directorium einen Tag vor dcm gewünschten Besuche schriftlich dar- zulegenden und zu bescheinigenden Nothwendigkeit ge­stattet werden, und sind solche Gesuche im Falle etwaiger Nichtbeantwortung als abgelehnt zu betrachten."

Berlin, 22. Mai. Der Kriegsminister General lieutenant v. Bonin, wird dem Vernehmen nach An­fangs des künftigen Monats einen sechswöchentlichen Urlaub nach Wiesbaden antreten, und die Geschäfte des Kriegs-Ministeriums während dieser Zeit von dem Di­rector deS allgemeinen Kriegs-Departement, General­major v. ,Wa »gen Heim versehen werden. Von den gesammelten Schriften von J. v. Radowitz ist so eben der dritte und vierte Band ausgegeben worden. Die Lith. Corresp. sagt:Von Wichtigkeit er­scheinen die in gut orientirten Kreisen sich wiederholen­den Nachrichten, daß die Beziehungen zwischen England und Oesterreich sich freundlicher gestalten und daß die­selben in Rücksicht auf die beiderseitigen Höfe nament­lich auch durch die zeitweilige Anwesenheit deS Königs Leopold in Wien wesentlich gefördert werden möchten. In Rücksicht sauf die orientalische Frage begegnen sich

wohl auch die Interessen beider Kabinette auf gewissen Puncten. Kurzum, man erwartet bei der Sachlage in Euuopa, daß die seitherigen Conflicte zwischen England und Oesterreich bald vergessen sein werden." Wich­tiger für uns erst in diesem Augenblicke die Eisenbahn­frage. Noch im Laufe dieses Jahres werden die wich­tigsten Projecte für unsere Ostprovinzen sowohl als für die Westprovinzen ihre endliche Lösung finden. Der Plan eines Schienenweges von Köln über den Wester- watd nach Frankfurt ist aufgegebcu und cs wird statt dessen nur eine Zweigbahn, die in die Hauptader des mitteldeutschen Eisenbahnsystemes mündet, von Coblenz aus gebaut werden; dagegen ist cs nunmehr so gut als gewiß, daß, seitdem die hessische Regierung definitiv ihre | Einwilligung zu einer Mainz-Binger Bahn ertheilt hat, . nunmehr auch im Preußischen auf dem linken Rhein- ; Ufer von Bonn nach Coblenz und von da nach Bingen ; weiter gebaut werden wird DteBresl. Ztg." vcr« nimmt aus angeblich verläßlicher Quelle, daß die jüngst vom Bischof Arnoldi zu Trier publicirte Anordnung des i Papstes gegen die Mischehe erlassen und vornehmlich ! Gegenstand seiner Reise nach Rom gewesen sei. Der i Schics. Ztg." zufolge wäre die Wahl des Domherr» - Förster zum Fürstbischof von Breslau einstimmig - erfolgt und danach seien die entgegengesetzten Nachrichten | zu berichtigen. Die Prövinzialstände werden in diesem , Jahre wahrscheinlich gar nicht berufen werden, da cS > für sie an geeigneten Vorlagen fehlt. Die Frage, ob , Mitglieder der freien Gemeinden auch Mitglieder der 8 evangelischen Hospitäler sein, resp. bleiben können, ist vom Ober-Tribunal verneint worden. Heute war der . Trousseau (die Aussteuer) der Prinzessin Anna von 1 Preußen in zwei Sälen des königlichen Schloffes aus- i gestellt. Damen des prinzlichen Hofstaates führten die s Aufsicht. Am 29. d. M. findet hier eine katholische ' Procession zur Feier des FrohnleichnamSfestes nach dem - benachbarten Spandau statt. Nach amtlichen Zu- = sammenstellungen sind im preußischen Staate zur Zeit 1 nicht weniger als 40,000 Civilbeamte im Staatsdienste i thätig. Zur Aufnahme in den wiederhergestellten 3 Johannitcrorden sich bereits gegen 2000 Personen aus den verschiedenen Provinzen des Landes gemeldet haben. Bekanntlich ist mit dem Orden eine Decoration ' verbunden, ohne daß die Ritter zu besonders schwierigen persönlichen Leistungen verpflichtet wären. Von preu­ßischer Seite wird auf der bevorstehenden Generalzoll- " confereuz die Abhaltung einer Jndustrieausstel- n luh g desganzeu Zollvereins in M ü u ch e n 6 für das nächste Jahr in Anregung gebracht werden. 11 Wie von Llaubwürdiger Seite her aus Mecklenburg mit- \ getheilt wird, soll die dortige mit Umsicht geführte Nach­forschung unter Andcrm mit Evidenz ergeben haben, 6 daß einer der Verhafteten an der Fluch? Kinkels be- theiligt war, wiewohl derselbe bei der in der Fluchtan« '' gelcgcnheit angcstclltcn gerichtlichen Untersucknng eidlich n deponirt hatte, daß dies nicht nur nicht der Fall, son- 11 dcru er selbst nicht das Geringste von der Flucht ge« S! wußt habe, bevor sie öffentlich bekannt geworden sei. t

In einzelnen Gegenden Preußens, in welchen der " Boden für den Tabaköbau geeignet ist, haben die grö- e' ßcren Landwirthe die Cigarren- Fabricayon als land- m wirthschaftliches Nebengcwerbe zu betreiben angefangen. 1 Wie man hört, wird namentlich in Rücksicht auf die ^ Arbeits-Gelegenheit, welche dadurch den ländlichen Ar- beitern für den Winter geboten ist, von den landwirth- 4 schriftlichen Behörden die Ausdehnung dieser Industrie ,CI empfohlen und mit derselben auch in Folge einer von es oben her ausgegangenen Ermunterung auf ökonomischen m Lehranstalten bereits versuchsweise vorgegangen. Man *' erwartet von einer weiteren Verbrcitung dieser neuen '" landwirthschaftlichen Thätigkeit bedeutende Ergebnisse, da ^ die Production des inländischen Tabaks in mehreren Provinzen gar nicht gering ist. In Schlesien z. B. wurden nach der Angabe des Provincial-Steucr-Direc- tors in den Jahren 1849 bis 1851 durchschnittlich d" 4000 Morgen mit Tabak bebaut. M

Man bemerkt seit Kurzem schreibt man der Coblenzer Zeitung, daß englische Speculanten am ^ Rheine sich einstnden, um Schlachtvieh aufzukaufcn und nach England transportiren zu lassen. Sie sollen ihr y Geschäft den Rhein heraus bis zur Schwei'zcrgränze aus- dehne» und eine große Menge dieser Waare an sich or bringen.

Natibor, 19. Mai. Auf der Locomotive, welcher Se. Majestät den König von Oderberg nach Wien e5 führte, war, wie man derDr. Z." schreibt, der öster- reichische und preußische Adler in der Art angebracht, daß sich deren innere Klauen fest umschlungen hielten,