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klagt in dem behufs seiner Verehelichung mit Marga­rethe Hautzel zu Blessenbach ihm von Bürgermeister Eppstein zn Weilmünster am 1. März auSgcfertigten Vermögenszeugniß, worin sein Vermögen als in 2 Mor­gen 25 Ruthen IFeldgütern, Werth 500 fU bestehend, angegeben und seine Aufführung alsgut" bezeichnet war, dem Wortegut" die Worteund treu" hinzu» gesetzt, die den Flächeninhalt des Feldguts angebende Zahl 2 in 4 und die den Werth desselben angebende Zahl 500 in 1500 Gulden in der Absicht geändert zu haben, um auf diese Weise desto sicherer die Aufnahme nach Blessenbach zu erwirken. Ph. Paul ist der Fälschung geständig und wurde von den Ge­schworenen schuldig befunden, von dem Gerichtshöfe zu einer Gefängnißstrafe von 14 Tagen und in die Untersuchungskosten verurtheilt.

Frankfurt, 20. Mai. Das Berl. C.-B. schreibt: Es dürfte in diesem Sommer dazu Aussicht sein, daß sich die Bundesversammlung mit einer Feststellung neu Bestimmungen über das Auöwanderungswcsen und zum Schutze der Auswanderer gegen Uebcrvortheilungen be­schäftigen wird, indem dazu die Anregung namentlich von mehreren mitteldeutschen Regierungen wird gegeben werden. Da sich auch der um das Gesammtvaterland vielfach verdiente geistvolle Herzog von Coburg-Gotha mit großer Wärme für dsese wichtige Angelegenheit persönlich interessirt und sein Augenmerk sehr darauf gerichtet hält, so ist ein genaues Eingehen auf die be­züglichen Anträge von Seiten aller Regierungen wohl mit Sicherheit zu erwarten. Glaubhaftem Verneh­men nach dürfte auch, nachdem sich in jüngster Zeit die Mißlichkeit der Verschiedenheit der gesetzlichen Vorschrif­ten über Militärpflicktigkeit in den einzelnen Bundes­ländern in einem concreten Falle herauSgestellt bat, die Nothwendigkeit einer Vereinbarung gleichförmiger Grund­sätze in dieser Richtung im Schovße der Bundesver­sammlung zur Sprache gebracht werden. Zu der Dundespreßfrage vernimmt man, daß von einer süd­deutschen Regierung neuerdings auf schleunige Erledi­gung derselben gedrungen werde. Es scheint indeß nicht, und an unterrichteter Stelle wird hier (in Ber­lin) diese Ansicht getheilt, daß das Stadium, in welches diese Angelegenheit zuletzt getreten ist, die Möglichkeit böte, zu einem Ziele zu kommen. Die Verhandlungen müßten, wenn ein Ergebniß erlangt werden soll, auf neuen Grundlagen begonnen werden. Die täglichen Paraden der verschiedenen zur Bundesgarnison Frank­furts gehörigen Trnppcncorps wurden seither gesondert abgehalte». Es ist nunmehr die Verfügung getroffen, daß wöchentlich einmal chie Offlciercorps der verschiede­nen Truppeutheile, der österreichischen, preußischen, bai­rischen und franffurtischen, sich zu einer gemeinschaftli­chen Parade versammeln.

Bad Homburg, 22. Mai. Der regierende Herzog von Anhalt-Bernburg und seine Gemahlin sind unter dem Namen eines Grafen und einer Gräfin von Mühlingen hier eingetroffen, um eine dreiwöchentliche Badekur zu gebrauchen.

Gießen, 22. Mai. In einem Duelle mit ge­wöhnlichen Schlägern wurde gestern ein Student da­durch getödtet, daß die Klinge des einen Duellanten, deS Sohnes eines hiesigen Advocate», sprang und deren Spitze, in die Brust des Gegners eindringend, ein grö­ßeres Gefäß verletzte.

München, 20. Mai. Vor einigen Tagen hat uns der königl. preußische Gesandte, Baron v. Bockelberg, auf einige Wochen verlassen, um seine Herstellung von schwerer Krankheit an den Ufern des Bodeusce's, in der Nähe von Lindau, zu vollenden. Die Geschäfte der Gesandtschaft versteht, wie bisher, d. h. seit der Erkrankung Sr. Excellenz, der Attache Baron von der Schulenburg.

Heute Morgen hat sich Se. Maj. der König Lud- wig zur Besichtigung der Walhalla nach Regensburg begeben. Morgen begibt sich Se. Majestät von Re­gensburg nach Kelheim, um bezüglich der großartigen Befreiungshalle persönlich Verschiebens anzuordnen.

Salzungen, 20. Mai. (N. C.) Gestern fand die dritte und letzte Sitzung der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung statt. Die Zahl der Theilnchmcr war schon um ein Bedeutendes vermindert, während die Präsenzliste gegen Mittag auf 252 gestiegen war. An Stelle des RectorS Lommer von hier, den höhere Pflichten in seiner Eigenschaft als Landtagsabgeordneter nach Meiningen berufen, wurde Dr. Th. Hoffmann aus Hamburg zum Präsidenten gewählt. AuS den Verhand­lungen hebe ich zunächst die Beschlüsse hervor, welche die Versammlung in Betreff der auf der Tagesordnung stehenden Frage faßte: Welche Berechtigung haben in der Volksschule die Realien überhaupt und unter einan­der? Sie vereinigte sich nämlich auf den Antrag Dr. Hoffmanns aus Hamburg in Folgendem:1) Die all­gemeine deutsche Lehrerversammlung erklärt, daß sie un­ter Berücksichtigung der wachsenden Bedeutung der Rea­lien den Unterricht in denselben in den Volksschulen für durchaus nothwendig und also für vollkommen berech. tigt anerkennt; 2) sie erklärt daher, daß keine Volks­schule ihrem Zwecke genügend entspricht, wenn sie nicht den Unterricht in den Naturwissenschaften, in der Geo­graphie und in der Geschichte in ihren Lehrplan aus­genommen hat; 3) sie erkennt die Schwierigkeiten an,

welche an manchen Orten der genügenden Berücksichti­gung der Realien im Wege stehen, aber sie hält es für die unumgängliche Pflicht Aller, welche auf die Gestal­tung des Schulwesens èinzuwirken haben, diese Schwie­rigkeiten möglichst zu beseitigen; 4) sie erklärt daher namentlich für die Pflicht der Lehrer, sich die wissen­schaftliche und technische Bildung anzueignen, welche zur zweckmäßigen Ertheilung des Realunterrichts durchaus nothwendig sind." Zusatzantrag, vorgesä lagen von dem Lehrer Behrens auS dem Braunschweigischen:Die all­gemeine deutsche Lehrerversammlung erklärt es für wün- schenswerth, daß namentlich der Unterricht in den Rea­lien schon in den untersten Klassen durch den Anschau­ungsunterricht eine geeignete Grundlage erhält." Nach Erledigung dieses Gegenstandes schritt man auf den Vorschlag deS Herrn Superintendenten Gleichmann zur Wahl eines ständischen Ausschusses, dessen Aufgabe es sein soll, die Stoffe und Vorbereitungen für die nächste Versammlung in die Hand zu nehmen und die Tagesordnung festzusetzen. Ein solcher, aus 5 Mitglie­dern bestehender Ausschuß soll alle Jahre gewählt werden. Der letzte Berathungsgegenstand der letzten Sitzung der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung war die Frage über die Fortbildungsschulen. Die Versammlung sprach die Nothwendigkeit der Gründung solcher Schulen für die aus der Volksschule entlassene, sowohl männliche als weibliche Jugend auS, sowie die Absicht, daß die­selben sowohl die Ergänzung der mangelhaften Schul­bildung wie der Gewerbthâtigkeil zum Gegenstände haben sollen und empfahl zu diesem Zweck die Gründung einer Fröbelstiftung. Mit einem Dank für den Herzog von Meiningen, das hiesige Comite und die Stadt ging die Versammlung auseinander.

Altenburg, 21. Mai. Heute hält das erbprinz- liche Paar seinen Festeinzug in der Residenz. Land und Stadt haben gewetteifert, ihm die Beweise der in­nigsten Freude und Theilnahme entgegenzutragen.

Rendsburg, 20. Mai. Die Jngenieurdirection in Holstein und Lauenburg hat heute eine öffentliche Licitation zur Ausführung der Demolirung der noch rückständigen Theile des KronwerkeS der Festung Rends­burg ausgeschrieben. Die Anmeldungen zur Uebernahme der Dcmoliruugsarbeiteu müssen vor dem 1. Juni d. J. erfolgen.

Ratzeburg, 19. Mai. Am heutigen Tage ver­sammelte sich hier wiederum die Ritter- und Landschaft des Herzogthums, um aufs Neue den Versuch zu machen, in Betreff der allerseits längst erwünschten Reorganisa­tion der Landesvertretung ein Endresultat zu erzielen. Der lang bestandene Zwiespalt zwischen den beiden Curien ist nun heute ausgeglichen worden, die Ritter haben sich in 3 Stände der Ritter, Bürger und Bauern gefügt und jedem dieser Stände 5 Abgeordnete zuge- standen, zugleich aber haben sie erwirkt, daß der aus 3 lebenslänglichen Repräsentanten zu bildende perma­nente Ausschuß lediglich aus der Mitte der Ritter zu erwählen sei. Dieser Beschluß wurde einstimmig gefaßt. Auch die übrigen Paragraphen der landesherrlichen Vor­lage sind einstimmig angenommen worden.

Berlin, 21. Mai. In der bevorstehenden Ge- neralzollvereinsconferenz, für welche ein Termin bis jetzt noch nicht angesctzt ist, sollen auch diejenigen Anträge auf Tarifveränderungen zur Verhandlung kommen, welche bei den Berathungen über die Erneuerung der Zoll- vcreinsverträge zurückgehalten wurden,' um den Abschluß dieses Werkes nicht zu verzögern. Soweit bis jetzt An­deutungen vorliegen, wird die Generalconferenz manche Kämpfe mit sich bringen. Von Seitens Preußen steht bekanntlich der Antrag auf Ermäßigung der Eisenzölle bevor. Der Handelsminister hat denselben bereits in der zweiten Kammer angekündigt, und ihn mit folgender interessanten Motivirung begleitet:Bei den neueren bedeutenden Fortschritten, welche die Eisenindustrie in unserem Land genommen hat und insbesondere in Rück­sicht auf den in sicherer Aussicht stehenden weiteren Auf­schwung sind die verschiedenen Verwaltungs-Refforts zu der Ueberzeugung gelangt, daß eine Ermäßigung der Eisenzölle im allgemeinen Interesse, unbeschadet der Eisen-Industrie eintreten könne. Die Regierung ist da­her entschlossen, bei der nächsten Generalconferenz eine erhebliche Ermäßigung der Eisenzölle zu beantragen.

Das Corr. Bureau glaubt, daß die österreichisch- schweizerischen Differenzen Anlaß zu einer nochmaligen ernsten Note der östreichischen Regierung geben dürften, die vielleicht in diesem Augenblick schon abgegangen ist. Man soll übrigens in Wien sehnlich wünschen, daß die obschwebenden Differenzen baldigst ausgeglichen werden und rechnet in dieser Beziehung auf die fortgesetzten Bemühungen der süddeutschen Regierungen.

Zu dem im September in Berlin abzuhaltenden allgemeinen Kirchentag hat sich schon eine große Anzahl von Besuchern ans fast allen Ländern Europa's an­melden lassen. Außer den Deutschen werden die Eng­länder die zahlreichsten sein. Auch Amcricaner werden nach Briefen aus Newyork erwartet. Zur Abhaltung des Kirchentages im nächsten Jahre werden als Ver­sammlungsorte Frankfurt a. M. und Nürnberg in Vor­schlag gebracht werden.

Hamburg wird, wie man von dort mittheilt, die am 28. Mai zu Eisenach stattfindende kirchliche Konferenz in officieller Weise nicht beschicken.

BreSlau, 20. Mai. Gestern wurde nach voll­zogener Bischofswabl ein großartiges Diner von dem königl. Dahl-Kommissar in der fürstbischöflichen Residenz veranstaltet. Dem Vernehmen nach hat der ComissariuS bereits im Namen des Königs die Zustimmung zu der getroffenen Wahl ertheilt. Dr. Heinrich Förster ist am 24. November 1800 in Groß - Glogau geboren, empfing 1825 die Priesterweihe und wurde, nachdem er eine Reihe von Jahren in LandcShut und andern Orten sich durch seine Beredsamkeit auf der Kanzel aus- gezeichnet, 1837 als Domcapitular und Domprediger in BreSlau instituirt.

Prag, 20. Mai. (D. I.) Vom hiesigen Kriegs­gerichte wurden heute mehrere Individuen wegen Be- sitzes aufreizender Schriften und Tragens politischer Ab­zeichen, dann wegen Religionsstörung, unbefugten Be­sitzes von Waffenbestaudtheilen und wegen Beleidigung des k. k. Militärs zu achttägiger bis einmonatlicher Ge­fängnißstrafe verurtheilt. Den Handlungsgeschäftsführer Joh. Rozcka rraf wegen Majestätsbeleidigung im zwei­ten Grade die Strafe eines zweijährigen Festungsarre­stes. Dagegen wurde der gewesene Vorstand deS im Jahre 1849 hier aufgelösten DemokratenclubsSlowansca Upa" (slavische Linde), Franz Hawliceck und der Che­miker Paul die im Vereine mit andern Demokra­tenführern den Plan gefaßt haben sollten, Bakunin aus seinem Gefängnisse zu befreien freigesprochen und ihrer 2^jährigen Haft entlassen.

Wien, 19. Mai. Für die Zeit der Anwesenheit Sr. Maj. des Königs von Preußen ist folgendes Pro- gramm festgestcllt: Heute: Hoftafel um 6 Uhr, dann Théâtre paré. Freitag: um 9 Uhr früh, große Pa­rade, Mittags Galladiner, dann Praterfahrt; Abends OperRigoletto". Sonnabend: Besuch der Equitation, Diner in Schönbrunn, dann Pirutschack; Abends um 9 Uhr Caroussel. Sonntag: Gottesdienst, dann Besuch des Arsenals, hierauf das Blumenfest in den k. k Hofgär­ten; Abends Thee bei Ihrer k. k. Hoheit Frau Erzher­zogin Sophie.

Vergangenen Mittwoch hat hier in der k. k. Hofburg nach aufgehobener Familientafel ohne alles Gepränge, nur im Beisein aller Mitglieder des kaiscrl. Hauses und des Hofburgpfarrers das Eheversprechen zwischen Sr. königl. Hoheit dem Herzog von Brabant und Ihrer kaiserl. Hoheit der durchlauchtigsten Erzherzogin Maria Henriette Anna stattgesunden. Bei der gestrigen großen Praterfahrt konnte man bereits dieses erlauchte hohe Paar mit Ihrer kaiserl. Hoheit der Frau Erzherzogin Sophie in einem Wagen erblicken.

Zwischen Oesterreich und sämmtlichen andern italie­nischen Seestaaten sind Verhandlungen im Gange, um die auf Schiffbruchsfälle bezüglichen Verträge in umfas­sendster und zweckmäßigster Weise zu regeln.

Für Venedig und die L o in b a r d e i ist nun die politische Districtseintheilung, entsprechend den künf­tigen Bezirksmannschaften, erschienen, deren Sprengeln die betreffenden Gemeinden eiugereiht sind. Venedig ist in 8 Provinzen mit 78 Districten, die Lombardei in 9 Provinzen mit 102 Districten eingetheilt. Die Provinzen werden durch Kreis-Regierungen verwaltet werden.

Frankreich.

Paris, 20. Mai. Das Budget wurde heute trotz einer sehr scharfen Rede, welche Herr v. Montalembert gegen die Confiscation der Güter dcs Hauses Orleans hielt, mit 243 gegen 4 Stimmen angenommen. Einem umlaufenden Gerüchte zufolge- soll die Regierung den Gesetzentwurf über Wiedereinführung der Todesstrafe, der in vielen Kreisen auf Widerstand stößt, ganz zu­rückziehen wollen. Solche Schwankungen sind immer ein schlimmes Zeichen! Entweder hätte die Regierung dieses Gesetz nie verlegen, oder, einmal vorgelegt, auch durchführen sollen. Die Marschallin N e y hat am 15. Mai das folgende Schreiben an den Kaiser ge­richtet :Sire! Als ich die Ehre hatte, an Ew. Majestät zu appelliren, um von Ihrer Gerechtigkeit eine Verbesserung meiner Lage zu verlangen, hatten Sie den edelmüthigen Gedanken», ein Projekt in Vorschlag zu bringen, das die Vergütung der Rückstände einer Pension bezweckte, die ich als Wittwe eines Marschalls von Frankreich von 1815 bis 1830 hätte beziehen müssen, wenn der Marschall Ney nicht als das Opfer einer gehässtgten Reaction (?) umgekommen wäre. Tief gerührt von der wohlwollenden Initiative Ew. Majestät, mußte ich hoffen, daß sie von den politischen Körper­schaften, die fJhre Regierung unterstützen, einstimmig angenommen werden würde. Es war dem aber nicht so. DaS, was ich als eine geringe, aber gerechte Ent­schädigung für das gegen mich und meine Kinder be­gangene materielle Unrecht mit Erkenntlichkeit angenom­men hätte, DaS, was ich vom Standpunkte der Ge­rechtigkeit aus fordern konnte, wollte man mir unter der feierlichen Form einer nationalen Belohnung ge­währen, und es ist nicht an mir, mich über diese Ehrt zu beklagen. Da man aber jetz im gesetzgebenden Kör­per wegen der Reklamationen einer armen Frau die be- dauernswcrthen Debatten über das Andenken ihres Mannes wieder aufnehmen will, so kann ich nicht dul­den, daß wegen einer Geldfrage der Name deS berühm- ten Opfers den ParteidiScussionen neue Nahrung dar­biete, und ich flehe daher Ew. Majestät an, das mich