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Nassauische Allgemeine

M- //9.

Dienstag den 24. Mai

1833.

Die,,Nassauisch» Allgemeine Zeitung" mit dem kelletristischen BeiblattDer Wanderer" erfcbetnt, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PranumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Pogregülativ nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Iburn* und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS PojlauffchlagS 2 fL, für die übrigen Länder deS deutfch-österreichifchen PoffoereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 tr. Inserate werden die -iers-altix Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W< Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgclegeuen Postämtern, zu machen.

Die Versammlung der Sectianen des Ver­eins für Naturkunde zu Königstein.

/ Die fünfte Versammlung der Sektionen unseres Vereins für Naturkunde, welche am 18. und 19. d. M. zu Königstein stattfand, war in Beziehung auf die ge­haltenen Vorträge bis jetzt die interessanteste. Die Ex­kursionen nach Falkenstein, Kronberg, Kronthal, Schneid­hain wurden von dem Wetter überaus begünstigt und das Resultat des Ganzen war demnach allgemein be­friedigend. In der mineralogischen Sektion wurden die geologischen Verhältnisse des Taunus besonders berück­sichtigt. Dr. Scharff von Frankfurt a. M. hielt ei­nen Vortrag über die Umwandlungsprozesse der Gesteine in diesem Gebirgzuge. F. Sandberger sprach eben­falls über den Taunus und parallelisirte die in demsel­ben auftretenden Gesteine mit solchen aus den Arden­nen, in welchen die ursprünglichen Gesteine in allen Uebergângen bis zur Umwandlung in krystallinische Felsarten zu beobachten sind. Inspektor Ludwig von Nauheim entwickelte die Verhältnisse der dortigen Quel­len, bei welcher sich durch viele Bohrversuche die Her- kunft der Soole und mancherlei interessante Details über den Glasgehalt, Salzgehalt u. s. w. derselben sehr klar herausgestellt haben. C. Rößler von Hanau sprach über Versteinerungen des Zechsteins der Wet­terau, in dem er mancherlei neue Formen aufgefunden. Schulrath Müller von Wiesbaden, Präsident der Versammlung, entwickelte den Bau einer Conchylie auf mathematischem Wege und machte auf die höchst einfa­chen Gesetze aufmerksam, denen hier die Entwickelung der Formen folge. Bibliothekar S i e m a n g von Schaum­burg zeigte die Ableitung der Krystallformen des regu­lären Systems aus dem Würfel an sehr schönen von ihm ausgeführten Zeichnungen. F. Sandberger sprach über die Fauna der Brackwasser und zeigte an lebenden und versteinerten Conchylien, daß das Mainzer Testiärbecken in seinen mittleren Schichten fast aus­schließlich Formen beherberge, welche zu dieser Fauna gehören. Er schloß daran das Resultat seiner Unter­suchungen über das geologische Alter dieses Beckens und dessen Analogieen mit anderen europäischen Testiär- schichten. In der botanischen Sektion wurden von dem Sekretär der Gesellschaft, Kollaborator Wagner von Wiesbaden, Versuche einer pflanzen-geographischen Karte des Herzogtums vorgelegt und dieser wichtige Gegen­stand in einer Diskussion einer näheren Prüfung unter­zogen. Apotheker Fucker von Oestrich zeigte eine Reihe neuer Arten und Varietäten nassauischer Pflanzen vor und kündigte die Herausgabe einer Flora in Taschen­format für kommenden Herbst an.

Mancherlei andere interessante Mittheilungen über nassauische Pilze, Flechten u. s. w. wurden von Rud io, F u ck e l und G. Sandberger gemacht und einige recht schöne neue Standorte, z. B. der Schugpenwurz (Lattraea squamaria) bei Falkenstein, entdeckt. Für die zeologische Sektion waren Arbeiten von Oberförster Beyer zu Windhof bei Weilburg über Darstellung von Mumien und die Lebensweise deS Thnrmfalkeu ein­geschickt, von Bibliothekar Siemang Eingeweide­würmer (Filaria) mitgebracht worden, welche zu interes- santen Besprechungen über die Entwickelung derselben, namentlich den Uebergang aus einem Thiere in das andere mit Veränderung der Gestalt, Veranlassung ga­ben. Minifterialregistrator Lehr zeigte die Conchylien der Gegend um Königstein vor, worunter sich bie, Faß' moosschnecke (Pupa doliolum) und die randfaltige Schließmundschnecke (Clausilia plicata) durch ihre in­teressante Form und Seltenheit auszeignen. Professor Kirschbaum von Wiesbaden zeigte und erläuterte Bau und Lebensweise von einigen schwierigen Gattun­gen der BienemFamilie und von der schönen Familie der Goldwespen. Von bieuenartigcn Insekten sind jetzt 253 Arten, von Goldwespen 23 aus Nassau bekannt, worunter viele neue. Das Referat desselben über den Fortschritt der Arbeiten der zoologischen Sektion zeigte daß in dieser Beziehung mit ebenso großem Eifer, wie in den übrigen Branchen fortgearbeitet wird. In der That gibt es wohl auch wenig deutsche Länder, in welchem auf einem so kleinen Raume eine solche Mannig­faltigkeit klimatischer und geologischer Verhältnisse und demgemäß eine so reiche Entwickelung der Flora und Fauna gefunden wird. Möge darum der Verein für Naturkunde eifrig fortfahren, sich der Lösung einer so würdigen und schönen Aufgabe, wie es die Kenntniß des Heimatlandes ist, mit ganzer Kraft zu widmen.

Friedrich Wilhelm iv. in Wien

DieNeue Preußische Zeitung" vom 21. Mai äu­ßert sich, aus Anlaß der Reise des Königs von Preu­ßen nach Wien in ähnlichem Sinne wie dieZeit": Wir haben zuletzt das große und erfreuliche Resul­tat hervorgehoben, welches die gegenwärtig von unserer Negierung befolgte Deutsche Politik bereits gewonnen hat. Wir sehen heute mit Freude und Stolz, wie schnell diese segensreiche Veränderung unserer Stellung in Deutschland einen würdigen Ausdruck erhalten hat. Dort in der Kaiserstadt au der Donau bereitet heut aufrichtige und tiefe Verehrung unserm Könige und Herrn einen festlichen Einzug und einen glänzenden Empfang, und dasselbe Blatt, das vor Jahren einen Augenblick bereit schien, die Abreise unseres Gesandten und den Bruch zwischen den beiden Großmächten Deutsch­lands zu melden, widmete jüngst einen begeisterten und loyalen Artikel dem großen Herzen und dem tiefen Geiste Sr. Majestät. So dürfen wir in dieser Königlichen Reise nach Wien einen weiteren sicheren Bürgen für eine Zukunft sehen, in welcher die große Entwickelung deS Deutschen Vaterlandes, des Deuischen Geistes und die dem Germanenthum anvertraute Mission mit Got­tes Hülfe manchen Schritt vorwärts thun wird. Denn nur auf der steten und gleichzeitigen Theilnahme Oester­reichs und Preußens an Deutschlands Geschicken und Bewegungen beruht die Möglichkeit Deutschlands. Zu großartig ist das Deutsche Wesen in seinen ersten Anfängen angelegt, zu weitgreifeud sind die einzelnen Schaken der großen Kette, unter deren Bilde wir die Entwickelung Deutschlands vom Hcideuthum bis auf Karl den Großen, von den Lehnsfürsten bis zu den Landeshoheiten, von den Römerzügen und von den Ho­henstaufen bis zu der Reformation und ihrer Theilung Deutschlands erblicken, zu lebendig und fruchtbringend waltete über und in der Deutschen Geschichte stets das Gesetz deS Gegensatzes, als daß wir nicht an eine Zu­kunft glauben sollten, die der großen und weltgestalten­den Vergangenheit des Vaterlandes entspricht und zu­gleich an eine Universalität des Deutschen Geistes, die mit dem Ansscheiden des Kaiserstaatcs augenblicklich verloren wäre. Wie jene große Kirchenspaltung deS sechszehnten Jahrhunderts und Katholiken sind hierin mit Evangelischen einig nur dazu diente, den reli­giösen Geist zu erfrischen und die Kirche zu verjüngen, so wird auch diese sogenannte Spaltung des Deutschen Principates, die den nniformirungSlüstcrnen Systema­tikern so widerwärtig ist, unsere Entwickelung in staat­licher und gesellschaftlicher Beziehung nur fördern kön­nen. Und wie dieses Miteinander und Gegenüber Preußens und Oesterreichs in Deutschland unserm innern Wachsthum nur segensreich sein kann, so macht cs auch andererseits einzig und allein die Festsetzung der großen Mission des Schutzes und des Trutzes möglich, welche Deutschland durch seine Geschichte übernommen hat, hier unsere Eigenthümlichkeit gegen das Slawemhum, dort gegen das Franzosenthum zu schützen. Drängt Oesterreich aus Deutschland heraus, und Ihr werdet gesetzt Euch gelänge dies Unmögliche bemerken müs­sen, daß das heut in ihm herrschende Deutsche Element auf einmal seine Basis verloren und die große Masse seiner Staaten auf einen andern Schwerpunkt zurück^ sinkt und dadurch eine neue Mission und in Deutsch­land seinen Widersacher und ein Hinderniß auf seinem Wege erhält, natürlich alsdann Deutschland auch in ihm."

** Die Oest. Corr, begleitet die Nachricht von der Ankunft Sr. Maj. des Königs von Preußen mit fol­genden Worten: Die Gefühle, welche dieser Allerhöchste Besuch in der Brust eines jeden gutgesinnten Oestcrrei- chers und Deutschen rege macht, sind durchweg erfreu­licher und erhebender Art. War schon der Besuch, wel­chen Sr. Maj. im verflossenen Jahre seinem erhabenen Oheime abstattete, eine unzweideutige Gewähr für die Herstellung des innigsten Einvernehmens zwischen den beiden deutschen Großmächten, so liegt in dem jetzigen Gegenbesuche die Anerkennung dieser Thatsache und die ihr zum Grunde liegende Idee der Einheit und Zusam­mengehörigkeit der höchsten und erhabensten Interessen Oesterreichs und Preußens wo möglich noch klarer aus­gesprochen. Die Vorsehung hat beide Staaten eng an­einander gewiesen. Beide, die mächtigsten Stützpfeiler Deutschlands und die natürlichen Vertreter seiner euro­päischen Geltung, haben gemeinsam die Aufgabe, daS Gleichgewicht der Mächte, den Frieden der Welt und die seit Jahrhunderten ererbte Ordnung der menschlichen Gesellschaft mit besonderer Sorgfalt zu bewahren; gleich­zeitig aber haben sie auch für die friedliche Entwickelung

Deutschlands im Innern und nach Außen durch die größtmögliche Consolidirung seiner gemeinsamen organi­schen Einrichtungen, durch die Hebung seines Ansehens und die beständige Entfaltung seiner materiellen Inte­ressen Sorge zu tragen. Die Wichtigkeit dieses doppel­ten Beruses für die gestimmte Welt, für Oesterreich und Deutschland insbesondere, ist in die Augen sprin­gend und es gewährt daher einen schönen, erhebenden Anblick sondergleichen, beide Monarchen, ohnedies durch die Bande naher Verwandtschaft eng verknüpft, in heh­rer Eintracht und freundlichstem Verkehre neben einan­der zu erblicken. Der strahlende Glanz und die Feste, welche dieses Zusammentreffen begleiten, sind der ho­hen Bedeutung desselben vollkommen angemessen und werden die Tage seiner Dauer in anhaltender langjäh­riger Erinnerung überleben.

Deutschland.

* Wiesbaden, 23 Mai. (Assisenverhandlung gegen Ludwig Semmler von Hallgarten wegen Schriftfälschung.) Ludwig Semmler, 51 Jahr alt, Zimmermann, war beschuldigt in einem Rechtsstreit ge­gen die Oberhofgerichtsrathswittwe Schmieg in Mann­heim wegen Forderung eine ihm vom Hofg.R. J tzst ei u über eine Abschlagszahlung ausgestellte Quittung ge­fälscht und bei dem Herzogl. Justizamt Eltville produ- cirt zu haben, um eine angeblich geleistete Zahlung von 100 fl. nachzuweisen. Alö Staatsanwalt fungirte Staatsprocurator Reichmann, als Vertheidiger des Angeklagten Prokurator G. Wilhelmi sen. Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für nicht schuldig befunden und von dem Assisenhofe freige­sprochen.

* Wiesbaden, 24. Mai. (Assisenverhandlung gegen Heinrich Kunz von Attenhausen wegen Dieb­stahls unter erschwerenden Umständen.) Heinrich Kunz, 39 Jahr alt, Taglöhner, schon einmal wegen Diebstahls mit 8 Tagen Gefäuguiß bestraft, ist angeklagt, in der Amtsstube des Justizamtsgebäudes zu Nassau (welches zwar unbewohnt, aber mit einem bewohnten Hause in einem von einer Mauer umschlossenen Hofraum steht) eine Schublade gewaltsam eröffnet und die dort aufbe­wahrten Stempelgelder im Betrag von mindestens 32 fl. 28 kr. entwendet zu haben, Ph. Kunz hatte, um diesen Diebstahl auszuführen, am 9. Dec. v. I., an welchem Tage er eines Geschäftes wegen auf dem Justizamt war, sich bis nach 12'/, Uhr in der Wart­stube anfgehalten und sich von dem Amtsdiener im Hause einschließen lassen. Als Kunz allein im Ge­bäude war, ging er aus der nicht verschlossenen Wart­stube in die gleichfalls offene Amtsstube, erbrach dort mittels eines Messers die Schublade im Tisch deS Skribenten Mangold und nahm die Stempelgelder. Durch das Fenster in der Wartstube entkam derselbe in den Hof und von da auf die Straße. Von dem entwendeten Gelde kaufte Kunz in Koblenz einige Klei­dungsstücke, zahlte an seinen Schwager in Attenhausen 16 fl. auf eine ältere Schuld und gab seiner Frau 9 fl. Kunz ist des Diebstahls geständig. Die Geschworenen erklären den Angeklagten für schuldig, ein Beisatz in ihrem AnSsprnch, der sich auf einen aus der Beschaffen­heit des Gebäudes sich ergebenden Milderungsumstand bezieht, veranlaßt ein Erkenntniß deS Assisenhoses, durch welches die Geschworenen aufgefordert werden, eine Er­läuterung ihres VerdictS abzugeben.

Dillenburg, 19. Mai. (Assisenverhandlung gegen Christoph und Johannes Büchler zu Steinbach, großh. heff. Landgerichtsbezirkö Michelstadt, wegen aus­gezeichneten Diebstahls.) Präsident: Hofgerichtsrath von Birrbrauer; Staatsanwalt: Assessor Gieße; Vertheidiger: Prokurator Keller. Christoph Büchler, Mühlarzt, 42 Jahre alt, ist beschuldigt, unter Beihülfe seines Soh­nes Johannes Büchler, Mühlarzt, 18 Jahre alt, in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar L I. in die Mehlkammer des Müllers Kalteyer zu Mühlen einge­stiegen zu sein und eine Quantität Mehl von 94 bis bis 100 Psilnd entwendet zu haben. Beide Angeklagte sind der That geständig. Sie wurden von den Ge­schworenen schuldig befunden und wurde Christoph Büchler zu einer CorrectionShauSstrafe von 2 Jahren und Johann Büchler zu einer Gefängnißstrafe von 2 Wochen, beide sodann in die Kosten von beiläufig 100 fl. und zur Entschädigung deS Bestohlenen verurtheilt.

(Assisenverhandlung gegen Philipp Paul zu Weil­münster, wegen Schristfälsckung. Präsident: Hofgerichts­rath von Bierbrauer. Staatsanwalt: Gieße. Ver­theidiger: Prokurator Braun.) PH. Paul, 27 Jahr alt, Landmann, sonst unbescholtenen RuseS, ist ange«