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Nassauische Allgemeine Zeitung.

â 119, Samstag den 21. Mai 1SS3.

Die,,Nassauisch« Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch fär den ganzen Umfang de« Thurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirk« mit Inbegriff de« Postaufschlag« 2 fl., für die übrigen Länder de« d-utsch.österreichiscken PostvereinS, wie für da« Ausland 2 fl. 24 fr, Inserate werden die sierspaltig Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, anSwârtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Concession zur Beförderung von Auswanderern.

Dem Friedrich Wilhelm Käsebier von Wiesbaden ist die Erlaubniß zur Errichtung eines Bureau's zur Beförderung von Auswanderern aus dem Herzogthum unter den in der Verordnung vom 31. Januar 1849 enthaltenen näheren Bestimmungen ertheilt worden.

Wiesbaden, den 17. Mai 1853.

Herzogliche Ministerialabtheilung des Innern. Faber.

vdt. Schmidt.

Nichtamtlicher Theil.

Jeitungsschau.

Oesterreich und England. Der Wiener FürstencongreH. Die Legitimisten und König Leopolv. Die Ketten» burg'sche Angelegenheit.

* DaS plötzliche Aufhören der heftigen und groben Ausfälle gegen England, denen ein Theil der österrei­chischen, bayerischen und sächsischen Presse so lange nach­gehangen, ist dem Wiener Korrespondent der Times ein sicheres Anzeichen, daß die Herstellung eines besseren Einverständnisses zwischen der hiesigen Regierung und der von Großbritanien nahe sei. Verschiedene Umstände lasten schließen, daß man sich in letzter Zeit von beiden Seiten die freundlichsten Schritte entgegen gethan hat. Aufmerksamen Beobachtern kann es kaum entgangen sein, daß so lange eine Kälte zwischen England und Oester­reich obwaltet, das Gleichgewicht der Macht in Euro­pa ungewöhnlich gestört war. Fürst Schwarzenberg war ein ausgezeichneter Patriot, aber er ließ zu oft den Saats­mann in seiner Person hinter den österreichischen Feld- marschall-Lieutenant zurücktreten, und allmählich schlägt die Ueberzeugung Wurzel, daß sein Amtsnachfolger, wenn minder kühn, doch als Politiker sicherer geht. Als Graf Büol das Portefeuille des auswärtigen übernahm, wa­ren Oesterreichs auswärtige Verhältniße keines Wegs befriedigend. Rußland mißfiel es zu sehen, daß man einen so hoben Werth auf Frankreichs Fcundschaft legte; Preußen war entschlossen, nöthigenfalls Gewalt der Ge­walt entgegen zu setzen; England war vollständig ent­fremdet. ' Durch seine Aussöhnung mit Preußen und nun mit England hat Oesterreich sich der Nothwendig­keit überhoben länger um ein inniges Bündniß mit Ruß­land oder Frankreich zu werben. Die Dankbarkeit des hiesigen HofS gegen den russischen hat sich allerdings nicht vermindert, aber einem jungen und hochsinnigen Monarchen kann vollkommene Freiheit des Handelns nur willkommen sein. Das Publicum ist geneigt zu glauben, daß der Kaiser von Rußland im Lause dieses Monats nach Wien kommen werde; aber Leute, die mit derhohen Politik" vertraut sein wollen, zweifeln daran, weilseine Abwesenheit der bevorstehenden Zu­sammenkunft der Monarchen das Gepräge eines förm­lichen CongresicS geben würde." Der Beweggrund zu dem Besuch des Königs der Belgier in Wien ist so au­genfällig, daß man darüber kaum etwas zu sagen braucht. Die deutschen Mächte sind offenbar entschlossen, die In­tegrität und Unabhängigkeit Belgiens aufrecht zu halten, und erachten es vielleicht für nöthig, dieß deutlich und offen kund zu geben. Die projectirte Heirath, von wel­cher die Rede geht, ist von viel geringerer Wichtigkeit, und das Gerücht davon vielleicht absichtlich verbreitet, um die Aufmerksamkeit deS PublicumS von wichtigern Dingen abzulenken.

* * Die Legitimisten, namentlich die Legitimisten der höher» Kreise, die ihr Handwerk nicht als Dilettanten, nicht aus Ergebenheit treiben, sondern etwas wesent­liches für die Befriedigung ihrer Leidenschaften und die Beförderung ihrer Interessen im Auge haben, sind, wie der A. Z. versichert wird, äußerst ungehalten über die freundschaftliche Aufnahme, welche dem König der Bel­gier an den deutschen Höfen zu Theil wird. Sie glau­ben, und zwar mit vollem Recht, daß die Mutter deS Grafen v. Paris dem König Leopold ihr volles Vcr- trauen geschenkt, und daß ein Mann, in dem sie den erprobten Freund und Rathgeber einer von ihnen als Erbfeindin betrachteten Fürstin sehen, von den Fürsten Deutschlands so gut empfangen wird, das wurmt sie, das verwirrt sie, daS können sie nicht verdauen. Wenn das HauS Orleans sich bisher noch nicht unbedingt unter das Joch der Legitimität begeben hat, so klagen

sie dessen die Herzogin von Orleans und ihre wahren oder vermeintlichen Mentoren an. Sie wissen, daß die verbannte Wittwe mit ihren Schwägern zwar durchaus nicht im Zwiespalt lebt, aber keinen von ihnen über ihr Verhalten zu befragen und al> Führer zu beachten pflegt; sie glauben, daß die Herzogin, außer einem der scharfsinnigsten, erfahrensten, behutsamsten und gegen jede Täuschung gewaffneten Staatsmänner dieser Zeit, auch den König Leopold mit einer besonders gelehrigen Aufmerksamkeit beehre. Sie irren sich keineswegs in diesem Glauben, allein ich kann nicht sagen welchen An­theil die Wahrheit an der Behauptung habe welche die wiederholte Antwort der Herzogin auf die Fusionsvor­schläge den Eingebungen der erwähnten Männer zu» schreibt. Die Herzogin erkennt sich kein Recht zu sür ihren minderjährigen Sohn, das Oberhaupt ihres Hau­ses, irgendeine Verpflichtung einzugehen; wenn jedoch eine Gelegenheit zur unmittelbaren Rückkehr nach Frank­reich für die beiden Bourbonenlinien sich eröffnete, so sei sie im Namen ihres Sohnes zu jedem ehreuvollen Schritt, der hierzu nöthig sei, bereit; denn sie könne dann, wenn seine Großjährigkeit eingetreten sei und er sich mit den Zugeständnissen die sie gemacht sich nicht zufrieden zeige, ihm entgegnen, daß sie ihm ein Vater­land wiedergegeben; allein so lange siedessen nicht sicher sei, könne sie zu nichts die Hand bieten.

* * AusF r ankfurt wird derDeutschen Volkshalle" geschrieben, daß allem Anschein nach die Abstimmung der Bundesversammlung gegen die Competenz der Bun- I desgewalt in der bekannten Angelegenheit des Herrn v. d. Kettenburg ausfallen wird, namentlich sei es der preußische Gesandte, der mit Lebhaftigkeit der Compe­tenz widersprechen soll. Die D. Vh. schreibt dies der Fortdauer der Unionspolitik zu, welche die früheren Mittel, aber nicht den Zweck aufgegeben habe; mit jenem Ziele sei nichts weniger verträglich, als eine kräf­tige deutsche Bundesautorität. Je mehr die Befuguiß der Bundesgewalt zur Handhabung einer solchen Auto­rität aus ein Minimum herabgesetzt werde, je mehr die rechtliche und durch sie bedingte moralische Bedeutung deö deutschen Bundestags ar: Terrain verliere, um so mehr sinke die Bedeutung der kleineren deutschen Staa­ten. Je selbstständiger sie dem Bunde gegenüber sind, um so mehr verlieren sie an wahrer Selbstständigkeit. Für jeden Einsichtigen sei dies kein Paradoxon. Jeden­falls aber will durch diese Sätze zu viel bewiesen wer­den. Gleiches gilt von der Behauptung, die Angele­genheit der mecklenburgischen Katholiken, so geringfügig sie ihrer unmittelbar praktischen Bedeutung nach ist, werde insofern zu einer Angelegenheit des ganzen ka­tholischen Deutschlands. Erklärt der deutsche Bundes­tag, daß er nichts dawider einzuwenden habe, so invol- vire dies eine Preisgebung der katholischen Kirche.

Deutschtand.

O Bad Ems. Hr. Hofrath Dr. Spengler dahier ist von der niederrheiiiischcn Gesellschaft für Na­tur- und Heilkunde in Bonn zum auswärtigen Mitgliede ernannt worden.

Dillenburg, 18. Mai. (Assiscnvcrhaudlung gegen Pet. Basting aus Seelbach, wegen Diebstahls.) Präsident: Hr. Hofgerichtsrath ».Reichenau, Staats­anwalt: Hr. Hofgerichtsassessor Gieße, Vertheidiger, Hr. Procurator Schenck. Peter Basting aus Seelbach, Amts Nassau, ist angeklagt, in der Nacht vom 15. auf den 16. Februar l. I. in den Laden des Kaufmanns Joh. Gg. Bingel in Holzappel durch das von ihm ge­öffnete Fenster eingestiegen zu sein, und das in der Thecke befindliche Geld gestohlen zu haben. Der die Runde machende Nachtwächter Diehl bemerkte nämlich das offene Fenster an dem Hause des Kaufmanns Bin­gel, schöpfte Verdacht und weckte den Hausherrn. Die­ser eilte in den Laden, fand die Thecke erbrochen und geleert, und da der Dieb noch in der Nähe vermuthet wurde, so suchten sie, der Nachtwächter und Bingel, vorerst im Hause nach demselben und fanden den An­geklagten auch richtig im Keller versteckt, im Besitze des entwendeten Geldes. Basting ist der That geständig und wird daher von den Geschwornen schuldig befun- den, von dem Assisenhofe zu zwei Jahren Zuchthaus und dem Ersatz der entstandenen Kosten verurtheilt.

Mainz, 20. Mai. Bei dem Auswanderungs­agenten Herrn Dr. Strecker fand heute eine Haus­suchung statt.

Frankfurt, 20 Mai. Heute Mittag ist der geist­liche Rath Beda Weber gemäß der an ihn ergange­nen Einladung zu den außerordentlichen Sitzungen der

kaiserlichen Akademie in Wien abgereist. Sein« Abwe­senheit wird ungefähr 14 Tage dauern.

Darmstadt, 18. Mai. Seit dem Beginn voriger Woche ist man, wie bereits erwähnt, hier unter dem Vorsitze S. D. des Prinzen von Hohenlobe-Oehringen mit Berathungen beschäftigt, deren Zweck ist, das Bank­institut in'S Leben zu rufen. Man schritt zur Bildung der Bankverwaltung, welche nach den Statuten aus 18 Gliedern zu bestehen hat. Siebenzeh» derselben find bereits ernannt und haben die Ernennung ange­nommen. Es sind: S. D. Prinz Felix zu Hohenlohe« Oehriugen, Oberstudiendirector Breidenbach in Darm­stadt, Director Christ in Frankfurt, die Bankiers Mo­ritz Bethmann, P. N. Schmidt, Goll und B. H. Gold­schmidt in Frankfurt, Humann in Mainz, Mevissen, A. Oppenheim, D. Oppenheim, D. Leyden, J. vom Rath, W. Joest, Ph. Engels, L. T. Rautenstrauch, Victor Wendelstadt in Köln. Weiter beschäftigte man sich mit Berathungen über die organischen Bestimmungen, nach welchen nächstem der Bildung des Directoriums entge- geiizuschen ist. Es wurde beschlossen, ein geeignetes Haus in Darmstadt als Jutcrimsbaukgebäude zu kaufen und darnach zu dem Baue eines eigenen Bankgebäudes zu schreiten.

PirmasenS, 16. Mai. (Pf. Z.) Am 12. d. M. wurde dahier bei den Gebrüdern Marx und Abraham Wolf, dann den Handelsleuten Jacob Deutschmann und Leopold Weil wegen Verdachts des Gewohnheits­wuchers Haussuchung gehalten, bei welcher acht Malter­säcke Papiere mit Beschlag belegt wurden. Am 13. d. wurde wegen desselben Verdachtes bei Lazarus Kahn in Thaleischweiler Haussuchung gehalten und hierbei ein halber Maltersack Papiere, die bereits in einen Koffer gepackt im Keller vergraben waren, mit Beschlag belegt.

Karlsruhe, 14. Mai. Die großh. badische Re­gierung hat mit der schweizerischen Eidgenossenschaft einen Vertrag über gegenseitige Zollfreiheit auf kurzen Verbindungsstrecken zu Lande über Regelung und gegen­seitige Ermäßigung der Schifffahrts-Abgaben auf der Rheinstrccke von Constanz bis Basel, und über Fortsetzung der großherzoglichen Eisenbahn über schweizerische Gebietstheile geschlossen.

Stuttgart, 13. Mai. Die Kammer der Abge­ordneten hat den Vertrag über Erweiterung des Zoll- und Handelsvereins, sowie den zwischen Oesterreich und Preußen abgeschlcssenen Handels- und Zollvcrtrag ein- stimmig genehmigt. Von allen Seiten wurde mit Be­friedigung anerkannt, daß damit der haupsächlichste Schritt zu einem großen Ziele angebahnt sei. Als Wünsche wurden geltend gemacht und demgemäß als Bitten an die königliche Regierung zu bringen beschlos­sen: eine Gleichstellung des Steuer-Credits "für Rüben- zuckcr-Fabricauten mit dem Zoll-Credit der Colonial- zucker-Rasfincurs bei der nächsten Conferenz herbeizu« führen; daß ferner nicht allein in Betreff der Unter­suchung des Zuckergehalts, sondern auch in Betreff der Verwendung des fremden Syrups die möglichst sichern­den Vorschriften in Anwendung kommen mögen; daß die Ausgleichungs-Abgabe auf Wein nach Preußen nach richtigeren Grundsätzen als bisher bemessen werden möge; daß die Rhein- und Neckarzölle vollends aufge­hoben, daß der Transit im ganzen Vereinsgebiete nach dem Vorbilde anderer Staaten begünstigt, daß der zoll« vereinsläudischen Industrie höherer Schutz gewährt wer­den möchte. Die Kammer gab sich mit der Erklärung des am Minlstertische anwesenden Directors v. Sigel vollkommen zufrieden, daß die königliche Regierung sämmtliche Puncte bei den bevorstehenden Konferenzen möglichst zur Geltung zu bringen bestrebt sein werde.

Aus W ä sch c n b e u e r n (am Fuße des Hohenstaufen) schreibt man dem D. Volksbl. über die Wirkungen der Ueber schwe mmung: Trotz aller Entschlossenbeit und Aufopferung Vieler stürzten zwei Häuser ein und eine Scheune, welch letztere in einem Augenblick mit den Knechten und vier Pferden verschwand. Knechte nnd Pferde retteten sich; eine Wittwe, die ein Forstbe« amter mit Lebensgefahr aus dem Wasser zog, scheint wieder aufzukommen, deren 13jährige Tochter aber er» trans und konnte erst am folgenden Morgen aufgefun- den werden. In Birenbach, einem Filial von Wäschen­beuern, verschwanden gleichfalls zwei Häuser spurlos, in einem derselben Mutter sammt Kind (letzteres wurde am folgenden Tage todt von einem Baume herab ge­nommen); ein Mann daselbst und eine Frau sind durch erlittene Quetschungen dem Tode nahe; zwei weit re Personen wurden durch den gerade anwesenden Zoll- schutzwâchUr von Bortumsbach ans einem Llaftürzmden Hause mil größter Lebensgefahr. greife i. Eine Mühle-.