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tet, hat der bekannte R a s p a i l, der kürzlich zur Ver­bannung begnadigt wurde und seitdem in Brüssel lebte, Befehl erhalten, binnen 24 Stunden Belgien zu ver­lassen. Die Herren Perceval und Leliüvre thäten, je­doch ohne Erfolg, Schritte bei dem belgischen Justiz- minister. Als der entschieden conservative Deputate Graf Vila in diese Vorgänge erfuhr, begab er sich so­fort zu Raspail und brachte ihn nach seiner Wohnung. Die Wohnung eines Deputirten ist unverletzlich und der Ausweisungsbefehl konnte desihalb nicht ausgeführt wer­den. Sofort wurde ein Ministerrath in Folge dieses Auftretens Vilain's gehalten; über den Beschluß, der gefaßt wurde, hört man noch Nichts. Der Prozeß des Herrn v. Larochejaquelin gegen das Journal La Nation ist soeben entschieden worden. Die ango schuldigten Artikel sind für verleumderisch erklärt und das Journal zu 5000 Fr. Schadenersatz und zur Ein­rückung des Urtheils in die Zeitungen von Paris und Brüssel verurtheilt wordèn.

Großbritannien.

London, 13. Mai. Einer der tapfersten Offiziere in Indien, General-Lieutenant Sir Walter Raleigh Gil­bert, Baronet, ist 68 Jahre alt gestorben. Er diente seit 1800 in der bengalischen Armee und gab in den meisten glücklichen Schlachten den Ausschlag. Im Pend- schab und am Sntledgc zeichnete er sich zuerst als Feld­herr aus. Von seinem persönlichen Muth erzählt man sich Höchst interessante Züge.

Unter den mit dem Arctic aus Ncu-Pork vom 30. abgegangcuen, in Liverpool angclangtcn Reisenden be­findet sich der Expräsident der Verein. Staaten, Martin Van Buren, mit seinem Sohne.

Italien.

DasEco della Borsa" meldet, daß in Forli dieser Tage ein neuer revolutionärer Club entdeckt wor­den ist. Die Police! kam den Leitern derselben (der Kaufmann V. Sansoviui, der Gastwjrth R. Cappacini und der Realitätenbesitzer B. Daccarin) auf die Spur und ordnete ihre Verhaftung an, die jedoch nicht er­folgte. Wahrscheinlich hatten dieselben durch einige ihnen befreundete Beamte Wind bekommen, und zeitlich genug die Flucht ergriffen.

Aus Rom erfährt man, daß der Ausflug, den Se. päpstliche Heiligkeit längs der Küste zwischen Ostia und dem Vorgebirg Autio unternehmen wollte, des Übeln Wetters wegen unterbleiben mußte.

Sürkei.

Aus Scutari vom 4. Mai wird der Triest. Ztg. gemeldet, daß der ehemalige Commandant der Festung Zabliak, Selim Redschi, der sich bekanntlich von den Montenegrinern überrumpeln ließ und bisher im Gefäng- uiße saß, vom Sultan völlig begnadigt worden ist.

Die Korrespondenz derJndöpendauce" aus C o li­st an tknop et, 28. April bestätigt, daß in dem tür­kisch-griechischen Streik über die Gränzdörfer die Re­präsentanten der drei Schntzmächte sich zu Gunsten der Türkei ausgesprochen haben. In Folge dieser Entscheidung waren Depeschen an die Gesandten i» Athen abgegan­gen mit der Aufforderung, Griechenland möchte von seinen ungerechten Forderungen abstehen und seine Armee zurückrufen. Nach diesem Bericht zweifelt zwar niemand an einem friedlichen Ausgang der russischen Unterhand- lungen mit der Pforte, aber es wird doch als etwas auffallendes erwähnt, daß der Fürst Menczikoff die Möglichkeit seiner Abreise durchblicken lasse und geäußert habe: mit Ankunft des nächsten Couriers werde er wis­sen, ob er allein oder mit der ganzen Gesandtschaft Constantinopel verlassen werde. Die Frage der heil. Stätten kann es wohl nicht sein was diese Verstimmung veranlaßt, denn nach der Corrcspondenz des M. Chro- nicle äst man in den bonapartistischen Kreisen zu Paris nicht weniger ungehalten über die Wendung, welche die Unterhandlungen über diesen Gegenstand genommen hân. ES sei kein Geheimniß, schreibt dieses Blatt, daß Frankreich in allen Punkten den Forderungen Rußlands weiche, daß Herr de la Cour ebenso nach­giebig sei, als Herr vou Lavalette herausfordernd war. Kaum sei der neue Kaiser in Frankreich am Ziele der höchsten Bestrebungen seines Ehrgeizes angc- langt, so habe er geglaubt, Europa werde sich jedem Wunsch Frankreichs willig fügen. Unter solchen Eindrü­cken habe die Sendung des Marquis v. Lavalette begon­nen. Diese Lage habe sich völlig geändert, und das sonderbare sei, daß L. Napoleon den Parisern seine Nach­giebigkeit verbergen wolle. Mehrere französische Jour­nale, die genaue Berichte geben wollten, seien unter der Hand verwarnt worden. Gleichzeitig geht das Gerücht, der Befehl zur Rückkehr der Flotte aus den Gewässern von Salamis sei bereits ertheilt, nach einigen weil die streitigen Puncte geschlichtet seien, nach andern auf die Vorstellungen des Herrn v. Kisscleff, daß im Fall die Flotte noch länger daselbst vor Anker liege, der Czar sich veranlaßt sehen würde, nicht allein seine Rüstungen fortzusrßen, sondern auch seine Streitkräfte näher an Constantinopel hcrauzuziehen.

Smyrna, 4. Mai. Eine Ladung von 1600 Kisten Pulver, nach Circassien bestimmt und Ei­genthum des portugiesischen ConsulS, Herrn Raouth, eines britischen Unterthanen, wurde auf der Rhede mit Beschlag belegt, auf Reklamation des Eigen­thümers aber wieder frcigegcben.

âfien.

In Singapore traf am 25. April die Dampf­fregatteMississippi" ein, welche zu dem nach Japan bestimmten americanischen Geschwader gehört, und setzte am 29. ihre Fahrt nach China fort, wo sie vielleicht noch zu rechter Zeit ankommt, um die Interventions- Maßregeln zu unterstützen, welche von Seiten der ge­ängstigten tatarischen Machthaber gegen die Mingrebel­len in Anspruch genommen werden. In Canton hatten Ofsiziere und Mannschaften der französischen Fregatte Capricieuse" in dem öffentlichen Garten der Fremden einen Flaggenmast errichtet und sich dabei Gewaltthätig­keiten erlaubt, wobei jedoch glücklicherweise keine ernst­lichen Verletzungen erfolgten.

An der Küste von Malabar ist ein neuer Reli­gionskrieg ausgebrochen. Vor ungefähr 60 Jahren hatte eine bramantische Secte von Köchin, Konkanaees genannt, um sich vor Verfolgungen zu schützen, das Hauptgötzenbild von Köchin nach Travancore gebracht. Als aber der Rajah von Köchin nach einiger Zeit sah, daß sein Einkommen durch das Ausbleiben der Pilger sich verminderte, rief er die Flüchtlinge zurück, denen nun der Hof von Travancore seinerseits aus ähnlichen Gründen die Rückkehr untersagte. Jetzt haben die Kon­kanaees das Bild mit Gewalt geraubt, und beide Par­teien stehen einander mit den Waffen in der Hand gegenüber. Ländlich, sittlich 1

Africa.

Aus den niederländischen Besitzungen an der Küste von Guinea sind der holländischen Regierung wichtige und für die sämmtlichen europäischen Niederlassungen daselbst bedrohliche Nachrichten zugegangen. Zwischen dem Gouverneur der englischen Besitzungen und dem mächtigen Reiche von Ashantce sind MlßheUigkcilen ent­standen, welche sich zu einem förmlichen Kriege zu ge­stalten drohten. Die Veranlassung dazu scheint von eng- üschcr Sette gegeben zu sein. Bereits stand der. ashau- tincr Kronprinz, Osay Kudjo, mit einer bedeutenden Kriegsmacht an der Grenze, und es war ihm gelungen, einen englischen Officier nebst dreißig Soldaten aufzuhe­ben. Auf Cape Coast Castle, vem englischen Haupt - Fort, rüstete man sich, um mit der disponiblen Besatz­ung und etwa 1000 bewaffneten Matrosen ins Feld zu ziehen. Der holländische Gouverneur hatte sich beeilt, dem Könige von Ashantee, welcher vor etwa 20 Jah­ren ein Freundschafts-Bündniß mit der niederländischen Re­gierung schloß und zwei seiner Söhne in Holland aus der Akademie in Delft erziehen ließ, ernstliche Vorstel­lungen zu machen und ihm zum Frieden zu rathen; auch hatte er dem Handelsstande in den niederländischen Be­sitzungen verboten, fürs Erste Waffen, Pulver und Blei nach Ashantce zu verkauft». Man hâc, Laß es sei- ner Vermittlung gelingen würde, ein gutes Einverständ- niß wiederherzuftellen; denn die Folgen eines Krieges würden für sämmtliche an der Küste zerstreut durch NN' ander liegende europäische Etablissements sehr bedenklich sein, indem sie eben dieser Lage wegen schwerlich ihre Neutralität würden behaupte» können, und jedenfalls, auch wenn sie nicht angegriffen würden, durch Ab­schneidung aller Zufuhr ans dem Innern Seitens des Königs von Ashantee in ihrem Handel zu Grunde ge­richtet werden könnte». Im Gegensatze zu de» ganz unbedeutenden Negersürsten an der Küste, besitzt dieser König eine ausgedehnte Macht und führt seine Re­gierung mit großer Energie und vieler Einsicht. In den Kriegen von 1806 und 1811 stellte das Reich Ashantee nicht weniger als 30,000 wohlgeübte und aus europäische Art bewaffnete Krieger ins Feld, die in ge­schlossenen Reihen, mit ziemlicher Taktik und großer Tapferkeit kämpften. Diese Armee vernichtete damals fast den ganze» Stamm der Hanta's, eroberte das Reich Akim und brachte die mehr südlich gelegenen britischen Besitzungen so sehr in Gefahr, daß die Engländer sich nach unerhörten Anstrengungen und Opfern zu einem wenig ehrenvollen Frieden gezwungen sahen. Seit jener Zeit hatten sie den Beherrscher von Ashantee mit großer Vorsicht behandelt, in welcher sie neuerdings nachgelassen zu haben scheinen. Man vernimmt, daß ein paar holländische Kriegsschiffe nach der Küste segeln werden.

America.

New-Uork, 26. April. Der Staatssekretär Marcy pflegt jetzt eifrige Unterhandlungen -mit dem brittischen Gesandten wegen der Fischereifrage. Der Hcrald sagt: Ungeachtet der feindlichen Sefinnungen, welche ein Theil der Kolonisten neulich an den Tag legte, glaubte man, daß diese Angelegenheit zur Be­friedigung aller Parteien beigelegt wir. Aufsehen machte der (schon erwähnte) Fall mit General Lane, welcher als Gouverneur von Neu - Mexico die Demarcatiolis- lini-e, welche das unter seiner Verwaltung stehende Ge­biet von dem der mexicanischen Eonsöderation trennt, für null und nichtig erklärt und behauptet, daß das Mccilla-Thal zur amerikanischen Union gehören müsse. Zugleich gab er Befehl an den Obersten Sumner, mit bewaffneter Hand die beanspruchte Laudstrecke in Besitz zu nehmen. Dieser weigerte sich indeß, der Aufforderung nachzukommen, und die Invasion hatte noch nicht statt, gefunden. Die mexikanischen Behörden sind indessen auf das Höchste alarmirt und haben Truppen an die Grenze geschickt, um jeden Angriff abzuwehren.

Berichte aus Vera^Cruz vom 11. April melden,

daß General Santa-Anna triumphirend in Mexico ein* gezogen ist.

Aus St. Juan del Norte wird unter dem 15« April berichtet , jdaß der Krieg zwischen Honduras und Guatemala mit großem Ester fortgesetzt wird. Der General des letzteren Staates, Carrera, hatte ein Lager bezogen, um den feindlichen General Cabanas abzuwar» ten und ihm eine Schlacht zu liefern. Aus St. Juan de Nicaragua (Greytown) vernimmt man, daß sich dort auf Anlaß der neuerlichen Vorgänge eine pro- visorische Regierung gebildet hat, die von den Befehls­habern der im Hafen befindlichen englischen und ameri­canischen Kriegsschiffe anerkannt worden ist. Der brit. Consul in Greytown hatte übrigens die dortigen Eng­länder ermahnt, an dieser Regierung keinen Theil zu nehmen, da sie durch solche Theilnahme ihre Eigenschaft als britische Unterthanen und damit den Anspruch aus britischen Schutz verlieren würden.

Nachrichten aus Pernambuco vom 31 März, die in Boston eingegangen, waren an der dortigen Küste 300 Sclaven gelandet worden. Den Behörden fehlte die nöthige Mannschaft, um die Landung zu verhindern. Brieflichen Mittheilungen vom 11. März zufolge war in Buenos-Ayrcs der Stand der Dinge noch immer ein ungeordneter, außerhalb der Stadt hatte ein Scharmü­tzel stattgefunden, bei welchem ein Dutzend Leute ge- tödtet wurde. (Danach scheint der Waffenstillstand, des­sen Abschluß die direkten Berichte vom 4. März erwähnten, nur wenige Tage in Kraft geblieben zu sein.

Nach Zeitungen aus Santa Fe war der Com- mandaut des Militärpostens im Fort Atkinson, Lieute­nant Heth, im Begriffe, die Cheyenne Indianer anzu- greisen, weil sie sich weigerten, die Mörder eines americanischen Soldaten, der im vergangenen Winter auf der Haide erschlagen ward, auszuliefern. Der Indianer in der Umgegend sind an 5000 Mann, und der Militärposten ist, durch die Nachlässigkeit der Re­gierung, viel zu schwach; aber Lieutenant Heth will sich dadurch von seinem Unternehmen nicht abschrecken lassen.

Neueste Nachrichten.

Wien, 15. Mai. (Tel. M.) Se. Majestät der Kaiser haben dem, König der Belgier daS Infanterie- Regiment Piret zu verleihen geruht. König Leopold trug schon gestern die Oberstenuniform seines neuen Regiments. Heute stattete der König Sr. Durch­laucht dem Fürsten Metternich einen Besuch ab und brachte dem greifen Staatsmanne seine Glückwünsche zu seinem achtzigsten Geburtstage dar.

^ Wien, 15. Mai. Sicherem Vernehmen nach ist bereits vvn Constantinopel aus eine Erklärung in Betreff der a ußero rdentlich en Truppenan­häufung in Albanien in Wien eingetroffen und es soll die Pforte bei dieser Gelegenheit versichert ha­ben, daß binnen kürzester Zeit ein Theil dieser Truppen in-die asiatische» Provinzen verlegt werden wird. In Folge dieser beruhigende» Erklärung ist bereits an die bei Laibach stationirten Truppen (Brigade Erzherzog Sigismund) der Befehl abgegangen, unverzüglich nach Wien zu marschiren, wo sie im Laufe dieser Woche eintreffe» werden. Der König von Belgien hatte gestern eine Conferenz mit dem Präsidenten des Reichöraths, Herrn Baron v. Kübeck, der die Ehre hatte, von dem Könige in besonderer Audienz empfan­gen zu werden. Die Nachricht von der Ernennung des Cardinals Recanati zum päpstlichen Nuntius in Madrid an die Stelle des Msgr. Brualli hat nicht verfehlt, hier großes Aufsehen zu machen, da man weiß, daß Cardinal Recanati in Roni die französische Partei vertritt, im Gegensatze zu dem Cardinalstaats- secretär Antonelli, der eben fein großer Freund Frankreichs zu sein scheint. Letzterer scheint nun defini­tiv den Sieg davon getragen zu haben, was zu­gleich die beste Garantie ist, daß die Reise des Papstes nach Paris nicht Statt finden wird. Der Kaiser hat anbefohlen, daß de» zur gestrigen Heer­schau vor Sr. Maj. dem Könige der Belgier ausge­rückten Truppen die A. H. Zufriedenheit zu erkennen gegeben werde. Seit einiger Zeit spricht man hier wieder häufig davon, daß die Bank bas gesummte StaatS- papiergeld zur Einlösung übernehme» werde. Die Mo- dificationen, unter denen diese neueste Finanzmaßregel vor sich gehen soll, sind aber vorderhand noch nicht bekannt.

Paris, 16. Mai. (F. Postz.) Die durch das Dampfschiff Scamandre nach Marseille gelangten Nach­richten aus Constantinopel sind vom 5. d. M. Sie bestätigen die demnächst bevorstehende Eingabe eines Ultimatums von Seite des Fürsten Menczi­koff. Es soll darin nicht nur das Protectorat über die griechisch-christliche Bevölkerung der Türkei, sondern cs sollen auch noch wesentliche Zugestehun- gen hinsichtlich der heiligen Stätten verlangt werden. Die beiden DampferChaptal" undCaraboc" in außerordentlicher Sendung am 7. und 8. d. Mts. von Constantinopel abgegangen, sind gestern ebenfalls in Marseille eingelaufen. Sie bringen Depeschen für die Regierungen' von Frankreich und Großbritannien, über deren Jiihalt jedoch das tiefste Geheimniß waltet. Die Haltung der Rente ist flau; die Eisenbahnen sind gewichen. ___________________________________________

Verantwortlicher Revacteur: Dr. A. Aorjck.