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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Wr ///.

Mittwoch heu 18. Mai

1853.

DU,,Naffauischc Allgrincinr 3eitunß mit bem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn-und Tari-'sche» Verwaltungsbezirks mit Jnblgriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 (r. Inserate werden die einspaltig Prtitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrichs Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Jeitungslchau.

Die Darmstädter Bank. Der Schlüssel zum himmlischen Reich. Die Christen in Bosnien.

** DieJndependance Belge" bringt einen Artikel über die Darmstädter Bank, datirt aus Paris vom 8. Mai, der seinem wesentlichen Inhalt nach un­gefähr lautet: Die Darmstädter Bank scheint bis jetzt von den bedeutendsten Finanzmännern (Frankreichs) in ihrer Tragweite und nach ihrem Einflüsse noch nicht hinreichend gewürdigt zu werden. Wenn man dieses Institut selbst nur vom deutschen Standpunkte aus bettachtet, so ist cs an und für sich ein bedeutungsvol­les Ereigniß, da es einem Lande Credit und Circula- tionsmittel gibt, das bisher der ausgleichenden Werthe, bei einem täglich sich mehrenden industriellen und com- merciellen Verkehr, so sehr entbehrte. Würden sich die Operationen der Darmstädter Bank allein auf Deutschland beschränken, so würde dieses Institut schon hierdurch als eines des ersten Ranges angesehen wer­den können, jedoch dehnen sich dieselben durch seine Be­ziehungen zu der Sociéte génërale du crédit mobilier in weit um sich greifender Weise aus uud bilden gleich­sam den ersten Rang der Geldwerthkette, welche künftig in sich alle Finanzplätze Europa's einschließt. Ganz be­sonders verdient das Institut die Aufmerksamkeit der Geschäftsmänner auf sich zu ziehen. Man weiß nämlich schon, daß die Darmstädter Bank einen Theil der Sub- scriptionen für Die große Centraleiscubahn Frankreichs erhalten hat. Eine ähnliche Theilnahme würbe dersel­ben wahrscheinlich bei der großen Unternehmung des Crédit mobilier werden, welche dazu dienen soll, das städtische und korporative Finanzwesen Frankreichs (Communalschuldentilgung) zu ordnen. Aus dem ua- tionalökonomischen Gesichtspunkte betrachtet, wird dieses Institut einen neuen Zeitabschnitt für den Credit bilden, und jedem Staate die Möglichkeit geben, mit Hülfe der vereinigten Capitalien alle öffentlichen oder privaten ge- vleinnützigen Unternehmungen auszufüllen, welche die Entwickelung der allgemeinen Wohlfahrt erfordern. Da» durch wird die fast absolute Unmöglichkeit einer finan­ziellen Krise, entstehend aus dem Mangel anZahlungs- uütteln, hervorgerufen werden; die Plätze, welche diesel­ben momentan entbehren würden, wären sicher, diesel­ben dort zu finden, wo sie im Ueberfluß vorhanden sind. Aber eine wesentliche Wohlthat wird dadurch, daß die verschiedenen Bankplätze die Bankpapiere um Nenn, werthe annehmen, zugleich erreicht, indem die heutigen hohen Wechselkosten auf diese Weise herabgedrückt wer­den. Das Institut aus politischem Gesichtspunkte angesehen, kann als der Anfang der Unterdrückung jeder Kriegsgefahr betrachtet werden, es bildet die Erfüllung der Wünsche des Friedenscongresses durch unumstößli­chere Mittel, als letzterer gewähren kann; es ist der Beginn der Vereinigung aller Continentalvölker zu einer Familie!

** Die von dem Kaiser von China angesprochene Hilfe europäischer Mächte erweckt in einem andern Artikei der Ost-Deutschen Post" weitgehende Hoffnungen. Die­selbe müsse die fürstlichen Schranken fallen machen, mit welchen sich China bis jetzt abgeschlossen; ob die alle Dynastie sich durch diese Hilfe neu zu kräftigen ver­möge, oder ob eine neue Regierung an ihre Stelle treten werde, so seien die alten Verhältnisse doch nicht wieder herzustellcu, und der christlichen Religion, der abendländischen Civilisation, der Wissenschaft und dem Handel werde in naher Zukunft ein ungeheurer Raum zu weiterer Verbreitung, zu friedlichen Eroberungen er­öffnet werden.

** DieOesterreichische Correspondenz" meldet mit wahrer Befriedigung, daß die Besorgnisse, welche man nach den Vorgängen früherer Zeit hinsichtlich der Be­reitwilligkeit der Türken, ihre in Betreff der besseren Behandlung der Christen gegebenen Zusagen zu halten, hegte, sich in der neuesten Zeit nicht erfüllten. Das Ministe­rium in Constantinopel ist vielmehr, wie dieOesterr. Corr." versichert, ernstlich bedacht, die dem Grafen Lei­ningen in dieser Beziehung gemachten Zusagen mit der anerkennenswerthesten Bereitwilligkeit zu erfüllen. Die Oesterr. Corr." weist dann auf mehrere Fälle hin, wo die türkische Regierung in jüngster Zeit vollkommene Gerechtigkeit übte.

Deutschland.

Mainz, 14. Mai. Auf dem großen Saudbruche (zwischen Mombach, Gonzenheim nnd Budenheim), der für Feldübungen der hiesigen Garnison im größeren Maßstabe bestimmt und hergerichtet ist, wurde in der

verflossenen Woche für die österreichischen Truppen ein großes Feldlager aufgeschlagen, das vom Beginne der kommenden Woche an während längerer Zeit abthei- lungsweise der Reihe nach von den sämmtlichen Mann­schaften der österreichischen Garnison bezogen werden wird, wobei gelegentlich die leer werdenden Casernen einer gründlichen Ausbesserung und gesundheitsgemäßeren Herstellung unterworfen werden sollen, indem der Ge- sundheitöznstaud dieser Mannschaften, bei welchen be­sonders häufige Augenleiden Vorkommen, dringend zu einer solchen Maßregel auffordert.

Frankfurt, 17. Mai. (F. P.-Z.) Am vorigen Samstag wurde der nunmehr inhaftirte C. Reuter zur Konfrontation mit seinem Mitschuldigen Leichter von Höchst hierher gebracht.

Nächstens sollen, wie demLloyd" berichtet wird, die schwarz-roth-goldcnen Cocarden auch von den Hel­men des Frankfurter Bataillons verschwinden. In Folge des neuen Zeitungsstempelgesetzes werden die Frankfurter Blätter ihren Preis vom 1. Juli an um den Preis der Stempelgebühr erhöhen.

Darmstadt, 17. April. (D. Z.) Gestern am zweiten Pfingstfeiertage führte das lang entbehrte schöne Wetter Tausende von Spaziergängern nach der im voll­sten Blüthenschmucke prangenden reizenden Bergstraße. Alle Züge der Eisenbahn waren zahlreich besetzt. Leider endete der Tag mit einem beklagenswertben Unglücks- falle, wodurch eine der geachtetsten Familien unserer Stadt in tiefe Betrübniß versetzt worden ist. Beim An- | fahren des letzten Zuges M Zwingenberg (den zwei Locomotiven führten, da er aus einer langen Reihe von Wagen bestand un^- der fast 1 % Stunde verspätet, erst um halb 11 Uhr, statt um 9 Uhr in Darmstadt ankam) gerieth im großen Gedränge der schon lange harrenden Menge durch einen unglücklichen Zufall der Gr. Ober­lieutenant Pfaff, Regimentsadjutant im 2. Infanterie- Regiment einziger Sohn des Großh. Generallieutenants Pfaff, in die Bremsmaschine des Tenders und wurde von derselben am Kopfe ergriffen augenblicklich gelobtet.

Heidelbergs (N. Lorr») Die gegen Professor Hagen in Heidelberg vor 6 Wochen eingetreteue Unter­suchung ist am 3. Mai aufgehoben und die vor dessen Wohnung aufgestellte polizeiliche Wache zurückgezogen worden.

Aus Hohenzollern, 11. Mai. Die Geistlich­keit der hoheuzolleruschen Lande hat aus Anlaß der letzten von jden Bischöfen der oberrheinischen Kirchen Provinz abgegebenen Collectiv- Erklärung eine Zustim­mungsabresse an den Hochwürdigsten Erzbischof eingereicht.

Bon der FilS, 13. Mai. Die Zerstörung ist wahrhaft schrecklich. Hier einige ganz zuverlässige De­tails. Am Aergsten heimgesucht sind die Orte Rech­berghausen', Faurndau, Ebersbach, Reichenbach. Ein Hof bei Rechberghausen, Zell, ist ganz weggeschwemmt. Herzzereißend war heute Nachmittag ein Anblick, den wir nie in unserem Leben vergessen: in der Gegend von Faurndau lagen, von dem sich verlaufenden Wasser noch theilweise bedeckt, die Leichen am Eisenbahndamme herum, Kinder, Frauen, Männer, (nach dem Staatsanz. sind von den in Rechberghausen vermißten 36'bis 40 Personen bereits 11 als Leichen aus dem Wasser ge­zogen worden.) Frauen von Rechberghausen kamen herab, ihre Kinder unter den Leichen zu suchen. Die Zahl der Todten im Filsthal erreicht jedenfalls 40. In Ebersbach fehlen 200 Stück Vieh. Das Wasser kam mit ungeheurer Gewalt und Schnelligkeit; der Krouenwirth sprang über die Straße, um Befehl zum Losbinden des Viehes zu geben, bis er zurückkehrte, erreichte das Wasser die Höhe der Brust, sein Vieh war alles verloren. Die Zerstörung, welche die Ueberschwem- mung an der Eisenbahn im Filsthal eingerichtet hat, dehnt sich auf drei Strecken aus: zwischen hier und Eislingen, zwischen hier und Usingen (bei Faurndau) und ober- und unterhalb der Station Reichenbach. Es wurde der Bahndamm stellenweise durchbrochen und sonst arg zugerichtet, der Oberbau auf Tausende von Fuß Länge gänzlich zerstört, Schienen Schwellen und Be­schotterung weggeschwemmt. An einer Stelle erstreckt sich die Zerstörung der Eisenbahn auf 5000, an einer andern auf 2000 Fuß Länge. (Von den drei beschädig­ten Strecken der Eisenbahn zwischen Plochingen und Eislingen ist, nach den neuesten Mittheilungen, jene oberhalb Göppingen schon seit gestern wieder fahrbar hergestellt, jene unterhalb Göppingen soll heute noch fahrbar werden, so daß dann nur noch die eine Viertel­stunde lange Lücke bei Reichenbach übrig bleibt , deren Herstellung wohl auch binnen wenigen Tagen zu er­warten steht.)

Würzburg, 13. Mai. Wie man hört, sollen auf Anordnung des Ministerpräsidenten die Arbeiten am hiesigen Eisenbahnhofe beschleunigt werden, und wurde deshalb gestern auch Nachts bei Feuerschein ge­arbeitet.

München, 14. Mai. Der Verein der Cigarren- Arbeiter zu München, welcher bereits am 28. Februar v. I. als politischer Verein geschlossen wurde, aber als Gesellen-Unterstützungs-Verein später wieder in's Leben trat, ist durch Beschluß der Polizeidirection ge­schlossen worden,weil er politische Zwecke in den Be­reich seiner Verhandlungen zog, hiezu nicht angezeigte Versammlungen hielt und die gesellschaftlichen Grund­lagen des Staats bedrohte. Die Schützengesellschaft zu Bamberg ist dem Vernehmen nach für einen politischen V.rfin erklärt worden. Die Rechtscandi­daten Carl Adler von Speyer und Gottlieb Ludolph Loeb von Ungstein sind wegen ihres Verhaltens in den Jahren 1848 und 1849 von der Liste der Staats- dicnstadspiranien gestrichen worden.

Braunschweig, 9. Mai. Vorgestern hat die hiesige deutsch-katholische Gemeinde den Be­schluß gefaßt sich aufzulöfen, nicht aus Mangel an Eifer, der ihr im vorigen Jahre in der Versammlung der Stadtverordneten vorgeworfen wurde, sondern nur in Folge des Umstandes, daß sie sich nicht mehr in der Lage befand, ihrepecuniären Obliegenheiten" für die Dauer noch länger zu erfüllen. Auf eine Anfrage der Gemeinde beim Cultusminister, ob ihr Prediger wieder zum (evangelischen?) Gottesdienste zngelasien werden würde, erhielt sie die befriedigende Antwort, daß dem nichts entgegeustehe, sobald der Geistliche nicht mehr in Function bei der deutsch-katholischen Gemeinde sei.

Oldenburg, 9. Mai. In der heutigen Sitzung hat der Landtag den unterm 19. Februar d. J. zwi­schen Preußen und Oesterreich und unterm 4. April d. J. zwischen Preußen, Bayern, Sachsen, Hannover 2c. und Oldenburg wegen Fortdauer und Erweiterung des Zoll- und Handelsvereins abgeschlossenen Verträgen mit überwiegender Majorität seine Zustimmung ertheilt. Der mit der Auflösung der deutschen Flotte beauf­tragte Bundescommissär, Staatsrath Fischer aus Olden­burg, hat sich dem Vernehmen nach in diesen Tagen von Hamburg aus nach Frankfurt begeben, um der Bundesversammlung über seine nunmehr beendete Thä­tigkeit Bericht zu erstatten.

Berlin, 14. Mai. Die Rede, womit der Mini­sterpräsident gestern im Namen Sr. Majestät des Kö­nigs die Kammerperiode schloß, hat im Allgemeinen einen günstigen Eindruck hervorgebracht. Namentlich hat die Stelle, welche die Bildung einer neuen ersten Kammer als eine erfreuliche Entwickelung und Befesti­gung der inneren Zustände Preußens bezeichnet, die Besorgnisse zerstreut, die die Bestrebungen jener, welche die Verfassung beseitigen wollen, noch immer einflößten. Auch hat man sich gefreut, aus der Rede des Minister­präsidenten deutlich zu ersehen, daß die Aufhebung der Grundsteuerbefreiungen keineswegcs von der Regierung fallen gelaffen ist, sondern eine darauf bezügliche Vor» läge den Kammern wieder gemacht werden wird. General von Radowitz ist vorgestern von seiner Jn- spectionsreise nach den Provinzen Pommern, Posen und Preußen wieder zurückgekehrt. Die Besichtigung der Militärstu^ieuanstalten ist den anderen Provinzen des Staats wird derselbe im Laufe dieses Sommers vor­nehmen.

Die konfessionellen und politischen Verwickelungen in Holland werden hier mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgen. Unsere Regierung hat im Haag confidentiell über den Stand der Dinge' anfragen lassen und zur Mäßigung gerathen. Die Antwort fiel so beruhigend aus, als man nur wünschen konnte; die holländische Regierung, oder eigentlich das neue Ministerium, beab­sichtige ebensowenig die Katholiken in ihren verfassungs­mäßigen Rechten zu schmälern, als es von fern an ei­nen Umsturz der Verfassung denke. Die Krone Preu­ßen ist bei den Schritten der holländischen Regierung ihrer rheinischen Unterthanen wegen in hohem Grade betheiligt, und muß eine friedliche Lösung der Streit­frage nach den von ihr selbst befolgten Grundsätzen versöhnlicher Mäßigung nachdrücklichst wünschen. Ueber# Haupt wird heutzutage keine politische. oder religiöse Frage mehr einseitig erledigt; die Interessen sind überall so verschlungen, daß eine unsanfte Berührung oder Verletzung derselben ihre Nachwirkungen nach allen Seiten hin äußern muß.

DasCorrespondenz-Bureau" schreibt:In Bezug auf die gerichtliche Untersuchung gegen die in den Oste*-