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Nassauische Allgemeine Zeitung

Mr 112,

Samstag dm 14. Mai

I8S3.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pranumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Lburn» und Taiis'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS PostanfschlagS 2 st., für die übrigen Länder des deuisch-âfterreickifchen Postoereins, wie für das Ausland 2 st. 24 kr. Inserate werden die einspaltig Petitjkile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen Mirboman in der Buchhandlung von SO. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegeiiku Postämtern, zu macken.

Zeitungsschau.

Die österreichische Nationalbank. Der Fürstencongreß in Wien.

Die O est. Corrcsp. vom 10. Mai bringt einen langem Artikel über die Emission der Neserve-Actien der österreichischen Nationalbank. Nach einer ausführ­lichen historischen Darlegung der Bank - Verhältnisse und einer nochmaligen Rcasfumirung des Zweckes dieser neuen fachwichtigen Maßregel machte die Oest. Corrcsp. noch schließlich die für die alten Actionäre der Bank erfreuliche Mittheilung: daß die Reinerträge der Bank in den Jahren 1853 und 1834 den Aktien älterer Emission verbleiben und nicht beabsichtigt werde, die Vertheilung dieser Erträgnisse durch fernere beträchtliche Üebertragungen in den Reservefonds zu schmälern, nach­dem der gesammte Bankfonds durch die Emission der Reserveacticn eine so bedeutende Vermehrung erfährt.

DerLloyd" bespricht ebenfalls diese Maßregel. Bereits vor einiger Zeit war cs bekannt, sagt dieses Blatt, daß die Bank ihre Opposition gegen die Maßre­geln aufgeben würde, zu welchen im allgemeinen Inte­resse sie so lange und so lange vergeblich gedrängt wurde. Die Hinausgabe aller Reservedankactien, die Es- comptirung von in Wien domicilirten Wechseln ist end­lich beschlossen worden. Warum die Bank sich zu diesem Schritte entschlossen hat, ist wohl Jedermann jetzt klar. Warum sie durch die Reihe von Jahren sich so hart­näckig geweigert hatte, die Maßnahmen zu ergreifen, welche sie jetzt als zweckmäßig anerkennt, ist eine Frage, deren Beantwortung von autorisirter Seite nicht eine müssige Aufgabe wäre. Das Publicum, welches an dem Streite bezüglich der Dankangelegenheiten ein so war­mes Interesse genommen, wie kaum an irgend einer andern Debatte, ist berechtigt zu wissen, ob irgend ein öffentliches Interesse die Entscheidung, welche jetzt getroffen worden, so lange hinausschob. Der Meinungswechsel, welcher in der Bank eingetreten, rpird zwar von Jedermann als nützlich und ersprießlich angesehen werden, aber unerklärt und unerörtert dürfte er kaum einen Lustre auf das Institut zurückwcrfeu. Selbst bei der Genugthung, welche darüber empfunden wird, daß endlich der rechte Weg eingeschlagen wurde, wird Niemand vergessen können, daß er so lange und so hart­näckig gemieden worden ist. Es ist oft in früherer Zeit gesagt und ohne viele Mühe bewiesen worden daß die Hinausgabe der Reservebankactien die Valuta nicht ihrem Neunwerthe in Silber sofort gleich bringen werde, ein ganz richtiger Schluß, woraus sich aber keineswegs die Folgerung als eine richtige ergab, daß daraum der Verkauf jener Aktien sich als nutzlos Herausstellen mußte. Die Hinausgabe der Reservebankactien wird heute und dasselbe würde die Maßregel zu einer früheren Zeit bewirkt haben die Valuta ihrem Nennwerthe in Silber näher brin­gen. Das Hereinströmen fremder Capitalien einerseits die bessere Fündiruug des Bankinstituts anderseits wird einen bedeutenden und günstigen Einfluß auf die Regelung unserer Geldzüstände Nehmen. Die andern Maßnahmen, durch welche die Bank jetzt ihren Geschäfts­kreis ausdehnt, sind in jeder Beziehung nutzbringend und von ausgiebiger Wirkung- Sie wären freilich vor fünf Jahren eben so nutzbringend, eben so ausgiebig gewesen wie heute. Die österreichische Nationalbank tritt jetzt in eine nyie Periode ihrer Existenz. Hoffen wir, daß es ihr gelingen möge, dieselbe, welche bis zum Ablauf ihres jetzigen Privilegiums dauern wird, durch eine vorwurfsfreie und allgemein nützliche Wirksam­keit zu bezeichnen.

Zu den am Allerhöchsten Hofe bevorstehenden Be­suchen der fremden Monarchen macht ein Brief ans Wien in der Vossischen Zeitung folgende nicht uninter­essante Bemerkung:Ist auch den Besuchen der Mon­archen nicht dircct ein politisches Motiv zu Grunde liegend, sondern wohl mehr die Courtoisie gegen den von einem schweren Unfall wiedergenesenen Kaiser, so ist doch andererseits kein Geheimniß mehr, daß die fran­zösischen Zustände einer neuen Krisis entgegengehen und auch das weiß man, daß das französische Cabinet be­reits Miene gemacht hat, sich den deutschen Mittelstaa­ten zu nähern, um der Koalition der Großstaaten ein Gegengewicht zu bilden. Daß die Popularität des französischen Kaisers mit jedem Tage in Frankreich abnimmt, kann jetzt selbst der für ihn enthusiasmirte Pariser Lloyd-Correspondent nicht mehr verschweigen. Den Eventualitäten im Großen und namentlich^ im Westen gegenüber sind die Furstenbesuche am hiesigen Kaiserhofe gewiß nicht ohne alle Bedeutung und auch nicht ohne allen inneren tieferen Zusammenhang. So

faßt man wenigstens in unseren unterrichteten und com- merciellen Kreisen die Sache auf."

Deutschland.

-j- Diez, 12. Mai. Gestern hat sich in unserer Stadt ein hier unerhörter Fall ereignet, der wahrschein­lich der Gegenstand einer Assisenverhandlung werden wird. Schon seit langer Zeit war hier das Gerücht verbreitet, daß sich die Wittwe des vor mehreren Jahren verstorbenen Zimmermanns J. K. in anderen Umstän­den besinde. Wahrscheinlich in Folge einer Anzeige, daß dieselbe geboren haben müsse, daß aber ein neugeborncs Kind nicht bei ihr zu bemerken sei, haben sich gestern Nachmittag der Herr Medicinalrath mit einer Hebamme und bald darauf auch das Amtspersonal mit den bei­den Landjägern in deren Haus begeben. Von letzteren sind im Garten und Hans Nachsuchungen angestellt worden und wirklich haben sie auch die Leiche eines neugeborneu Kindes wie man sagt im Keller ge­funden. Sofort ist diese ins Amtslocal gebracht und die Wittwe K. verhaftet worden. Auch der Zwi ihr wohnende Küfer B. Wittwer ist verhaftet wor­den, weil er bei dem Verbrechen betheiligt sein soll. Die Wittwe K. ist Mutter von 4 unerzogenen Kinder und hat in sehr dürftigen Umständen gelebt. Vor ihrer Schwangerschaft hat sic sich und ihre Kinder recht ordentlich ernährt. Was den Verdacht eines Kindes- mords noch bestärkt, ist der Umstand, daß die Wittwe K. während ihres Zustandes fast gar nicht mehr ihre Wohnung verlassen und diesen Zustand stets verheim­licht und geleugnet hat.

* Wie dasFrankfurter Journal" ans M a i n z be­richtet, befindet sich der frühere Prediger der dcutschka« tholisch en Gemeinde in Offenbach, Hr. Keilmann, seit einiger Zeit dort, um sich, da er den Entschluß gefaßt, die Sache des Deutschkatholicismus zu verlassen, auf den Ucbertritt zu einer andern Konfession vorzubereiten. Seine Wiederaufnahme in die römisch-katholische Kirche soll auf Pfingsten stattfinden.

München, 10. Mai. (N. M. Z.) Briefe aus Neapel vom 30. v. M. melden, daß Se. Maj. der König, nach einer von Palermo nach Catania und von da in das Innere der Insel, dann nach Syrakus ge­machten Ausfluge, sich am 26. April in dem Hafen von Syrakus auf dem DampfbooteErcole" einschiffte und über Messina nach Neapel zurückfuhr, woselbst Se. Majestät den 29. Abends glücklich und wohlbehalten cintraf. Das Befinden Sr. Majestät war fortwährend ein erfreuliches. Das k. Appellationsgericht von Schwaben hat auf Vernichtung der Nummer der Augsb. Postzeitnug vom 1. Januar d. J. wegen eines in derselben über die Berufung und Anstellung dcö Dr. Karriere enthaltenen Artikels erkannt.

Kassel, 11. Mai. (Kass. Z.) Die zweite Stände- kammer hält wie bekannt, neben den öffentlichen Sitzun­gen täglich auch vertrauliche, welche jetzt vorzugsweise der Verfassungsangelegenheit gewidmet sein sollen. In der vertraulichen Sitzung von vorgestern sind nun, wie man vernimmt, remonftrirenbe Eingaben der ausgeschie- deuen Herren Ilse, Weinzierl und Pressel vorgekommen und unter dem Widerspruche der einzigen, nie ermüden­den Stimme durch Uebergang zur Tagesordnung ver­worfen worden. Die Sitzungen sind bis jetzt zum 23. d. M. ausgesetzt. Übermorgen um 10 Uhr wird die erste Kammer der Landstände sich zu einer öffentlichen Sitzung versammeln. Gegenstand der Verhandlung ist die Landescreditkasse. In der Sitzung vom 10. d. M. wurde der neu hinzugetretene Deputirte der Hanauer ehemals reichsunmittelbaren Ritterschaft, Hr. Graf zu Ält-Lciüingen-Wcstërburg, Erlaucht, eingeführt und in Pflichten genommen.

Berlin, 11. Mai. Nach dem K. B. beabsichtigt die preußische Regierung auch abgesehen von dem An­schlusse Mecklenburgs an den Zollverein, der eine Er­mäßigung der Elbzolle hoffentlich zur Folge gehabt hätte, die Ermäßigungen der Zollbelastungen des Elb- stroms unausgesetzt zu betreiben. Wie dasselbe Blatt meldet, wird dcr König von Belgien am 23. d. M. auf der Rückreise von Wien in Gotha eintreffen und dort im Kreise seiner Verwandten ein bis zwei Tage verweilen. Der k. belgische Gesandte am hie­sigen Hofe, Herr Nothomb, soll für die Erweiterung der Zoll- und Handelsbeziehungen zwischen seiner Hei- math und dem Zollverein eifrigst wirken und steht zu hoffen, daß vereinten Bemühungen gelingen wird, solche Erweiterungen noch im Laufe dieses JahrcS zu vereinbaren. Wie es heißt, beabsichtigt der Ausschuß

des evangelischen Kirchentages dieser Versammlung, die bekanntlich im September in Berlin zusammentritt, für daS nächste Jahr Nürnberg und Frankfurt a. M. vor» zuschlagen, um eine dieser beiden Städte als nächsten Versammlungsort zu wählen.

König Leopold hat während seiner Anwesenheit der Reihe nach die meisten am hiesigen Hofe accreditir- ten Gesandten, namentlich den Grasen von Thun, den Baron von Budberg und den Lord Bloomfield, in län­gerer Audienz empfangen. Mit Lord Bloomfield un­terhielt sich Se. Maj. bis Mitternacht und übergab demselben einen Brief für seine Souveränin.

Der Abgeordnete Reichensperger hatte bekanntlich den Antrag gestellt, die Kammer möge die baldige Er- theilung einer Concession zum Eisenbahnbaue von Bonn über Coblenz nach Bingen unter Zu sgarantie des Staates für wünschenswert!) erklären. Der Regierungs- Commissär erkannte die .Nothwendigkeit des Baues an, machte aber aus strategischen Rücksichten seine Aus­führung abhängig von dem gleichzeitigen Eisenbahnbaue auf dem rechten Rheinufer. Von den darüber einge- lciteten Verhandlungen erwartete er günstige Resul­tate. Die Majorität der Commission hat nun beschlos­sen, den Vorschlag der Regierung zur Erwägung zu überweisen.

Die Mittheilung mehrerer Blätter: die Ordre über die dem Polizeipräsidenten von Hinckeldcy verliehene neue polizeiliche Centralstelle sei förmlich zurückgenom- mcH worden, beruht nach der Leipziger Zeitung auf einem Irrthum. Die neue Anordnung besteht, aber sie ist praktisch noch nicht vollständig ducchgeführt worden. Die Durchführung begegnet mancherlei Schwierigkeiten, welche vorzugsweise in der Regelung der betreffenden Ressortverbällnisse zu Tage treten.

DemChevalier Apperl" ist, wie dieNeue Preuß. Zeitung" hört, ein Wink zugegangen, feine humanistischen Bestrebungen in Preußen einzustellen.

Wien, 10. Mai. Dem Vernehmen nach werden sich im k. M. mehrere Mitglieder des a. h. Hofes nach Dresden, begeben, um der Vermählungsfeier Sr. k. k. Hoheit des Prinzen Albert von Sachsen mit Ihrer k. Hoheit Prinzessin v. Wasa beizuwohnen. Die auf Samstag bestimmt gewesene Abreise des Fürsten Da­nilo von Montenegro ist deßhalb verschoben worden, weil derselbe bei Sr. Maj. dem Kaiser, welcher heute von der Besichtigung der Semmeringer Eisenbahnbauten mit Sr. k. Hoh. Prinz Albert zurückkehrt, noch keine Abschiedsaudienz hatte. Gleich nach der Rückkehr deS Monarchen wird der Fürst Danilo nach Montenegro abreifen. Der Herr Graf v. Cham bord ist ge­stern aus Frohödorf hier angekommen und heute Nach« mittags um 2 Uhr wieder zurückgereist. Wie bekannt, ist der f. k. österreichische Geschäftsträger bei den nord« americanischcn Vcrcinsstaatcn wohl schon vor längerer Zeit nach Washington abgereist. Die zwischen Oesterreich und den Vereinsstaaten schwebenden Differenzen dürften aber noch nicht vollständig ausgeglichen sei», indem der seit etwa drei Monaten hier weilende americanische Ge« schäststräger, Hr. v. Foote, seine Creditive am a. h. Hofe noch nicht überreicht hat. Der gewesene Reichs­kanzler, Fürst Metternich, feiert nächsten Sonntag sein 80. GeburtSfest.

Die als Staatseisenbahn decretirte Strecke von Szegedin nach Temcswar, die eine Lebensader für den HandelSvcrkchr in Ungarn zu werden verspricht, ist 20 Meilen lang und wird, wiewohl das Terrain größteu- theils eben, wegen der sumpfigen Theißgegenden, die sie durchschneidet, nichtsdestoweniger dem Staatsschätze bedeutende Opfer kosten. Rücksichtlich der Staats- bahn an die bairische Grenze werden noch immer fleißig Tracenerhebuügen gepflogen, iuib die Linie derselben ist 1 außer den Eudpuncten von Bruck an der Mur nach Salzburg daher noch nicht mit Gewißheit bekannt.

In Lignidirungs-Angelcgenheitcn der sequestriern £ Güter im lombardisch-vcnctianischen Königreiche wurde ' allerhöchsten Orts die Pörtofniheit bewilligt. In Mai­land und Venedig werden besondere Liquibirungs-Com- e Missionen errichtet. (

Mehrere der hiesigen Agenten, die sich mit Güter- ' kaufs- und Verkanssgeschäften befassen, sind von Seiten, ' englischer Kapitalisten beauftragt worden, große verkâuf« c liche Waldungen in Oesterreich in Vorschlag zu bringen. Die Waldungen müssen -rinei entsprechende E Quantität Schiffsbauholz enthalten und von Wafferstra- 1 ßen nicht zu-entfernt sein. Die Speculation wird indes­sen wahrscheinlich deßhalb mißrathen, weil die Regierung el eben, und zwar mit Recht, Alles aufbietet, die Waldun­gen dem Lande zu erhalten.

Die nächste Nummer des Blattes erscheint Dienstag den 17. d. M.; am zweiten Pfingstfeiertage wird Mittags eine Beilaae ausaeaeben werden.