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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Wr 109. Mittwoch den 11. Mai 18&3.

Die,,Nassauisch« Alldem «in« Zeit»»a" mit d«m b«llklr.stifch«n BciblattD«r Wandkrer" ersch«>nt, SonntaqS auSqrnommen, tâqlich imd briröpt der Pränumerali»nSprei» für Wiesbaden und , nach dem neuen Possre^ulariv nunmehr «ich für den aanzen umfang des Iburn» und TariS'schen SierwaliunftSbejirkS mit Znbigriff des Postausschlak« 2 fi., für die übrigen Sander deS deulsch.âsserreichischen Postuerrin«, wie für daS Ausland 2 ft. 24 fr. Inserate werde, die »iersfaltix petitjeile oder deren Raum mit 3 lr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Die Türkei und die Umsturzpartci.

Nach der Volsmeinung deutet es langes Leben für einen Menschen an, wenn ein unbegründetes Gerücht ihn todt gesagt hat. Wir vermuthen fast, sagt diePresse", die Türkei befinde sich in diesem Falle. So oft dort ein wichtigeres Ereigniß vorfällt, so oft sie in Conflict mit anderen Mächten geräth, rufen alle Blätter: die Türkei ist todt, die Türkei liegt in den letzten Zügen. Da nun wichtige Ereignisse freilich fast zu häufig im Reiche der Osmanli auftauchen, und Conflicte mit dem christlichen Mächten mehr als gut und zuträglich, so hat sich Europa allmälig so sehr, an den Gedanken ge- wöhnt, daß die meisten Leute nach jeder vorübergegan­genen Krisis in der Türkei verwundert die Köpfe schüt­teln und auf den nächsten Fall um so unfehlbarer den Untergang des Türkenreiches erwarten. Wir halten diese allerdings weit verbreitete Meinung für ein Uebel, wir erachten sie, mindestens für die nächste Zukunft und auf längere Zeit, auch für unbegründet. Daß ein Reich von dem Umfang, der Seelenzahl und der geo- graphischen Bedeutung, wie das türkische von der Karte Europa'S, Asien's und Asrica's verschwinden könne, ohne vorhergegangenen langjährigen und blutigen Kampf, ohne die schwersten Verwicklungen in der europäischen Staatenfamilie ist nahezu undenkbar. Eben deßhalb knüpfen sich Hoffnungen der Umsturzpartei an eine solche Eventualität; die Eintracht der großen Mächte bringt sie zur Verzweiflung; sie hat also ein Interesse daran, in der öffentlichen Meinung ein Ereigniß als nahe bevorstehend, als unabwendbar darzustellen, von dem eine tüchtige Verwicklung zu erwarten wäre. Die Existenz der hohen Pforte ist durch europäische Verträge garantirt, und keine der Großmächte will an diesen rütteln, so lange die türkische Regierung selbst sich nicht im Widerspruch mit den Anforderungen stellt, welche die Grundsätze der Staatenordnung Europa's allen Ländern des Kontinents unabweislich auferlegen. Nicht sowohl ein organisches Leiden, als selbst begangene Fehler haben der hohen Pforte die Gefahren der letzten Zeit bereitet; es hängt somit lediglich von ihr selbst ab diese Gefahren zu beseitigen z und j für alle Zukunft zu vermeiden. Wie einst ein abenteuernder nordischer- nig, so hatte neuerdings die in dem christlichen Europa aus's Haupt geschlagene revolutionäre Partei es ver­sucht, die Türkei zum Stützpunkt zu wählen, von wel­chem sie den geheimen Krieg gegen Ordnung, Recht und Sitte forsühren könne, und bedauerlicher Weise war auch jetzt wieder die türkische Regierung so ver­blendet, die gefährlichen Freunde auszunehmen und zu schützen. Es ist wohl kein Grund zu zweifeln, daß die hohe Pforte nicht den begangenen Fehler einsieht, und daß die Nachbarstaaten künftig keine Veranlassung zu begründeten Beschwerden in diesem Betreff haben werden. Ebenso sind die Absichten deS gegenwärtig regierenden Sultans, der darin in die Fußtapfen seines gerechten Vaters tritt, in Betreff seines christlichen Unterthanen die besten und wohlwollendsten. Wenn nun dennoch besonders in neuerer Zeit, die zahlreiche christliche Be­völkerung der europäischen Türkei viele und schwere Be­drückungen von Seiten der Pascha's und der türkischen Be­hörden erlitt, so daß die christlichen Monarchen sich in ihrem Gewissen aufgefordert fühlen, ihr mächtiges Wort gegen die an den Glaubensgenossen verübten Gräuel und Gewalthaten zu erheben, Bürgschaften für deren ruhige Existenz und ungestörte Glaubensfreiheit zu for­dern, so steht die Erfüllung dieser billigen Verlangen in principiellem Einklang mit den öfter ausgesprochenen und feierlich verkündeten frühern Cdictcu des Großherrn und seines Vaters und Vorgängers in der Regierung, kann demnach entfernt nichts demüthigendes für die Pforte haben. Durch ihre Theilnahme an dem internationalen Verkehr in allen seinen Richtungen ist die Türkei eingetreten in die Rechte der geordneten Staatenfamilie des Welt­theils ; sie hat sich nur die Pflichten zu vergegenwärtigen die damit nothwendig verbunden sind, um auch der Vortheile dieses für sie allerdings noch neuen Standpunktes theilhaftig zu werden. Wie das k. k. öster­reichische Cabinet, das sich vorzugsweise berufen fühlt, das konservative Princip, die guten alten Traditionen der Treue und der Loyalität im internationalen Verkehr zu vertreten und lebendig zu erhalten, in dem neuerlichen Vorschreiten , zu welchem das Benehmen der Türkei cs genöthigt, nur von diesen Absichten geleitet wurde, und durch den dargelegten Ernst die hohe Pforte lediglich auf die Linie hinweist, welche zu ihrem eigenen Besten einzuhalten ist, so wird auch der hochherzige Monarch, dessen Weisheit, Besonnenheit und Größe sich seit sei­

ner Thronbesteigung, und namentlich auch in den schwie­rigsten Verhältnissen der letzten Jahre, so bewunderns­würdig bewährte, so wird auch Rußlands Kaiser, wir sind lebhaft davon überzeugt, von der Türkei nichts heischen, was ihre Integrität und Landeshoheit verletzte. Mit Einsicht, Klugheit und Staatsweisheit regiert, kann die Türkei noch lange in Europa bestehen.

Derrtschlnnd.

* Wiesbaden, 11. Mai. Zur Vervollständigung unseres gestrigen Beuchtes über die am 9. in der vereinigten Kammern begonnenen Büdgetsver- Handlungen bemerken wir nachstehendes: Die An­forderung für das herzogliche Haus betragen die gewöhnliche Summe von 352,193 fl. 42 kr., 300,000 fl. für die Herzog!. Hofhaltung und Chatoulle 32,193 fl. 42 kr. für das Witthum I. k. Hoheit und 20,000 fl. für Apanagen. Berichterstatter war der Abgeordnete und bischöfliche Commissarius Wilhelmi. In Be­zug auf die Anforderung von 3000 fl. für den Ge­halt des geheimen Cabinetsrathes, 10,000 fl. für den Staatsminister und 1200 fl. für den Secretär derselben beantragte der Abgeordnete von Eck die­selben einstweilen, wegen mittlerweile noch nicht er­folgten Beschlusses über den Gesetzentwurf, die Organi­sation der Centralorganisation bett., nicht zu bewilligen. Die Kammern erklärten sich gegen den Antragsteller und genehmigten die betreffende Gesammtexigeiiz von 63,387 fl. 52 kr. Die Anforderungen für die Landesbank (15,820 fl. 30 kr.), für das Landesarchiv zu Id­stein (5669 fl. 14 kr.), für die Rechnungskam­mer (52,806 fl. 14 kr.) wurden, so wie die Anforde­rungen von 47,415 fl. für das Justizministerium; für das Oberappellationsgericht 28,375 fl., für das Hofge­richt in Wiesbaden 39,318 fl. 56 kr., für jenes in Dillenburg 29,985 fl. 54 kr., für das Crimiiialgericht in Dillenburg 20,080 fl. 45 kr., für das Criminalge- richt in Wiesbaden 19,725 fl. 8 kr., für die Justiz ämter 132,385 fl. bewilligt.

Bei der Debatte über Verwilligung dieser Anforde­rungen wurde wiederholt (insbesondere von den Abg. Rau und Braun) der, Wunsch nach Vereinfachung deS Geschäftsganges und Verminderung des Personals ausgesprochen und schließlich die Regierung um einen Erlaß ersucht, daß Arbeitsstrafen auch in Arreststrafen umgewandelt werden können. Ueber diesen letztern Ge­genstand sprach der Abgeordnete Metzler. Für das Zuchthaus zu Diez werden 26,228fl. 49 kr. verbilligt; für das Correctionshans zu Eberbach 32,634 fl. 47 kr. Bei der Verwilligung der Anforderung für die Rech­nungskammer sprach die Ständeversammlung den Wunsch aus, daß die frühere bessere Gemeinderechnungsstellung wieder eingeführt werde.

Das Militärbudget beträgt 498,666 fl. 45 kr. Der Ausschuß beantragte die Verwilligung dieser Summe, empfahl jedoch Ersparungen durch Vereinfachung der Centralverwaltungh Reduction des Truppenbestandes auf die bundesmäßige Zahl, Verminderung der Anzahl der Auditeure und Militärärzte rc. Die Versammlung trat diesem Antrag bei. Bezüglich der Kriegsschule, die jetzt nur 4 Schüler zählt, wird nach-längerer Debatte beschlossen, die Regierung um Schließung derselben bis auf weiteres zu ersuchen. Nach einer Mittheilung des RcgierungScommiffärs steht der Abschluß eines Bertta geS mit Kurhessen in Aussicht, nach welchem unsere Offiziersaspiranten die Kriegsschule in Kassel besuchen sollen. Gegen diesen Anschluß an eine auswärtige An­stalt und für den Fortbestand der im Lande bestehenden sprachen die Abgg. Rau und Bellinger, indem sie hervorhoben, daß durch diesen Anschluß eine Ersparung nicht erzielt werden.

* Wiesbaden, 11. Mai. Heute Morgen stürzte ein Geselle des Dachdeckers Lenckel Namens, CaSpar Weyland von Alsfeld von dem Dache eines in der unteren Webcrgasse im Bau befindlichen Hauscs. Er blieb auf der Stelle todt. Noch gestern soll er vom Meister seiner Tollkühnheit wegen zu größerer Vorsicht ermahnt worden sein.

< Biebrich, 10. Mai. Die Herzogl. Winter­gärten dahier sind nun seit dem 1. d. MtS. geschloffen, nachdem abermals Tausende von Fremden Genuß und Erholung'in dieser großartigen Kunstanlagc gesucht und gesunden haben, wodurch Biebrich auf eine für seine Bewohner höchst vortheilhaste Weise belebt war. Wenn aber auch die Herzoglichen Wintergärten an einfach- edler Großartigkeit und Kunst im verflossenen Winter Nichts zu wünschen übrig ließen; so wird uns der nächste Winter dennoch einen Genuß bringen, der alles

Frühere bei Weitem übertreffen wird, und ich halte eS für meine Pflicht, das Publicum besonders die Gartenfreunde in der Nähe und Ferne frühzeitig darauf aufmerksam zu machen. Ich kann. aus zuver­lässigster Quelle mittheilen, daß mit dem Monat April des kommenden Jahres in den hiesigen Herzoglichen Wintergärten eine B lum e n a u S ste l l un g i m groß­artigste u Maßstabe soll veranstaltet werden, wo­bei die Nachbarstaaten, sowie Belgien unb Eng­land rc. sich betheiligen werden. Behufs der Unter- brmgung der cingesandten Blumen und Pflanzen wird für die Zeit der Ausstellung ein sehr geräumiges und geschmackvoll eingerichtetes Local erbaut und mit den Herzoglichen Wintergärten in Verbindung gesetzt wer­den. Die Kunstgärtner in der Nähe und Ferne dürf­ten eine besondere Anregung zu recht zahlreicher Be­theiligung vielleicht darin finden, daß Se. Hoheit der Herzog, dieser hochherzige Beförderer und ^Beschützer der Kunst, die Gnade gehabt hat, Preise bis zum Betrage von 300350 fl. für die Bewerber auszusetzen, wodurch Demjenigen, der das Glück hat, einen der Preise zu erhalten, nicht nur die Vergütung seiner Kosten und Mühe, sondern auch eine schöne Belohnung zur Aufmunterung zu Theil wird. Mit großer Freude ist die Nachricht an diesem schönen Unternehmen in unserer Stadt ausgenommen worden, und Jeder wünscht das Zustandekommen und ungestörte Fortschreiten dieses Projectes, das von Sr. Hoheit dem Herzog in so edel wohlwollender Absicht angeregt wor­den ist, und die zahlreichste Betheiligung aller Blumen­freunde verdient.

Kassel, 7. Mai. Die zweite Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung für die Wiederherstellung des schönen Denkmales reinsten deutschen Baustyls, der Kirche der heiligen Elisabeth zu Marburg, eine Summe von über 20,000 Thlrn. genehmigt.

Wie man hört, wird eine der ersten Vorlagen der ersten Ständekammer ein Anttag sein, dem Hochwürdig­sten Bischöfe von Fulda wegen besten Unabkömmlichkeit zu gestatten, einen Stellvertreter zu senden, da man wünscht, daß die katholische Kirche nicht unsteten bleibe. JM^Uebrigen wsrd diesmal die erste Kammer vollständig versammelt sein.

Weimar, 9. Mai. In Folge der hier gchalte- uen Konferenz ist der Bau der W e r r a b a h n, welche die bayerische Bahn mit der Thüringer und hiermit den Norden und Osten mit dem Süden und Westen ver­binden soll, nunmehr definitiv beschlossen und der thüringischen Eisenbahn - Gesellschaft die Concession zur Ausführung derselben ertheilt.

Coburg, 9. Mai. Heute sind die Mitglieder des Staatsministeriums hier eingetroffen. Morgen wird der gemeinschaftliche Landtag beider Herzogtümer und zwar als der erste seit der Union beider Landestheile von Sr. Hoheit dem Herzog in Person hier eröffnet worden. Man zweifelt daran, daß der Onkel des Herzogs, der König Leopold hierher kommen wird, da er aus eine Einladung seines Neffeu die Antwort er­theilt hat, daß es ihm angenehmer sein würde, densel- I beu in dem aus seiner Reiseroute liegenden Gotha zu begrüßen.

Stettin, 7. Mai. Der Stettiner Zeitung wird ans Berlin geschrieben, daß eS in der Absicht der Re­gierung liege, Stettin vom Jahre 1854 ab zum Frei­hafen zu erklären. Demzufolge müßte die Erbauung der Docks bis 1857 vollendet sein.

Königsberg, 7. Mai. Einen eigenthümlichen Blick in die Lage der unteren Votksclassen unsere- Orts gewährt der Uuistand, daß die Anzahl der auf dem hiesigen Leihainte versetzten und binnen Jahresfrist nicht ausgelösten Gegenstände zu einer solchen Höhe angewachscn ist, daß die Versteigerung derselben bereits einen Zeitraum von sieben Wochen in Anspruch nimmt, wobei bemerkt wird, daß die Effecten, deren Werth der Darlehnnchmer nut zur Hälfte erhalten hat, a tont prix verkauft werden.

Berlin, 8. Mai. Seine Majestät der König hat vorgestern dem Herzoge von Brabant den Schwarzen Adlerorden verliehen und eigenhändig die Insignien deffelben ihm überreicht. Der Herzog legte diesen höch­sten Orden Preußens sofort an und trug ihn während des Diner. Nach beendigtem Diner überreichte derselbe in Begleitung des belgischen Gesandten, Barons von Nothomb. das große Band des Leopold-Ordens dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen. Heute Mor­gens wohnte der König der Belgier mit dem Herzoge von Brabaul in Potsdam der Parade bei; sie nahmen dann in Begleitung Alexander von Hnmloldt's die