Nassauische Allgemeine Zeitung.
Wr 108.
Dienstag den 10. Mai
1853.
Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" mit Lem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Tburn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS PostausschlagS 2 fl., für die übrigen Länder LeS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 tr. — Inserate werden die viersxaliix Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W, Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu macken.
Amtlicher Theil
Vienstnachrichten.
Oberlehrer Christfreund an der Mädchenschule der zweiten Abtheilung der Elementarschule zu Wiesbaden ist am 19. März mit Tod abgegangen.
Oberlehrer Anthes an der höheren Töchterschule zu Wiesbaden ist zum Oberlehrer an der Mädchenschule der zweiten Abtheilung der Elementarschule daselbst, Lehrer Hehn er von dieser Abtheilung zum Lehrer an der höheren Töchterschule, Lehrer Gärtner von der ' ersten Abtheilung zum Lehrer an der zweiten Abtheilung ernannt und der mit Versetzung der Lehrvicarstelle zu Tringenstein beauftragte Schulcandidat Paul zur Versetzung einer Lehrgehülfenstelle an die erste Abtheilung der Elementarschule zu Wiesbaden dirigirt worden.
Nichtamtlicher Theil
Zeitungsschau.
Die römische Hierarchie in Holland — Mazzini und die Energie deS sardinischen Ministeriums — Moralische und materielle Theilung der Türkei.
Die Oesterreichische Correspondenz findet es schwierig über die neueren Vorgänge in Holland ein unparteiisches Urtheil zu fällen, da die verschiedenartigsten Beweggründe dabei thätig waren und weit auseinander liegende Gesichtspunkte in einanderzufließen scheinen. Den Anstoß zu der gegenwärtigen Bewegung der Geister in den ^Niederlanden gab bekanntlich die Einführung der römischen Hierarchie. Die Oest. Corr, hat diesen Gegenstand seiner Zeit einer längeren Erörterung unterzogen und kann abermals nur beklagen, daß ungeachtet der anerkannten Besonnenheit und Verständigkeit des holländischen Volkes, alte vorgefaßte Meinungen die Oberhand erlangen und eine politische Krisis herbeiführen konnten. Der Streit hat sich von dem religiösen Gebiete bereits entfernt, seine nächste Veranlassung wirkt nicht mehr ausschließend, wie Anfangs, gedacht; er hat sich verwickelt und ein neues Element in sich ausgenommen, nämlich die Frage über die Grenzen der königlichen Executivgewalt. Die hierüber seitdem aufgetauchten Discussionen erinnern zum Theile an den französischen Hader über die genaue Begriffssonderung des regner und gouverner. Das Ministerium Thorbecke, dessen Präcedentien bekanntlich in das Jahr 1848 zurückreicheu, glaubte seine Entlassung geben zu müssen, weil mehrere Landesdeputationen sich mit Umgangnahme von demselben zunächst bittlich an den König gewendet und von ihm die allgemeine Zusage fürsorglicher Schlichtung des plötzlich aufgetauchten Streites erlangt hatten. Das monarchische Gefühl der Nation erwies sich stärker als eine abstracte Anschauung, deren Geltung sich dann am wenigsten bewährt, wenn tiefe Gefühle eines Volkes durch ein unvorhergesehenes Ereigniß angeregt werden. Nachdem aber das Ministerium Thorbecke seine Entlassung sogar in einem der Würde des Monarchen nahe tretenden Schriftstücke anzubieten keinen Anstand genommen hatte, blieb diesem, als dem Träger der höchsten Gewalt im Lande Nichts übrig, als die Bildung eines neuen, den monarchischen Grundsätzen mehr conformen Cabinets vorzunehmen. — Das Programm des neuen Ministeriums bietet die unzweideutige Bürgschaft, daß es seines hohen Beruses eingedenk bleiben wolle und werde, der Monarchie in diesem Lande eine feste Stütze zu bilden und gegen gewisse auflösende, dem Genins des Landes durchaus unzusagende Tendenzen mit Entschlossenheit anzukämpfen. Dieses Bestreben nach Stärkung des königlichen Ansehens wird allenthalben, wo man von der Größe und der Wahrheit der Idee der Monarchie lebhaft durchdrungen ist, gerechte Anerkennung finden. Wir haben demnach Ursache, so schließt die Oest. Corr., dem Walten des neuen Cabinets mit Vertrauen entgegenzusehen, so wie wir von der erprobten Weisheit Sr. Majestät des Königs mit Recht erwarten dürfen, es werde ihm gelingen, die Geschicke seines Reiches vor wie nach mit Festigkeit und Ruhe zu bestimmen. An diese Zuversicht knüpft sich denn auch die berechtigte Hoffnung, gerade vermöge seiner unmittelbaren Dazwischenkunft werde der Kirchenstreit, sobald die jetzt aufgeregten Leidenschaften sich beschwichtigt haben werden, einen den gerechten Ansprüchen der römisch-katholischen Kirche und den Interessen des Landes gleichmäßig zusagenden Ausgang nehmen. Was die rein politische Wirksamkeit der nie
derländischen Regierung betrifft, so zweifeln wir nicht, daß es ihr im festen Zusammenwirken mit der königlichen, in diesem Lande hochgeachteten, tief wurzelnden Gewalt gelingen werde, so wie sie selbst zugesichert hat, innerhalb der grundgesetzlichen Schranken und zum allgemeinen Wohle das Ansehen and die natürliche Macht des Souveräns' angemessen zu befestigen.
Der Auffindutig eines Mazzinischeu Manuscriptes in Turin legt die „Oest. Correspondenz" keine große Wichtigkeit bei, auch sieht dieses Blatt in dem diesfälligen entschiedenen Borangehen der sardinischen Regierung kein besonderes Verdienst, indem die Revolu- tionspläue von Mazzini gegen jedes legitime Princip, somit auch gegen das in Turin gerichtet sind. Mazzini repräsentire nicht die ganze italiänische Revolutions- Partei; erst wenn iw in allen ihren Verzweigungen von allen Regierungen Italiens scharf überwacht und ihr die Mittel zur Erreichung ihrer Absichten entzogen werden, erst wenn es als eine lebendige Wahrheit überall erkannt wird, daß jede gegen einen Thron gerichtete Machination auch alle anderen und namentlich die zunächst stehenden untergrabe; erst dann sei der Revolution als solcher der Lebensfaden abgeschnitten, und werde mit ihr auch èie specifisch Mazzinische Re
volutionSpartei zur Ohnmacht Herabfinken.
Eine briefliche Mittheilung aus Constantinopel in der „Tr. Ztg." erklärt die gegenwärtige Stille für die Ruhe vor dem Sturme. Rußland habe offenbar
die moralische Spaltung der Türkei beschlossen.
Red. der „Tr. Ztg." m cht ein Fragezeichen dazu; die
„A. Allg. Ztg." indessen scheint wie die „Presse" bemerkt ähnliche Muthmaßungen ohne Fragezeichen auszu- sprechen, wenn der Fortgang ihrer begonnenen Artikel über Constantinopel und seine Umgebungen, dem Anfang entspricht.) Ein Mittel Rußlands sei dazu, daß es die übrigen Mächte gewonnen habe, sich für die christlichen Unterthanen der Pforte zu verwenden. (Es wäre wohl zu verwundern, wenn die Mächte erst aus St. Petersburg darauf aufmerksam gemacht worden wären, wie die Christen behandelt werden; die Unterstellung ist übrigens nicht richtig, eben so, wie der Berichterstatter Ursache und Wirkung verwechselt, wenn er sagt:) Durch diese amtliche Erklärung (zu Gunsten der Christen) haben die Mächte der Pforte jeden Weg zur selbstständige», freiwilligen Vollstreckung des Hattischerifs von Gülhane versperrt, — hiemit auch jedes Verdienst, das ihr in einem solchen Falle zukommen konnte, und welches das Ansehen, die Popularität jeder Regierung ihren Unterthanen gegenüber bedingt, unmöglich gemacht ^Nachdem der Berichterstatter hinzligefügt, daß der Pforte Recht geschehen sei, führt er aus, daß England sein Wohlwollen in üble Laune verkehren dürfte, sobald es erfahren, daß seine Eisenbahnpläne in der Türkei zunichte würden. Zuletzt kommt er zu dem Schluffe, daß Rußland, nachdem die Verwirrung auf das Höchste gesteigert worden, der Pforte einen gefährlichen Schutz werde angedeihen lassen.
Deutschland.
*f Wiesbaden, 9. Mai. In der heutigen Sitzung der vereinigenten Kammern begannen die Berathungen über das Budget. Die in einer besonderen Vorlage von Seiten der Regierung gemachte Anforderung von 6000 fl. für Wiederbesetzuug der Gesandtschaftsposten in Wien, Berlin und im Haag zur Unterhaltung der diplomatischen Beziehungen wird genehmigt. Die Anforderung für das Herzogliche Haus (Hofhaltung und Schatulle, Witthum und Apanagen) wird gleichfalls genehmigt; ebenso die Auforde^ rungen für das Gesammtmi nisteri um, die Landesbank, daS Landesarchiv, die Rechnungskammer und die Justizverwaltung. Vom Mi- litärexigenzetat wird ein Betrag von 30 fl., welcher für das Auf- und Abschlagen der Schwimmschule angefordert war, gestrichen; im Hebriden die angeforderte Summe genehmigt. — In den Ausschuß für die Regierungsvorlage, die Einführung eines billigen Viehsalzes betr., wurden gewählt: Braun, Vogler, Knapp.
Der in der Zo llverei ns fra ge von der ersten Kammer am 7. Mai einstimmig gefaßte Beschluß ging dahin, den Abschluß der Verträge, der unter Mitwirkung der Regierung erreicht wurde und lange gehegte Wünsche aller deutschen Volksstäinme zu erfüllen geeignet sei, freudig zu begrüßen und der Regierung den Dank dafür auszusprechen. Die Kammer trat ferner einstimmig dem von dem Ausschüsse gestellten Anträge bei, „den Verträgen, wie sie dermal vorliegen, die Zustimmung zu ertheilen." Gleiche Zustimmung erhielten die weiteren,
für die bevorstehenden und von Jahr zu Jahr wiederkehrenden Verhandlungen gestellten Anträge: 1) Einwirkung auf die Beseitigung der Uebergangssteuern, namentlich der auf Weine. 2) Abwendung der Gefahren, welche dem Weinbau und der Eisenindustrie von Nassau, durch Herabsetzung der Zölle auf ausländische Einfuhr drohen. 3) Verwirklichung einer Gleichheit in Maaß, Gewicht und Geld. 4) Mitwirkung zur Herstellung einer Statistik für Ackerbau, Gewerbe und Handel, die den ganzen Zollverein umfaßt.
Frankfurt, 7, Mai. Auch aus dem Commis- sariate Frankfurt ist aus Anlaß der letzten Erklärung der hochw. Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprovinz eine Adhäüonsadresse von dem bischöflichen Commissarins, Domcapitular Beda Weber und sämmtlichen ihm untergebenen Geistlichen gezeichnet, an den hochw. Bischof in Limburg gelaugt.
Man versichert, daß in der letzten Zeit zwischen Oesterreich und Preußen sehr rege diplomatische Erörterungen stattgefunden haben, um eine Verständigung über mehrere wichtige Fragen, die bereits am Bundestage autzäirgig sind, u. über weitere Angelegenheiten, die hier in Antrag gebracht werden sollen, auzubahnen. Diese Verhandlungen sollten nunmehr zum Schluffe gelangt sein und dem zufolge nun jene Gegenstände in der Bundesversammlung zur Entscheidung gebracht werden. Als eine der Fragen, über die zunächst die Berathungen wieder aufgenommen werden würden, bezeichnet man
(Die I die „normativen Bundesbestimmungen für Regelung der
Presse. „
Augeregt durch die großen Tabaksaufkäufe, welche die kais. österr. Regierung in Ermangelung der betreff senden Quantitäten in Oesterreich während der letzten Jahre in der Pfalz gemacht, hat ein hier lebender österr. Grundbesitzer zur Einführung der Pfälzer Tabakscultur in dem Kaiserstaate einen damit vertrauten Land, mann auf ein in Mähren gelegenes Gut gesendet. Man darf mit Recht in dieser Thatsache den ersten Schritt zu einer höheren Ausbildung und Ausdehnung jener Cultur in den fruchtbaren Gefilden Oesterreichs erblicken.
Nach der L. C. soll der auf Nonactivitätsgehalt für 1 Jahr gefetzte frühere Marine-Rath Dr. Jordan bald eine anderweitige passende Stellung in den Büreaux der Bundesversammlung erhalten.
Bad Homburg , 7. Mai. Se. Durchlaucht der Herzog v. Augustenburg ist mit seiner Familie hier eingetroffen und wird längere Zeit hier velweilen; auch Lord Londonderry hat eine große Wohnung hier gemiethet ; wie verlautet wird auch der Prinz Lucian Canino in nächster Zeit wieder hierherkommen.
Darmstadt, 9. Mai. Die Gründer der hiesigen Bank für Handel und Industrie sind heute zusammen« getreten, um die Bankverwaltung zu constituireu. Am HimmelfahrtStage war in Weinheim an der Bergstraße, wie schon früher öfters, ein Mahl veranstaltet, zu welchem sich eine größere Zahl der Freunde H. v. Gagerns aus Hessen, Baden une der Pfalz einfanden. Zu den Theilnehmern zählten außer H. v. Gagern von bc« saunieren Namen Gervinus, v. Soiron, v. Vaugerow, Häusser, Reh und mehrere Grundbesitzer aus der Pfalz und Rheinhesse».
Ludwigshafen, 3. Mai. (Pf. Ztg.) Unsere Ludwigsbahn hat im abgelaufenen Monat April 30,047 fl. mehr eingenommen als im entsprechenden Monat des Vorjahrs.
Frankenthal, 8. Mai. Der frühere Landtags. Deputate und ehemalige Bundestagsgesandte, Advocat Willich, starb diesen Morgen nach einem langen schmerzlichen Krankenlager in seinem 63. Lebensjahre. Willich war in Hanau geboren.
München 6. Mai. Nach einer Bekanntmachung der Ministerien des Aeußeru und des Innern im heutigen Regierungöblatte müssen Engländer, welche in Bayern reifen wollen, gleich anderen Reisenden fortan ihre Pässe von einer bayerischen Gesandschaft visiren lassen.
Aus Thüringen, 7. Mai. Am 17., 18. und 19' d. Mts. wird die fünfte allgemeine deutsche Lehrer- versammlung im Kurhaussaale des meinigischcu Städtchens Salzungen abgehalten werden.
Köln, 7. Mai. Heute fand eine Generalversammlung der Actionäre der rheinischen (kölnischen) Dampfschifffahrtsgesellschaft statt, in welcher ein zwischen diese, und der Düsseldorfer Gesellschaft abgeschlossener Vertrag vorgelegt und genehmigt wurde. Nach demselben werden künftig die Dampsboote beider Gesellschaften nach einem gemeinsamen Fahrplane und unter gemeinsamen Tarifen für gemeinschaftliche Rechnung den Rhein