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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Samfiag den 7. Mai

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DieNassauische Ailgemeine Zeiluuj," mit dem beUettistischeu BeiblattDer Wanderer" rrfcbrtnt, Sonntags ausgenommen, tägli» uns beträgt der PrâniimerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Pollregulauv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Ldurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PoffaufschlagS 2 fl., für die übrigen Länder oeS deulfch-österreichischeu PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden di« »ierspaltex Pelitzeile oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in' der Buchhandlung don W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgtlegenen Postämtern, zu machen.

gen. Der erste Communisteneongreß fand im Jahre 1846 statt und auf ihm wurden jene Statuten entwor­fen , welche man 1849 bei Hetzel in Berlin auffand, und nach welchen der Bund bereits über gavz Europa verbreitet sei, mit dem bestimmt ausgesprochenen Zwecke, die Einführung einer allgemeinen Republik zu erstreben, den Besitz der Reichen zu vernichten, die Herrschaft der Arbeiter zu begründen. Zugleich wurde festgestellt, daß 10 Personen eine Gemeinde, 10 Gemeinden aber einen leitenden Kreis Hilden sollten. Daneben wurde die Er­richtung von größern Handwcrkervcreiuen empfohlen, die man als Vorschulen für den Communismus benützen müsse, indem man die zuverlässigsten Mitglieder nach und nach mit den communistischen Grundsätzen bekannt und vertraut mache, bis sic reif genug geworden, in den Bund selbst ausgenommen zu werden.

Gegen das Jahr 1848 zogen sich die communisti­schen Flüchtlinge, die meistens aus Deutschen bestanden und die Leitung des Bundes hatten, der Heimath immer näher; so unter Anderen der bekannte Communisten­führer Marx, so daß es kam, daß der Hanptsitz dersel­ben anfänglich nach Paris, später aber nach Brüssel und endlich als die Verhältnisse sich immer günstiger gestalteten, im Februar 1'848 nach Köln verlegt wurde. (Überall fand man damals hunderte von Mitgliedern über Deutschland verbreitet, die an den kurz darauf eintretenbeii Ereignissen den thätigsten Antheil nahmen, ja dieselben vielfach herbeiführten und verbreitet hatten, so daß cs jetzt erklärlich erscheint, daß an so vielen Orten bisher ganz fremde Menschen auf einmal öffent­lich auftretèll konnten und auch sogleich einen großen Haufen als Auhäugcr hinter sich hatten. Indessen führte das Jahr 1848 doch mehr oder weniger eine Störung im Communistenbunde herbei, indem derselbe jetzt nicht mehr als Bund, sondern als Partei auftrat. Auf den Congressen zu Frankfurt a. M. und zu Berlin suchte man sich über eine Verfassung zu einigen, ohne daß es möglich geworden wäre, die Opposition verstum­men zu machen, welche behauptete, der Communismus mit seinen gegenwärtigen Ideen sei ein unausführbarer Unsinn, namentlich die Idee von einer allgemeinen Re­publik, an deren Stelle man die konstitutionelle Mon­archie setzen solle u. s. w. Darüber verfeindeten sich die Führer auf das Heftigste, und als im Jahre 1849 die Revolution in Deutschland zu Grabe getragen wurde, und die deutschen Monarchen wieder ein festes Regiment zu handhaben begannen, da zogen sich sämmtliche Füh­rer, Adolf Mayer, Willich, Marx, Engels u. A. nach London zurück, wo man bald cinsah, daß e§ besser sei, zum zweiten Mals nicht wieder nach Deutschland zu gehen, sondern den alten Bund mit seiner Ceutralbc- Hörde wieder herzustellen, und wirklich waren diese Män­ner in ihren Bestrebungen ziemlich weit vorgeschritten, als die einmal im Bunde befindlichen revolutionären Elemente sich auf's Neue geltend zu machen versuchten, und eint ii neuen Zwiespalt zu Tage förderten, indem eine Partei unter Willich und Schapper erklärte, cs dürfe in Zukunft nichts, als eine Welt voll Arbeitern geben; nicht nur alles Eigenthum, dir Familie u. s. w. müsse abgeschafft, sondern auch alle und jede Bildung müsse beseitigt werden. Die Gegenpartei unter Marx und Engels behauptete, der Communismus unter dieser Form sei Unsinn, Bildung und Intelligenz dürfe und könne nicht beseitigt, die Familie und das Eigenthum nicht vernichtet werden, wenn nicht in kürzester Zeit eine allgemeine Barbarei cinreißen solle. Der Kampf der Führer beider Partei» führte zum vollständigen Bruche und beide Parteien sandten abgesondert von einander ihre Emissäre aus, was nur dazu beitragen konnte, den Bund und seine Bestrebungen der Polizei immer be­kannter zu machen. Die Partei des Marx und En­gels halte damals in Der Centralbehörde die Majori­tät, was indessen der Minorität unter Willich nnd Schapper keinen großen Kummer verursachte, da letztere die Cafle des Bundes, so wie die gesammte Corre- spondenz ii. s. w. in Händen hatte. Die Minorität, I bestehend aus 5 Mitgliedern, ging sogar so weit, die 7 8 Mitglieder zählende Majorität am 14. De­cember 1850 förmlich auszustoßen, worauf letztere unter Marx und Enge ls sich nach Köln wendete, um dort eine von der Londoner unabhängige Centralbehörde zu gründen, welcher auch Becker, Bürgers und andere bekannte Führer sich anschlossen. Diese Centralbehörde begann sofort ihre Emissäre auszusenden und einer der­selben war der in Leipzig verhaftete Schneidergesclle Nothjung, der die Veranlassung wurde, daß dem Treiben des Bundes zuerst mit Erfolg nachgeforscht wurde. Willich unb Schapper wendeten sich auch

Prozess Rominger.

(Fortsetzung.)

Während dieses Drama in Leipzig sich entwickelte, befand sich Dr. Stieber in London, wo damals die große Industrieausstellung stattfand, bei welcher Ge­legenheit bekanntlich die Londoner Polizei zur bessern Beaufsichtigung der zahlreich herbeiströmenden Fremden eine Unterstützung auch Seitens der deutschen Polizei­behörden sich erbat. Von Berlin aus wurde, um die­sem Wunsche zu entsprechen, Dr. Stieber in Begleitung von vierzehn Polizeibeamten nach London gesendet, und es war diese Sendung durchaus keine politische, son­dern eine rein polizeiliche und der Zeuge war während der Dauer der Ausstellung förmlich ein englischer Po­lizeibeamter, wurde als solcher von der Londoner Ober­behörde verpflichtet und empfing von derselben seine Verhaltungsbefehle. Sobald nun aber das preußische Gouvernement sichere Kenntniß von dem Bestände einer communistischen Centralbehörde in London erlangt, er­theilte es sofort dem Dr. Stieber den Auftrag, daß er, da er einmal sich in London befinde, Alles daran setzen solle, um das Communistengcspenst näher kennen zu lernen. Die zuerst in Köln, in Folge der Verhaftung Nothjungs, vorgcnommencu Verhaftungen von Bürgers und anderen Communisten, denen weitere in Hamburg sich anreihten, führten darauf hin, daß ein gewisser Oswald Dietz aus Wiesbaden der Secretär des com­munistischen Ccutralcomitcs in London sei, ferner daß dieses Centralcomite über bedeutende Geldmittel zu verfügen im Stande war, indem die dem Bunde an- gehörenderr Handwerksgesellen kleine Wochenbcilräge an dasselbe entrichten mußten. Zugleich gelang es dem Dr. Stieber unter den Flüchtlingen in London mehrere Flüchtlinge als Agenten für seine Nachforschungen anzu­werben, welche fiel, sofort mit Dietz, Willich, Schapper, Adolf Mayer u. A. in Verbindung setzten, ohne daß indessen etwas Erhebliches dadurch ans Tageslicht ge­kommen wäre. Die Sache zog sich in die Länge und Dr. Stieber verließ London, während einer seiner Agenten sich erbot, durch Bestechung sich wo möglich in den Besitz von Originalpapieren zu setzen. Der Zeuge ging darauf ein und wies den Agenten an, dergleichen Originalpapierc durch einen Courier nach Aachen zu befördern, von wo sie durch die Post unter seiner Adresse nach Berlin weiter gesendet werden möchten. Eines Tages erhielt denn Dr. Stieber auf dem be­zeichneten Wege auch wirklich ein starkes Paket in Packleinwand versiegelt, 'welches der erwähnte Agent irgend einem Communisten für eine bedeutende Geld­summe abgekauft haben wollte. Das Paket enthielt eine große Menge von Originalbriefen der verschieden­sten Personen, Berichte, Circuläre, Documente aller Art. Der Zeuge zweifelte anfangs an der Aechtheit der Papiere, da man derartigen Agenten nicht immer unbedingt trauen darf; allein bei näherer und sorgfäl­tiger Prüfung aller Umstände, der Daten, Poststempel, Handschriften u. s. w., blieb kein Zweifel mehr übrig, daß wirklich alle diese Papiere echte Originale seien, wie denn auch selbst die Londoner Communisten erklär- ] teil, daß ihnen eine Menge von Originaidocumentcn gestohlen worden ; Zeuge weiß nicht, auf welche Weise der Agent sich in den Besitz derselben zu setzen wußte; man habe sie, wurde gesagt, zu hohem Preise ange­kauft, ein Vorgehen , von dem natürlich Dr. Stieber nicht weiß, ob es auf Wahrheit beruht oder nicht; während die Hauptsache, die Originalität der Docu­mente, fest stand und unangefochten blieb.

Diese ganzen Documente ergeben nun Folgendes. Der Communistenbund findet seinen Ursprung in Paris und läßt sich auf die dreißiger Jahre zurückführeu. Seine ersten Mitglieder waren flüchtige Handwerker, an deren Spitze sich ein gewisser Everbcck besonders be­merkbar machte. Die Verschwörung fand in Paris im­mer mehr Anhänger; man nannte sich den Bund der Geächteten, der Deutschen u. s. w.; man strebte immer mehr Handwerker an sich zu locken, denen man die com­munistischen Ideen in den Kopf zu setzen versuchte, was nur zu gut gelang, worauf die Angeworbenen und Au­gesteckten in die Heimath zurückgesendet wurden, um den neuen Ideen und Grundsätzen in immer weiteren Kreisen neue Anhänger-zu gewinnen, so daß fast jede Werkstätte in eine Propaganda des Communismus sich verwandelte. Eine eigentliche Centralisation besaß der Bund damals noch nicht, zog indessen doch^ die Auf­merksamkeit der französischen Regierung auf sich, wcß- Halc sich die thätigsten Mitglieder zuerst in die Schweiz, später nach London flüchteten oder sich dahin zurückzo-

an die Communisten zu Köln und luden dieselben ein, sich mit. ihnen zu vereinigen, eine Einladung, welcher indessen keine Folge gegeben wurde. Dafür wendeten sich jene, wohlerkenncnd, daß Frankreich der Hauptsitz des Communismus sei, an die Communisten zu Paris, um dieselben, sammt dem thätigen F-âhrer Adolph Mayer für sich zu gewinnen, ein Vorhaben, das voll­ständig gelaug-

Es befanden sich unter den Qriginaldocumcnten, welche der Agent aus London an den Zeugen nach Berlin gesendet hatte und die jener durch Bestechung aus der Wohnung des Sekretärs der communistischen Centralbehörde in London, des Oswald Dietz aus Wiesbaden sich verschafft haben wollte, ferner auch Pa­piere, welche genau angaben, wie viele kommunistische Gemeinden in Paris beständen, sich aus das Ausführ­lichste über die Wirksamkeit und die Verhältnisse der Pariser Communisten verbreiteten und sogar die voll­ständigsten Listen enthielten, aus denen man alle Namen der einzelnen Mitglieder der Pariser Communisten-Ge- meinben auf das Bestimmteste erfuhr. Die königlich preußische Regierung sah sich veranlaßt, der französischen Regierung in Paris Mittheilung über die gemachten Entdeckungen zu geben, zu einer Zeit, als auch schon die Pariser Polizei auf den Bund aufmerksam gemacht geworden und denselben beobachtete. Um die Spuren des Communismus mit besserem Erfolge zu erforschen und die Personen der Führer durch Verhaftung un­schädlich zu machen, wurde der Zeuge, wie früher schon nach London, so jetzt nach Paris gesendet, wo ihm seine erlangten Kenntnisse des Communismus und der Communisten natürlich sehr zu Statten kamen, während der Polizeidircetor Dr. Schulz sich von Berlin aus nach Köln, nach Hamburg und anderen deutschen Städten verfügte, um, wie Dr. Stieber in Paris, mit den be­treffenden Polizeibehörden gemeinschaftlich den Commu­nismus, seine Führer und Emissäre zu verfolgen. Es galt einen Schlag auszuführen, der, je schneller, über­raschender und allseitiger er geführt wurde, um so wirk­samer und erfolgreicher sich herausstellen nrußte. (Den Schluß der Aussage des Herrn Dr. Stieber werden wir in der nächsten Nummer bringen).

Die Nachuiittagssitzung des Assisenhofes am 4. dauerte bis gegen fünf Uhr, wo Steininger plötzlich er­krankte und wegen heftigen Erbrechens zu Bett gebracht werden mußte. In der auf den 5. Mittag von 114 Uhr anberaumten Sitzung wurde die Verlesung der Aktenstückes, bis auf zwei, beendet und die Aussagen der Experten über die Handschriften Reiningers vom Gerichtshöfe entgegen genommen. Herr Polizeidirector Dr. Stieber wohnte weder gestern Nachmittag, noch heute Mittag der Sitzung bei; er soll einen Ausflug nach Heidelberg und Mannheim unternommen haben und wird heute wieder in Mainz erwartet. Sowohl die Frau, als auch die Brüder Reiningers finden sich regelmäßig in den Sitzungen ein. Reiningers Gesund­heit scheint im hohen Grade angegriffen zu sein.

Veirtlchlnttd.

^ Vom südlichen Taunus, 29. April. (Ein Wort über die Deäuffichtiguug entlassener Corrcctionäre.) Die Correctionsaustalt hat, wie ihr Name andeutet, die sittliche Besserung der ihr überwiesenen Individuen zum Hauptzwecke. Daß dieser ohne den Einfluß der Reli­gion nicht erreicht werden könne, scheint die bezügliche Verordnung vom Jahr 1823, indem sie unter ihren Bestimmungen für die Lebensweise und Beschäftigung der Sträflinge auch auf die religiösen Uebungen bedacht nimmt, auzuerkenneu. Was nun auch im Correctious hause selbst in religiöser Hinsicht zur Besserung der Herzen und Veredlung der Gemüther geschehen mag, die dem bürgerlichen Leben zurückgegebenen Corrcctionäre beweisen häufig eine innere Umwandlung nicht. Viele fallen gleich wieder in die alten Laster, wegen deren sie der Freiheit des öffentlichen Verkekstö entzogen wurden, zurück, und qualificiren sich zum zweiten, ja zum dritten Male für'sEberbacher Kloster." Den noch der Stütze und Leitung Bedürftigen unter besondere, temporäre Obhut seines Pfarrgeistlichen, der allein geeignet auf dessen moralischen Zustand einzuwirken vermag, zu stel- leu, was doch so nahe liegend, als nothwendig ist, hat : man bis jetzt, so weit dem Schreiber dieses wenigstens bekannt, außer Acht gelassen. Zwar soll der Pfarr­geistliche schon ohne dies auf seinen zurückgekehrten Parochianeu sein Auge richten; aber, wenn er es nicht zufällig erfährt, weiß er oft lange Zeit hindurch nichts von der Ankunft desselben in seiner Gemeinde, weil der freigewordene Correctionär sich bei ihm nicht zu