Nassauische Allgemeine Zeitung.
JVr 104. Mittwoch de« 4. Mai 1853.
Die,,Naffamschc MUflemeinr Beitunfl'1 mit dem beUelristiscken Beiblatt „Der Wanderer" erftbetut, Sonntags ausgenommen, täglich unt beträgt der PränumerationspreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Poftregulaitv nunmehr auch für den ganzen Ilmfang deS rkurn-und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Poffausschlags 3 fl., für die übrigen Länder dcâ deutsch.österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 fr, — Inserate werden die Sieispaltix Petitjeilc oder deren Naum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedri ch, Länggasse 42, auSwârtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Zur Auswanderer.
Nach dem letzten Monatsberichte des Berliner Central-Vereins für die Deutsche Auswanderungs - und Colonisations-Angelegenheit scheinen die Züge der Auswanderer sich in diesem Jahre mehr als im vorigen über Havre und Antwerpen zu bewegen, auch scheinen viele Auswanderer die indirecte Route über England vorzuziehen. Im Interesse der Auswanderer selbst ist dies nur sehr zu beklagen, da die Einrichtungen der Bremer und Hamburger Passageschiffe im Allgemeinen denen der außerdeutschen bei Weitem vorzuziehen sind. Die wahrgenommene Erscheinung ist indeß erklärlich, da außerdeutsche Expedienten, da sie weniger für die Passagiere verwenden, ihre Agenten viel höher honorircn können als die Bremer und Hamburger. Diese haben durch die ausgedehnte Fürsorge für die Passagiere weit erheblichere Unkosten zu tragen und sind daher, wenn sie Preis halten wollen, genöthigt, die Provision für die Agenten zu beschränken. Die Auswanderer können nicht dringend genug auf dieses Verhältniß und aus die Vorzüge der dlrecten Einschiffung in Deutschen Häfen aufmerksam gemacht werden. — In Hamburg ist eine Verordnung erschienen, wodurch die Expedienten über England (indirecte Passage) einer strengen Controle unterworfen werden. Diese Verordnung verdient die vollste Anerkennung. — Aus Nord-America wird berichtet, daß für den Staat New-Jork eine weitere Verschärfung der Gesetze in Betreff der Einwanderer zu erwarten stehe. Es wäre zu wünschen, daß endlich dem empörenden Runner -Unfug in New - Jork durch die Gesetzgebung gesteuert, und in der vom Staate bestellten Einwandcrungs - Commission dem Deutschen Elemente eine stärkere Vertretung cingcräuml werde. Nach den einzelnen Nationalitäten ist die Zahl der Deutschen Einwanderer jetzt die stärkste, und die Deutschen gewähren daher auch verhältnißmäßig den größten Theil der dieser Commission zufließenden, sehr bedeutenden Einnahmen. Dennoch werden sie in der Einwandcrungs - Commission nur durch Ein Mitglied, den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft, vertretens Die Deutsche Gesellschaft in New-Jork fährt in ihrem rühmlichen Eifer jort, sich der Deutschen Einwanderer anzunehmen. Die niedrigen Anfeindungen gegen dieselbe scheinen sich nach und nâch, da Niemand ihrer achtele, zu legen, und die Erkenntniß ihrer wohlthätigen Wirksamkeit immer mehr zu verbreiten. Oeffentlich muß übrigens vor einem Runner- puff gewarnt werden, der schon viele Einwanderer in iu New-Jork verführt hat. Eine Runner-Gesellschaft hat sich nämlich das frühere Local der Deutschen Gesellschaft Greenwich-Street gemiethet und treibt unter dem Namen einer Deutschen Hülfsgesellschaft ihr Wesen! — AuS Mittel-America, und zwar aus Costa-Rica sind verschiedene günstige Berichte eingegangen. Das Klima wird als vorzüglich geschildert. — Nach Venezuela ist die Auswanderung durch den Ausbruch des gelben Fiebers in den Küstenstädten unterbrochen. Rühmend ist zu erwähnen, daß auf Anlaß des Herrn Glöckler, Consul für Venezuela zu Hamburg, das expedirende Haus Tiedge die von ihm für Venezuela engagirten Passagiere hiervon in Kenntniß gesetzt und sie ihrer Passage-Verträge entbunden hat. — Ueber die Auswanderung nach Chili ist dem Central-Verein eine Mit- theilung des Colonisations-Vereins für Chili in Stuttgart zugegangen. Hiernach ist dieselbe gegenwärtig nur schwach, obwohl von der Chilenischen Regierung sehr viel für die Einwanderer gethan wird. So lange die Regierung von Chili sich nicht entschließt, die factisch bestehende Religionsfreiheit auch rechtlich herbeizuführen und den Einwanderen einen Theil der Uebcrfahrtskosten vorzuschießen, wird dieses Verhältniß auch bleiben. — Brasilien nimmt in der Auswanderungsfrage fortwährend die öffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Stellung, welche in dieser Angelegenheit der Central-Verein einnimmt, hat ihm von einigen Seiten den Vorwurf feindseliger Angriffe gegen die Brasilianische Regierung zugezogen. Wie unbegründet dieser Vorwurf ist, weiß Jeder, welcher den Verhandlungen des Central- Vereins unbefangen gefolgt ist. Die Lage der Deutschen in Brasilien hat sich übrigens um nichts ge- beffert. Wir verweisen deshalb auf den früheren Bericht. ________________
Deutschland
* Wiesbaden, 2. Mai. Von Seite der Deca- nate Hadamar, Limburg, Meudt, Rennerod, Eltville, Oestrich und Wiesbaden sind aus Anlaß der letzten Erklärung der Hochw. Bischöfe der oberrheinischen Kir
chenprovinz Adhäsionsadressen an den Hochw. Bischof von Limburg abgegangen.
ä Aus der Grafschaft Catzenelnbogen,
1. Mai. Auch in hiesiger Gegend hat sich die Aus- wandernngslust in neuerer Zeit bedeutend vermehrt. In den jüngst verflossenen vierzehn Tagen sind aus Catzenelnbogen und seiner nächsten Umgebung 50 bis 60 Personen, meistens unverheiratet und arbeitsfähig, nach America ausgewandert. Nun ist auch endlich der schon Jahre lang auswanderungslustigen Gemeinde Niederfischbach bei Catzenelnbogen ihre Auflösung zur Auswanderung nach America höhern OrtS genehmigt wor- worden. Die Gemeinde zählt 120 Personen, wovon 81 auswandern und die übrigen 39 der Gemeinde Catzenelnbogen einverleibt werden. — Herr Ministerial- Revisor Gasteyer, welchem vom Herzog!. Staatsministc- rium, Abtheilung des Innern, die Geschäfte der Ge- meinde Niederfischbach zu ordnen und zu regeln übertragen worden war, hat sich durch feine Geschäftsgewandtheit, seinen Tact, seine Ruhe und Ausdauer ganz besonders ausgezeichnet. Es mögte manchem Anderen nicht gelungen sein, die weit auseinanderstrebenden Ele- mente und Sonderinteressen der Niederfischbacher so zu vereinigen.
/ Idstein, 2. Mai. Gestern ist unser in der Gelehrtenwelt rühmlich bekannte Archivdirector Dr. Friede- m a n n hier gestorben. Der verdienstvolle Sprach- und Geschichtsforscher und bewährte Schulmann erlag einem Anfall des Nervenfiebers.
$ Harheim, Amt Höchst, 2. Mai. Die Collecte für die durch den Hagelschlag am 18. Juli v. I. schwer heimgesuchten Bewohner Harheims ist in diesen Tagen verteilt worden. Durch gütige Mitwirkung des Herrn Kreisamtmanus zu Höchst, durch die verehrliche Redaction der „Nass. Allg. Zeitung" und durch die reichen Spenden der durch ihren Wohlthätigkeitssinn bekannten Frankfurter haben wir die hohe Summe von 834. fl. 19 kr. erhalten. Nach der umsichtigen Bestimmung Herzoglichen Kreisamtes sind besonders die wenig bemittelten Bauersleute bedacht worden. Wenn auch sämmtliche Bewohner Harheims durch das Unglück schwer betroffen wurden, so daß sie die Folgen noch nach Jahren empfinden werden, so sind doch besonders die geringeren ganbleute zu beklagen, und mancher Familienvater wußte nickt, wie er Lebensmittel in die Haushaltung schaffen könne, da Brodfrucht und Kartoffeln gar zu schmal ausgefallen sind und Säefrucht fast ganz fehlte. Diese schweren Sorgen sind nun durch die reichlichen Gaben wohlthätiger Menschen sehr gemindert worden; manches betrübte Herz ist getröstet. — Dank den edlen Gebern! Dank allen, die hierzu hilfreiche Hand geleistet! Der liebe Gott lohne es ihnen und bewahre sie vor ähnlichem Unglücke!
Mainz, 3. Mai. (M. I.) Da Herr Polizeidirector Stieber aus Berlin schon im Laufe des gestrigen Nachmittags hier eingetroffen, so konnten heute die Verhandlungen im Processe Reining er fortgesetzt werden. Die Sitzung begann um 9 Uhr Morgens mit der Abhörung der Zeugen, des Herrn Dr. Stieber und des Schneidermeisters Krissel aus Wiesbaden; letzterer ohne Beeidigung. Die Mittheilungen deö Dr. Stieber über den Communistenbund, die Art und Weise, wie man dessen Ausdehnung entdeckte, sowie über die Habhaftwerdung einzelner hervorragender Mitglieder des Bundes, namentlich des bekannten Cherval in Paris, dürften mit zu dem Interessantesten gehören, was in diesem Processe zur Verhandlung kommt. Nach beendigtem Zeugcnverhör begann die Vorlesung der zahlreichen und zum Theil sehr voluminösen communistischen Aktenstücke und Documente, von denen -bis ein Uhr Mittags zwei, die alten und neuen Statuten des Com- mnnistenbnndcs und das Manifest der communistischen Partei, beide, namentlich letzteres, höchst umfangreich, vorgelesen waren. Die Sitzung wurde sodann bis halb drei Uhr ausgesetzt.
Frankfurt, 2. Mai. (F. I.) Die deutsche Bundesversammlung hielt am 28. April eine Sitzung. Es hat in Zeitungen schon verlautet, daß die königlich preußische Regierung die Liquidation der Ausgaben beam tragt habe, welche ihr im Jahre 1848 aus dem Transporte flüchtiger Polen erwuchsen. Die Bundesversammlung hat, wie man vernimmt, in ihrer letzten Sitzung beschlossen, daß die allen Regierungen aus jenem Transporte entstandenen Kosten besonders zu liquidircn und auf alle Regierungen umzulegen seien. — Ueber die Revision der Geschäftsordnung der Bundesversammlung werden, wie wir hören, in den nächsten Wochen weitere
Verhandlungen gepflogen werden. — Der hier seiner statistischen Thätigkeit lebende Freiherr von Reden hak, wie man vernimmt, die Bundesversammlung angegangen seiner Thätigkeit durch materielle Unterstützung Vorschub zu leisten. — Der seither in Frankfurt domicilirende und durch seine böhmischen Dorfgeschichten bekannte Schriftsteller Joseph Rank hat sich von hier nach seinem Geburtsorte Friedrichsthal im Böhmerwalde begeben, um den Sommer daselbst in ländlicher Muße und mit der Vorbereitung zur Herausgabe eines größern Werks beschäftigt, zuzubringen. — Der seit dem Jahre 1848 hier lebende und literarischen Beschäftigungen obliegende Dr. Fscher aus Birkenfeld ist nach Bremen berufen worden, um einen Theil der Redaction der „Weser- Zeitung" zu übernehmen.
Hanau, 3. Mai. (Morgens 1 Uhr.) (F. I.) So eben endigt die schwurgerichtliche Verhandlung gegen Friedrich August V. Lohberg aus Keulos, ehemaligem knrhessischen Offizier, wegen Hochverraths und Fälschung. In Folge deS um Mitternacht mitgetheilten Wabrspruches der Geschwornen wird der Angeklagte in den Hauptfragen über Hochverrath und der Frage über Fälschung für nicht schuldig, dagegen wegen Drohuw gen und unbefugter Verhaftung für schuldig erkannt und von dem Gerichte, unter Einrechnung eines Theils der erstandenen Haft und unter Vcrfällung in die vor der Hand nicht zu berechnenden Kosten, noch zu einer scchswöcheutlichen Gefängiußstrafe verurtheilt.
München, 1. Mai. Herr Ministcrialrath Dr von Hermann, der Bevollmächtigte Baierns bei den früheren Dresdener und den letzten Wiener Zollconfe- renzen, hat durch allerhöchstes Signal aus Palermo vom 16. April von Seiner Majestät unserm König in wohlgefälliger Anerkennung seiner Leistungen das Com- thurkreuz vom Heiligen Michael erhalten. — Der königlich preußische geheime Regierungsrath von Augustin in Köln ist an die Stelle des kürzlich hier gestorbenen Herrn von Reuter zum preußischen Zollvereinsbevollmächtigten bei der königlich baierischen Generalzollad- miuistration ernannt worden. Derselbe ist bereits hier eingetroffen und hat gestern sein neues Amt angetreten. — Da die 16. Versammlung der deutschen Land- und Forstwirthe dieses Jahr in Nürnberg stattfindet, so haben Se. Maj. der König zu bestimmen geruht, daß zm Dotirung derselben 3500 Gulden aus Staatsmitteln verwendet werden sollen.
* Dessau, 29. April. Unter den Gaben der Erinnerung, welche die gestern vermählte Prinzeß Agnes empfing, zeichnen sich besonders aus: ein sehr schöner Tafelaufsatz von Silber von der Stadt Dessau; ein außerordentlich schöner,- ausgezeichnet nach der Zeich. nung eines Gebers gearbeiteter, wertbvoller silberner Tafelaufsatz von den herzoglichen Domänenpächtern, ein prächtiger Teppich, gearbeitet von den Frauen der Stadt Zerbst; ein kleinerer dergl von der hiesigen Töchterschule; eine prachtvolle Bibel; eine sehr große Vase mit der Ansicht von Wörlitz auf einem 3% Fuß hohen Postament von inländischem Marmor; ein gestickter Nachtkorb, ruhend auf einem Tische von Cedern- Holz aus dem Park in Wörlitz u. s. w. — Vom kaif österreichischen Hofe und jenen zu Hannovei und Oldenburg erschienen eigene Abgesandte zur Gratulationscour, von Bern bürg war zu diesen Zwecke ein Adjutant gesendet worden. — Man glaubt der Einzug der jungen Erbherrschaft in Altenburg werd« den 21. Mai in den Nachmittagsstundeu erfolgen.
Köln, 2. Mai. Se. Maj. der König dec Belgiei traf mit hohem Gefolge heute Abends gegen V,6 Uhr hier ein. Se. Maj. wird im Hotel Belle-Vue zu DcuH übernachten und morgen früh die Reise nach Braunschweig fortsctzcii.
Posen, 25. April. Die hier namentlich unter den Setzern und Druckern der Hofbuchdruckerei vorgenommenen Verhaftungen, von welchen nur Deutsche betroffen wurden, sollen mit den Berliner Verhaftungen in Beziehung stehen.
Berlin, 1, Mai. Die ministerielle „Preußische Zeitung" bringt heute folgenden, wie cs scheint amt- ttchen Bericht: Ueber das Ergebniß der wegen des letzten hier entdeckten, weit verzweigten Complottes veranlaßten Ermittelungen sind wir im Stande, aus zuverlässiger Quelle folgendes mitzutheilen, was geeignet erscheint, vielfache über diese Angelegenheit verbreitete unrichtige Ansichten und Gerüchte zu berichtigen. Das hiesige Polizeipräsidium war schon seit längerer Zeit auf eine hier bestehende geheime Verbindung aufmerksam geworden, welche den Zweck verfolgte, ihre revolutionären Principien bei nächster Gelegenheit mit offener Gewalt
Wegen des hohen Festtags erscheint morgen kein Blatt.