Naturdichter und Haarkräusler Jasmin wird hier erwartet, er will sich bei der Akademie, die ihm jüngst einen Preis zuerkannt hat, bedanken.
Sdj tu 1*1'3.
Bern, 29. April. Die Zahl der in Freiburg gefangen genommenen Insurgenten beträgt 127. Nach dem Narrateur befänden sich darunter sehr viele Dienstboten. Die in Stäffis und Romont Verhafteten sind auf Ehrenwort, den Gemeindebann nicht zu verlassen, wieder freigelassen worden. Zwei von den verwundeten Insurgenten sind seither im Spital gestorben. Eine große Anzahl Verhafteter wurde Sonntag und Montag verhört. In verschiedenen Landhäusern der Umgegend Freiburgs fanden Durchsuchungen statt. Die Kirche des College scheint am 22 d. M. Morgens nicht genau untersucht worden zu sein. Als man dieselbe des folgenden Tags öffnete, fand mau eine Leiter an ein Fenster ge- lehnt; man glaubt, daß ans diesem Weg mehrere noch in den Beichtstühlen verborgene Insurgenten sich flüchten konnten. Cauonicus P e r r 0 u l a z, der Religions- lehrer im College, erklärt in einem Schreiben an die dortigen Blätter, die Kirche sei nicht profanirt worden, da die Bürgerdarde nicht weiter als bis in die Vorhalle eingedrungen und nirgends ein Tropfen Blutes vergossen worden sei. Er berichtet ferner, der Pfarrer von Torny sei nicht an der Spitze seiner Pfarrkinder, sondern in der Jufirmerie arretirt worden , wo er einem schMröerwündeten Insurgenten die letzte Oelung gab.
Nach einem der Basler Ztg. mitgetheilten Privat- fchreiben nahmen der Altschulth. Forell, sein Tochtermann Maillard und Louis Weck nur gezwungen an dem Aufstand Theil. Forell war am Douerstag früh nach Mid- des abgegangen, um dort seinen Garten zu ordnen. Um 7 Uhr Abends überfielen ihn dort eine Schaar von Bauern und nahmen ihn mit sich, Louis Weck hatte das gleiche Schicksal auf seinem Gute Onuen's. Die Mitglieder des Comite von Posieux sind noch immer in Haft. — Nach der N. Z. Z. hat der Bundesrath auch noch am 27. keinen Beschluß gefaßt in dem Conflicte mit Oesterreich. — Einem Privatbriefe entnimmt das „Vaterland" folgende Eiuzelnheiten: Die Kanoniere der Bürgergarde wollten anfänglich nicht loöbrcunen, weil sie die schreckliche Wirkung des Schusses in so großer Nähe gegen die in der Kirche massenhaft angchäuften Bauern fürchteten. Da versuchten die Bauern einen Ausfall vom Garten auf die Kanone und nun brannte Commandant Gcrbex mit eigener Hand los. ... — Nach der Schwyzer Ztg. hatte Perrier vor dem Standgericht sich geäußert: „Auf dem Punct vor Gott zu erscheinen , erkläre ich auf Ehre und Gewissen, daß das Comite von Posieux an dieser Expedition keinen Theil hat und daß ich allein sie unternommen habe.
Belgien.
Brüssel, 29. April. Die Unterhandlungen mit den hervorragendsten Mitgliedern der conservativen Partei zur Bildung eines neuen Ministeriums haben bereits begonnen. Die Herren Dumortier und de Decker haben deßhalb schon Audienz bei Sr. Maj. dem König gehabt. — Das Bürgerwehrgesetz ist wieder auf der Tagesordnung der Zweiten Kammer. Man reformirt wacker daran herum, freilich nicht in einem Sinne, der den Liberalen besonders behagen muß. Bisher ist beschlossen, daß künftighin die Bürgerwehr nur in Städten, welche mehr als 10,000 Einwohner haben, existircn, und daß alle Männer von 40 Jahren an von diesem Dienste befreit bleiben sollen. Das ist immerhin ein Anfang, gegen die wilden Gesetzgebungen deS Jahres 1848 gerecht zu werden.
Erosibrriattirictr.
London, 28. April. Hale wurde heute vom Polizeigerichte in Bow - Street zu einer Geldbuße von 2 Shilling per Pfund des confiscirten Schießpulvers vcr- urtheilt, und außerdem, auf die Aussage eines gewissen August Uscver, wegen Raketerfabrication für revolutionäre Parteien im Auslande, v 0 r die Assiscu verwiesen. August Hievor jst ein ungarischer Flüchtling, der bei Hale in Arbeit war; er behauptet, daß Kossuth mit seinem früheren Principal Hale in Geschäftsverbindung gestanden. Die Sache gewinnt dadurch auf einmal ein ernsteres Aussehen!
Der Admiral Rouston Stewart hat sich nach Wool wich begeben, wo er sich sofort nach Malta einschiffen wird, um den Befehl über die Mittelmccrflotte zu übernehmen.
London, 29. April. Im Hause der Gemeinen interpellirte gestern Lord Dudley Stuart die Regierung, ob dieselbe bereit sei, den Protest des Prinzen von Schleswig-Holstein gegen den neuesten dänischen Erb- folgcvertrag und die darauf bezügliche Correspoudenz vorzulegen. Lord John Russel hält es nicht für zweckmäßig, daS gewünschte Actenstück in diesem Augenblicke mitzutheilen; dasselbe sei auch nicht den Krouadvoeaten vorgelegt worden.
ItaUen
Turin, 24. April. In der Nacht vom 20. auf den 21. April fanden in Genua in verschiedenen Druckereien Haussuchungen statt, um die neue Schrift Mazzini's zu entdecken; sie hatten aber kein Resultat. Es wurden auch verschiedene Verhaftungen vsrgenom- men. In der heutigen Sitzung der Dcputirtenkammer interpellirte Brofferio das Ministerium über diese Vor
fälle. Der Justizminister vertheidigte die Zweckmäßigkeit und Gesetzlichkeit dieser Maßregel und die Kammcr nahm die einfache Tagesordnung an.
Die Turiner „Opinione" meldet in einem Schreiben aus Mailand, daß die österreichische Regierung die lombardischen Flüchtlinge, die sardinische Unterthanen geworden sind, durch ihre Verwandten in Kenntniß gesetzt hat, daß sie, wenn sie ihre Güter behalten wollen, sich von den Behörden des Ortes, wo sie wohnen, ein Zeugniß über ihr gutes politisches Betragen seit 1848 geben lassen müssen, um eö an den österreichischen Gesandten in Turin abzuliefern, der cs dem ZM. Radetzky zur Berücksichtigung einfchickc» wird.
Turin, 26. April. Das Budget ist mit 89 gegen 19 Stimmen in seiner Gesammtheit angenommen worden.
Rom, 23. April. Der russische Gesandte, Hr. v. Butenieff, ist nach Neapel abgereift. — Vom 1. Mai wird in 15 monatlichen Raten eine neue zu acht Procent abgeschlossene Anleihe von 26 Mill. Fr. flüssig gemacht, um allmälig das Papiergeld zu amortifitem
Nu Mund.
* Nach einem Berichte, welchen die Hamb. Nachrichten aus Petersburg vom 23. April bringen, wäre Fürst Menczikoff mit' seiner Forderung, daß die Frage hinsichtlich der heiligen Stätten aus Grundlage des Vertrages von Kutfchük Kinardschi entschieden und demgemäß der griechische Patriarch lebenslänglich gewählt werden und allen griechischen GlanbcnSbckenntr Nissen vorstehe», Rußland aber das Recht haben soll, die Patriarchats-Verwaltung zu coutroliren, nicht durchgedrungen. Nnr der Großvezier habe den Fürsten unterstützt; man glaubt, ein Ministerwechscl sei nicht uu- wahrscheinlich. Nach einem Schreiben der Jndcpendance Belge aus Constantinopel vom 15. dauern die Rüstun- gen Rußlands noch fort. Fürst Menczikoff hat nach dem Eintreffen der Gesandten von England und Frankreich neue Instructionen eingeholt und auch schon erhalten.
Die Cholera, welche seit längerer Zeit in St. Petersburg nur gelinde aufgetreten, ist plötzlich in Mos - k a u sehr verheerend ausgebrochen; sie hat einen epidemischen Charatrer angenommen und die Moskauer Polizei-Zeitung empfiehlt den Bewohnern der alten Hauptstadt die geeigneten Vorsichtsmaßregeln.
Constantinopel, 10. April. Ein von der „A. A. Z." neu gewonnener Correspondent bestätigt daß die Gesandten von England und Frankreich unmittelbar nach ihrer Ankunft den festen Entschluß ihrer resp. Regierungen erklärten: in keinem Fall die Entscheidung über die Geschicke der Türkei dem Cabinet von St. Petersburg zu überlassen, vielmehr die Integrität der Pforte nach Kräften zu wahren. Gestützt auf diese freundschaftlichen Gesinnungen der westlichen Großmächte, denen sich wohl auch das Wiener Cabinet anschließen wird, konnte der Divan frischen Athem schöpfen, und es versuchen den Forderungen des russischen Gesandten nach Möglichkeit zu widerstehen. Der günstige Augenblick wo Einschüchterungen und Drohungen sich wirksam erweisen konnten, war für Menschikoff verloren gegangen, und in dem Maß als sich die ofstciellen Ansichten der englischen und französischen Regierungen immer deutlicher offenbarten, begann er zurückzuweichcn, und die Zahl und die Bedeutnng seiner Forderungen zu verringern. DaS russische Cabinet, so erklärt er jetzt öffentlich, habe niemals die Absicht gehabt an did hohe Pforte irgendwelche Forderung zu'stellen, welche mit den Rechten derselben unverträglich wäre oder ihre Würde verletzte, ihrem Wohl schadete, seine Mission sey eine durchaus friedfertige und freundschaftliche, er habe durchaus keine Specialforderungen an die Pforte zu stellen, und auch in Bezug auf die Frage des heiligen Grabes wolle er nicht auf das Geschehene zurückkommen, sondern wünsche bloß mit der hohen Pforte darüber sich zu verständigen daß sie in Zukunft ohne vorläufige llebereinfunft mit Rußland, als dem Schirm- hcrru der griechischen Kirche, den Lateinern keine neuen Concessionen wäre. Noch nach einer andern Seite hin macht sich der Wechsel in der politischen Luft nach Con- stantiuopel gestend. Als die Nachricht von den gewaltsamen Schritten des russischen ConsulS zu Belgrad hier anlangte, zeigte sich die Pforte über einen solchen Eingriff in die Rechte der Türkei und die Freiheiten der Serben überrascht, und verlangte, eine Erklärung über die Belgrader Vorgänge von der russischen Gesandschaft. Sie wurde ihr zu Theil und lautete in einer Art wie sie die Pforte und die serbische Regierung nicht erwartet hatten. Es wurde alles abgeläug»et, es wurde versichert man achte viel zu sehr die Rechte und Privilegien von Serbien um etwas ähnliches fordern zu können; cs wurde förmlich erklärt der russische Consul zu Belgrad habe auf diesen Gegenstand bezügliche Justructionea weder von Petersburg noch von Coustautiuopcl erhalten, und sei zu einem Einschreiten im angegebenen Sinn gar nicht ermächtigt gewesen, könne daher auch kaum eingeschritten seyn. Das Ganze sei wohl eine chloße Verleumdung, und alles was in dieser Hinsicht zwischen Rußland und Serbien Platz gegriffen, beschränke sich auf den öfficiösen Rath, welchen Fürst Menschikoff nebenbei dem serbische» Geschäftsträger
bei der hohen Pforte ertheilt, des Inhalts: „Se. Maj.- der Kaiser von Rußland habe die Ernennung des Hrn. Garaschauin zum Minister der auswärtigen Angelegen- heilen nur ungern gesehen, und Fürst Alexander würdè Sr. Majestät einen angenehmen Dienst leisten, wenn er Hrn. Garafchanin einen andern Posten anwiese." Fürst Menschikoff desavouirt demnach alles was früher von der Drohung alle Verbindungen abzubrechen verlautet hatte. Natürlich ist man jetzt hier nicht wenig gespannt in welcher Weise Rußland von nun an gegenüber von Serbien handeln wird. Es darf nicht übersehen werden daß die Instructionen sowohl Lord Redcliffe's als des Hrn. von Lacour die serbische Negierung ihrer wohlwollenden Unterstützung empfehlen.
Die Beziehungen zwischen der Pforte und Persien werden als die freundlichsten bezeichnet. Der Schach hat sogar Befehl ertheilt, öffcntlch bekannt zu machen, daß zwischen den beiden „muselmännischen Großmächten" die innigste Freundschaft herrsche, und um diese „glückliche Harmonie" aufrecht zu erhalten, Achmet Wefik- Effendi zum außerordentlichen türkischen Gesandten beim Schaih, und Hadschi Mirza Achmet-Kahn zum persischen Geschäftsträger bei berghohen Pforte ernannt worden ist.
America.
General Santa Anna ist am 1. April in Vera- Cruz angekommen und sofort nach Mexico weiter gereist. Der Empfang, welcher ihm zu Theil geworden, war sehr kalt. — Carrajaval's Einfall vom Gebiete der Union in den Mxicauischen Grenzdistrict am Rio Grande ist nichts weiter als ein gewöhnlicher Raubzug. Mit 60 Mann nahm er Besitz von der Stadt Reynosa. Er ließ 2 Alcaden so lange schwebend aufhängen, bis eine Summe von 4000 Dollars erlegt war, um das Leben dieser beiden Unglücklichen zu retten.
Neueste Nachrichten.
Paris, 1. Mai. (Fr. I.) Die Kaiserin Eugenie, welche seit einigen Tagen leidend war, hat nach zweimonatlicher Schwangerschaft am Abend deS 29. April einen Mißfall gehabt. Der Gesundheitszustand 'der Kaiserin ist so befriedigend, wie möglich. — Die Concession für die Eisenbahnlinie von Lyon bis an die Genfer Grenze mit Zweigbahnen nach Bourg und Macon ist ertheilt.
Amsterdam, 28. April. Die Staatszeitung veröffentlicht die Actcnstücke, welche auf die Angelegenheit der katholischen Bischöfe Bezug haben.
London, 30. April. Das Haus der Lords hat gestern die zweite Lesung der Judenbill mit einer Majorität von 49 Stimmen verworfen. —Im Hause der Gemeinen wurde die Fortsetzung der Debatte über das Budget abermals vertagt; die Abstimmung wird wahrscheinlich nächsten Montag erfolgen.
Korfu, 23. April. Ein türkisches Dampfboot brachte der Flotte Befehl, nach Constantinopel zurückzusegeln; selbe wird morgen die albanesische Küste verlassen.
Constantinopel, 18. April. Auf morgen ist die definitive Erledigung der zwischen der Pforte und dem Fürsten Mcuschikoff anhängigen Verhandlungen an- gesetzt. — Vor zwei Tagen erhielt der Fürst Depeschen aus St. Petersburg. Das Cabinet soll ihm über sein Auftreten im runden Hut und schlichten Kleidern einige Uiiznfricdcnheit ausgedrückt haben. — Es verlautet, daß Rcdcliffe sogleich nach Beendigung der Sendung des Fürst Menschikoff mit aller Energie auf die von seinem Cabinkte geforderte buchstäbliche Anwendung des Tanzi- nrats und der darin versprochenen Verbesserungen des Looscs der christlichen Unterthanen der Pforte, bringen werde. Diese Forderung ist nämlich in den Verhaltungs- befchlcn des Lord Rcdcliffe und den durch ihn bei den Cabineten von Paris und Wien durchgesctzten, die Integrität deS türkischen Reiches sichernden Stipulationen als Bedingung festgestellt worden, welcher von den Ca- biueten bezeichneten Grundlage ihrer nunmehr der Pforte gegenüber zu beobachtenden Haltung , das andere allgemeine Princip der Erhaltung des Status quo in Europa, in Zukunft untergeordnet zu werden scheint. — Sicheren Nachrichtc» zufolge haben die Rüstungen in Bessarabien von Neuem angefangen. Fürst Menczikoff soll in diesem Sinne Befehle auS Constantinopel an das Armee- Commando abgcsendet haben. — Daß Fürst Menczikoff dieser Tage mit seinem ganzen Gefolge die Moschee von Aja - Sofia besucht, wurde hier als eine unzei- tige Demonstration angesehen. — Der Schlägerei zwischen Türken und Rajah'S in Gehmleck lag nur das Geldiutercsfe einzelner Personen zu Grunde. Fanatismus ist in der Sache nicht verflochten.
Die Pforte rüstet in der Stille, unter andern sind die Befestigungen der änßeren Schlösser deS Bosporus neulich durch 54 aus England angekommene Paixhahns verstärkt worden.
Es heißt der Rival des Fürsten Ghika, Vogorides habe für 40,000 Dukaten vom Großvestr die Absendnng einer Sanitätskommissiou nach Jassy erwirkt, welche den Irrsinn Ghika's konstatiren soll, um ihn von der mit Genehmigung Rußlands wieder übernommenen Regierung zu entfernen. Dieser Schritt habe so großes Aergerniß verursacht, daß Rnßsaud die Thätigkeit der Commission sistirte. ____________________________________________________________
Verantwortlicher Rccacteur: Dr. A. UmuL