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Nassauische Allgemeine Zeitung.

E /OS Montag dm 2. Mai mjä.

Die,,Nassauisch« AUg«M«!n» Zeilnuft" mit dem dellekrtssischen BeiblattDee Wa»d»r»i" erscheint, Sonntag« angenommen, täglich und beträgt der Pränumerat!»n«prei< für Wiesbaden und , nach dem neuen Posseestulael» nunmehr auch für den ganzen Umfang d»« kdutn- und TariS'schen BerwaltungSbezlrk« mit Znbigriff deS PdstausschlagS 2 fl., für die übrigen Länder be« deutschohsserrelchischen Postvereln«, wie für da« Ausland 2 ff. 24 kr. Inserate werden die eierfpaHIg Pelitzeile oder deren Raunt mit 3 fr. berechnet. Bestellungen belieb» man in der Buchhandlung von SU. Friedrich, Longgasse «r, auSwärtS bei den nächstgSlegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Vienstuachrichten.

Der zum Lehrer in Hangenmeilingen ernannte Lehr- vicar Stähler von Herrschbach ist auf sein Ansuchen an seiner bisherigen Stelle belassen, Lchrcicar Eisel von Luckenbach zum Lehrer in Hangenmeilingen und der nach Herschbach bestimmte seither mit Versetzung der Lehrvicarstelle in Neustadt beauftragt gewesene Schul« candidat Faxcl zum Lehrvicar in Luckenbach ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Vic sardinische Denkschrift

DieSachs. Const. Z." spendet in ihrer Nummer vom 26. April der Turiner Denkschrift über die Se- questrationsangelegenheit ein großes Lob und erzählt als Gerücht, daß dieses wichtige Dokument vor der Absendung an die Regierungen zEuropa'S den Gesand­ten Englands und Frankreichs mitgetheilt worden sei, und deren Billigung erlangt habe. Ob dadurch der Werth dieses Aktenstücks gestiegen sei oder nicht, und ob die sardinische Regierung durch den Beifall, den sie bei einem gewissen Theile der deutschen Presse ein» erntet, etwas gewonnen habe oder nicht, kann auf sich beruhen. DieSachs. Const. Ztg." äußert aber auch bei dieser Gelegenheit:die Turiner Denkschrift lege das Unrecht Oesterreichs so schlagend dar, daß man sich in der That nicht wundern dürfe, wenn ihr dieOester. Corresp.) nichts Anderes entgegenzusetzen wisse, als: ich bin groß und du bist klein!" Derartige Ergießungen dürfen solche Organe der Presse, denen Deutschlands Ehre am Herzen liegt, nicht so schweigend hinnehmen, denn fe erinnen zu sehr an die Zeit, in welcher deutsche Politiker über jede Niederlage der österreichischen Waf^ fen in Italien und Ungarn einen Freudenjubel an­stimmten und die erste deutsche Bundesmacht auf jede Weise zu verunglimpfen suchten. Die Erfahrung hat gezeigt, welche Gefahren die Bestrebungen dieser letzter» Art von Patrioten der Einheit, der Macht und der Ehre Deutschlands bereitet haben, und wir dürfen darum wenigstens dann nicht schweigen, wenn von jener Seite so viel geredet wird. DaöDresdenerJournal" unterzieht sich dieser Pflicht. Es stellt die Frage, ob das Verhalten Oesterreichs in der neuern Zeit über­haupt etwa angedeutet habe, daß von dem Wiener Ca« binet auf die Macht getrotzt werde. Um derSächs. Const. Z." und ihren Freunden manche unangenehme Erinnerungen zu ersparen, will das genannte Blatt nicht von dem Benehmen Oesterreichs gegen die Pforte und gegen die Schweiz sprechen; eS begnügt sich das Nächste ins Auge zu fassen und bringt nachstehende Geschichte der Beziehungen Oesterreichs zu Sardinien. Zur Zeit der ersten französischen Republik stand Sardinien mehr­mals Oesterreich feindlich gegenüber; so hatte z. B. Karl Emanuel IV. am 5. April 1797 mit Frankreich ein Angriffs- und VertheidignngSbündniß gegen Oester­reich geschlossen. Auf dem Wiener Congreste aber war Oesterreich so weit entfernt, seine Macht gegen Sardi­nien zu benutzen, daß es vielmehr die nach dem Ver­trage von 1751 (unter Maria Theresia) an Piemont gekommenen mailändischen Bezirke mit der Festung Alessandria und einer Bevölkerung von 450,000 Ein­wohnern von neuem an Sardinien überließ, daß ferner auch der ganze vormalige Freistaat Genua diesem Königreiche cinverleibt wurde, daß der König von Sar­dinien im zweiten Pariser Frieden auch den im Jahre 1814 noch bei Frankreich gebliebenen Theil von Sa­voyen mit Nizza erhielt und so die Monarchie bis zu einer Bevölkerung von mehr als vier Millionen Men­schen vergrößert wurde. Alles, wenn auch nicht auf Antrieb, doch ohne Widerspruch Oesterreichs. Diese Thatsachen sprechen nicht von Feindschaft oder vom Fühlenlassen der Macht Oesterreichs. Im Jahre 1821 sehen wir Sardinien von einer Revolution erschüttert, in welcher der Haß gegen Oesterreich und der Plan, dem ganzen Italien eine neue politische Gestalt zu gc- ben, eine bedeutende Rolle spielten. Der damalige Prinz von Carignan, Carl Albert, wird von den Ge- schichtSlebrern beschuldigt, von jenen Absichten nicht ohne Wissenschaft gewesen zu sein. Jedenfalls war die Lom« bardei selbst durch die Pläne der Aufstäudischen mit bedroht. Da sahen wir die österreichischen Truppen für daS Recht deS Königs von Sardinien kämpfen, dem sie in einer Schlacht bei Novara (den 8. April

1821) zum Siege verhalfen. Damals confiscirte eine königlich sardinische Untersuchungscommission das Ver­mögen von einigen vierzig Personen, als Hauptanstif­tern der Revolution. Mehrere wurden hingerichtet; die Namen vieler Geflüchteten an den Galgen geschla­gen; andere zu Galeeren verdammt. Von einer In­tervention fremder Mächte zu Gunsten der Aufständi­schen ist nichts bekannt geworden, wohl aber von einem Verträge, den Oesterreich, Rußland und Preußen mit dem Könige von Sardinien zu seiner Vertheidigung abschlossen. Oesterreich half den wieder aufgerichteten sardinischen Thron so bereitwillig befestigen, daß eS die Pflicht übernahm, eine militärische Linie in den sardi­nischen Staaten mit 12,09p Mann Truppen zu besetzen. Von da an schloß sich die sardinische Regierung in ih­rer innern Politik freiwillig dem in Oesterreich gelten­den Systeme an und führte dasselbe nur mit weit grö­ßerer Strenge als Oesterreich selbst und unter einfluß­reicher Mitwirkung der Jesuiten durch Damals hätte Niemand geahnt, daß Sardinien einst als der Heerd und Stützpunkt moderner FreiheitSbestrebungen betrach­tet werden würde. Die ersten politischen Bewegungen des Jahres 1847 in Italien brachten den Umschlag in der von Sardinien befolgten Politik hervor. Die von Sardinien ausgehenden Bewegungen bedrohten auch die Lombardei. Oesterreich beschränkte sich jedoch zu seinem Schutze nur darauf, eine ernste Ermahnung an die sardinische Regierung zu richten und dem Könige die wohlgemeinte Warnung zugehen zu lassen, daß er | nicht Pläne unterstützen möge, die sich zuletzt gegen seinen eigenen Thron richten könnten. Hierzu war Oesterreich ebenso berechtigt als verpflichtet. Die Geg­ner werden zugeben, daß die Großmacht Oesterreich damit nicht mehr gegen den kleinen Nachbar unter­nahm, als der kleinste Nachbar in demselben Fall gegen eine Großmacht zu thun im Stande gewesen wäre. Sardinien schenkte den wohlgemeinten Warnungen kein Gehör. Ohne irgend einen triftigen Rechtsan­spruch, ja selbst ohne einen plausibel« Vorwand überzog Carl Albert die Lombardei mit Krieg, indem er ganz offen die Eroberung als seinen Zweck proclamirte und sich zum Werkzeug der italienischen Revolution» - und Unionsgelüste aufwarf. Ein Decret der sardinischen Regierung vom 16. Juli 1848 erklärte die Vereinigung der Lombardei und des Venetianischen Festlandes mit Piemont. Gegen diese Verletzung des Völkerrechts gab eS keine andere Antwort als das Schwert. Der treue Held Radetzky führte nun die Sache seines Kaisers, und bald, nachdem Carl Albert im Schlosse zu Garda von einer Deputation aufständischen Volkes die lombardische Krone empfangen hatte, trieb der greise Marschall den Eroberer über die Höhen von Custozza (25. Juli 1848) nach dem Mincio zurück. Die Eroberer wurden bald auf allen Seiten zurückgedrängt; am 6. August 1848 Mittags 12 Uhr hielt der Feldmarschall Graf Radetzky seinen Einzug in Mailand, in Gemäßheit einer Tags vorher geschlossenen Kapitulation. Der Sieger capitu« lirte also mit dem besiegten Eroberer. Der sardinischen Armee ward ein Rückzug in zwei Etappenmärschen be­willigt; die Stadt sollte geschont, überdies für daS Ver­gangene billige Rücksicht genommen werdens wer frei­willig die Stadt verlassen wollte, hatte dazu bis 8 Uhr des andern Morgens Zeit; für den Transport der Kranken und Verwundeten waren die beiden Marschtage gegeben. Auch die Gegner werden einräumen müssen, daß Oesterreich den in seine Hände gegebenen Sieg nicht mäßiger hätte benutzen können. Allein das Ver­trauen Oesterreichs zu seinen Gegnern ward leider nicht entsprechend erwidert. In Bologna wurden am 8. Au­gust österreichische Offiziere, die sich im Vertrauen auf die Convention nach Bologna begeben hatten, ermordet und ein Anfall auf die Avantgarde ausgeführt. Nichts­destoweniger schloß Oesterreich am 9. August 1848 einen Waffenstillstand mit Sardinien ab. (Schluß folgt.)

Deutschland

$ Dessau, 28. April. Ich kann Ihnen die er« freuliche Mittheilung machen, daß S e. Hoheit der Herzog und I. H. die Frau Herzogin von Nas­sau mit dem Erbprinzen vorgestern Abend im besten Wohlsein hier eingetroffen sind. Gleichzeitig war auch der hohe Verlobte unserer hochverehrten Prinzessin AgneS, Sr. Hoheit der Erbvrinz von Altenburg mit seinen durchlauchtigsten Eltern angelangt. Heute Mor­gen um 12 Uhr sind Sr. Majestät der König von Preußen, Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preu­ßen und Ihre Königl. Hoheiten der Prinz Friedrich Wilhelm, der Prinz Friedrich, der Prinz George, St.

Königl. Hoheit der Herzog Wilhelm von Mecklen­burg und S. Königl. Hoheit der Prinz Johann von Sachsen hier eingelroffen und auf dem Bahnhöfe von Ihren Hoheiten dem ältestregierenden Herzoge von Anhalt, dem Herzog von Sachsen-Altenburg und von Sr. Hoheit dem Herzog von Nassau und Höchstderen Gemahlinnen empfangen worden. Gegen 7 Uhr fand im großen Saale des hiesigen Herzoglichen Schlosses die Vermählung Ihrer Hoheit der Prinzeß AgneS von Anhalt mit Sr. Hoh. dem Erbprinzen Ernst zn Sachsen-Altenburg ganz in der vorher von Seiner Hoheit dem Herzoge durch das Programm an­geordneten Weise statt. Ihre Hoh. die regierende Frau Herzogin zu Sachsen-Altenburg und Ihre Hoheit dir Frau Prinzeß Friedrich von Anhalt setzten Ihrer Hoheit der Prinzeß Brant die Krone auf, der Superintendent Richter verrichtete die Trauung. Seine Majestät der König von Preußen stand mit Ihren Hoheiten dem ältestregicrcndcn Herzoge von Anhalt und dem Herzoge und der Frau Herzogin zu Sachsen-Altenburg zur Rech­ten deS Altars. Im Moment des Ringwechsels wur­den die im Lustgarten ausgestellten Kanonen abgefeuert und das Geläute aller Glocken der Stadt begann; in diesem Moment sendete der anwesende Herzogl. Sachsen- Altenburgische Minister v. Larisch eine telegraphische Depesche nach Altenburg, welche den Moment der Feierlichkeit anzeigte, und noch während der auf die Trauung folgenden Gratulations-Cour erhielt er die Antwort, daß im selben Moment die Festlichkeiten zur Feier des Tages in Altenburg begonnen hätten. Nach der Gratulations-Cour war i Hofconcert, daS mit dem HochzeitSmarsch von Mendelssohn begann. Die Aller­höchsten und Höchsten Herrschaften werden an der Fa- milientafel, die Hofstaaten an der Marschalls Tafel sou- piren. Morgen Vormittag 10 Uhr findet der Kirch­gang statt; große Gala; Mittags ist große Hoftafel, Abens Festoper in Gala (die weiße Dame). Der mor­gende Tag wird im ganzen Lande als ein doppelter Festtag gefeiert, denn eS ist zugleich der Geburtstag Sr. Hoheit unseres geliebten Erbprinzen. Uebermorgen (30. April) diniren die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften an der Familientafel, die Hofstaaten an der Marschalls - Tafel. Abens Souper und Ball in Gala. Es haben bereits mehrfache Ordens-Verleihun- gen stattgefunden, unter Anderen haben Se« Hoh. der ältestregierende Herzog von Anhalt den Herzogl. Sach­sen-Altenburgischen Minister von Larisch, Se. Hoheit der Herzog von Sachsen-Altenburg aber den Anhaltischen Oberhofmarschall Freiherrn von Loen decorirt. Unter den von Sr. Hoheit unserem Erbprinzen geladenen Gästen befinden sich auch zwölf Offiziere vom königl. preußischen ersten Garderegiment zu Fuß aus Potsdam. Bekanntlich stehen sowohl Se. Hoheit der Erbprinz von Sachsen-Altenburg, als auch Se. Hoheit unser Erbprinz bei diesem berühmten Regiments. Sc. Maj. der König von Preußen werden übermorgen nach Potsdam zurück­kehren.

Wiesbaden, 30. April. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung der zweiten Kammer stand di» Berathung des von der Regierung übergebenen Ver­trages über Erneuerung und Erweiterung des Zollver­eins. Der AuSschußanlrag, der Genehmigung des Ver­trages, sowie den in Folge desselben erlassenen und zu erlassenden Verordnungen die landständische Zustimmung zu ertheilen, und die in dem Bericht vorgetrageneu Dcstberien in Betreff 1) der itevision der Niederlagen- Regulativen, 2) des Rabatts der Wein-Großhändler, 3) der Uebergangs-Abgabensätze (namentlich vom Wein) der Regierung zur Berücksichtigung zu empfehlen, wird ohne DiScusston einstimmig angenommen. Der Abgeordnete Vogler rechtfertigt seinen Antrag über Reform deS Branbafsecuranzwesens, ebenso der Abg. Knapp die seinigen wegen Ablösung deS ErbleihnexuS und Abschaffung der Bannrechte. Diese drei Anträge werden in Betracht gezogen. Es werden endlich fol­gende Ausschüsse niedergesetzt: 1) Für den Gesetzent­wurf über die Organisation der Centralverwaltung: Braun, König, Lang, Schlachter, Wirth. 2) Für den Entwurf über Versorgung der Osficiersrelicten auS Staatsmitteln: Braun, Heydenreich, Reichmann-

* Vom Lande, 27. April. ES wäre sehr zu wünschen, wenn bei der Berathung des neuen Gemeinde- gesetzes die Bestimmung in dasselbe ausgenommen würde, daß die Bürgermeister vorzugsweise aus den obersten Steuerclassen gewählt werden müssen. Die jetzige Ab­änderung des Gemeindegesetzes scheint doch den Zweck zu haben, die Besitzenden gegen daS numerische Ueber-