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die englische Regierung nur sehr lau betheiligt. Die erstere scheint sogar von der ursprünglichen Ansicht ab­gekommen zu sein, nach welcher man sich für einzelne Emigrirte hatte verwenden wollen, wenigstens ist cs ge­wiß,'daß der kaiserl. französische Gesandte in letzter Zeit durchaus keine derartigen Eröffnungen im hiesigen aus­wärtigen Amte gemacht hat.

Man hält hier die Angabe für begründet, daß der kaiserl. Hof nicht geneigt sèi, die von der französischen Regierung erbetene Auslieferung der sterblichen Ueber- restc des Herzogs von Reichstädt zu gewähren. Diese Vermuthung gründet sich auf die hier herrschende An­sicht, daß eS stets am gerathensten erscheine, die geweihte Ruhe der Todten nicht zu stören, und daß es für einen Sprößling des Erzhauses keine sicherere und geziemen­dere Ruhestätte geben könne, als in der Kapuzmergruft zu Wien. Hier liegt der Sohn der Erzherzogin Marie Luise an der Stelle, auf die er ein Recht besitzt; zu St. Denis aber wäre sein Sarg ein Neuling, dessen Recht eine nähere oder fernere Zukunft einmal bestrei­ten könnte.

Die Großartigkeit des neuen hier im Bau begriffe­nen Arsenals ist gleichsam unter dem Bane so sehr herangewachsen, daß dasselbe erst im Jahre 1856 völlig vollendet sein wird. Anfangs war hierfür die Verwen­dungssumme auf 3% Millionen Gulden präliminirt, die aber schon gegenwärtig G Millionen überschritten hat. Die vollendete Herstellnng des Etablissements wird auf die Summe zwischen 7 und 8 Millionen Gulden zu stehen kommen.

Ihre kais. Hoheiten, die Herren Erzherzoge Ferdi­nand Max und Carl Ludwig, sind am 24. an Bord derSeemöve" von Venedig in Triest eingetroffen. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der letztgenannte durch!. Erzherzog einige Tage daselbst zn verweilen.

Dem Vernehmen nach ist dem kürzlich ans Monte­negro zurückgekehrten k. russischen Obersten Kowalewsky eine zweite Mission nach Bosnien zu Theil geworden. Bekanntlich befand sich derselbe im Juni v. J. mit dem Anftrage in Bosnien, um die Beschwerden der bosnischen Christen gemeinschaftlich mit einer Commission an Oester­reich zu prüfen.

Frankreich.

Paris, 27. April. Der Moniteur veröffentlicht im halbamtlichen Theile mehrere Adressen an den Äus­ser, worunter eine vom Generalrath des Drome- De­partements, der sich glücklich schätzt, daß seine außeror­dentliche Sitzung ihm Gelegenheit gibt, dem Kaiser den Ausdruck seiner tiefen Hochachtung barbringen zu kön­nen. Eine zweite Adresse ist vom Gemeinderath zu Bordeaux, der für die Bewilligung der Bordeau-Lyoner Eisenbahn dankt. Der Gemeinderath von Perigneux hat aus gleichem Gründe eine Adresse votirt, die von einer Deputation dem Kaiser überbracht werden soll. Die Ursache der Unpäßlichkeit der Kaiserin soll ein Fall sein, den sie beim Anprobiren eines Kleides that, und von dem man üble Folgen für ihre Schwangerschaft befürchtet. Der Kaiser befindet sich fast fortwährend bei ihr, und Dr. Conneau verläßt die Tuilerieeu nicht. Nächstens wird abermals die Er- theilung von zwei Eisenbahn-Concessionen erfolgen ; die­selben betreffen die projectirten Bahnen von Bourg-la- Rcine nach Orsay und von Lyon nach der Grenze von Genf. Letztere mit Zweigbahn nach Bourg und Ma­con. Der Hanptredactcur des Univers, Veuillot, der am 18. April eine Abschiedsaudicuz beim Papste hatte, wird dieser Tage hier zurückerwartet. Der gallica- nische Abbe Micho» ist ermächtigt worden, in der Presse Religiense, die bisher ein ausschließlich kirchliches Blatt war, fortan auch politische Fragen zu erörtern; das Univers wird somit einen Concurrenten vielleicht auch einen Gegner erhalten. Der nach einem Blatte von Havre am Bord eines eben angelangten französischen Schiffes verhaftete Schlosser, wurde wieder freigelassen, da sich die Harmlosigkeit der weggcnommenen Maschine ergab. Der durch seine Expedition gegen Mexico bekannt gewordene Graf Raoussel ist jetzt zu San Fran­cisco. Das Transportschiff Allier ist vorgestern von Toulon mit Gefangenen und Galeercnsträflingcu nach Cayenne abgesegelt.

Dem Morning Chronicle wird von seinem Corre- spondenten aus Paris geschrieben, daß die Besorgnisse vor einer zu frühen Niederkunft der Kaiserin sich leider erfüllt haben. Trotz allen ärztlichen Rathes und Bei­standes trat das Bedauerliche am Montag früh ein. Indessen sei das Befinden der Kaiserin in so weit be­friedigend , als sie sich außer aller Gefahr befinde. Ludwig Napoleon soll sehr verstimmt sein.

Man beurtheilt , wie der Pariser Korrespondent des Lloyd" versichert, in den Tuilerien die Veröffentlichung deS Memorandum's als einen Mißgriff der piemontes. Regierung, weil, je mehr letztere die öffentliche Meinung Europa's gegen Oesterreich zu reizen sucht, desto weni­ger der Wiener Hof von der Strenge seiner Rechte ab­lassen dürfte.

Schweiz.

Feeiburg, 24. April. Heute fand die Beerdigung der Bürgergardisten Esener und Vcillcz und des Land­jägers Wasmer statt. Regierung, Kriegsgericht, Bürger­garden von Freiburg, Murten, Stäfis wohnten der Feierlichkeit bei, bei der kein katholischer Priester, son­

dern der reformirte Pfarrer von Freiburg functionirte, nach ihm sprach der Großrath Weitzel noch warme Ab­schiedsworte. Seit dem 22. ist noch der Bürgergardist Khassot und Landjäger Boward an den erhaltenen Wunden gestorben. Die Leichen Carrards und von vier noch nicht erkannten Genossen desselben liegen in einer Hätte in einer Ecke des Kirchhofes.

Das Kriegsgericht hat beschlossen, zur Aburtheilung der vielen Gefangenen drei- Kategorien aufzustellen, Führer, Rückfällige und Verführte. Für die Kosten sei der Staat hinlänglich gedeckt, da die Hälfte des Ver­mögens des auf der That ergriffenen Patriciers Ludwig Weck mehr als hinreiche. Hier hat also die Demokratie selbst gegen Vermögens c o nfiscali o n nichts einzu- wenden!

Portugal.

Lissabon, 19. April. Der Herzog v. Saldanha dürfte nächstens abdanken. Die Geschwulst in der Seite, an der er leidet, gefährdet, wie der Herald berichtet, zwar nicht unmittelbar, daß er zu jeder Thätigkeit un­fähig ist. Wahrscheinlich wird der Herzog v. Terceira an seine Stelle treten, und die Königin soll außerdem gesonnen scin, den Visconde Sa da Bandeira als Mi­nister des Auswärtigen ins Cabinet bringen. Er ge­hört zur Septembristcnpartei und war schon früher im Amte. In den letzten Jahren jedoch war er beseitigt. Alle Parteien sprechen gut, sowohl von seinem Charak­ter wie von seinem Talent. Er ist stocktaub, hat den rechten Arm verloren, und kann kaum sehen. Ma foi, il est bien monlé! sagte ein Franzose, als man ihm die körperlichen Vorzüge des Visconde aufzählte."

Großbritannien.

London, 27. April. Im Unterhause wird mor­gen Duncombe eine Interpellation an die Regierung richten in Betreff Kossüth's und der Verwendung der Londoner Polizei zu politischen Zwecken. England wird auf der New-Iorker Aufstellung durch ungefähr 800 Aussteller vertreten sein, darunter mehrere von königlichen Anstalten, wie die Münze, die Admiralität, die Bergwerksschule u. s. w. Man fürchtet übrigens, daß das Gebäude zu klein angelegt sei, und die Times bemerkt boshaft, daß das americanische Festland dock- groß genug sei, um ein geräumiges Gebäude anzulegen. Die Ausstellung wird übrigens nicht vor dem 1. Juni eröffnet werden. Die Vorarbeiten zur Legung eines unterseeischen Telegraphen-Drahtes nach Holland haben auf englischer Seite bereits begonnen.

Der am 25. d. M., als im Hause der Gemeinen die polizeiliche Beschlagnahme der Munitionsvorräthe in Rotherhithe von den Freunden Kossuths abermals zur Sprache gebracht wurde, von Lord Dudley Stuart vor- gclesen, vom 15. April d. J. dakirten Brief des unga­rischen Agitators lautet:

Mylord! In Erwiderung auf Ihren freundlichen Brief habe ich die Ehre, Ihnen zu sagen, daß alle Be­schuldigungen in der heutigen Times in Betreff einer Untersuchung in meinem Hause, und daß daselbst Kricgs- vorräthe gefunden und weggenommen worden, vollkom­men ungegründet sind. Nicht allein in keinem Hause, das ich bewohne, sondern an keinem Platze in England war es möglich, irgend KriegSvorräthe, die mir an ge­hören, zu entdecken und wegzunehmen, aus dem sehr einfachen Grunde, weil ich nichts der Art in England besitze. Indem ich jedoch diese vorgebrachte Beschuldi­gung rundweg und entschieden für falsch erkläre, spreche ich zugleich offen aus, daß ich meine Feindschaft gegen die Unterdrücker meines Landes nicht verleugne, sondern vielmehr offen eingestehe, daß ich entschlossen bin, mein Vaterland von ihnen zn befreien. Diesem meinem Zwecke will ich mein Leben und meine Thätigkeit wei­hen, so wie ich auch durchaus keine Schranke für diese Thätigkeit anerkennen will, als die Ehre, die Moral und die Gesetze jenes Landes, in welchem ich mick- gerade aufhalte. Und da cs weder unehrenhaft noch unmoralisch ist, KriegSvorräthe zu besitzen, um sie zur Zeit im Dienste meines Vaterlandes zu verwenden, so erkläre ich hiermit, daß ich solche Vorräthe habe und zwar in solchen Staaten, wo mir das Gesetz gestattet, sie selbst zu dem hier offen eingestandenen Zwecke mein eigen zu nennen. In England aber habe ich keine, weil die Legalität eines solchen Besitzes, wie man mir sagte, gewissermaßen zweifelhaft sein könnte. Zugleich mit dieser Erklärung wiederhole ich, daß keine Kriegs- vorräthe, die mir gehören, wcggenommcn werden konn­ten, weil ich nichts dergleichen, weder mittelbar noch unmittelbar, in diesem Lande besitze. Ich bin u. s. w.

Graf Aberdeen wird am 29. d. im Oberhaus die zweite Lesung der auf die Emancipation der Israeliten bezüglichen Bill beantragen.

Italien.

Turin, 24. April. Die Commission , welche mit der Prüfung der Regierungsvorlage in Bezug auf den Credit von 400,000 Lire zu Gunsten der naturalisirtsn Lombarden, deren Güter seqncstrirt worden sind, be- anftragt ist, hat den Präsidenten der Dcpntirtcn-Kam- mer, Advocateu Ratazzi, heute Morgens zum Bericht­erstatter ernannt, wodurch offenbar das Einvcrständ niß zwischen Kammer und Ministerium ausgedrückt wer- den soll.

Toscana Die toscanische Regierung hat nun auf die von London erhobenen Reclamationcu erklärt,

Herr Crawford möge nach Toscana kommen und dort so lange bleiben, als es ihm beliebe; die englische Re­gierung müsse jedoch vorher Bürgschaft dafür leisten, daß dieser Gentleman ein Officier in Ihrer Majestät Dien­sten und kein Agent Mazzini's sei.

Türkei.

Die Oest. Corr, bringt auf telegraphischem Wege eingetroffene Nachrichten aus C o n st a n t i n o p e l, deren Daten bis zum 18. d. M. reichen. Coustanti- nopel war vollkommen ruhig; über tumultuarische und blutige Vorgänge zu Brussa war gar nichts bekannt. Der kaiserlich französische Gesandte, Herr v. Lacour, hatte bereits Audienz bei dem Sultan erhalten. Fürst Menzikoff besuchte die Sophienmoschee. General Nim- pokoytschiski war nach Odessa abgereist. Den Angel-» punkt der schwebenden Verhandlungen bildet hauptsäch­lich die Angelegenheit der heiligen Stätten, wobei sich England neutral verhält; Lord Redcliffe hat sich in dieser Hinsicht im Allgemeinen für die größtmöglichste Gleichberechtigung aller christlichen Glaubensconfessioucn ausgesprochen. Die bezügliche Unterhandlung hat über­haupt eine im Wesentlichen günstige, durch den Hinzu­tritt der Abgesandten der westlichen Mächte fördersam unterstützte Wendung genommen.

Nach einer Korrespondenz der A. Z. aus Constan- tinopel vom 14. April ist dennoch an der Chriftcnver- solgung etwas wahres. Eine Schaar von Muselmanen ans der Umgegend von Ghemlik, zog in voriger Woche nach diesem großenthcils von Griechen bewohnten Dorf und insultirle und mißhandelte die Einwohner in der Art d ß mehrere todr geblieben sein sollen. Letzten Montag (den 10. April) wurden deßhalb Truppen dahin geschickt.

Sarajewo, 14. April. (A. Z.) Die angeblich vom Grafen Lciningcn der Pforte abgcnöthigtcn Zuge­ständnisse scheinen, wie cs sich allmählig zeigt, auf reine Illusionen hinauszulaufe». Hier wie in der Herzegowina ist der alttürkische Fanatismus in gleichem Grade wie früher thätig und Christenverfolgungen durchaus kein unwahrscheinliches Ereigniß der nächsten Zukunft. Auch Omer-Pascha bewahrt seine drohende Haltung und spricht die feste Hoffnung aus, dennoch in Cettinje, trotz aller österreichischen Proteste, als Sieger einMÜckcu. Dage­gen mehrt sich aber auch auf der entgegengesetzten Seite die Agitation unter den Christen, welche man, mit Recht oder Unrecht, auf die Einflüsterungen russischer Agenten zurückführt.

Neueste Nachrichten.

Paris, 28. April. DerMoniteur" meldet, daß der Kaiser den Marquis F. Pallavicini, welcher einer der treuesten Anhänger des Kaisers Napoleon I. gewe­sen, zur Würde eines Großofficiers der Ehrenlegion erhoben hat. Eine telegraphische Depesche, datirt aus Malta v. 22. d>, meldet, daß die britische Mittelmeer­flotte sich noch auf der dortigen Rhede befand und keine Verstärkung erhalten hat.

Nach Berichten aus New-Uork vom 16. April sind die Zwistigkeiten im Ministerium beigelegt; Herr Marcy bleibt Minister des Auswärtigen.

Spargesellschaft zu Wiesbaden.

Die ungünstige Witterung, welche bis in die neueste Zeit angedauert hat, hat wohl manchen fleißigen Arbeitet an seinem Verdienste verhindert und denselben abgehalteu, wiewohl eine Betheiligung an der Spargesellschaft für dieses Jahr schon dermalen über jede Erwartung groß ist seine regelmäßigen Spareinlagen ebenfalls einzuhalten.

Zur Entsernung von Mißverständnissen glaubt der Vor­stand der Spargesellschaft dahier darauf aufmerksam ma­chen zu müssen, raß, wenn auch die regelmäßige Spar­periode mit dem dritten Sonntage des Monats April ei­nes jeden Jahres beginnt, der Beitritt in die Spargesell­schaft auch zu einer späteren Zeit immerhin noch erfol­gen kann, vor Allem aber gewünscht werden muß, daß, wenn die Betheiligung bei einem der Special-Abtheilungs- Vorsteher angemeldet und dieser zufolge die Einzahlung der Spareinlage einmal geschehen ist, die allsonntäglichen Einzahlungen mit möglichster Regelmäßigkeit und Genau­igkeit fortgesetzt werden möchten. Da jedoch auch hier Fälle eintreten können, welche eine Ausnahme von der Regel nothwendig machen, so werden die Special-AbtheilungS- Vorsteher ihren Sparern bei vorliegenden Anständen das Nöthige bemerken.

Der Hauptgesichtspunct, den der Vorstand der Spargesell­schaft bei Leitung seiner Geschäfte verfolgt, besteht darin, die Wohlthaten der Gesellschaft möglichst allgemein zu ma­chen und wird derselbe daher streben, die Betheiligung an denselben nach jeder Richtung hin zu erleichtern zu suchen.

Der Fall ist noch nicht vorgekommcn, daß die Statu­ten den Vorstand genöthigt hätten, Jemanden, welcher bei ihm angeklopft hatte, zurückzuweisen, oder dessen An­stände nicht zu entfernen.

Im Vertrauen hierauf ladet derselbe nochmals und vorzugsweise die durch irgend eine Bestimmung der Sta­tuten bedenklich Gewordenen ein, die Probe von dem so­eben Gesagten recht bald zu machen.

Wiesbaden, Ende April 1853.

Der Vorstand der Spargesellschaft.

Aerantwortlicher Redacteur: Dr. A. Daczek.