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Einer, daß den Aerzten so Manches nachgesagt wird, was doch durchaus unwahr ist. Wie leicht hätte er daher auf den Gedanken kommen können, baß es der Landesbank und den Recepturbeamten möglicher Weise auch einmal so gehen könne, wie den Aerzten, und daß Herr Vogler nicht auf diesen Gedanken kam, das eben finden wir besonders merkwürdig.

V Mainz, 25. April. Mit allem Recht dringt die Nass. Allg. Zeitung vom 20. April in Betreff der zum Fliegenwedelhandel nach London verpachteten oder verkauften Kinder auf eine Radicalcur. Wer würde es glauben, wenn cs nicht von chrcnwerthen Männern, die aus eigner Anschauung London und seine Bewoh. ner und unter diesen die Knaben und Mädchen mit den Fliegenwedeln kennen, verbürgt wäre, daß Deutsche so gemein wären, sich zu einem Handel herbeizulassen, der sie so tief unter die Sklavenhändler erniedrigt; denn Sklaven werden doch am Ende nur zu ehrbarer Arbeit verwendet, diese armen Kinder aber zum schändlichsten Laster, zur scheußlichsten Ausschweifung. Doch wen soll ich anklagen wegen dieses unser Vaterland und unsere Zeit (das Jahrhundert der Bildung und Aufklärung) brandmarkenden Handels? Etwa die Polizei, daß sie nicht umsichtig genug gewesen, um von vornherein alle derartigen Karawanen zu ergreifen und zurückzuweisen? Nein; auch selbst von jetzt an, wo man von Seite der Polizei aufmerksam sein âd, ist ein gänzliches Aus- rotten dieses schändlichen Kinderhandels durch das nur negative Prohibitivsystem der Polizei nicht möglich. Ich frage nach der Quelle: woher kommt diese Niederträch­tigkeit? wer begeht sie? wer weiß zunächst darum? wer kann hier positiv also z. B. durch Belehrung helfen? Zumeist und zunächst klage ich jene Eltern an, die an Rohheit und Herzlosigkeit die Bestien der Wildniß übertreffen. Fluch solchen verkommenen Subjecten, die den Vater- und Mutternamen schänden! Dann kennt man wohl auch jene Orte in Nassau und Oberhessen, aus welchen die Schaar jener unglückseligen Flicgen- wedelhändlerinnen rc. in London rekrutirt wirb. Ich will diese Orte ans Rücksichten hier nicht öffentlich nen­nen. Aber die betreffenden Bürgermeister wissen aus langjähriger Erfahrung um das ganze Geschäft, stellen ja jenen Agenten mit ihren Kindern die Reiselegitima­tionen aus. Doch auch von diesen armseligen Helfers­helfern will ich nicht reden; diese wissen zumeist nicht, waS sie thun. Indessen wohnt doch in jenen Gemein­den ein Prediger oder Pfarrer, welcher der Vater der Gemeinde und vorab der Kinder sein soll, von welchem die Eltern über ihre Pflichten belehrt werden und an welchem die Jugend der Gemeinde einen warmen Freund und Vertheidiger, einen zweiten Vater finden sollte. Gleich dem alten Cato müßte er in solcher Gemeinde nach jeder Predigt den schlechten Eltern ein ceterum censeo zurufen. Diese Herrn scheinen nur für ihre Angelegenheiten ein Herz zu haben *) nicht für die Schmach des Vaterlandes oder die Schande ihrer Ge­meinde; sonst müßten sie Leute bestellen, die ihnen die Anwesenheit eines solchen Kinderhändlers im Dorfe augenblicklich hinlerbrächten; sie müßten die Kinder auf­fordern, sobald sie von einem solchen sie betreffenden Verkauf hörten, unverzüglich iu's Pfarrhaus zu flüchten, mit ihrem ganzen Ansehen müßten sie den Eltern Vor­halt machen und nöthigen Falls den weltlichen Arm anrufen. Verschwände doch ein oder das andere Kind, dann von der Kanzel herab dieses Verbrechen den El­tern uNd deren Namen der Gemeinde mitgetheilt und so schnell als möglich der Behörde (nicht dem Bürger­meister) angczcigt.Geht ein Kind verloren, so geht eS wohl verloren, aber aus eurer Hand will ich feine Seele fordern! so heißt's in der Bibel und das güt Allen, die hierbei helfen und wirken können.

Die Erhaltung und Förderung echter und wahrer Humanität hat mich zu diesen Zeilen veranlaßt. Wie würde ich mich freuen, wollte die Darmstädter Zeitung auch diesen Artikel in ihre Spalten aufnehmen, damit auch in Oberhessen jene cs lesen, die es angeht und durch die allein eine Radicalcur möglich wird.

Frankfurt, 26. April. Die gesetzgebende Ver­sammlung hat gestern eine Zeitungssteuer mit einem Gulden für das Exemplar becretirt. Motivirt wurde dieser Beschluß dadurch, daß die Stadt viele Ausgaben habe, die auf anderm Wege nicht gedeckt werden können. Derselbe tritt mit dem 1. Juli d. J. in Kraft.

DieNeue Preußische Zeitung" berichtet:Die österreichische Forderung an den deutschen Bund von beinahe 107 Millionen fl. C.-M. ist nun liquibirt worden. Sie bezieht sich auf die Kriegskosten in Ita­lien und Ungarn, weil durch diese Kriege die deut­sche Grenze geschützt worden sei. Die Ausdehnung des Begriffes der Bundeshilfe auf innere Aufstände und auf Gebiete, welche zum deutschen Bunde gehören, hat zur natürlichen Folge gehabt, daß Preußen jetzt auch 19% Millionen Thaler für den Aufstand in Posen liquibirt hat." Wie derSchw. M." angibt und es der Natur der Sache entspricht, bezieht sich die öster­

*) Dieses Urtheil erscheint wohl zu hart, oft bleibt man bei der größten Sorgfalt in Unkenntniß über den Abschluß eines solchen schmählichen Menschenhandels. Die Hauptsache scheint die Belehrung; an der Erfüllung dieser Pflicht wird es wohl kein Seelsorger fehlen lassen; oft fällt aber das beste Wort auf unfruchtbaren Boren. Die Rev.

reichische Liquidation nicht allein aus Italien und Uii' garn , sondern auch, was die Neue Preußische anzuge­ben vergißt, auf die Niederschlagung des Aufstandes in Wien und Prag, -die doch wohl unzweifelhaft zum deutschen Bunde gehören. Daß durch die Kriege in Italien und Ungarndie deutschen Grenzen geschützt worden sind", ist außer allem Zweifel, die Revolution würde, wenn sie dort Siegerin geblieben wäre, mit ganz Deutschland, Berlin einbegriffen, in ein paar Wochen fertig geworden sein. Der Miniaturaufstand in Posen hält, obschon er 19% Millionen Thaler gekostet hat, mit diesen gewaltigen Kämpfen nicht den mindesten Ver­gleich aus. Uebrigens hat Oesterreich diese sehr richtige Liquidation erst dann aufgestellt, als andere Staaten ihm mit ganz ungeheueren Kostenrechnungen vorange­gangen waren.

Nach gestern aus Paris hierher gelangten Nachrich­ten sind die Actien der Darmstädter Bank auf den dor­tigen Markt gebracht und mit beträchtlichem Agio ver­kauft worden.

Stuttgart, 26. April. Die in Canstatt schon für Anfang dieser Woche erwartete, wenigstens von un­seren Localblätlcrii für diese Zeit verkündete Ankunft Ihrer kaiserlichen Hoheit der verwittweten Frau Herzo­gin Marie von Leuchtenberg und ihrer Kinder soll, neueren Nachrichten zufolge, nicht vor Mitte Mai's er- folgen. Die Vorbereitungen sind inzwischen alle been­digt', so daß die erlauchte Dame jeden Tag alles parat findet ; sie wird mit einem Gefolge von etwa 40 Per­sonell eintreffen. Die kaiserlich französische Regierung hat Hieber Nachricht gegeben, daß in Paris vom 1. Mai 1855 an eine große Ausstellung von Erzeugnissen des Lanbbaues und des Gewerbsfleißes werde veran­staltet werden, woran auch den Württembergern die Theilnahme erleichtert werden soll.

München, 26. April. Auf dem Privattheater Sr. Majestät des Königs in der k. Residenz wurde gestern die italienische OperElisa" gegeben, in welcher der mit einer vortrefflichen und wohlauSgebildeten Baß­stimme begabte Prinz Adalbert eine Hauptpartie sang. Die vor einiger Zeit von S. k. H. dem Herzog von Coburg componirte Oper Castlda wird demnächst auf unserm k. Hostheater zur Aufführung kommen.

Aus dem Werrathai, 26. April. Dem Ge­rüchte nach beabsichtigt die meiuingische Staatsregie- rung, dem Landtag eine Propositio» vorzulegen, wo­von Salzungen abwärts zwei Schienenwege, der eine nach Gerstungen, der andere nach Eisenach gebaut wer­den sollen.

Köln, 25. April. Der Hiesige Gemeinderath hat der Gesellschaft zum Baus einer Eisenbahn von hier über Neuß nach Crefeld dje Summt von Zehntausend Thalern geschenkt.

Braunschweig, 27. April. Se. Hoheit der Herzog wird heute von Blankenburg hier wieder ein­treffen. Die Abreise Sr. Hoheit nach Venedig ist für den Fall auf den 1. Mai angesetzt, wenn bis dahin bessere Witterung eingetreten ist.

Hamburg, 26. April. Nach derOld. Ztg." beabsichtigt eine englische Actiengesellschaft im Freihafen von Brake festen Fuß zu fassen. Es soll nämlich der Umstand, daß der indirecten Beförderung von deutschen Auswanderern über Hamburg nach Liverpool von Sei­ten des Senats in der genannten Hansestadt erschwe­rende Hindernisse in den Weg gelegt worden, einige Unternehmer in London auf den Gedanken gebracht haben, in Brake ein ExpeditionLgeschäft von Emigran­ten zu begründen. Wie cs heißt, soll bereits auch der Regierung von Oldenburg eine bezügliche Petition vor- gelegt worden sein, deren günstige Entscheidung zu er­warten stünde. Im Falle der Genehmigung würden regelmäßige Dampfschifffahrten zwischen Brake und Lon­don und Liverpool auf Steamern, die zum Transport von Auswanderern geeignet sind, herstellig gemacht wer­den. Noch im Laufe dieser Woche wird die Publi­cation eines provisorischen Gesetzes, betreffend die Ver­legung der dänischen Zollgrenze an die Elbe erwartet; einstweilen ist das Reglement für die Uniformirung, Bewaffnung und Ausrüstung des holsteinischen Grenz­gendarmeriecorps, das mit dem 1. Mai L I. in Wirk­samkeit treten soll, amtlich mitgetheilt worden. In Altona ist der Preis der Häuser und Grundstücke in letzter Zeit ansehnlich gefallen.

Königsberg, 25. April. Der Geburtstag Kant's, der 22. Aprils wurde hier in gewohnter Weise durch ein Festmahl gefeiert, bei welchem geheimer Rath Pro­fessor Rosenkranz über die im künftigen Jahre hier auf- znstellende Statue des großen Philosophen Mittheilun­gen machte.

Bertin, 27. April. Keine von beiden Kammern hat heute eine Sitzung. Morgen wird die erste Kam­mer u. A. über die in den beiden letzten Sessionen vorgekommenen Ueberschreitungen ihres eigenen Aus­gabe Etats, über die Eheschließungen durch die Consuln in außereuropäischen Ländern und über die Lage des Handwerkerstandes aus Veranlassung einer von den Ge­werken der Stadt Münster eingereichten Petition be­rathen. Auf der Tagesordnung der zweiten Kammer stehen Petitionen und die westphälische Städteordnung. Herr v. DüeSberg, Oberpräsident von Westphalen, ist von der Commission der ersten Kammer für die

Zoll- und Handelsverträge zum Berichterstatter über diese Vorlagen gewählt. Heute liegt bereits ein Be­richt desselben über den Gesetzentwurf wegen Abände­rung des Vereiustarifs vor. Nach diesem ist eine Ver­ständigung der Vereiusstaaten über die zum Zweck der Unterscheidung des Syrups von aufgelöstem Zucker an- zuordncnde Coutrole zu erwarte».

Die Commission der zweiten Kammer zur Begut­achtung der Zoll- und Handels-Verträge hat in ihrer letzten Sitzung den Zollvereins-Vertrag berathen und denselbenmit besonderer Befriedigung" der Genehmi­gung der Kammer empfohlen.

Papst Pius IX. hat bekanntlich im Februar d. J. an die Bischöfe innerhalb der preußischen Monarchie ein Breve erlassen, welches ganz neue Vorschriften über die Schließung der gemischten Ehen enthält, die ihre gegeutheilige Erläuterung durch die betreffende Gesetz, gebung finden, wie sie nach der Vereinbarung Königs Friedrich II. im Jahre 1750 mit dem Fürstbischof von Breslau begründet wurde. Das Breve des Papstes verordnet: 1) daß zur Schließung gemischter Ehen die Dispensation von dem in dem verschiedenen Glaubens­bekenntnisse der Verlobten liegenden Hindernisse vom Papste selbst, und nur in außerordentlich dringenden Fällen vom Bischof ertheilt werden solle. 2) Wenn eine gemischte Ehe geschlossen werden soll, hat der nicht katholische Theil das Versprechen, alle Kinder katholisch zu erziehen, und zwar eidlich abzulegen, in der Regel in die Hand des Bischofs, doch auch in die des Pfar­rers, sobald derselbe zur Abnahme des Eides vom Bi­schof ermächtigt ist. 3) Alle gemischten Ehen sollen nach der vom Tridentiner Concilium vorgxschriebenen Form geschlossen werden, und zwar, damit die katholische Kirche solche nicht zu billigen scheine, in keiner Kirche, sondern an einem nicht heiligen Orte; auch dürfen die Verlob­ten in keiner katholischen Kirche, obgleich ein Theil da­hin eingepfarrt ist, aufgeboten und eben so wenig katho­lischer Seits eingesegnet werden.

Aus dem Schoße der türkischen Gesandtschaft in Berlin verlautet, wie derA. A. Ztg." berichtet wird, Fürst Menczikoff. habe in der That die Ernennung des Patriarchen von Constautiuopcl und der Bischöfe auf Lebenszeit, feste Gehalte für die Mitglieder der hohen Geistlichkeit, welche die christlichen Gemeinden auszu­werfen haben, für letztere die Erlaubniß, Kirchen zu bauen, wo und so viel sie wollen, ohne dazu die Er­mächtigung des Sultans zu bedürfen, der Gebrauch der Glocken, der bisher nur den europäischen Kirchen in der Türkei verstattet war, von der hohen Pforte be­gehrt. Hiermit wäre der Anfang des russischen Protec- torates über die 11 bis 12 Millionen unter türkischer Herrschaft stehenden Christen gemacht. -

Im nächsten Monat sollen die gegenwärtig strom­abwärts bis Riesa wieder eingcführten Fahrten der sächsisch-böhmischen Dampfschifffahrts - Gesellschaft bis Torgau ausgedehnt werden.

Die süddeutschen Staaten werden, wie die N. Pr. Z. meldet, zunächst mit dem preußischen Cabinete in Unterhandlungen treten zum Zwecke des Beitritts zu dem Vertrage, welchen Preußen mit den Vereinigten Staaten von Nordamerica wegen Auslieferung von Verbrechern abgeschlossen hat. Das nächste Motiv für die süddeutschen Regierungen bieten die do» tigen überaus starken Auswanderungen, bei welchen oft­mals Verbrecher Gelegenheit zum Entweichen gefunden haben.

In Düsseldorf soll künftig alljährlich an dem zweiten Dienstage des Monats Juli und den beiden folgenden Tagen ein Wollmarkt abgehalten werden.

Wien, 25. April. Se. Maj. der Kaiser dürfte bis Mitte Juni in Schönbrunn verweilen und sich so­dann nach Ischl begeben, wo bekanntlich auch in diesem Jahre hohe Gäste erwartet werden. Später gedenken Allerhöchstdieselben Croatien und die Militärgrenze mit einem Besuche zu erfreuen.

Se. Majestät der König von Preußen wird gegen Ende dieses oder Anfangs des kommenden Monats zum Besuche bei Sr. Majestät dem Kaiser hier eintreffen. Wie man versichert, wird außer dem König Max von Baiern auch König Otto von Griechenland in der Hofburg zum Besuch und zwar gegen Ende der ersten Woche des MonatS Mai erwartet. Der jetzt in sei­nem Vaterlande zum Minister der auswärtigen Ange­legenheiten ernannte königliche spanische Gesandte am hiesigen Hofe, Don Luis Lopez de la Torre Ayllon hat die ihm zngedachte Stelle nicht angenommen, gestern soll das ablehnende Schreiben nach Madrid abgegangen sein. DieLeipz. Ztg." meldet das Gegentheil. . Der k. k. Hof- und bürgerl. Schlossermeister, Christoph Wenner, hat sich erboten, für die aus Anlaß der glück­lichen Rettung Sr. k. k. Apostolischen Majestät zu er­bauende Votivkirche Schlosserarbeiten bis zum Betrage von Eintausend Gulden unentgeltlich zu liefern.

Man ist hier der Ansicht, die Sequestrationsfrage werde zuletzt mit einem Ministerwechsel in Piemont en­den. Man glaubt in nicht allzuferner Zeit den Grafen Revel mit der Bildung eines neuen Ministeriums be­traut zu sehen, während Graf Cavour einen auswärti­gen Posten erhalten soll. Wie dem auch immer sein mag, so ist doch so viel gewiß, daß die französische Re­gierung sich an der ganzen Angelegenheit gar nicht und