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die Regierung eiligst Schiffe hingeschickt hätte, um den Rest abzuholcn. Es heißt, daß man die Strafcolonie ganz wcgvcrlcgcn werde. Der Londoner Punch gibt folgenden Bericht über den Empfang der englischen De­putation in den Tnilerieen:LouiS Napoleon sitzt auf einem Throne; großer Schnurrbart; Kriegs. Costume. Die englischen Kaufleute mit den grotesken Gesichtern sind um ihn geschart. Ihr Führer ergreift knieend den Stiefel des Kaisers und küßt die Spitze desselben. Ueber dem Throne ließt man die Worte:Der Frie­denskuß, neues Mittel, die Curse in die Höhe zu trei­be»."" Eine lithographirte Corr, erwähnt, was wir schon vor einigen Wochen gemeldet, daß der verstorbene General Cornemuse, wie eS heißt, seinen Tod einer Verwundung in einem verheimlichten Duell mit dem Kriegsminister Saint-Arnaud verdankt. Man hatte ge­glaubt, Graf Mvittalembcrt werde nach seinem offenen Bruch mit den Tuilcricn seine» Platz im gesetzgebenden Körper anfgeben. Briefe aus dem Doubsbcpartement versichern das Gegentheil ; er werde kommen, heißt es, und im Interesse seiner Wähler über die Fiction deS Budgets sprechen. In diesem Fall hätte die vorerst im Finanzwesen sich kundgebende Opposition der Legislative einen Führer. Schon lange lag es im Wunsch dcö BonapartismuS, den so sehr populär gewordenen Dra­matiker Ponsard für sich zu gewinnen; wie wir hören, hat der Dichter neuerdings wieder einen Ehrenposten und ein Geldgeschenk auSgeschlagen. Für Verbleibe» deS Prinzen MoSkowa in Paris soll sich dessen Schwieger­sohn Persigny vergebens verwendet haben; die Affaire de Sercey und das nicht damit znsaiumenhängeudc Miß­fallen einer hohen Dame beschleunigten dessen afrika­nisches Exil.

Bei der Audienz in den Tuilerien, welche der Kaiser dem päpstlichen Delegaten gewährte, der das Barett für den Cardinal Morlot von Rom überbracht hatte, sprach Louis Napoleon die folgende Worte:Mon­seigneur I Es ist immer ein feierlicher Anlaß für mich, wenn ich einem ausgezeichneten Prälaten den Cardinals- Hut zu überreichen habe und |o der Vermittler der Gnade dcö heiligen VaterS tzverdc. Ich bin sehr er­freut, daß Sc. Heiligkeit Sie erwählt hat, diese chren- volle Mission zu erfüllen. Ich danke Ihnen für diese Weise, in welcher Sie meine Gesinnungen für die katholische Religion und meine Bestrebungen, überall Friede und Eintracht wieder herzustcllen, würdigen. Ich ersuche Sie, bei Ihrer Rückkehr nach Rom dem Heiligen Vater meine Gefühle der Verehrung und Liebe auö- drücken zu wollen." Deö Kaisers Antwort auf die Ansprache deS Cardinals aber lautet wie folgt:Eminenz! Eine der edelsten Verpflichtungen der Macht ist es, das Verdienst hervorzuheben; eines ihrer angenehmste» Vor- rechte ist es, dasselbe zu ehren. Ich fühle dieses ganz besonders, wenn es mir gestattet ist, dem heiligen Vater diejenigen Prälaten zu bezeichnen, für welche ich eine Auszeichnung durch denselben zumeist wünsche. Die Uebereinstimmung, welche seit dem Coucordate (die organischen Artikel hat der Kaiser mit Still­schweigen übergangen) immer -zwischen der weltlichen und geistlichen Macht geherrscht hat in Bestätigung und Weihe der Wahl ber würdigsten Männer aus der Mitte der Geistlichkeit, ist ein trostreicher Anblick. Ew. Emi­nenz, so bekannt durch Ihre christlichen Tugenden und durch den Geist der Versöhnung, welcher Sic ausge­zeichnet hat bis auf diesen Tag, wird, ich bin es über­zeugt, fortfahren, in der Kirche die Einigkeit zu erhal­ten, welche ihre größte Stärke ist, und durch Ihr Bei­spiel de» Einfluß einer Religion zu wahren, die keine anderen Waffen anzuwenden wünscht, als die Ueber­zeugung, und deren Geist der Liebe ohne Unterlaß dem Irrthume Erleuchtung und der Neue Zuflucht gewährt."

Die letzten Verhaftungen haben, wie sich jetzt heraus­stellt, deßhalb stattgefnnden, weil von Seiten der Flücht­linge in Loudon eine neue Anleihe zu revolutionären Zwecken ausgeschrieben worden ist. Die Liste der Franzosen, welche sich durch Unterzeichnung an diesem Unternehmen betheiligt, ist der Polizei in die Hände gefallen und die Unterzeichner wurden sofort arretirt.

Der Marquis von Valdegamas, der spanische Bot­schafter, dessen schwere Erkrankung wir vor einigen Ta- gen gemeldet, befindet sich wieder auf dem Wege der Besserung.

Spanien.

Madrid, 15. April. General Lersundi, der Con­seilpräsident und Minister der auswärtigen Angelegen­heiten, wird das Portefeuille des Innern interimistisch bis zur Ankunft Ayllons de la Torre aus Wien ver­walten. (Uebrigens bezweifelt man noch, daß der Letz­tere das ihm zugedachte Portefeuille annehmen werde.) Ebenso hat der Justizminister Govantes einstweilen auch das Ministerium der öffentlichen Arbeiten übernommen.

Belgien

Brüssel, 15. April. (K. Ztg.) Schon seit acht Tagen ist die Repräsentantenkammer mit der Discussion der Gesetzesvorschläge in Bezug auf die Modifikation des Gesetzes von 1848 über die Organisation der Bür- gergarden beschäftigt. Heute wurde der Vorschlag des Herrn Delehaye, alle Amendements nochmals an die Centxal-Abtheilung zu verweisen, mit 56 gegen 20 Stimmen angenommen. Die Prinzessin Solms-Wyse

welche sich seit ihrer Ausweisung aus Frankreich in Brüssel aufhält, macht sich hier bei allen Gelegenheiten bemerk­lich. So ließ sie sich kürzlich in einer öffentlichen Si­tzung vor einem zahlreichen Publicum magnctisiren und Experimente mit sich anstelle». Jetzt stellt sie bei einem Kunsthändler in der Passage ein von ihr »»gefertigtes Pasteligcinälde aus. Der Rahmen trägt die Anfangs­buchstaben S. B., oben mit einer Krone, und nuten befindet sich außerdem ein Karton mit den Worten: Pastellgemälde der Prinzessin Solms-Wyse, gehonten Bonaparte."

Wrogkeitannien.

London, 18. April. DieTimes" besteht darauf, daß alle ihre Mittheilungen über Kossuth richtig seien und bemerkt nebenbei, daß sie nie gesagt, die HauSsnchung habe in der Wohnung Kossuths stattgefnnden, sondern nur, daß dieselbe in einem Hause vorgenommen worden sei, welches deredle Magyar" inne habe und für seine Zwecke benutze.

DieMorning Post" hält die bei Kossuth vorge- nommene Haussuchung nach Waffen für einen Scherz und erklärt die Schweigsamkeit £orb Palmerstons aus dessen amtlicher Stellung. Zugleich bringt das Blatt einen frühern ähnlichen Vorfall m Erinnerung. Als seiner Zeit die englische Regierung den geflüchteten Por­tugiesen von Dom Pedro'» Partei eine Zufluchtsstätte j und Unterhalt gewährt hatte, fingen auch diese Herren i an, sich militärisch zu organisiren und viel von einem Einfalle in Portugal zu reden. Das Ministerium, an dessen Spitze damals der Herzog von Wellington stand, hatte indessen kaum Kunde von diesen Plänen erhalten, als es diese portugiesischen Flüchtlinge sammt und son­ders auöwies und nach den Azoren tranSportiren ließ, obgleich keine Waffen bei ihnen gefunden wurden und die englische Regierung das Gouvernement Dom Mi­guels nicht einmal anerkannt hatte. So wurde damals die vielbelobte britische Gesetzgebung über Flüchtlinge interpretirt!

Dänemark.

Kopenhagen, 16. April. Am gestrigen Tage ist der Vereinigte Reichstag wiederum znsammeugerrctcn zum Behufe der Berathung der die Erbfolgefrage be- treffcudeu königlichen Botschaft, und zwar in drittelund letzter Lesung. Zur Tagesordnung stand der in der zweiten Lesung angenommene Oerstcd'schen Antrag mit den von der Partei Clausen - Larsen gestellten Amende­ments. Das erste Amendement, wonach es heißen soll: Der Vereinigte Reichstag..... ertheilt seine Zustim­mung ...., was i h n anbclangt," anstatt, wie Oersted cs gefaßt hatte:was das Königreich Dänemark anbelangt," ward einstimmig mit 135 Stimmen ange­nommen, nachdem auch der Premierminister für dasselbe alseinen unschuldigen Aenderungsvorschlag" sich aus­gesprochen hatte. DaS zweite, wichtigere Amendement wollte, nicht wie Oersted,daß die Erbfolgeordnung in Gemäßheit der königlichen Botschaft," son­dern daß siein Gemäßheit des Londoner Trac- t a t s vom 8. Juni 1852" geordnet würde. Das Amendement ward mit 34 gegen 94 Stimmen verwor­fen. Grundtvig, Kierkegaard, Lindborg und auch der Ex-Miuister Tillisch hatten den Vorschlag vertheidigt, der Premierminister, Oersted, Madvig und Mourad da- gegen gesprochen. Der nach dem ersten Amendement modificirte Ocrsted'sche Antrag steht für heute auf der Tagesordnung. Selbst Kjöbenbavnsposteu ist der Mei­nung, man könne mit ziemlicher Bestimmtheit vorher wissen, daß der Antrag nidy die nöthige Anzahl Stim­men erhalten werde. Als Zeichen des Interesses, mit dem das Publicum den Verhandlungen folgt, wird an­geführt, daß bereits, 1'/, Stunde vor dem Beginne der gestrigen Sitzung die Galerieen überfüllt mit Zuhörern waren.

Der frühere Mariueminister, Viceadmiral und Ober- cquipagenmeister, Kammerherr C. C. Zahrtmann, ist gestern Abend plötzlich bei seiner Heimkehr aus einer Gesellschaft gestorben. Gestern war die Garnison in den Caseruen consignirt und die Husaren mußten ihre Pferde gesattelt halten.

Schweden.

Stockholm, 2. April. Nach der Staatszeitung hat der König heute die Interimsregierung aufgelöst und wieder selbst die Leitung der Staatsangelegenheiten übernommen. Demzufolge wird morgen in der Schloß­kirche , am Sonntage in allen übrigen Kirchen der Hauptstadt, und in den Kirchen des Reichs am Sonn­tage nach Empfang der Nachricht, ein Te Deum gesun­gen werden.

Italien.

Turin, 18. April. (K. Ztg.) Der sardinische Ge­sandte in Wien, Graf Revel, ist hier angekommen; es verlautet, der österreichische Gesandte, Graf Apponyi, werde nicht von hier abreisen.

DieGazzetta del Popolo" ermahnt die piemon- tesischen Volksvertreter zum fleißigen Besuche der Sitzun­gen, indem sie sagt:Das unanständige Benehmen gewisser (90) Deputaten ist nachgerade eckelhast ge­worden. Einige stellen sich niemals ein, Andere kom­men, wenn der Aufruf erfolgt, und können kaum das Ende erwarten, um, gleich Schulknaben, davon zu lau­fen. Auf diese Weise kommt nur selten eine beschluß­fähige Zahl zusammen.

Neueste Nachrichten.

* Wiesbaden, 21. April. Bei Eröffnung bet heutigen Sitzung der zweiten Kammer stellte der Abg. Rau au das Präsidium folgende Anfrage:Mit gro­ßem Bedauern habe ich vernommen, daß in der vor­gestrigen Sitzung kirchliche Angelegenheiten durch eine Interpellation des Hrn. Abg. Vogler auf eine sehrun- geeignete und die Katholiken in ihren heiligsten Jnteres- sey verletzende Weise zur Sprache gebracht worden sind/ Ich bedauere dieß um so mehr, weil ich schon bei mei­nem ersten Erscheinen in der diesjährigen Ständcver- sammlung dadurch genöthigt bin, einer solchen Polemik entgegen zu streiten. Nach der Geschäftsordnung darf ich auf den Gegenstand der Interpellation jetzt noch nicht ein gehen, dieser kann auch sowohl nach seinem Princip, wie nach dessen Tragweite durch keine Kam­merdebatten, am wenigsten in dem Ständesaale eines kleinen Landes erledigt werden.

DaS verehiliche Präsidium frage ich aber, warum der Herr Abgeordnete wegen seiner die katholische Kirche und iiisbcsoubcrc den hochwürdigstcn Epiöcopat der ober­rheinischen Kirchenprovinz verletzenden Worte nicht zur Ordnung gerufen worden ist.

Hierauf antwortete Präsident Wirth: Da keine Persönlichkeiten in der Interpellation vorgckvmmen seien, so habe er sich nicht veranlaßt gefunden, eiuzufchreitcn. UcbrigenS bleibe dem Abg. Rau unbenommen, deß­halb einen Antrag zu stellen.

Abg. Rau: Zur Stellung eines deßfallsigen An­trags halte er sich jetzt nicht mehr veranlaßt, wenn er dagegen in der vorgestrigen Sitzung zugegen gewesen wäre, würde er wegen Verweigerung des Ordnungsrufes an die Versammlung appellirt haben, und sei überzeugt, daß er, insbesondere sowohl bei den katholischen als auch bei den von Katholiken gewählten Abgeordneten wegen der gegen die katholische Kirche auSgestoßcnen Schmä­hungen Genugthuung erlangt haben würde.

Abg. Vogler: Schmähungen habe er nicht aus- gestoßen, übrigens stehe auch dem Abg. Rau kein ein­seitiges Urtheil über das Geeignete oder Ungeeignete der von ihm gebrauchten Ausdrücke zu.

Abg. Rau: Er habe die von dem Abg. Vogler gebrauchten Ausdrücke mit dem gelindesten Namen bezeichnet, und nur die Achtung vor dieser hohen Versammlung halte ihn ab, solche mit dem wahren Namen zu bezeichnen. Was das Urtheil über die Sache selbst anbelange, so hätte der H. Abg. Vogler, wenn e r nicht einseitig hätte verfahren wolle, den Gegenstand kompetenten Rich­tern über lassen sollen, die ein allseitiges Urtheil hier­über fällen würden. Hiermit wurde zur Tagesordnung übergegangen.

In den Ausschuß zur Prüfung der Gemeindeordnung wurden gewählt: Eigener, Hallbey, Rullinanu, Schäfer, Ullrich, Braun, Lang Zur Prüfung des Gesetzent­wurfes die Kreisverwaltung betr.: Goedecke, Heydenreich, Schwickert, Knapp, König für den Gesetzentwurf die Eintragung dinglicher Rechte betr.: Wirth Sebastian Braun für den Gesetzentwurf die Auflösung der Ge­meinde Scspenroth bete.: Reichmann, Dombois, Lang.

Wien, 20. April. (Fr. Bl.) Das Dampfschiff aus Galacz überbrachte uns Nachrichten aus Constantinopel vom 12. b. Die dort herrschende Aufregung der Tür­ken war im Wachsen begriffen. Die Bewaffnung der Türken nahm ihren Fortgang. In Brussa, (Anatolien) haben starke Excesse und Verfolgungen gegen die dort tvohneuden Christen stattgefnnden, wobei auch Tödtun- gen verfielen. (Nach einem an das Frankf. Syndikat gelangten tclegr. Beriche aus Wien vom 20. d. Hal auch in Constantinopel ein kleiner, bald aber wieder unterdrückterCravall" stattgehabt.)

Haag, 20. April. (F. Pz.) Das Ministerium (vom 30.'October 1839) ist abgetreten. Zu Mit­glieder» des neuen Cabinets wurden ernannt: Auswärtiges, F. A. van Hall (auch mit dem De­partement des katholischen Cultus beauftragt); Justiz, W. B. Donker Curtius van Tieiihoven, bisheriger Präsident des obersten Gerichtshofs (Hooge Raat) ; Inneres, van Reenen; Finanzen, H. I. Baron van Doorn van West--Capelle.

Kopenhagen, 18. April. (F. I.) Der dem Reichstage in Uebereinstimmung mit dem Inhalte der kön. Boischaft über die Erbfolgefrage vorgelegte Antrag wurde heute vom vereinigten Reichstage mit 97 gegen 45 Stimmen verworfen.

Turin, 19. April. (Fr.J.) In der heutigen Sitzung der Kammer brachte der Conseilpräsident einen Gesetzes­entwurf ein, kraft dessen ein Credit von 400,000 Frs. für die in unserem Lande naturalisirten Lombarden, de­ren Güter von Oesterreich fequestrirt wurden, zu bewil- ligen und vorzustrecken ist.

Frankfurt, 20. April. Bei der heute hier stattge- habten 18. Ziehung 6. Classe der 123. hiesigen Stadt, lotterie gewannen Nr. 4677 1000 fLz Nr. 23019 300 fl., Nr. 11646 100 fl. nebst 3000 fl. Prämie, Nr. 9794 (Niete) 3000 fl. Prämie, Nr. 10354 100 fl. nebst 1000 fl. Prämie, Nr. 23642, (Niete ) 500 fl. Prämie, Nr. 16736 100 fl. nebst 300 fl. Prämie.

Verantwortlicher Redacteur; Dr. A. Doaek»