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Nassauische Allgemeine Zeitung.

AY SS Samstag deu 16. April 1853.

Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag- ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumeralionspreis für Wiesbaden und , nach dem neiren Postregulariv nunmehr auch Sr den ganzen Umfang des Dburn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlag« 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die »ierspaltig Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse <r, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu^ machen.

Mittheilungen des Vorstandes der Gesellschaft für För­derung der Seidenzucht im Herzogthum

Nassau.

Die im 8. 14 der Statuten vorgeschriebene Gene­ralversammlung für 1852 konnte erst am 5. März 1853 abgehalten werden.

Auch für das abgelaufene Jahr waren der Gesell­schaft 300 fl. zu den gewöhnlichen Ausgaben, 200 fl. zur Vertheilung von Preisen und 40 fl. zur Bezahlung des Pachls von der Maulbeerplantage zu Höchst von Seiner Hoheit dem Herzoge aus Staatsmit­teln gnädigst bewilligt worden.

Die Zahl der Mitglieder der Gesellschaft hat sich bis zum Schluffe des Jahres 1852 auf 284 erhöht.

In dem vorigen Frühjahre wurden 17,316, und im Herbste 5025 Maulbeerbäume und Pflanzen neu angc- pflanzt. Dann waren im vorigen Jahre 53 Saatschu­len angelegt worden, wozu wir den Samen größlew theils aus Italien und Frankreich bezogen hatten. Es sind aber nur wenige Saaten gelungen.

Wir haben uns bemüht, die Ursachen des bisheri­gen Mißrathens der meisten Maulbeersaaten zu erfor­schen und werden nunmehr eine neue Belehrung ab­drucken und unter die Mitglieder der Gesellschaft ver- thèileu lassen.

Einer besonderen Erwähnung verdient die Gemeinde Camp, welche einen Walddistrict von 5 Morgen zu einer Maulbeerpflanzung bestimmt und bereits im vori­gen Herbste 3200 Stück angepflanzt hat.

Da das Herzog!. Staatsministerium, Abtheilung des Innern auf unsere Bitte die Herren Kreisbcamten und namentlich das Forstpersonal beauftragt bat, auf die Anzucht der weißen Maulbeere in den Gemeindewaldun- getl möglichst hinzuwirken und die bereits vorhandenen Anlagen unter ihren besonderen Schutz zu nehmen und zugleich das Herzog!. Staatsministerium, Abtheilung der Finanzen, ersucht hat, in gleicher Weise aus Anzucht der weißen Maulbeere in Domanialwaldungen hinzuwirken, so dürfen wir erwarten, daß uns die nächste» Jahre eine zur weiteren Ausbreitung der Seidenzucht hinrei­chende Anzahl von Maulbeerblâttern liefern werden.

Von den im vorigen Jahre in die FilaUdr abgelie­ferten Cocons wurden 82 Pfund Seide abgehaspelt.

Die Züchter haben die Seide größtentheils an die Fabrik des Herrn Revisionsraths Wagner verkauft und erhielten im Durchschnitte 12 fl. für das Pfund Seide.

Der Preis für die beste im Frühjahre 1852 ange­legte Maulbeerpflanzung von 1 Morgen wurde dem Herrn Oberfölster Baumann zu Hachenburg mit 50 fl. zuerkannt. Den Preis für die beste Saatschule von 5 ^Ruthen, in 15 fl. bestehend, erhielt Herr Gärtner Herge zu Hof Geiöberg. Herr Procurator Keller. zu Dillenburg hatte die «Kisten (32 Pfund) Cocons, und Herr Forstaccessist Kaiser zu Kemmenau die fadeNreich- sten Cocons (von 1600 Ellen Länge) erzogen. Es wurde dem ersteren ein Preis von 15 fl. und dem letz­teren von 10 fl. und dem Wilhelm Scherer zu Braü- bad), welcher die meisten Cocons unter den Schulkin­dern des Landes gezogen hat, ein Preis von 5 fl. be­willigt.

Die übrigen Preise konnten wegen Mangels an Conourrenz nicht ausgegeben werden.

Die Maulbeerplantage zu Höchst wurde auch im vorigen Jahre größtentheils von den dortigen Seiden- züchtern benutzt. Die Bäume aus der auf dem alten Todtcnhofe dahier befindlichen Pflanzung haben wir zum großen Theil an Gartenbesitzer abgegeben. Es sind nun wieder junge Pflanzen in dieselbe gepflanzt uuo die Vorbereitung zu einer Saatschule darin getroffen worden. Auch die Plantage an der neuen Schule soll in diesem Jahre vollständig bepflanzt werden.

In der Fabrik des Herrn Revisionsraths Wagner werden fortwährend Seidenstoffe gefertigt und verkauft, und es ist dadurch den Seidenzüchtern' Gelegenheit ge­geben, die gewonnene Seide zu verwerthen.

Außerdem wird auch der Vorstand des Vereins zur Beförderung der Seidenzucht den inländischen Seideu- züchtern, welche sich dieserhalb an ihn wenden, entweder die Cocons in einem ihrer Beschaffenheit entsprechenden Preise abkaufen oder auch den Verkauf der abgehaspel- ten Seide vermitteln.

Der Verein hat es für zweckmäßig gehalten, die Centralhaspelanstalt oder s. g. Filanda von der Fabnk des Herr Wagner zu trennen.

In jener werden allen Seidenzüchtern, welche sich dem Vereine anschließen, and) künftig für den geringen

Beitrag von 24 kr. jährlich, die an den Vorstand ab­gelieferten Cocons ohne Rücksicht auf die Zahl unent- geldlich abgehaspelt.

Die SeidenhaSpelerinnen Anna Maria Fleisch von Reifenberg und die Christiane Müller von Arnoldshain wurden aus Kosten der Gemeindecassen im Filetstricken unterrichtet, und auch die Seidenhaspelerin Elisabetha Herrmann aus Hornau ließ Herr Ministerialrath Frei- Herrn von Gagern auf seine Kosten die Filetstrickerei erlernen.

Dann hat Herr Ledersabricant Roth zu Lorsbach auf seine Kosten die Catharina Hyronimus von da zur Seidenhaspelerin ausbilden lassen.

Es wurde beschlossen^ künftig an Lehrer, welche sich um die Pflanzung von Maulbeerbäumen und die Ein­führung der Seidenzucht in ihren Gemeinden verdient machen, Preise von 10 bis 40 fl. zu »ertheilen und Schulkinder, welche die meisten Cocons erziehen, künftig 4 Preise auszusetzen, wogegen der zweite und sechste von den in den vorjährigen Mittheilungen bestimmten Preisen eingehen sollen.

Zur Erlernung des Fertigens von Strohflechteu wurden im vorigen Jahre SeidenhaSpelerinnen in den Schwarzwald gesendet, wozu uns das Herzogl. Staats- ministerium, Abtheilung des Innern einen Beitrag von 150 fl. bewilligt bat, und es hat diese Behörde die Sorge für die weitere Ausbildung dieses Industriezwei­ges dem Vorstande des Vereins zur Förderung der Seidenzucht übertragen.

In der hiesigen Flechtschule sind seitdem 49 Mädchen aus dem In- und zwei aus dem Auslande und auch einige junge Männer in dem Fertigen von Strohflechten und von verschiedenen Strohfabricanten, als Strohhüten, Sohlen, Schuhen, Taschen, Körbchen rc. unterrichtet und in verschiedenen Orten des Herzogthums, namentlich in Reichelsheim, Arnoldshain , Usingen, Braubach, Lorch, Hadamar, Dernbach, Winden, Hilscheid, Langenschwal­bach und Fischbach Strohflechtschulen errichtet worden. Zu den Lehrerinnen und Lehrern, wurden die im Schwarz walde und in der hiesigen Flechtschule unterrichtete» Mädchen und jungen Männer verwendet. Bei armen Gemeinden wurden die Kosten des Unterrichtes theil­weise auf. die Herzog!. LaikdeSsteuercasfe übernommen.

Die Strohflechten und sonstigen Fabricate finden schon jetzt lohnenden Absatz, der Arbeitsverdienst wird sich aber in dem Grade erhöhen ^ als die Arbeiten an Güte und Brauchbarkeit gewinnen, weßhalb noch aller Fleiß auf das Fertigen feinerer Fabricate verwendet werden muß.

Ihre Königlich e Hoh eit die Frau Her­zogin Pauline haben die Johannette Will von Idstein, die Freiiu von Nauendorf zu Hachenburg die Emma Bonn aus Marienberg, Herr Kreisamtmann Freiherr von Gagern zu Rübcsheim die Elisabethe Boß aus Sauerthal, Herr Rechnungsrath Reuscher da­hier die Katharine Fries und Elisabethe Neuscher von Irmtraut, Herr Decan und Professor Nink zu Hachen­burg die Niâia Wirth von da, Herr Medicinalrath Koch von St. Goarshausen die Maria Schwab von da und der Vincentius - Verein zu Hillscheid den Ferd. Joseph Carmann von da auf Ihre Kosten in dem Fer­tigen von Strohflechten und Strohfabricaten unterrichten lassen.

Sodann hat der in Frankfurt bestehende Verein zur Unterstützung der armen Gemeinden am Feldberge für 10 fl. Flechtstroh für dieselben angekauft.

Nach der in der Generalversammlung stattgefundenen Ergänzungswahl besteht der Vorstand des Seidenbau- Vereins aus den Herrn:

1) Oberjägermeister Freiherr von Gilsa als erster Director;

2) Regierungsrath Schenk als zweiter Direktor;

3) Mnisterialrath von Trap»,

4) Ministerialrath Freiherr von Gagern, und

5) Hofgerichtsrath Gieße als Vorstandsmitglieder;

6) Ministerialacccssist Schmidt als Secretär;

7) Ministerialrevlsor Pfeiffer als Rechner.

Da die Functionen des Herrn Revisionsrathes Wagner als Geschäftsführer in der CentralhaSpelaustalt aufgehört haben und diese Geschäfte künftig von dem Vorstande besorgt werden, so bittet dieser, nunmehr alle die inländische Seidenzucht betreffenden Schreiben und Anfragen, namentlich auch die Anforderung von Maul­beerbäumen oder Pflanzen, des Samens und der Grains, welche die Gemeinden oder Seidenzüchter von dem Ver­eine beziehen wollen, an den Vorstand de« Vereins zur Förderung der Seidenzucht zu adresstrcn, und auch die Cocons, welche in der CentralhaSpelanstalt abgehaSpekt

oder an den Verein verkauft werden sollen an den Vorstand abzusenden, wobei zur Vermeidung von Miß­verständnissen ausdrücklich bemerkt wird, daß die Fabrik, welche Herr Revisionsrath Wagner bisher in der Een- tralbaspelanstalt oder Filanda betrieben hat, eine Pri- vatanstalt desselben ist, weßhalb alle Briefe, welche die­sen Geschäftsbetrieb angehen, an den Herrn Revisions- rath Wagner zu adresfiren sein werden.

Deutschland.

^ - Wiesbaden, 15. April. In der heutigen Sitzung der ersten Kammer der Ständeversammlung wurde, nach­dem in der Sitzung vom 7. d. M. die Interpellation des Abgeordneten Bellinger wegen der Auszahlung der Besoldungen der Real- und Elementarlehrer durch die H. Recepturen von dem landesherrlichen Commissarius dahin beantwortet worden war, daß alle Hindernisse un- Mißverständnisse, welche sich bei mehreren Recepturen, hinsichtlich der Art der Verrechnung der geleisteten Vor­schüsse ergeben, nunmehr beseitigt seien und der Gegen­stand ganz nach Maßgabe der bestehenden Vorschrift geordnet sei, auf weitere Anfrage die Erläuterung gegeben, daß jene Besoldungen fortan unter allen Umständen dem Gesetze gemäß zur bestimm­ten Zeit bezahlt werden würoen. Auf die vom Präsi­dium (Grafen v. Walderdvtff) gestellte Anfrage , die Er­weiterung des Zuhörerraumes betr., erwiderte der Re- gierungscommisfär, daß dieses nach dem Gutachten der Baubehörde sich nur durch Wegräumung der das angrän­zende Zimmer vom Sitzungssaal abschließenden Wand bewerkstelligen ließe, daß jedoch mit dieser Einrichtung, abgesehen von der unbedeutenden dadurch zu erzielenden Erweiterung, solche Unzuträglichkeiten und Störungen in der Benutzung der übrigen zum Geschästslocal des Staatsministeriums dienenden Räumlichkeiten verbunden sei, daß die Regierung darauf einzugehen sich außer Stande sehe. Ebensowenig sei sie in der Lage, der hohen Kam­mer vorerst ein geräumigeres Local zur Verfügung zu stellen. Das Präsidium bemerkte Hieraiff, daß die an­geführten Bedenken für die Kammer dem 8» 36 der Geschäftsordnung gegenüber nicht maßgebend sein könn­ten. Mit der abgegebenen Erklärung könne die Kam­mer sich nicht beruhigen, das Präsidium habe daher die Verpflichtung diese Bestimmung so lange in Anregung zu bringen, bis derselben Genüge geschehen, übrigens könne die Auffindung und Herrichtung eines passenden geräumigeren Sitzungslocals mit Schwierigkeiten nicht verbunden sein. Dieser Ansicht trat die Kammer bei.

-f - Weilburg, 15. April. Es scheint, daß der Kämpe, welcher in einem Wiesbadener Blatte vom 15. d. für die jährliche Wiederholung des Nass. Landtage- in die Schranken tritt, dem doch möglichen Resultate des entgegengesetzten Vogler'schen Antrags in der 2. Ständekammer, Vorbeugen wollte. Allerdings ist dieser Antrag, wie jener sagt, nicht aus der Inspiration der Regierung hervorgegangen, indessen muß dieß demselben, in unsern Augen, eher das Vertrauen zuwenden, daß der Antragsteller, ohne alle Nebenabsichten, nur des Landes Wohl als Ziel seines Bestrebens vor Augen gehabt habe; und wenn auch, wie der Verfaffer obiger Nachricht behauptet, der Vogler'sche Antrag nicht ein­mal von den Sympathien der Kammermitglieder getra­gen würde, so mag dieß allerdings hinsichtlich einiger derselben, und wahrscheinlich darunter auch bei dem Herrn Verfasser, aus leicht begreiflichen Gründen seine Richtigkeit haben; indessen der Sympathien der großen Mehrheit des Volks erfreut sich jener Antrag (S. auch den folgenden Artikel. D. Red.) und jedweder- muß sich dessen freuen und hofft auf den ihm entsprechenden Ausgang, wer immer die wahren Vortheile desselben, im Verhältniß zu den geringfügigen, ja oft sogar schädlichen Resultaten der bisher alljährlichen Landtage sich klar und unparthciiscb vor Augen stellt.

8 Vom Westerivalde, im April 1853. Mit großer Befriedigung vernimmt man gewiß aller Orte den vom Herrn Deputirten Vogler in der Nassauischen I zweite» Kammer jüngst gestellten Antrag auf Einfüh­rung einer dreijährigen Finanz-Periode resp. R e d il c i r u n g l e é alljährlichen Landtages auf einen nach je drei Jahren erfolgenden Zusammentritt der Land stände. In einer Zeit säst überhandnehmender Armuth muß. eine solche in Aussicht gestellte Reform, wodurch dem Lande be­trächtliche Kosten erspart werden würden, mit Freuden beglicht werden, um so mehr, da dießmal nicht blos das Ersparungs-Motiv, sondern noch andere gewichtige Gründe in die Wagschate fallen. Wie nachtheilig, wie lähmend, namentlich für das dienstliche Berufsleben, mußte es