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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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M S« Mittwoch hcu 13. AM 1853.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch ür den ganzen Umfang des Dburn- und TariS'schen BerwaltungSbezirks mit Inbegriff deS PostauffchlagS 2 fl., für die übrigen Länder res deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die sierspaltig Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgosse 42, auSwänS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Zur Kenntniß geologischer Staatsanstalten.

(Schluß.)

Wie man aus der gegebenen kurzen Erörterung ent­nommen haben wird, sind gute geologische Karten von so bedeutendem Bortheile für Industrie und Landwirth- schaft, die Grundfesten des Staatswohls, daß sich leicht begreifen laßt, wie das Bedürfniß , solche zu besitzen, sich in immer weiteren Kreisen geltend macht. In der That haben daher außer den oben erwähnten Staaten bereits England, Belgien, Frankreich, Oesterreich, Preu­ßen, das Königreich und die Herzogthümer Sachsen, Bayern, Braunschweig Staatsanstalten gegründet, welche die Herstellung solcher Karten bezwecken und wodurch Frankreich, Belgien und das Königreich Sachsen bereits in Besitz dieser trefflichen Hülfsmittel zur Ausbeutung ihrer natürlichen Reichthümer gekommen sind. Gegen­wärtig ist in Kurhessen und Holland gleichfalls von den Regierungen die Einrichtung geologischer Staatsanstalten verfügt worden.

Um das Wirken einer solchen Anstalt klar zu ma­chen, wollen wir die k. k. österreichische geologische Rcicbs- anstalt, gegründet am 15. November 1849 mit einer jährlichen Dotation von 31,000 fl. C.-M., näher erör­tern. Als Muster für ihre Einrichtung wurde die eng­lische Reichsanstalt, vom Parlamente 1836 mit jährlich 108,000 fl. ausgestattet , benutzt, von deren Wirken eine von der k. k. Academie der Wissenschaften entsen­dete Commission sich umfassende Kenntniß an Ort und Stelle verschaffte. Die geologische Aufnahme des Kaiser­reichs, als deren Grundlage die Karten des k. k. Ge- neralstabö im Maßstabe von 1: 28,000 benutzt werden, soll in 30 Jahren vollendet sein und kommen demnach etwa 400 Quadratmeilen auf das Jahr. Der Sommer ist zur Ausführung der Aufnahmen selbst von den Geo­logen, der Winter zur Bearbeitung der gesammelten Materialien in Wien bestimmt. Alle zwei Wochen fin­den öffentliche Sitzungen der Reichsanstalt statt, in welchen der Reihe nach die Ergebnisse ihrer Thätigkeit vorgetragen werden. Das prachtvolle Lichtenstein'sche Palais wurde zur Ausstellung der Sammlungen und zu Arbrits- und Sitzungslocalen eingerichtet. Die Sammlungen selbst sind von zweierlei Art. Eine bietet die Mineralien, Petrefacten und Felsarten aller Länder in strengwissenschaftlicher Reihenfolge, eine zweite besteht aus abgesonderten Suiten der österreichischen Kronlän­der, so angèordnet, daß der Beschauer alle technisch oder wissenschaftlich wichtigen Vorkommnisse eines jeden Kronlandes leicht zu übersehen und die Möglichkeit industrieller Unternehmungen in dem einen oder anderen, soweit sie hiervon abhängt, zu bemessen vermag. Außer­dem ist mit der Anstalt ein chemisches Laboratorium verbunden, in welchem die von den Geologen mitge­brachten oder anderweitig von Staatsbehörden oder Privaten eingesendeten, in landwirthschaftlicher oder technischer Beziehung wichtigen Substanzen, Ackererde, Kalk, GypS, Erze, Hüttenprodncte, Brennstoffe, Mi­neralwasser chemisch untersucht werden. Alle die aus der Thätigkeit des gestimmten Personals der Anstalt sich ergebenden Resultate werden nach ihrer Mittheilung in den öffentlichen Sitzungen in dem Jahrbuche (8°) oder den Abhandlungen (Folio) der k. k. geologischen Reichs­anstalt veröffentlicht.

Gegenwärtig sind vollendet die Karten von Nieder­österreich mit den dazu gehörigen Durchschnitten, Hö­henmessungen u. s. w., drei Bände deS Jahrbuchs und ein Band der Abhandlungen, alle reich an Ergebnissen für die Praxis, wie für die Wissenschaft. Diese Arbei­ten sollen aber nicht ausschließlich Eigenthum Oester­reichs sein, vielmehr werden sie mit einer seltenen Libe­ralität allen Staatsbehörden oder Vereinen im Aus­lande mitgetheilt, welche ähnliche Zivecke verfolgen und deren oft ihren Mitteln zufolge nur sehr unbedeutende Leistungen die einzige Gegengabe bilden, welche die österreichische Reichsanstalt erwartet. Ein solches Ver­fahren verdient die allgemeinste Anerkennung und die Naturforscher - Versammlung zu Wiesbaden hat sie mit Recht dem würdigen Gründer und Director der Anstalt, Sectionsrath Haidinger, in einer Weise dargebracht, welche zeigen mußte, wie hoch sie Verdienste dieser Art anschlägt.

Nachdem wir unseren Lesern an einem concreten Beispiel die Einrichtung geologischer Staatsanstalten klar gemacht, sei es uns verstattet; zum Schluffe einer Unternehmung zn gedenken, welche in unserer nächsten Nähe vorbereitet und zum Theil schon in der Ausfüh­rung begriffen ist.

Es ist zwar keine Staatsanstalt, und man darf da«

nach den Maßstab zu ihrer Beurtheilung nicht so hoch greifen, wie es bei einer solchen mit Recht geschehen würde, aber es ist ebenfalls eine Unternehmung im öf­fentlichen Interesse und vielleicht von wichtigen Folgen.

Im September 1852 constituirte sich nach mehreren voransgegangenen Berathungen zu Friedberg der mittel- rheinische geologische. Verein zur geologischen Aufnahme des Grvßherzogthums und Kurfürstcnthums Hessen, so­wie der angrânzenden Theile von Nassau und Preußen nach gemeinschaftlichem Plane. Die Basis der Auf­nahme bildet die schöne großh. hessische Generalstabs, karte im Maßstabe von 1 : 50,000 und der Natur­forscherversammlung zu Wiesbaden konnte bereits neben der Mittheilung über die Constituirung des Vereins die Vollendung einer nicht unbedeutenden Zahl von Sectio- nen jener Karte angezeigt werden. Die l ndgräflich- hessische Regierung hatte zur Förderung dieser Arbeit Geldmittel aus eigener Entschließung verabfolgt, die Stände des Grvßherzogthums Hessen für geologische Landesuntersuchung eine jährliche Summe von 1000 fl. ausgesetzt.

Bei diesen günstigen Aussichten wird wohl schon in diesem Sommer die Herausgabe der drei Sectionen Friedberg, Fauerbach und Hanau-Offenbach möglich sein. Nach dem Beschlusse der letzten Versammlung wird jede Section von einem allgemein verständlichen erläuternden Text begleitet, indem die in landwirthschaftlicher und technischer Beziehung wichtigen Gesteine besonders be­rücksichtigt werden sollen. Auf diese Weise hofft der Verein auch das größere Publicum für ein Unterneh­men zu interessiren, über dessen Nützlichkeit nach den oben angeführten Thatsachen wohl kein Zweifel bestehen kann. Ohne anderweitige Unterstützung wird jedoch die Durchführung der ganzen begonnenen Arbeit kaum mög­lich sein und ist daher eine solche sehr zu wünschen.

Dentschland.

* Wiesbaden, 1L April. Professor Sch enkel von Heidelberg ist heute Morgen von hier abgereist.

* Mainz, 12. April. Von Seite der großh. hessi­schen Regierung ist gestern die Concession zur Erbau­ung der Eisenbahn von Aschaffenburg über Darmstadt nach Mainz, sowie jener von Mainz nach Bingen ertheilt worden. Die Verwaltung dieser beiden Bahnen soll mit jener der Ludwigsbahn vereinigt werden, so daß die drei Bahnen nur Ein großes Ganze bilden würden. Ihre Königliche Hoheit un­sere Frau Groß Herzog in istzum Besuch der Blumenauöstellung hier eiugetroffcn.

, * Die Frankfurter Demokratie fordert in dem VolksblaU für Rhein und Main" ihre Brüder auf, alles Verdächtige schleunigst über Seite zu bringen für den möglichen Fall von Haussuchungen, die da kommen könnten. Hat denn die Frankfurter Demokratie nicht bedacht, daß in dieser Aufforderung das naive Selbst- geständniß liegt: sich wirklich mitverdächtigen" Dingen befaßt zu haben?

München, 10. April. (A.Z.) Ein unglücklicher, jedoch in seinen Folgen ohne bleibende Bedeutung vorüberge­gangener Vorfall ereignete sich in der Behausung des Professors v. Liebig. Auf den Wunsch II. MM. der Königin Marie, der Königin Therese und Sr. Maj. des Königs Ludwig hielt Professor v. Liebig gestern Abend eine chemische Vorlesung, welcher noch II. kk. HH. der Prinz und die Prinzessin Luitpold, die Prin­zessinnen Helene und Elise, die Prinzessin von Alten- churg uud einige vom Hofe geladene Personen bei­wohnten. Bei der Darstellung des schönen und gefahr­losen Versuches, der Verbrennung von Schwefelkohlen- stoff-Dampf in SnckoxydgaS gab ihm sein Assistent bei der Wiederholung des Versuches, um denselben zum zweitenmal zu zeigen, nachdem er das erstemal wohl gelungen war, eine Flasche mit Sauerstoffgas, die zu einer Phosphorverbrennung bestimmt war, anstatt einer zweiten Flasche mit Stickoxydgas in die Hand. Nach Einbringung des Schwefelkohlenstoffs und Anzünden er­folgte, wie jeder Kundige sich denken kann, eine Ex­plosion, durch welche das Glasgefäß in tausend Stücke zerschmettert wurde, mit einem Knalle, gleich einem Pistolenschuß. Im ersten Augenblick überraschte dieses unerwartete Ereigniß alle Anwesenden, da, wie man wohl voraussetzen kaun, jedes auch nur entfernt gefähr­lich scheinende Experiment aus diesem Kreise verbannt sein mußte; der Versuch selbst ging in einem Neben­zimmer vor sich, so daß der Vorgang für die Zu­schauer nur durch die Thüröffnung sichtbar war; dem- ungeachtet wurden durch die Heftigkeit der Explosion und die umhergeschlenderten Glasstücke einige Ver-

I wundungen herbeigeführt. Die Königin Therese be- * merkte zuerst eine starke Blutung, welche von einer zoll­langen Wunde auf ihrer Wange herrührte; Prinz Luit­pold war durch ein Glasstück am Scheitel, die Gräfin Lüxburg am Schlüsselbein und die Gräfin Sandizell am Kopfe leicht verwundet. Die Fassung sämmtlicher höchsten Herrschaften bei diesem unglücklichen Vorfall war bewundernswürdig. Die Königin Marie war wie ein Engel der Beruhigung für alle. Ueber allen Aus­druck erhaben war der Muth der Prinzessin Luitpold. Der König Ludwig war voll Besonnenheit und wie wenn gar nichts ungewöhnliches vorgefallen wäre. Als Professor v. Liebig der Königin Marie und der Königin Therese auseinandersetzte', wie durch einen Mißgriff sei­nes Assistenten der Vorfall gekommen sei, war das ferste Wort beider Majestäten: Sagen Sie ihm nichts darü­ber. Prinz Luitpold ließ sich, nachdem die Blutung gestillt war, den ganzen Vorgang in größter GemütHS« ruhe auseinandersetzen. Profeffor v. Liebig, welcher in nächster Nähe stand, wurde an seiner linken Hand und verschiedenen Theilen des Körpers leicht verwundet; es scheint als ob er sein Leben nur einer metallenen Dose verdankt, welche die Gewalt eines großen Glassplitters brach, der Tuch und was darunter lag quer über der großen Schenkelpulsader durchschnitten hatte und auf der Dose liegen geblieben war. König Ludwig be­ehrte heute Vormittag den Prof. v. Liebig mit einem Besuch.

Die Deputation des Augsburger Handelsstandes, der dieser Tage in Angelegenheit der beabsichtigten Er­richtung einer süddeutschen Messe in Augsburg hier war, hat, (wie zu erwarten war) keine ganz bestimmte Ant­wort vom k. Handelsministerium erhalten, indessen auch keine abschlägige so erzählt dieWürzb. Z.

Weimar, 10. April. Heute ward unser Landtag vom Ministerium, in Auftrag des Großherzogs, eröffnet. Die Wahl des Vorstandes fiel, wie im letzten Landtage, auf den Bezirksbirector v. Schwendler und den geh. Staatsrath Thon (das vormärzliche Mitglied des Mi­nisteriums).

Bertin, 10. April. Die Commission der zweiten Kammer für Vorberathung der Regierungsvorlage, be­treffend dir außerpreußische Presse, hat in ihrer gestri­gen Sitzung die Vorlage mit 8 gegen 4 Stimmen un­verändert angenommen: Die diffentirenden Stimmen waren die der Abg. v. Vincke, Wentzel, v. Bethmann- Hollweg und Lohmann. Zum Referenten ist der Abg. Scholz gewählt worden. Auch die Ständeordnung für die östlichen Provinzen ist von der Commission der zweiten Kammer im Wesentlichen ganz in Uebereinstim­mung mit der Regierungsvorlage begutachtet, und cs steht kaum zu zweifeln, daß die morgen beginnenden Berathungen der Plenarversammlung zu keinem andern Resultate führen werden. DieHamburger Börsen- Halle" schreibt: Ob die Generalconferenz des Zollver­eins, die gewöhnlich im Juni abgehalten wird, diesmal schon im Mai zusammentreten soll, ist bis heute noch nicht entschieden. ES werden Anträge auf Ermäßigung des Zolles auf ausländisches Eisen gestellt werden, und hofft man, auch die süddeutschen Regierungen für die­selben zu gewinnen. Handelsministcr V. d. Heydt ist wie der König entschieden dafür, daß der Bezug billigen Eisens nicht länger dem Lande vorenthalten werde. Wir haben nachgcwiesen, daß dies theils auf einem Irrthum beruht, theils durch anderweitige specielle Maßregeln erreicht werden kann. Sieben der bei dem Berliner Gcsundhcitspflegeverein thätigen Aerzte haben gegen das Auflösungsdecret einenothgedrungene Erklärung" erlassen. Nach der Auflösung des Ge- sundheitspflcgevereins hatte sich die Generalkrankenkasse der hiesigen Maschinenbauer, welche für ihre Gesund­heitspflege an den Gesainmtverein mehr als 3000 Thlr. jährlich auszahlten, als der eigentliche Kern jener Asso­ciation erwiesen. Der Polizeipräsident v. Hinkeldey ließ gestern nicht nur den Kassenbestand der Maschinen­bauer, der sich gegen 3000 Thlr. belief, mit Beschlag belegen, sondern er ordnete auch gleichzeitig eine'Um­gestaltung ihrer Krankenkasse zu einem öffentlichen In­stitut an, welches jetzt unter Aufsicht des Magistrats nach Art der Junungskassen organisirt und verwaltet werden soll.

Die vom Magistrat eingeführten Fabrikarbeiterkaffen und Verbindungen zu gegenseitigen Unterstützungen ver­dienen eine allgemeine Einführung. Es ist bekannt, daß aus den Fabrikarbeitern eine große Masse von Ar­men hervorgeht, und daß sie, einmal arbeitsunfähig ober irgendwie brodlos geworden, den Gemeinden zur Last falle», welche den an sie gestellten Anforderungen