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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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â. Dienstag den 12. April /S53.

Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch är 6tn ganzen Umfang deS Ldurn- und TariS'schen BerwaltungSbezirts mit Inbegriff des PostausschlagS 2 fl., für die übrigen Länder deS deutfch-vsterreichifchen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die vierspaltig Petitzcile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den Nächstgelege,int Postämtern, zu mache».

Amtlicher Theil.

D i e n st n a ch r i ch t e n.

Seine Hoheit der Herzog haben dem Mini- sterialrath Hendel die nachgesuchte Erlaubniß, daß ihm von Seiner Majestät dem Könige von Wür- temberg verliehene Ritterkreuz des Ordens der Würt- tembergischcn Krone anzunehmen und zu tragen, gnä­digst ertheilt.

Der Justizamts,- Accesstst Gail zu Marienberg ist nach Braubach und der Justizamts - Accesstst Flügel von Montabaur nach Marienberg versetzt worden.

Nichtamtlicher Theil.

IurKenntniss geologischer StaatSanstatten.

$ Zu keiner Zeit haben die Naturwissenschaften einen allgemeineren und mächtigeren Einfluß aus das Staats­leben ausgeübt, als in der unsrigen, wo die stete Zu­nahme der Bevölkerung und der Staatsansgaben das Aufbieten aller Hülfsmittel nothwendig macht, mit wel­chen die gütige Natur ihre Gebiete ausgestattet. Die Erkenntniß dieser Hülfsmittel aber bildet einen Theil der Aufgabe der Naturwissenschaften und die Ueberzeu­gung, nur durch sie ihr Ziel erreichen zu können, ist die Veranlassung, daß fast in allen Ländern der civili- sirten Erdtheile diese Wissenschaften sich der energischsten Förderung Seitens des Staates zu erfreuen haben. Wenn es gilt, auf diesem Gebiete der Forderungen der Zeit zu entsprechen, so sehen wir Regierungen der ver­schiedensten Staatsformen mit derselben Bereitwilligkeit vorschreiten. Beispielsweise hat der Staat New- Uork 1829 200,000 Dollars, Pennsylvanien jährlich 10,000 Dollars zur Disposition seiner Staatsgeologen gestellt und die prachtvolle Ausstattung der Werke, welche von diesen als Resultat ihrer Forschungen auf Staatskosten veröffentlicht werden, wird auch den Ungläubigsten über­zeugen, daß der durch und durch praktische Geldmann Jonathan, wenn es sich um diese Angelegenheit handelt, kein Opfer scheut. Um ein Beispiel aus einem nach sonst gerade entgegengesetzten Principien regierten Staate zu wählen, so hat die kaiserlich russische Regierung, so- bald ihr die Absicht der berühmten Geologen Murchi­son und von Verneuil bekannt wurde^ einen Theil ihres unermeßlichen Gebietes zu untersuchen, ganz in dersel­ben Weise verfahren. Alle Behörden werden angewie­sen, in jeder möglichen Art dieses Unternehmen zu un­terstützen und sehr bedeutende Summen zur Durchfüh­rung dieser in ihrer Art einzigen Arbeit und deren Ver­öffentlichung bewilligt. Gegenwärtig hat dieselbe Regie­rung nach Vollendung mehrerer mit dem ausgezeichnet­sten Erfolge von dem Grafen Keyserling, den Obersten v. Helmersen und Hofmann und Anderen diirchgefübr- ten Untersuchungen der geologischen Beschaffenheit des Urals und Sibiriens eine neue Arbeit von der größten Bedeutung angeordnet. Oberst Hofmann wurde näm­lich beauftragt, die Leitung einer in ganz großem Maßstabe zu bewerkstelligenden geographischen und geo­logischen Aufnahme der sämmtlichen Bergwerksreviere der Krone zu übernehme», welche mit April d. J. be­ginnen soll. Daß es sich bei Unternehmungen dieser Art um ganz andere Dinge, als blose theoretische Arbeite» handeln muß, wenn die erwähnten Staaten so bedeu­tende Seibmittel darauf weuden, liegt wohl auf der Hand. Aber nicht Allen möchte es klar sein, welche Vortheile der Staat aus einer geologischen Untersuchung seines Gebietes ziehen kann und es wird daher viel­leicht nicht ungeeignet erscheinen, etwas näher auf die einzelnen Puncte einzugehen, die hierbei in Frage kom­men. Der Bergmann wird auf einer genau'aufgenom­menen Karte mit Bestimmtheit die Gränzen der Schicht ten erkennen, innerhalb welcher die diesen eingelagerten Stein- und Braunkohlen austreten und von unni^en und kostspieligen Versuchen außerhalb dieser Gränzen abstrahiren. Er wird wie ein in der Wetterau ohne vorherige geognostische Untersuchung unternommener, höchst kostspieliger Bohrversuch ans Steinkohlen lehrt, im andern Falle gänzlich unnütz Geld verschwenden, welches an einem andern geeigneten Puncte angewendet mit dem glänzendsten Erfolge gelohnt hätte. Sucht er Eisen, Blei, Zink, Braunstein, Nickel, so wird ihm die geologische Karte die Gesteine angeben, in welchen er nach den bisherigen Erfahrungen diese Metalle mit grö­ßerer Wahrscheinlichkeit finden kann. Besitzt der Berg­mann einige geologische Kenntnisse, so wird er an einem gegebenen Orte nicht blos jene Erze auszufinden im

Stande sein, sondern es muß ihm auch gelingen, die Stelle» zu ermitteln, an welchen eine besondere Reich­haltigkeit der metallischen Lagerstätten zu erwarten ist. Erfahrung und Theorie sprechen gleichmäßig dafür, daß diese Stellen an den Kreuzungs- oder Berührungslinien verschiedener Gesteine liegen. Findet er Erzgänge, so wird er nicht erwarten dürfen, daß dieselben in Gestei­nen von verschiedener Natur und Festigkeit unverändert fortsetze», aber die geologische Karte wird ihm angeben, wie weit er auszufabren hat, um wieder in ein Gestein zu kommen, dessen Ntur der Ausbildung der Erzmiltel günstig ist, oder ob er von dem begonnenen Versuche abstehèn muß. Wenn endlich Verwerfungöklüste oder andere ungünstige Erscheinungen eintreten, so wird ihn die sorgfältige Beobachtung der geologische» Verhältnisse in den Stand setzen, die verlorene Schicht oder den verlorenen Gang wieder aufzufinden. Mit Hülfe der geologischen Karte wird der Ingenieur und der Bau- beamle, die Festigkeit und die Haltbarkeit des Bodens kennen lernen, in oder auf welchem die Anlage einer Chaussee, eines Eisenbahndurchschnitts oder eines Canals durchgeführt werden soll. Er wird wissen, ob zur Stützedes Baus an dieser Stelle kostspielige Mauerung nothwendig ist und daher eine andere ausgesucht werden muß, an der das durchbrochene Gestein sich selbst trägt, alles Puncte, bei denen die Vernachlässigung der von den geologischen Wissenschaften gebotenen Hülfe schon oft sehr bedeutende pecuniäre Nachtheile zur Folge gehabt hat. Mit der­selben Sicherheit wird sich auS der geologischen Karte ergeben, wo für eine Bauunternehmung die geeignetsten Bausteine, Kalk und Sand, wo für architektonische Zier­rathen Marmor und Anderes, in möglichst geringer Entfernung vom Bauplatze zu finde» sei. Von beson­derer Wichtigkeit ist es für industrielle Unternehmungen, sehr oft auch für die Gesundheit der Bewohner eines Ortes, eine reichliche Menge frischen Quellwassers durch Bohrungen zu erhalten, wenn sich an der Oberfläche keine Quelle auffinden läßt. Um zu wissen, wo unb bis zu welcher Tiefe ein solcher Bohrversuch mit größter Wahrscheinlichkeit eiM Erfolgs anznstellen ist, wird abermals die geologische Karte zu Hülfe gezogen werden müssen. Sie allein wird nachweisen, ob nach der Be­schaffenheit des an der Oberfläche erscheinenden Ge­steins eine wasserführende Thon- oder Lettenschicht unter demselben zu erwarten sei und die anderwärts gemach­ten Beobachtungen über die durchschnittliche Mächtigkeit der oben aufliegenden Schicht werden leicht bestimmen lassen, wie tief man zn bohren shabe. Auf dieselbe Art, wie bei den Erzlagerstätten wird die Karte Auskunft über das Vorkommen von Gyps, von hydraulischem Kalk, Dachschiefer rc. geben.

Eine weitere Anwendung der geologischen Karte von noch allgemeinerem Nutzen wird der rationelle Land- wirth zu machen im Stande sein. Die Natur der un­terliegenden Gebirgssteine bestimmt vollständig die Qua­lität des Ackerbodens, so daß man in der That bei ge­nauer Betrachtung der auf einer richtigen geologischen Karte vorgestellten Gesteine angeben kann, welche Ge­genden fruchtbar, welche nur eine kümmerliche Vegeta­tion zu ernähren im Stande sein werden. Um einen reichlichen Pflanzenwuchs hervorbringen zu können, muß das Gestein hinlänglichen Zusammenhalt bieten, um der Wurzel Festigkeit zu verleihen, eine ausreichende Quan­tität Wasser in sich zurückzuhalten und endlich seine chemische Zusammensetzung die mineralischen Nahrungs­stoffe enthalten, ohne welche eine Ernährung der Pflanze unmöglich ist. Reiner Sandboden ermangelt dieser drei Eigenschaften gänzlich und ist daher unfrucht­bar; reiner Thonboden hält zu viel Wasser zurück, was für die Vegetation eben so nachtheilig ist, als ein zu geringes Maß des Flüssigen; reiner Kalkboden gibt zwar einen Hauptbestandtheil der Pflanze in mehr als genügen­der Quantität, aber er ist nicht im Stande, die nöthige Menge Wasser zurückzuhalten. Es liegt daher nahe, dem Sande durch eine angemessene Quantität Thon Festig­keit und das Vermögen Wasser zurückzuhalten, mitzu- theilen und durch Beimischung von Kalk die minerali­schen Bestandtheile hinzuzufügen, welche zur Ernährung der Pflanze nöthig sind. Dem Thonboden muß umge­kehrt Sand beigemengt werden, um ihn aufzulockern und Kalk aus demselben Grunde, wie dem reinen Sand­boden. Es kann also die eine Bodenart durch die an­deren verbessert werden und die geologische Karte zeigt, wo in größter Plätze das Material zu dieser Ler­besserunganzutreffen ist, indem sie die Kalk-, Sand- und Thonlager genau angibt. Außerdem wird sie das Vorkommen von Gyps, von Mergel und anderen der Landwirthschaft förderlichen Gesteinen bezeichnen.

Das Gebiet der Grauwackenformatiön zum Beispiel ist sehr steril, weil das Gestein aüs Quarz und Thon in sehr inniger Vereinigung besteht, schwer verwittert und einen zwar lockeren, aber sehr wenig Kalk und Alkalien bietenden Boden erzeugt. Es findet sich aber am Rhein und der Lahn auf dem Plateau sowohl als in den Sei­tenthälern eine nicht unbedeutende Zahl von Ablagerun­gen von Löß, einem kalkigen Schlamme aus der letzten Periode der Erdbildnng, welcher jenem sterilen Boden die Eigenschaften verleihen würde, die ihm abgchen. Wer einigermaßen diese Lößinseln näher betrachtet hat, wird einen .großen Unterschied zwischen ihitr kräftigen und reichen Vegetation und der kümmerlichen der nack­ten Grauwacke finden. Wären nun alle jene Puncte auf einer geologischen Karte verzeichnet, so würde bet Laudwirth wissen, wo er das Material zur Verbesserung seiner Felder zu suchen hat. (Schluß folgt.)

Deutschland/

* Wiesbaden, 12. April. Wir haben vor bei­nahe anderthalb Jahren Gelegenheit gehabt, aüf den abscheulichen Menschenhandel aufmerksam zu machen, der von London aus durch bezahlte Unterhändler seit ge­raumer Zeit schwunghaft betrieben wird und der nur harauf berechnet ist, der Sittenverderbniß, dir Verfüh­rung zu Verbrechen und der Proftiiutiöü Neue Opfer zuzuführen und aus dem sittlichen Untergang derselben so viel Nutzen als es nur immer möglich ist zN ziehen. Unter allerlei Vorwänden und Vorspiegelungen, gegen ansehnliche Verheißungen und Handgelder werden arme Eltern dahin gebracht, ihre Kinder den Unterhändlern anzuvertrauen; meistens heißt es, daß die Kinder, Mäd­chen und Knaben, in den Straße» Londons musiciren sollen. Es läßt sich leicht denken, daß der Erwerb, den die schwachen Hände dieser jungen weißen Sclaven bei einer ehrlichen Arbeit ziehen können, ihren Herren nicht genügt, und daß sie auf jede Weise Mißbraucht werden. Auch unser Herzogthum sollte sein Kontingent für diese Schule des Lasters liefern. Im December 1851 wurde in Köln ein Mann, Namens Pc her Rumpf auS Weisel im Großherzogthum Hessen angehalW, der èlye Carawane halbwüchsiger Mädchen uW Kbabeu, (9 äü der Zahl, mit sich führte, um mit ihnen nach London zu reisen. Eilf Kinder nassauischer Landleute aus dem Amte Marienberg, 8 Mädchen und 3 Knaben, wurden damals von dem nach Köln entsendeten H. nassauischen Polizeicommissâr v. Rößler in ihre Heimath zurückge­bracht. Der Unterhändler hatte für jedes Kind 9 fl. gezahlt und nach Verlauf von 2 Jahren eine Summe von 90 fl. zu zahlen versprochen. Er wurde den großh. hessischen Gerichten überliefert. Dieser Menschenhandel scheint aber zu Vortheilhaft, als daß die Gefahr, bestraft zu werden, davon abschrecken könnte. Wir sind in der Lage, einen ähnlichen Fall berichten zu können.

Am 7. b. Mts. war es der Polizeibehörde in Bieb­rich ausgefallen, daß eine Zahl Kinder von 14 bis 16 Jahren, meistens Mädchen, sich in dem Hause sammel­ten, worin gewöhnlich Auswanderer zu herbergen pflegen. Sie waren unter Führung eines Mannes Namens Da tz aus Anspach im Amte Usingen, angefommen, und in jenem Hause trafen zwei fremde Herr.en, Fay und Becker aus Münster im Hessischen, nebst ihren Familien mit ihnen zusammen. Die Polizei schritt ein, arretirte die ganze Gesellschaft und stellte eine Untersu­chung über den Zweck der Reise und die Ursache deS Zusammentreffens an. Es ergab sich, daß diese Kinder von ihren Eltern an jeneHerren" zu bem Zwecke verkauft waren, um nach England geführt zu werden, und dort in verschiedener Beschäftigung für die Entrepreneurs Geld zu verdienen. In der Brieftasche des einen Füh­rers war der Preis für einen der Knaben mit 3 fl. no- tirt. Nur 2 Mädchen gestanden, verkauft worden zu sein; die andern behaupteten, in'S Ausland: nach Cöln uub Kaub reifen zu wollen, wie es auch in ihren Päs­sen stehe; sie seien deshalb auch mit Geld versehen und zeigten einige 17 Kreuzer-Stücke vor. Treiber, Füh­rer und Verführte wurden unter Escorte dem Herzogl. Kreisamte zu Wiesbaden zugeführt, ungeachtet der lau­ten Klagen des Wirthes B. über die ungerechte Be­handlung der Reisenden, die öfters bei ihm eingesetzt seien und ihm Geld zu verdienen gaben.

ES ist ein Glück, zugleich aber auch nur ein Zufall, daß es der Umsicht der Polizei gelang, diesen neuen Frevel verhindern zu können. Wie viele Fälle, nament­lich bei denen das Aufsehen vermieden wird, bleiben unentdeckt? Sollte es ba, nicht gerathen und geboten sei», bent Uebel mehr an die Wurzel zu gehen, die El­tern über die Schändlichkeit ihres Beginnens, eindring-