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Nassauische Allgemeine Zeitung.

IV' 83. Samstag den 9. April 1853.

Bestellungen auf dieNass. Allgem. Zeitung" für das zweite Quartal 1853 werden baldigst erbeten.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreis für Wiesbaden und , nach rem neuen Poffregulaiiv nunmehr auh Le den ganzen Umfang des Tburn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS PoffausschlagS 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postvereins, mir für daS Ausland 2 ff. 24 tr. Inserate werden die diersvallig Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W, Friedrich, Langgaffe 42, auâwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Serbiens Politik und Bedeutung.

Ein kleines Land an der südlichen Grenze Oester­reichs hat in der letzten Zeit, während nahe an seinen Grenzen Kriegslärm und Kriegsvorbereitungen laut wurden, eine so räthselhafte Stellung eingenommen, daß es vielleicht an der Zeit ist, einige Lichtstrcisen in dieses Halbdunkel fallen zu lassen, um so mehr, da jetzt dort ein Ereigniß von Wichtigkeit eingctreten ist.

Der Stellvertreter des Fürsten von Serbien und Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Herr Elias Garaszanin, hat nämlich, wie derGrenzbote" aus Belgrad 28. März berichtet, seine Entlassung eingereickt. Am Tage zuvor empfing er noch Besuche des Pascha's und einiger Consuln, während Abends ein Beamter der fürstlichen Kanzlei ihm die Entlassungsurkunbe auf Be­fehl Sr. Durchlaucht mit dem Bedeuten vorlegte, sie unverzüglich zu unterschreiben. Zu seinem Nachfolger im Amte wurde Herr Alexa Simics, bisheriger Mini­ster des Innern, ernannt. Man hält den Sturz des Ministers für die Folge der Mission des Fürsten Men- czikoff, welchem es gelang, mit dem türkischen Ministe­rium in Constantinopel zugleich diesen Rußland miß­liebigen serbischen Staatsmann zu stürzen. Die schleunige Abreise des k. k. österreichischen ConsulatS- kanzlers Herrn Soretics nach Wien scheint mit diesem Ereignisse in Verbindung zu stehen.

So weit jenes Blatt. DiePresse" glaubt nun zur ge­naueren Beurtheilung dieses für die südslavischen Län­der sehr einflußreichen Vorfalls auf die Stellung auf­merksam machen zu sollen, welche Serbien unter den Südslaven bereits zum Theile einnahm, zum Theile zu erringen strebte. Es hat bisher in vielen Kreisen nicht wenig überrascht, daß Serbien, welches an dem öster­reichisch-ungarischen Kriege einen nicht allseitig rühmens« werthen Antheilgenommen, bei demHülferufe der eben­falls stamm- und glaubensverwandten Montenegriner so theilnahmlos geblieben war. Man erinnert sich jetzt daran, daß zu einer Zeit, wo man von mancher Seite den Feldzug der Montenegriner für einen heiligen Krieg erklärte, es in Serbien verboten war, die Ereignisse auf dem Kriegsschauplätze zu besprechen und eine Zeit lang lief das damals nicht desavouirte Gerücht durch die Zeitungen, die russische Regierung habe von dem Fürsten von Serbien die Absetzung des Ministers Ga­raszanin verlangt. Daß Herr Garaszanin nichts desto weniger dennoch bis jetzt Minister war, derselbe Garas­zanin, welcher es gewagt hatte, den früher allmächtigen Senator VuScic, einen der Männer, welche den Fürsten Milosch gestürzt hatten, zu pensioniren und zwar durch ein einfaches Schreiben, welches Vuscic in der ersten Ueberraschung zerriß und mit Füßen trat, dies schien zu beweisen,'daß das kleine Serbien auf eigene Faust südslavische Politik machen wollte. Solche Politik hat aber gerade in der jetzigen Zeit und unter der Verhält­nissen, in welchen sich die Türkei befindet, ihre höchst eigenthümliche Seite. Ein Artikel desCzas", welcher in einer Korrespondenz aus Serbien das Auschließen dieses Landes an die Türkei bespricht, gibt über diese Politik nicht uninteressante Ausschlüsse:

Während der westliche und der östliche Theil der Türkei," sagt derCzas",unter dem Einflüsse der be­nachbarten Mächte stehen, entwickelt das in der Mitte liegende Serbien seine Unabhängigkeit immer erfolgtet cher unter dem Schutz der hohen Pforte. Der Krieg mit den Montenegrinern und die Siege der letzter» er­schütterten Serbien wohl auch, namentlich die niedere Volksklasse, aber der berechnende Verstand behielt doch die Oberhand über gewisse Sympathien. Die serbische Regierung verhinderte allein dadurch, daß sie trotz der Volkssympathien den stammverwandten Montenegrinern, wider alles Erwarten der Russen, keine Hilfe leistete, einen jedenfalls erfolgreichen Aufstand der Herzegowina und Bosniens. Der Minister Garaszanin und der französische Consul Segur zeichneten sich hierbei beson­ders aus. Die serbische Regierung schlug der Pforte ihre Vermittlung in der montenegrinischen Angelegenheit vor, und zwar unter folgenden Bedingungen: Die Mon­tenegriner erkennen sich für Unterthanen der Türkei und verlangen, daß ihnen die Erhaltung ihrer Grenzen und das Recht des freien Verkehrs innerhalb des türkischen Gebiets garantirt werde; sie kehren zu ihrer früheren Verfassung zurück, wonach die geistliche und weltliche Macht in der Hand eines Vladika vereinigt ist, welcher

vom serbischen Metropoliten ernannt wird; sie bilden mit Serbien eine Art Föderation und erkennen den ser­bischen Agenten in Constantinopel als ihren Vertreter an u. s. w. Man sieht, der Vorschlag war kühn und auf Serbiens politischen Vortheil berechnet; die Pforte hat ihn aber doch trotz mancher damit verbundenen Vortheile abgelehnt. Was indessen auch erfolgen möge, Serbien ist fest entschlossen, an seiner bisherigen Polv tik, die nach Unabhängigkeit und Selbstständigkeit strebt, unerschütterlich festzuhalten; der Fürst und Garaszanin sind über diesen Punkt'völlig einverstanden.

Wir sahen also hier das neue und unerwartete Aus­tauchen von Bestrebungen, welche entschieden entgegen­gesetzt jenen sind, denen sich die Moldau und Wallachei, Montenegro und Bosnien unterworfen. Unter solchen Umständen war es nicht zu! verwundern, wenn die fran­zösischen und englischen Compagnien ihr Geld für Eisen­bahnanlagen und industrielle Etablissements nach «Ser­bien wandern ließen. Die westlichen Mächte schienen aus Serbien den Vorposten für ihre orientalische Politik auf dem Festlande machen zu wollen, und die militä­rische Position dieses Landes zwischen Bosnien und den Donaufürstenthümern ist eine zu wichtige, als daß man diesem Keil zwischen den Schutzstaaten der östlichen Mächte nicht auch bald andererseits die größte Auf­merksamkeit hätte schenken sollen, was, wie der Erfolg zeigt, Rußland auch im vollsten Maße gethan zu haben scheint. ________________

Deutschland

Wiesbaden, 9. April. Das Verordnungs­blatt Nr. 13 vom 6. April 1853 bringt die nach vor­genommener Revision der bestehenden Arzneitaxe erfor­derlichen Abänderungen mehrerer Arzneipreise, fowie die Bestimmung des Preises der in der letzten Zeit neu ausgenommenen Mittel zur öffentlichen Kenntniß.

t* Wiesbaden, 8. April. 4. Sitzung der II. Kammer. Nach der Anzeige des Empfangs der Kammer- Deputation in Veranlassung der mitgetheilten Verlobung Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Helene Seitens Seiner Hoheit des Herzogs und Ihrer Königlichen Hoheit der verwittweten Frau Herzogin stellte der Abg. Schellenberg eine Anfrage an die Regierungs- Commissarien iu Betreff des Vollzugs des Gesetzes vom 26. October 1850, wegen der vorlagsweisen Aus­zahlung der Besoldungen der Real- und Elementar- Lehrer aus der Staatscasse, deren Beantwortung wie die der Interpellation des Abg. .Braun bezüglich der Schritte der Herzoglichen Regierung bei der Zollcon- ferenz für die Beseitigung der Wein-Ueber- gangssteuer für eine der nächsten Sitzungen zugesagt worden.

Der Abg. Vogler stellte darauf den Antrag, von dem vorhandenen Gewinne der Landesbank zur Be­streitung des laufenden Dienstes in 1853 250,000 fl. zu verwenden.

Der Vorsitzende bemerkte, daß ihm der Antrag zwar nicht legislativer Natur zu sein und als Finanz­maßregel zu der Verhandlung über den Einnahmeetat in den vereinigten Kammern zu gehören scheine, daß aber wohl die Rechtfertigung desselben abgewartet wer­den müsse, bevor ein Beschluß erfolgen könne, womit die Versammlung einverstanden war.

Abg. Schäffer intcrpellirte die Regierung über deren Absicht bezüglich der Ausarbeitung einer neuen I vereinfachten Proceßordnung und des des Winkel« Advocalenivesens, deren Beantwortung gleichfalls zuge- sichert wurde.

Zur Tagesordnung gelangt, erstattete der Abg. Braun den Ausschußbericht über das provisorische Gesetz vom 27. Nov. v. I., die Pe ns io nir.un g der Civil-Staatsdiener, Offiziere und Militärbeamten betr.

Der Ausschuß beantragt dessen Genehmigung und nachdem der Abg. Vogler sich über die darin liegende Verletzung erworbener Rechte ausgesprochen und na­mentlich mit Beziehung auf eine Stelle des Evangelisten Lucas darauf hiugewiesen hatte, wie dadurch ohne Ver­anlassung die Lage der Eivilstaatsdiener abermals ver­schlimmert werde, ertheilte die Kammer dem Gesetze (gegen 2 Stimmen) ihre Zustimmung.

In dem Auâschußbericht war als daS dringendste Motiv des Gesetzes der Nothstand hervorgehoben) in welchem sich die Steuercasse dem Militärpensionswesen gegenüber befinde.

Es erfolgt hierauf die Rechtfertigung des Antrages des Abgeordneten Knapp, die Regierung zu ersuchen, für die Erbauung einer Eisenbahn von W ics- bwden nach Deuz in Gemeinschaft mit der Königl. Preußischen Regierung, die geeigneten Maßregeln vorzu­schlagen.

Für den Fall der Inbetrachtnahme hatte der Abg. Braun in Vereinigung mit den Abgg. Keim, Rullmann und Metzler erweiternden Zusatz-Antrag eingebracht, die Aufgabe des zu erwählenden Ausschusses dahin auszudehnen, daß derselbe auch die seitens der Regierung den ände­ren Eisenbahnprojecten (Ruhr-Haller-, Sieg-Dill- und der Lahn-Bahn) gegenüber einzunehmende Stellung zu begutachten habe.

Beide Anträge wurden in Betracht gezogen und an einen Ausschuß zur Prüfung und Berichterstattung ver­wiesen.

Wir hätten in Uebeinstimmung mit dem Abgeordn. Braun und weil uns dies den Landesinteressen am för­derlichsten erscheint, gewünscht, daß der Abg. Knapp überhaupt von der Stellung dieses Antrags abgestanden wäre; denn die Verhandlung dieses Gegenstandes in dem jetzigen Augenblicke samt aus naheliegenden Grün­den von einer förderlichen Wirkung auf den Eisenbahn- bau im Herzogthume nicht fein.

9f Wiesbaden, 7. April. In der gestrigen Sitzung hat der Cassationshof die s. z. angezeigte Nichtigkeits­klage des Carl Friedrich Eduard Pöschel aus Ober­wiesenthal, int Königreich Sachsen, unter Verfâlligung des Cassationsklägers in die Kosten verworfen.

* Wiesbaden, 9. April. Heute Morgen fand man in dem Bach hinter dem Kursaal in der Nähe des Musikzeltes ein achtzehnjähriges Mädchen ertränkt. Sie lag mit dem Gesicht nach dem Boden gekehrt in dem Bach, der an jener Stelle so seicht ist, daß das Wassèr kaum den Körper bedeckte und ein Selbstmord außer Zweifel ist. Die Unglückliche, eine Waise, scheint durch Verzweiflung zu diesem entsetzlichen Schritte getrieben zu sein. Sie hatte in ihrem elften Jahre ein heftiges Ner­venfieber zu überstehen; seit jener Zeit konnte sie bett Mund nicht mehr öffnen und konnte ihr die Nahrung' nur durch eine Zahnlücke eingeflößt werden. Das Mäd­chen wurde seit gestern Abend vermißt.

Aus dem Rheingau, 7. April. Dievoreinigen Tagen zu Rüdesheim und Winckel von mehren Privaten abgehaltene Weinversteigerung hatten für die Weine aller Jahrgänge ein überaus günstiges Resultat gehabt; besonders hat die 1852r Crescenz , die sich tagtäglich besser gestaltet, einen hohen Preis erreicht. Ueberhaupt scheint sich s-it dem zwischen Oesterreich und Preußen erfolgten Handelsverträge, der Weinhandel neu beleben zu wollen, was sich jetzt schon, deutlich zeigt. Die Wein­preise, die jetzt schon wegen des geringen Weinvorrathes unserer Producenten sehr hoch stehen, fangen darum auch allmählig noch höher zu steigen an und entschädigen sonach unsre Winzèr für ihr seitheriges Warten.

Mainz, 8. April. Höchster Entschließung zufolge ist der hiesigeAdvocat Grosch aus der Zahl der Advocat- Anwälte gestrichen worden. Herr Grosch, früher ein sehr rühriges Mitglied des demokratischen Vereins, war nur auf die dringendsten Bitten theilnehmender Freunde, zu welchen sich von seiner Seite die besten Versprechun­gen gesellten, provisorisch und unter der Bedingung zum Advocaten ernannt worden, daß er sich künftig von al­len politischen Umtrieben fern halten werde. Das Ver­halten dieses Mannes, namentlich bei der letzten Main­zer Gemeinderathswahl, scheint indessen weder den hö­heren Ortes gehegten Erwartungen, noch dem von ihm selbst ausgestellten Gelöbnisse entsprochen zu haben, was in letzter Instanz seine Entlassung herbeiführte. Gleich­zeitig erfahren wir, daß S. k. H. der Großherzog in allerhöchster landesväterlicher Huld dem mehrfach genann­ten Buchdrucker Jörg die wegen PreßvergeheN über ihn verhängte Strafe ganz zu erlassen geruht haben, unter der Voraussetzung, daß Jörg innerhalb der näch­sten fünf Jahre sich nicht wieder einer durch das Gesetz verpönten Handlung schuldig mache. Seit gestern ist der Rhein oberm ls um mehr als einen Fuß gestiegen und hat bis heute Nachmittag die Höhe von 11 Fuß 7 Zoll erreicht. Bereits ist das Wasser in mehrere dem Rheine nah gelegene Keller gedrungen und ein ferneres Steigen desselben mehr als wahrscheinlich. Die Schiff­fahrt hat bis jetzt noch keine Störung erlitten.

Frankfurt, 5. April. (Kaff. Z ) Die Familie