Nassauische Allgemeine Zeitung.
7Vt SZ.
Donnerstag den 7. April
zssa
Bestellungen auf die „Nass Allgem. Zeittlng" für das zweite Quartal 1853 werden baldigst erbeten.
Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit Lem bellctristisiben Beiblatt „Der Wanderer" ersännt, Sonntags ausgenommen, tâgliL und beträgt der Prânumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Pogregulaiiv nunmehr a ür den ganzen Umfang Leâ Tburne und TariS'fchen BerwaltungSbezirkS mit Inbegriff des Postaufschlags 2 ft, für die übrigen bänLtr des deutsch-österreichischen PostoereenS, wie für das Ausland 2 fl. 24 tr. — Inserate werden die »lerfpal Petitzeile oder Leren Naum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgassc 42, ättâwärtâ bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Amtlicher 'Theil.
V i e n st n a ch r i ch 1.
Seine Hoheit der Herzog haben dem Pfarrer Dietz zu Diez, in Anerkennung der Verdienste um Höchstihre jüngeren Durchlauchtigsten Geschwister, den Dienstcharakter als Kirchenrath gnädigst zu ertheilen geruht.
Nichtamtlicher Theil.
Russland und die Türkei.
*Das Journ. des Debats will durch den „Aegyp- tuS" erfahren haben, Rußland erheische wirklich das Protectorat über alle griechischen Unterthanen des Sultans und das Recht, die Ernennung des Patriarchen von Constantinopel zu bestätigen. Das wäre wichtig, weil der Patriarch nicht blos der religiöse, sondern bis zu einem gewissen Grade auch der politische Chef seiner Glaubensgenossen ist. Unter seinem Einflüsse werden die Primas ernannt, welche die griechischen Gemeinden verwalten, Recht sprechen und die Stenern vertheilen. Ein anderes Blatt will aus Privatbriefen aus Marseille entnommen haben, daß der Fürst Menczikoff fast ganz unsichtbar geworden sei; er verlasse das Gesandtschaftsgebäude nicht und unterhandle brieflich mit den Ministern des Sultans, dehne das politisch-religiöse Protec- torat des Czaaren ohne Geräusch aber auch ohne Unterlaß aus. So habe Fürst Menczikoff einen Theil fei nes Gefolges nach Jerusalem abgeschickt, um dort die Ostern zu feiern — eine Demonstration, deren Bedeutung Niemanden entgehen werde.
Durch eine sonderbare Fügung des Zufalls — wenn es anders nicht darauf abgesehen war, trifft es sich nun, daß die Sendung des Fürsten Menczikoff, auf welche alle Bekenner des griechischen Glaubens so große Stücke halten und von der sie jedenfalls ihre Befreiung vom türkischen Joche hoffen, in das vierhundertste Jahr nach der Eroberung Constantinopels fällt, welches nach einer alten griechischen Prophezeihung unfehlbar die Erhebung des Doppelkreuzes auf dem Dome von Aya- Sophia sehen soll! Angenommen, daß ein solches Ereigniß ohne die Voraussetzung der Wiedereroberung von Constantinopel denkbar wäre, erscheint der Gedanke an sich nichts weniger als ungereimt. Denn es handelt sich hier von einem Tempel, der ursprünglich dem griechischen Cultus geweiht war, dem sogar vom Eroberer sein griechischer Name belassen ward; es handelt sich einfach von der Wiedererstattung eines kirchlichen Gegenstandes an seine erste Bestimmung. Zudem ist die vor einigen Jahren beendigte Restauration der Moschee Aya-Sophia, welche mehre Jahre in Anspruch genommen, bekanntlich das Werk des amtlichen Baumeisters der russischen Gesandtschaft, des Rittters Fossati. Es wäre aber eine solche Abtretung durch die Türken schon deßhalb wünschens- werth, weil sie geeignet sein könnte, die schwierige Frage des heiligen Grabes auf eine leichte Art zu lösen; da mau wohl voraussetzen darf, daß die Griechen und ihre sämmtlichen Glaubensgenossen um diesen Preis auf die streitigen Stätten in .Jerusalem und Bethlehem zu Gunsten der Lateiner verzichten würden, obschon mir das von mehr alö Einem der Ersteren in Abrede gestellt ward.
Der „A. A. Z." wird aus Constantinopel vom 21. März geschrieben: Ueber den Verlauf der mit Rußland im Gange begriffenen Unterhandlungen irgend etwas genaues zu erfahren, ist augenblicklich ausnehmend schwer. Wie immer gibt es der Gerüchte unzählige, aber ich stehe an die Garantie auch nur für ein einziges davon auf mich zu nehmen. Daß es dem russischen bevollmächtigen Minister, Fürst Mentschikoff, nicht um große Eile zu thun ist, läßt sich indeß deutlich aus seinem seitherigen Benehmen herausfühlen. Es ist ein Hinhalten, ein Zaudern und Zögern, dem vielleicht noch andere Motive unterliegen, als der Befehl alles in statu quo zu belassen, ehe nicht Lord Redcliffe hier angelangt ist. Dieser läßt inzwischen auf sich warten von einem Tag zum anderen. Türkischerseits ist noch nie ein Gesandter in ähnlicher Weise ersehnt worden, wie der greise britische Staatsmann, über den, bis in die unteren Schichten der Bevölkerung dieser Hauptstadt, die Sage gedrungen, daß er ein Freund
des Padischah und ein bewährter Rathgeber sei. Oberst Rose scheint es sich inzwischen zur Pflicht zu machen, inmittelst von Besuchen, die er dem gegenwärtigen Minister der auswärtigen Angelegenheiten abstattet, sich in Kenntniß über den Gang, welchen die russische Politik hier nimmt, zu erhalten und darüber, sowohl an das britische Cabinct als an Lord Redcliffe, dessen Reiseroute ihm communicirt worden, zu berichten- Letzterer genießt, wie Ihnen bekannt, eines unbedingten Vertrauens bei den Chefs des gegenwärtigen englischen Ministeriums. Man scheint dasselbe aber in diesem Falle so weit ausgedehnt zu haben, d^rß man ihm Vollmachten über die sonst üblichen Gränzen hinaus ertheilte, und es ihm überließ, den einzuschlagenden Weg, je nach Umständen, selber zu ermitteln. — Man ist der Ansicht, daß seine Ankunft mit Absicht verzögert worden, nachdem ruisischerseits die Verbindlichkeit eingegangen, e h e Lord Redcliffe hier eingetroffen, nichts zu unternehmen. Ans diesen Umständen gibt man dem gegenwärtigen türkischen Ministerium noch die Frist von einigen Wochen. Sein Sturz ist dann unvermeidlich, aber es bleibt zweifelhaft, aus welchen Elementen ein neues Cabinet sich bilden wird. Dergleichen Fragen sind indeß bereis zu solchen zweiter oder dritter Ordnung geworden. Wo es sich um die Existenz des Staates selber handelt, tritt diejenige seines Reichsrathes in den Hintergrund. Sie glauben nicht, wie verblendet man hier im allemeinen über den möglichen Ausgang der Angelegenheit ist; ich rede natürlich nur von den Türken. Alle etwaigen Besorgnisse scheucht man durch die Phrase von der unausbleiblichen Uneinigkeit unter den regierenden Hauptmächten zurück. Man legt dabei einen großen Respect vor Rußland zwar, indeß nicht im mindesten eine klare Ansicht oder Vorstellung von der österreichischen Macht an den Tag, und zieht letzlich den Schluß, daß Frankreich und England ausreichend sein würden, deu „Moskovö" die Spitze zu bieten. Dem neulichen Rathschlage der Times, England möge kräftig in eine etwaige Entwickelung der orientalischen Frage eingreifen, scheint es wenig zu entsprechen, daß man mit der Verstärkung der Mittelmecrflotte noch augestanden, und sich vorerst auf Absendung zweier Zweidecker beschränkt hat. Man darf mit Recht annehmen, daß dieser Umstand ein Eingeständniß des noch nicht völlig gesicherten Einvernehmens mit Frankreich sei.
Uebercinstimmend mit den obigen Mittheilungen meldet die „Triester Ztg.", daß die Schritte des Fürsten sich einstweilen vorzüglich um die Frage der heiligen Stätten drehen, über welche zwar Rußland angeblich mit England einverstanden wäre, und daß alles klebrige bis zur Ankunft des britischen Botschafters ausgesetzt ist. Dieser wurde noch vor dem Osterfest erwartet und soll mit den ausgedehntesten Vollmachten ausgerüstet sein. Er hat auch in Bezug auf die ihn umgebenden Personen, deren manche, wie man weiß, ihm hemmend in den Weg getreten waren, völlig freien Spielraum erhalten; und es sind demnach unter An- derm, Herr Murray (obschon naher Verwandter des Herzogs von Hamilton), Oberst Rose und der Palast- Architekt Smith entfernt worden, indem Ersterer nach der Schweiz, der Z w e i t e n a ch E g y p t e n v e r - setzt und Letzterer zurückberufen ward.
Noch vor Ankunft der außerordentlichen Gesandtschaft Rußlands, über deren bisheriges Thun und Lassen das Publcium noch immer im Dunkeln ist, hieß es allgemein, daß Fürst Menczikoff die Weisung erhalten , habe, bei seinen hiesigen Unterhandlungen nur direct mit dem Sultan zu verkehren; worauf ihm von dieser Seite bedeutet worden, daß seine Besuche daselbst immer sehr angenehm sein würden, er sich aber dem herkömmlichen Gebrauche fügen und in Geschäften mit den Rathgebern der Krone unterhandeln müsse, was nun von den Gegnern Rußlands und der dieser Macht zn- geschriebenen Pläne als eine diplomatische Schlapve ausgebeutet wird. Fürst Menczikoff dürste sich aber in der Zwischenzeit überzeugt haben, daß dort gewisse Umstände obwalten, die an sich und im Vorhinein den unmittelbaren Verkehr etwas erschweren.
Nach tel. Mittheilungen auS Constantinopel vom 28. März hat Fürst Menczikoff vom Großvezicr bezüglich der bezweckten Uebereinkunft beruhigende Zusicherungen und die Erlaubniß zu Audienzen beim Sultan ohne vorherige Anmeldung erhalten. Der kais. russische Viceadmiral Korrileff geht nach
Sebastopol, dem Vernehmen nach um der russische A rmee die Weisung zu überbringen , sich z n r ü ck z u z i e h e n. Faude Bey geht nach Paris wegen En schädigung der Inhaber von Coupons der jüngsten nid genehmigten Anleihe. Der Ferman zur Gründung eint Bank ist erlassen. .
Deutlchlaud
V Wiesbaden, 3L März. (Verspätet.) Ab Gründonnerstage d. J. des Abends fand in dem Pa lais Ihrer Königl. Hoh, der Frau Herzogin Paulin dahier die Konfirmation Ihrer Durchl. der Prinzessii Sophie zu Nassau statt. Dieselbe wurde durch bei vor einiger Zeit zum zweiten Geistlichen in Ditz et nannten Pfarrer Dietz, welchem schon längere Zei der Religionsunterricht der Durchlauchtigsten Prinzessii anvertraut war, in würdigem, dem Feste der Handlung entsprechendem Geiste vernommen. Der erhebender Feier wohnten außer der Höchsten Familie der gesammt« Hof rind die besonders dazu geladenen höchsten Beanb teu des Militär- und Civilstandes best
6 Aus dem Kreisamte Reichelsheim. In Folge des am 18. Juli v. I. für die Gemeinden des hiesigen Kreisamtes, namentlich für den Flecken Reichelsheim, so verderblich gewordenen HagelschlageS, durch welchen die Erndte fast gänzlich zerstört worden, wurde durch das in Reichelsheim zusammen getretene Unterstützungscomite unter Vermittelung des KreisamteS in den übrigen Kreisämtern des Herzogthums nm Unterstützung nachgesucht, und diese von Mehreren der Herzoglichen Kleisämter auch auf das Bereitwilligste gewährt. Hierdurch und durch die verehrliche Redaction der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung" wurden, mit Einschluß der von den Taxatoren des Hagelschadens zum Geschenke gemachten Tazationsgebühren, 227 fl. 37% kr. zusammen gebracht, welcher milden Spende noch von den auf Veranlassung Ihrer Hoheit Unserer allverehrten Frau Herzogin zur Unterstützung derHülfsbedürftigen gebildeten Comite 200 fl. zugelegt wurden, mit welchen Gaben es möglich geworden, der unbemittelten Classe bet Einwohner beider Gemeinden hiesigen Kreises das sie betroffene Unglück weniger fühlbar zu machen und sie vor gänzlicher Verarmung zu bewahren.
Dank daher den edeln Gebern, innigster Dank dem Unterstützungs-Comite zu Wiesbaden, insbesondere unserer allverehrten Fran Herzogin! —
f Bad Ems Am verflossenen Montag, als am Feste Maria Verkündigung hatten wir die Freude, den Jesuitenpater H a ß l a ch e r hier in der katholischen Kirche eine vortreffliche Predigt über die Nothwendigkeit des Gebetes halten zu hören. Die Kirche war gedrängt voll, und unter den Zuhörern befanden sich auch viele Protestanten. Diesen Tag und den Sonntag vorher/ an welchem die Kinder zur ersten heil. Commnuion gingen, zeigte câ sich deutlich, wie die kleine Capelle der katholischen Bevölkerung nicht gemäß, und daß eine Vergrößerung der Kirche dringend geboten ist.
□ Dillenburg, 4. April. Nachstehend das Resultat der heute stattgcfundenen Geschwornenziehung für das II. Quartal d. I.
A. Hauptgeschworene: Joh. Basler, Landmann aus Oberneisen; Philipp Weil, Landmann aus Hahnstätten; Peter Wiederstein, Landmann ans Lautzenbrücken; Moritz Seckel, Kaufmann auS Diez; Wilhelm Pier, Fabricant aus Limburg ; Joh. Ernst Nickel, Steiger ans Nanzenbach; Carl Adolph Stein, Bergmeister aus Diez; Hirsch Abraham Königsberger, Kaufmann aus Diez; Joh. August Häuser, Landmann aus Manderbach; Wilhelm Faßbender Ir, Schreiner anS Altendiez'; Johann Deller 2r, Landmann aus Amdorf; Georg Groß sen., Feldgerichtsschöffe aus Dreifelden; Carl Giebler, Hüttenbefitzer aus Niederscheld; Johann Heinrich Weber 2r, Landmann daselbst; Johannes Rausch Landmann ans Niedertiefenbach; Joh. Heinrich Diehl sen., Fcldgerichtsschöffe aus Medenbach; Moritz Varena, Re- cepturbeamte auS Rennerod; Ludwig Müller, Wagner aus Emmcrichenhain; Adolph Flindt, Oberförster in Westerburg j Georg Phil. Eisel, Landmann anS Winner; Johann Wilhelm Götsch 2r, Müller auS Vielbach; Heinrich Zimmermann 3t, Feldgerichtsschöffe aus Hellenhahn; Friedrich Müller, Bäcker aus Runkel; Wilhelm Thomas 1r, Landmann auS Eibach; Philipp Heinrich Groß Ir, Landmann aus Rauheim; Johannes Schäfer, Bürgermeister aus Gershafen; Peter HaaS,