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v. Bruck aus Triest dürfte neueren Nachrichten zufolge nicht vor dem 20. d. M. erfolgen. Der Hr. Oberst des kaiserlichen Infanterie-Regiments Wimpffcn hat die Stadtgemeinde Triest ersucht, bei der Fahnenweihe des 3. Bataillons dieses Regiments Pathenstelle zu vertreten. Die Stadt Triest wird dieser ehrenvollen Aufforderung entsprechen. Es ist im Anträge, der k. f. orientali­schen Akademie eine erweiterte Richtung zu geben, so daß selbe in eine förmliche österreichische Diplomatenschule umgestaltet würde und die exclusive Benennungorien­talisch" verlieren würde. Ein dem Kaufmannsstande angehöriger Tiroler hat den Entschluß gefaßt, zum Danke für die Rettung Sr. Maj. des Kaisers eine Wallfahrts- reise nach Jerusalem anzutreten.

Zur Liquidirnng der Privatrechtsansprüche auf das für verfallen erklärte Vermögen kriegsrechtlich verurtheil- ter und des Hochverraths beschuldigter Personen in Siebenbürgen ist in Hermannstadt eine Liguidatious- Commission niedergesetzt worden, bei welcher alle An­sprüche binnen sechs Monaten anzumelden sind. Von der Liquidirung ausgeschlossen sind alle Ansprüche, welche in die Zeit fallen, als die Theilnahme des Verurtheilten an der Rebellion nach der Proclamativn vom 3. Octo­ber 1848 bekannt war.

Innsbruck, 2. April. Die Nachricht von einer Beschwerde des englischen Gesandte» in Wien, Graf Westmoreland, wegen Verunglimpfung des englischen Wappens durch Tiroler schützen ist auch in die Spalten derAllg. Zeitung übergegangen. Ich möchte zur Aufklärung folgendes erwähnen. Einer Aufforderung und Einladung derTiroler Schützenzeitung" zufolge sollte am 19. März in allen Schießständen deö Landes (es sind deren über 300) aus Freude über die Rettung des Kaisers gleichzeitig ein Festschießen gegeben werden. Dieser Gedanke fand so allgemeinen Beifall, daß wir am 19. v. M. in allen Städten und Dörfern «ichts anderes zu hören bekamen, als Stutzenknall, Böller­schüsse, Festreden und Schützenjubel. Das Fest wurde zum Nationalfeste. Auf dem Schießstande zu Inns­bruck allein fielen an jenem Tage 5000 Schüsse, und die Landeshauptstadt schien in Mitte einer endlosen Plänklerkctte zu stehen, so lärmten in allen Dörfern ringsum die Stutzen und die Böller. Wie es nun bei solchem Festschießen in Tirol Sitte ist, an den Scheiben Malereien anzubringen, die auf die Veranlassung des­selben Bezug nehmen, so geschah eS auch dießmal, und da die Schützenlust und des Tirolers Humor bei die­sem allgemeinenLandschießen" auf das lebhafteste an­geregt war, so ist erklärlich, daß der Volkswitz, der sich nicht an das Maß der Antichambre und des Salons bindet, hie und da e was überschäumte; aber was wol­len diese paar lustigen Perlen in einem Tiroler Schützen­glas bedeuten, gegenüber den Ueberschwemmungen voll Dampf, Gischt und Gift, die täglich an der Themse gegen Oesterreich losgelassen werden!

Frankreich.

Paris, 3. April. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten vorgestern, von dem Prinzen Jerome und Na­poleon begleitet, das fast beendigte Grabmahl Napo­leons I. in der Juvalidenkirche, dessen Enthüllung am 4. Mai mit großem Pomp vor sich gehen wird, wozu man schon jetzt Vorbereitungen trifft. Nach der Patrie" ist die Gesundheit des KriegS-Mmisic.s völlig hergestellt, so daß er bis zum 15. d. M. hier ein treffen wird.. General Ornano hat heute sein neues Amt als Gouverneur des Jnvaliden-HotelS angelret?» und bei diesem Anlasse an die ihn empfangenden Bewohner desselben eine Anrede gehalten. Die legidmistische lithographirte Korrespondenz, welche bisher hier erschien, ist eingegangen. Wie verlautet, sind sämmtliche in der Zeitungs-Correspondenz-Augelegeiiheit mit gerichtli­cher Anklage bedrohte Personen Inländer und Legiti­misten; auch soll ein Theil derselben bisher noch gar nicht verhaftet gewesen sein. Für dèn Bau einer Ei­senbahn von Lyon nach Bordeaux hat sich eine Gesell­schaft mit 100 Mill. Capital gebildet, wovon die Hälfte angeblich schon in England gezeichnet ist; 40 Procent sollen gleich eingezahlt werden müssen. Nach Be­richten aus Marseille war der englische Dampfer Cara- doc am 27. März zu Malta eingetragen und hatte so- fort seine Reise nach Konstantinopel fortgesetzt, wohin er Depeschen an den Obersten Rose bringen sollte. Die englische Flotte war am 27. noch nicht ausgelaufen. Die französische Corvette La Scnlinelle, die zur Seestation der Levante gehört, »cfanb sich nach den letz- ten Depeschen zu Syra. Die russische Brigg. Alliminy hat dort Halt gemacht; ein anderes russisches Kriegs­schiff befand sich im Pyräeus. Sie gaben überall die freundschaftlichsten Gesinnungen kund. Großes Auf­sehen erregt eine Schrift Sauzet'ö, Ex-JustizministerS und Präsidenten der Deputirten-Kammer, betitelt:Re­flexionen über die Civil- und die kirchliche Ehe in Frank­reich und Italien", worin derselbe die Unterordnung der ersteren unter die letztere verlangt, so daß jene ohne diese durchaus ungültig sein soll. Dupin, Ex-Präsident der Nativnal-Versammlung, ist aus seiner Zurückgezo­genheit herausgetreten, um Sauzet's Meinungen zu de kämpfen. Ein kath. Priester, Abbö Seciere von Sois. sons, stellt heute in einem Schreiben an das Journal des Debats die Freiwilligkeit bei der Erfüllung der kirchlichen Sacrameute als wesentliche und auch im ge-

genwärtigeii Zustande der Gesellschaft einzig mögliche Bedingung hin. DerMoniteur" bringt ein Derrek, wodurch die Besoldung und niaterielle Lage der Vetera­nen der Gendarmerie bedeutend verbessert wird. Die Nachricht mehrerer JdUrnale von der Verhaftung einer Dame auf dem Ball des gesetzgebenden Körpers wird imMoniteur" als völlig unrichtig bezeichnet. Wenn die Octroj-Einnahmen dahier bis zum Jahresschlüsse in demselben Verhältnisse zunehmen, wie bisher, so wer­den sie die Veranschlagungen des Budgets um 3,800,000 France» übersteigen.

Der letzte Cond6 hatte in seinem letzten Willen eine Stiftung für die getreuen Kämpfer aus dem Condv'schen Heere ausgesetzt. Die Stiftung kam nicht znm Vollzug, weil die Kammern sie für ungültig er­klärten , unter dem Vorgehen, cs verstoße (gegen das Sittengesetz, Aufrührer für ihre Dienste gegen das Vaterland zu belohnen. Jetzt werden Maßregeln ein- leitet, um die letztwillige Verfügung des Prinzen nach- träulich noch zur Ausführung zu bringen. Bekanntlich war der letzte Prinz von Cond« der Vater jenes un­glücklichen Herzogs von Enahien, welchen Napoleon im Jahr 1804 ermorden ließ, und so scheint Napoleons Neffe die Schatten jener Todten versöhnen zu wollen. Einige Auslegungen behaupten indessen, geschehe, um die Vendeer vollends zu gewinnen. Jedenfalls erhebt sich die Frage, woher man das Geld nehmen wird? Der Herzog von Aumale, Condv's Erbe, hat nämlich bereits seine Besitzungen in Frankreich verkauft, und kann also nicht einmal mehr durch einen Machtspruch, wie der vom 22. Januar 1852 war, zu einer Leistung gezwungen werden, die ihm gesetzlich ohnehin nicht auf­zuerlegen wäre.

Die Fürstin Lieven, die Königin der diplomatische» Welt, hat, wie dieK. Ztg." behauptet, in der That in den Tuilerien einen Besuch abgestattet; ihr Freund, Herr Guizot, ist mit diesem Schritte keineswegs zufrie­den. Er ist noch immer ein Anhänger der Fusion, von der man übrigens seit einiger Zeit nicht viel mehr hört.

Schweiz.

Bern, 2. April. Nach einer telegraphischen De­pesche des eidg. Kommissars hat vorgcstcii eine Patrouille von 7 Mann die Seltner Gränze überschritten und wurde von den eidg. Gränzwächtern sofort gefangen gc' »ommen. Die Gefangenen wurden jedoch bald wieder entlassen und über die Gränze zurückgeführt, da sich aus den Verhören ergab, daß sie keine Gebietsverletzung be­gehen wollten, sondern die Gränze aus Irrthum über­schritten hatten.

Der Bund erklärt die Angabe, daß der König von Neapel mit Ausweisung aller Schweizer aus seinem Lande wegen Verletzung der (Kapitulation gedroht habe, für eine Erfindung.

Belgien.

Lüttich, 4. April. Das gestrige Dampfschiff aus Huy brachte uns sieben der in der kleinen Festung seit 1849 wegen des bekannten Prado-Complottes in Brüssel Gefangenen, welche durch einen Gnadenact des Königs bei Gelegenheit der anstehenden National-Festlichkeiten begnadigt wurden. Die Namen der Entlassenen sind Guelton, Loria», Perin, Lorent, Baete, Mathieu, Dulercq. Acht der am meisten Gravirten, wahrschein­lich die Unverbesserlichen, worunter der luxemburger Advocat Tedesco, bleiben in Huy. Die Festlichkeiten, wodurch das Land am 9. April die Mündigkeit des Kronerben zu feiern sich Vorbereitet, schreiten mit niege­kanntem Schwung und Einhelligkeit voran.

Der Verfasser der unter den 9 kamen Rustem Effendv und Seid Beg erschienenen (von uns erwähnten) Bro­schüre ist Eugene de Kerckhove, der türkische Ge­schäftsträger in Brüssel, der nichts weniger als ein Na- tional-Türke, sondern ein geborner Belgier ist. Er kam als belgischer Legationssecretär nach Konstantinopel und erbot sich dort, türkischer Unterthan zu werden, wenn ihn die türkische Regierung zu ihrem Gesandten in Brüssel ernenne. Dieie ging darauf ein, und so wird die Türkei in Brüssel von einem geborenen Belgier vertreten. Daraus ergibt sich von selbst: ob jene Bro­schüre wirklich als ein treuer Ausfluß des ^türkischen NationalgefühleS gelten könne.

©nxßbritiWiiktL

London, 1. April. Ein Korrespondent der Times meldet, aus Konstantinopel vom 15., daß die Rüstun­gen der Russen noch immer andauerten. Die russische Flotte z>i Sebastopol war gerüstet, um in jedem Mo­ment in See zu stechen; die Magazine alle waren in solchem Stande, daß sie ein Heer von 150,000 Mann mit Munition und Lebensmitteln versehen konnten. Man hielt es für gewiß, daß auch die Montenegro-Frage einen der Punkte der Mission des Fürsten Mentschikoff bildete. Fürst Mentschikoff hatte zwei Adjutanten nach Montenegro gesandt, zu welchem Zwecke war unbekannt.

Italien.

f Turin, 1. April. Die Deputirtenkammer hat den zweiten Artikel des Gesetzes über den Negerhandel der Kommission zurückerstattet. Der Courier von Novara ist bei Cigliano von Räubern überfallen und seiner Gejder beraubt worden.

Wenn englische Blätter, schreibt man aus Turin, in der Entlassung der Madiai'S aus ihrer Haft eine

Begnadigung derselben und ein Verzeihen ihres gegeti die Gesetze des tose an i scheu Staates begangenen Verbrechens sehen wollen, so scheinen sie dèn nicht un­wichtigen Umstand verschweigen zu wollen, daß bei den Madiai'S nur eine Umwandlung der Strafe und zwar statt GefängnißLandesverweisung" verfügt wor­den ist.

DerCorriere Merkantile" bringt eine auffallende Nachricht. Das Turiner Parlament soll eine kurze Zeit wegen der schwebenden Differenz mit Oesterreich in bet - Flüchtlingsfrage vertagt bleiben , weil man diese inzwi­schen beizulegen wünscht. Dann würde der König Victor Emanuel die Kammern in Person mit einer eben so freisinnigen als würdevollen Rede wieder eröffnen. So weit directe Nachrichten reichen, wissen wir nur von kurzen Osterferien, welche die Kammern vom 20. bis 29; März angetreten haben.

t Aèizza , 1. April. Die KorvetteSan Gio­vanni" aus ViUafranca kürzlich hier angelangt, ist be­reits nach America abgesegelt Und hat 82 politische Flüchtlinge mitgenommen. Die Regierung läßt diesel­ben verköstigen und Jedem 70 Fr. bei der Ausschiffung amoeifen.

Türkei.

Von der montenegrinischen Grenze, 28. März. Selim Bey, Commandant zu Antivari, ist von Omer Pascha wegen tactischer Fehler, die er sich in dem Treffen bei Godiue zu Schulden kommen ließ, seines Postens enthoben worden. In Betreff der Grahowia- ner Gefangenen hat Omer Pascha sein Versprechen, die­selben frei zu lassen, bis jetzt nicht gelöst. Die Geißeln von Piperi und Bielopawljvich sind freigegeben worden; einige mußten jedoch auf dem Wege, obwohl krank, sich mit gebundenen Händen mühsam fortschleppen und er­lagen ihren furchtbaren Leiden. Wegen der Grahowia- ner ist Ismail Pascha durch eine neuerliche Depesche zu deren Freilassung aufgefordert worden.

Von der Unna, Ende März. Reisende, die aus der Herzegowina kommen, erzählen, daß die Türke» ei­nige vierzig gefangene Grahovianer nach Mostar ge­führt hätten, und daß sie blos achtzehn an Ort und Stelle gebracht, die übrigen hätten sie am Wege ge- tobtet. Ja man erzählt sogar, kaum mag ich eS glau­ben, daß sie mehrere von ihnen am Feuer gebraten hätten! Dergleichen ist wohl leider vor den serbischen Befreiungskriegen sehr oft geschehen. Türkische Kavalle­risten, eigentlich mehr Kavalleriepferde, sollen dieser Tage nach Sarajevo aus Montenegro gekommen sein. Ein Kavallerist führt oft drei bis vier leere Pferde, welche sehr ausgehungert aussehen.

Neueste Nachrichten.

Berlin, 4. April. Der Abschluß des neuen Ver­trages über die Verschmelzung des Zollvereins und Steuervereins ist als Resultat der hiesigen handelspo­litischen Konferenzen in nächster Zeit zn erwarten. Nur Hannover hat, wie die N. P.Z. -meldet, noch einige Schwierigkeiten erhoben, und es find deßhalb heute Depeschen von dem Minister der auswärtigen Angele­genheiten, so wie von dem österreichischen Gesandten am hiesigen königl. Hofe nach Hannover abgegangen. Heute ist die Auflösung sämmtlicher Gesundheitsvercine erfolgt.

Berlin, 4. April. (Tel. Dep. d. Darmst. Ztg.) Der Zollvereinsvertrag ist unterzeichnet.

Wien, 3. April. Ein Theil der Division Lob- kowitz soll bestimmt sein, als Observationscorps an der Grenze so lange stehens« bleiben, bis die ruspsch-türkischc Differenzen keigelegt sein werden.______________________

Erklärung.

^n Folge eines in diesem Blatte enthaltenen Corre. sponvenz-ArtikelS bezüglich des in dem Herzoglichen Treib­hause zu Biebrich begangenen Blumenvicbstahls sind seit längerer Zeit böswillige Gerüchte in Umlauf gekommen, welche ein fremdes, ehrenhaftes junges Fräulein, das mit seiner Familie seit Jahren hier wohnt, mit großer Frech­heit als die Thäterin innerhalb und außerhalb Wiesba­dens bezeichnet haben. Da nun ein längeres Schweigen von Seiten der Angeschuldigten als' ein Eingeständniß ihrer Schulv auSgelegt werden dürfte, so sieht man sich aufgefordert, obiges Gerücht für eine boshafte Verläum- dung zu erklären, welche bezwecken soll, die Schuld von dem Haupte der eigentlichen Thäterin jener Frevelthat ab» zulenken und solche dagegen einem unschuldigen Mädchen zuzuschieben, welches den ganzen Winter über nicht im Herzoglichen Schloßgarten zu Biebrich ge­wesen ifL wie auf daS Bestimmteste nachgewiesen wer- den kann!

Weitere Auskunft und die unwiderlegbarsten Bewei,e von der Schuldlosigkeit der durch jene Gerüchte Beschul­digten ertheilt auf Verlangen die Redaction dieser Zeitung, welcher diese Beweise eingehändigt wurden.

Wiesbaden, 5. April 1853.

Ein Einwohner Wiesbadens.

Frankfurt, 5. April. Bei der heute hier stattge- habten 5. Ziehung 6. Classe der 123. hiesigen Stadt­lotterie gewannen Nr. 19,872 6000 fl., Nr. 4973, 2597, 12,427 unv 3705 jede 1000 fl., Nr. 3031, 17,794, 5553, 11,017 und 14,985 jede 300 fl.

Berantwortlicher Redacteur : Kochet.