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Nassauische Allgemeine Zeitung.

SO. Mittwoch dell 6. April 18S3

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Bestellungen auf dieNass. Allgem. Zeitung" für das zweite Quartal 1853 werden baldigst erbeten.

Dir,,Nassauische SlUgemrinr Zeitung" mit dem beltetnstischen BeiblattDer Wanderer" erfdxint, Sonntags ausgenommen, täglich und betragt der PrânumeranonSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Poilregulariv nunmehr au

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England ans dem Meg zur Revolution

Die Behauptung, daß England in die Revolution eingetreten sei, unterliegt, wie derLloyd" in dem gestern erwähnten Artikel bemerkt, heute keinem Zweifel mehr, und nur der schnelle Lauf erregt Erstaunen, mit dem dieses Reich, kaum auf der schiefen Fläche ange­langt, dem revolutionären Abgrunde unaufhaltsam zn- eilt. Ein Staat ist im Revolutionszustande, wenn die Regierung nicht mehr in den Händen der legalen Au­toritäten, sondern in denen der Massen i|t, und diese derselben die Richtung aufnothigen, welche sie von ihr empfangen sollten. Niemand, der die Schritte der eng­lischen 'Staatsverwaltung mit Aufmerksamkeit verfolgt, wird heute noch behaupten können, sie habe noch die volle freie Bewegung, mit der sie sonst, nach Innen und Außen gleichmäßig wirkend, das Staatsleben in der ihr genehmen Bahn zu lenken die Kraft hatte. In diesem Augenblicke werden ihr die Eindrücke schon gegeben; sie empfängt Impulse, sie ertheilt sie nicht mehr, und sie sucht nach Außen abzulagern, was sie in ihrem Innern nicht mehr zu verarbeiten oder zu beherbergen im Stande ist. Der Weg der Repräsentativ-Regierungen, heißt es weiter, führt überall zu gleichem Ziele, d. h. man kommt auf dem Wege parlamentarischer Reformen zur Revolution. In Eng­land waren unzählige glückliche Umstände vereinigt, die ein Ausnahmsverhältniß gegen andere Staaten bildeten, das die Nadel lange in der Schwebe hielt; die endliche Katastrophe aufzuhalten vermögen sie indessen nicht, und die Erscheinungen sind von denen ans dem Kontinente nur wenig unterschieden. Dort wie überall glaubt die geistige Vermessenheit zu leiten, und wird getrieben, und wir fürchten, das Ziel, wo sie ankommt, wird dort wie überall, die zeitweise Auflösung der Ordnung , des Rechtes, des Eigenthums und somit die der bürgerlt-' chen Gesellschaft sein. Wer einen Vergleich stellt zwi­schen den Männern und den Grundsätzen, die England einst regiert haben und die es jetzt regieren, zwischen der Bertheilung der Autorität unter den Staatsgewalten, wie sie einst bestand und wie sie jetzt besteht, der wird wahrlich nicht leugnen können, daß die Pflugschaar des Erstirpators ein gutes Stück Boden ausgerodet und zu revolutionärem Anbau bereits vollständig umgewnhlt hat. Wie stehen heute die drei gesetzgebenden Gewalten gegen sonst in England? Was ist aus der königlichen Macht geworden? Was ist aus dem Oberhause gewor­den? Wenn früher diese beiden Rcgierungsfactoren die maßgebenden im Reiche waren, in deren Entscheidung das Haus der Gemeinen sich zu fügen hatte, wo, ]o fragen wir, liegt heute das Vollgewicht der Gesetzge­bung? Es conccntrirt sich allein im Hause der Gemei­nen, oder besser, in den Clubbs, in den Volksversamm­lungen und in den Journalen, welche dieses Haus be­herrschen. Es ist zu dieser Stunde eine angenommene Thatsache in England, daß die beiden vereinten höch­sten Zweige der Gesetzgebung außer Stande sind, irgend einer Forderung entgegen zu treten, welche das Unter­haus durchzusetzen entschlossen ist. Und eine solche voll­ständige , von den Massen ausgegangene Uebertragnng der dreigetheilten Gewalt auf einen einzigen Träger wäre nicht schon die bereits in's Leben getretene Revo­lution? Es wäre, um ein Beispiel aus Hunderten zu erwähnen, nicht die Revolution, die es möglich gemacht hat, daß heute die Juden der City neben den Zeloten der anglicanischen Kirche, Herr Rothschild neben Herrn Inglis, tagen? Welchen Schwall der Worte man im­mer gebrauche, um cs zu leugnen: die revolutionäre Escamotage der Autorität ist Thatsache geworden! Die Massen beherrschen das Unterhaus, und das Königthum und das Oberhaus registriren seine Beschlüsse!

Braucht es aber, sagt derLloyd" nach einem Ver­gleich der glänzenden Parlamentsheroen des alten Eng­land mit den jetzigen, insbesondere mit Lord Palmerston und der Darlhuung, wie das Epitheton der Neunziger Jahre mehr dem richtigen Verständniß des englischen Volkscharacters als dem feindseligen Verhältniß zu Frank­reich seine Entstehung verdanke, üoch eines schlagenderen Beweises, daß England in die Revolution eingetreten ist, so wäre es die hirntolle, aberwitzige Wuth, mit der dieses Land Oesterreich anfeindet. Der Grad der Feind­schaft, den heute ein europäischer Staat gegen Oester­reich kund gibt, ist immer ein untrüglicher Maßstab, wie weit er selbst vom Revolutionsübel angegriffen ist. Kein konservativer Staat, der eben so wenig Uebergriffe

anszuüben als zu ertragen gewillt ist, hat irgend Ur­sache eine feindliche Stellung gegen diese Macht einzu­nehmen ! Oesterreich fürchtet indeß diese Wuth nicht, sie ist ihm viel lieber als die heuchlerischen Freundschaft- versicherungen, die England noch vor Kurzem im Munde geführt hat. Wiewohl uns maßloses Uebel auf diesem Wege erwachsen ist, so sind wir doch jetzt vollkommen in der Lage, diesen treuherzigen Versicherungen auf den Grund zu sehen, und sind entschlossen, den daraus eut- stehende» Folgen die Stirne zu bieten. Wir haben kein Unrecht an England gut zu machen, die Reihe es zu thun ist an England. Wir wollen aber gestehen, daß für eine Nation von der eben characterisirten Gesinnung die Gelegenheit allerdings lockend war, ihre Grundsätze in Anwendung zu bringen. Der Stand der Sache war kürzlich folgender: Als bei uns eine maßlos milde, energischen Maßregeln nur für äußerste Fälle zugewen- dete Regierung, deö lieben Friedens halber zu Zeiten fünf gerade sein, und wenn cs nicht zu arg kam, lieber eine Anmaßung oder einen Uebergriff dahin gestellt sein ließ, als eine Störung dieser gemächlichen Ruhe herbei­zuführen, kam man nach und nach auf den Gedanken: Oesterreich besitze keine Macht mehr, weil cs nicht leicht dazu vermocht werden konnte, sie zu gebrauchen. Die schlechten Elemente gewannen Raum im Laude und wuch­sen massenhaft nach allen Seite». Als nun der revo­lutionäre Rattenkönig sich in voller Glorie im Lande emporringelte und dasselbe so durchaus nicht vorberei­tet fand, ihn zu vertreiben, so ergriff dieselbe Meinung auch die englische Regierung. Was man wünscht, glaubt man. Durch Geister, wie Lord Palmerston, Lord Minto rc., entschieden österreichfeindlicher Gesinnung, und von den Rabicalen im Parlamente und in der Presse wesentlich angeregt und gefördert, wurde sie bald auch Volksmeinung in England. Nach den Er­eignissen im Jahre 1848 war es dort fester Glaubens­artikel: die österreichische Regierung hat thatsächlich zu existiren aufgehört, und wie Schlemiel ohne Schatten verkümmere sie ohne Zukunft! Das war der Zeitpunkt der Lord Palmerston günstig schien,die Karte von Italien zu ändern" und einstweilen wenigstens den Augenblick zu benützen, die englischen Callicomagazine in Ungarn und Italien mit immer neuen Schiffsladun­gen zu füllen. Die Bravaden der Revolutionäre ließen nicht zweifeln, die lustige Fastnacht werde, wie sie be­gonnen, ihren Fortgang haben, und auf diese Rechnung hin entwarf Lord Palmerston mit John Bull die Pläne zur günstigen Gestaltung Enropa's obne Oesterreich. Aber das Blatt hatte sich schnell geändert; eine Aende­rung, deren Möglichkeit den Gegnern eben so unglaub­lich schien, als sic das Gegentheil mit der exaltrirtsten Leichtgläubigkeit ausgenommen hatten. Einer unsterb­lichen Epoche des Ruhmes der Kampagne von 1848, folgte 1849 eine zweite, die an die Mauern von Turin führte, zugleich mit einer' dritten, die den letzten Grènz- pfahl Ungarns wieder unter Oesterreichs Botmäßigkeit brachte. Aus dem blutigen Morgenröthe der Schlachten stieg die junge Kaisersonne rein und glänzend am Ho­rizont empor, und das in Trümmer geworfene Reich steckte im Siegesgepränge auf seine alten Fahnen wie­der die eiserne Krone aus.Quai a chi la tocca! scholl es aus den Gefilden der Lombardei hinüber bis zu den englischen Kriegsschiffen im Hafen zu Genua! Berührt sie nicht! Und Niemand hat sie berührt, Nie­mand wird sie berühren; nicht Lord Palmerston und nicht die Diebsfinger der Emigration. Dies fühlt man jetzt in England, diese Vitalität hatte man nicht erwar- let und ein matter-of-fact people wie das englische Volk wird dem leeren Schatten nicht länger als es klug wäre, nachlaufen; man wird einsehcn, daß auf diesem Wege für selbes nichts zu gewinnen sei. Ein erträg­liches Verhältniß wird ermittelt werden, wenn auch das alte Vertrauen nicht so bald wieder Wurzel schlägt. Oesterreich ist cs jedoch nicht, das dafür zu sorgen hätte. Das vermittelnde Princip aber wird auch hier wie heute überall in den Interessen des keine Stockung ertragenden Welthandels gesucht und gefunden werden müssen. Gegen diese zwingende Macht werden die politischen Meinungen nur in zweiter Reihe erschei­nen können. ____________

Deutschland.

* Wiesbaden, 6. April. Gestern Nachmittag hielt Prof. Schenkel aus Heidelberg im Saale des

Gasthauses zu denVier Jahreszeiten" seine erste Vor lesung» Es hatte sich eine zahlreiche Zuhörerschaft ein gefunden. Prof. Schenkel wird noch vier solche Missions Vorträge halten und mit einer Predigt in der evange listen Kirche schließen.

Mainz, 5. April. Gestern fand hier bei den Landtagsabgcordneten Hrn. Dr, Müller-Melchiors eine gerichtliche Haussuchung statt. Ueber die Veranlas­sung und die Resultate derselben verlautet noch nichts

Frankfurt, 2. April. Sicherem Vernehmen nach wird der Antrag des großhcrzoglich hessischen Bundes- tagsgcsandten auf Erlaß einer Note des deutschen Bun­des an die britische Regierung in Bezug auf die Umtriebe der politischen Flüchtlinge binnen Kurzem in bei Bundesversammlung Gegenstand weiterer Verhandlung sein. Unter den Bundesstaaten soll vollkommenes Einvernehmen bezüglich der Maßnahmen bestehen, welche sich als nothwendig zu wirksamster Bekämpfung der Pläne der Umsturzpartei erweisen würden.

Freiburg, 4. April. Professor Dr. Schley et soll die Versetzung aus Gesundheitsrücksichten abgelehnt und diese seine Angabe mit einem von der betreffenden Behörde ausgestellten ärztlichen Zeugnisse erhärtet haben.

Von der badischen Bergstraße, 3. April. Unserem in ökonomischer Hinsicht sehr herabgekommenen Oden walde sucht man möglichst wieder aufzuhelfen/ und außer der Verbesserung der Landwirthschaft, welche in manchen Gegenden des Odenwaldes noch Vieles zu wünschen übrig läßt, sucht man auch auf andere Weise den Leuren Verdienst zu verschaffen. So ist der Ver­such gemacht worden, die Strohflechterci einzuführen, was in Schönau bei Heidelberg geschehen ist. Die dort errichtete Strohflechtschule liefert bereits die erfreulichsten Resultate und diese werden noch bedeutender sein, wenn, was in Aussicht steht, ein tüchtiger Kaufmann gewon­nen werden kann, die Arbeiten der genannten Schule in größeren Particen zu übernehmen und sie in den Handel zu bringen. Ist der Absatz der Arbeiten, welche durch ihre Güte sich auszeichnen, gesichert, so wird das ganze Unternehmen sich noch immer mehr be­festigen und ausdehnen.

Stuttgart, Heute ist das indeß noch nicht ver­bürgte Gericht verbreitet, der Mördek Rampolds sei gestern in der Person eines Eßlinger Bürgers verhaftet.

München, 3. April. Das k. Staatsministerium der Finanzen hat bewilligt, daß die Besitzer der am 31. v. M. verloosten Obligationen des 5pKt. zweiten Sub- scriptionsanlehens die betreffenden Capitalsbeträge in 41/1pKt. Eisenbahnobligationen umschreiben lassen dür­fen, wenn sie dies dem Empfang in Baarem vorziehen sollten. Das bischöfliche Ordinariat Augsburg hat neuestens ein Generale an die Seelsorgegeistlichkeit er­lassen, aus welchem hervorgeht, daß die Seele der Jr- vingianer, Eingang in das Bisthum Augsburg zu ge­winnen trachtet. Der zweite Theil des Generale ermahnt die Seelsorgepriester, geeignet einzuwirken, da sich mehr­fach der Fall ergeben, daß die Organe der Umsturzpartei auf beurlaubte Soldaten cs abgesehen Habens welche sie zum Trcubrucbc verleiten wollten. Ein Generale des letzter« Inhalts ist auch von dem bischöflichen Ordinariate Re­gensburg ergangen.

Coblenz, 3. April. Vorgestern Morgens trafen die verschiedenen Recrutcn Commando's für die hiesigen Truppenabtbeilungen hier ein. Da ein Theil der Re­serven nicht entlassen worden ist, so wird dem Verneh­men nach hiedurch eine Verstärkung der Compagnien um etwa 60 Mann bewerkstelligt.

Köln, 3. April. Der unter dem Namen Carstens längere Zeit in Mainz beschäftigt gewesene Schneider Leßner, welcher im Dr. Becker'schcn Prozeß zu 3 Jah­ren Einschließung verurteilt wurde, ist in den letzten Tagen von hier, wie es heißt, nach Graudenz abgeführt worden. Die Düsseldorfer Handelskammer spricht sich auch für die Zweckmäßigkeit einer in Düffeldorf anzule­genden Baumwollenspinnerei und einer Weberei in ihrem Jahresbericht aus und wünscht Eisenbahnen von Düssel­dorf nach Crefeld und von der Ruhr oder Wupper über Siegen zur Main-Weser-Dahn.

Luxemburg, 1. April. Zwischen der preußischen Regierung und unserem Gouvernement ist ein Vertrag abgeschlossen worden, nach welchem Preußen auf seine Kosten eine electrische Telegraphenlinie zwischen Trier und Luxemburg errichtet.

"Rendsburg, 28. März. In der Altstadt und