Nassauische Allgemeine Zeitung.
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Dienstag den 5. April
1^3.
Bestellungen auf die „Nass. Allgem. Zeitung" für das zweite Quartal 1853 werden baldigst erbeten.
Die„Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem Wemftifdieii Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Souuiags ausgenommen, taql i* unt beträgt der PränumerationsprerS für Wiesbaden und , nad> dem neuen Pastregulaiiv nunmehr au® ut den ganzen Umfang dcâ Lburn- und Tariö'schen Verwaltungsbezirks mit Jnbigriff des Pogausslblagâ 2 ft, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Pognereins, rote für das Ausland 2 fl. 24 kr. — Inserate werden =iie sierspaltig Petitseile oder deren Naum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auStväris bei den nächstgelegeneu Postämtern, zu machen.
/ür Auswanderer.
Nach dem neuesten Monatsberichte (März 1853) des Ce n tralv er ein s für die deutsche Auswander nngs - und Colonisation s-Ange- le'genheit zu Berlin scheint die Auswanderung aus Deutschland auch in diesem Jahre sehr stark werden zu wollen. Daß der Entschluß dazu bei Vielen ein übereilter sei und oft die bie bitterste Reue zur Folge habe, ist durch tausendfältige Beispiele bestätigt. In der neuesten Zeit ist eine Thatsache hervorgetreten, welche diese Wahrheit auf das Schlagendste beweist und zugleich die schon so oft wiederholte Mahnung bekräftigt, daß im Allgemeinen die Lage der deutschen Auswanderer in Nordamerica keineswegs eine sehr günstige, oft vielmehr eine recht elende sei. Es mehren sich nämlich gegenwärtig bei der deutschen Gesellschaft zu New-Aork die Gesuche um Geldunterstützungen, damit die Bittsteller wieder nach Deutschland zurückkehren können! Diese Bittsteller wissen recht gut, welch hartes Loos ihnen, wenn sie ohne alle Mittel in Deutschland wieder ankommen, bevorstcht; aber dennoch ziehen sie auch die elendeste Lage im Vaterlande dem ferneren Aufenthalte in America vor! — Nichtsdestoweniger wird von vielen Auswanderungsagenten nichts unversucht gelassen, um die ungebildetere Bevölkerung, nachdem diese erst mit ihrem Schicksale unzufrieden gemacht worden, durch die glänzendsten Schilderungen der überseeischen Länder zum Auswandern zu verleiten. Daß es diesen Agenten nur auf das Verdienen des Kopfgeldes ankommt, ahnt die Einfalt der Leute nicht, ja diese lassen sich sogar einreden, daß, wenn sie nur das Angeld bezahlen und bis nach den europäischen Hasenplätzen gelangen, sie auch geborgen seien, indem sie dann freie Ueberfahrt fänden! Es kann nicht genug vor dem Treiben solcher Winkelagenten gewarnt und nur dankbar die Verordnung mehrerer deutschen Regierungen anerkannt werden, welche die Vermittelung des Auswanderertransports nur zuverläsiigen und wirklich c.on- cessionirten Agenten gestatten. — Von der deutschen Gesellschaft in New-Jork, welche der Centralverein, auf die zuverlässigsten und ehrenwerthe- sten Quellen gestützt, wiederholt vor den böswilligen und verleumderischen Angriffen einiger deutschen Blätter zu vertheidigen Gelegenheit gehabt hat, ist in der Generalversammlung vom 22. Februar die Wahl des Verwaltungsraths vorgenommen worden. Aus dieser Wahl ging namentlich der bisherige Secretär der Gesellschaft, Herr H. E. Ludwig, glänzend gerechtfertigt hervor, indem er, obgleich eben so wie der Gesellschaftsagent De- greck am meisten in der Presse angegriffen, die meisten Stimmen bei seiner Wiederwahl erhielt. Je kräftiger die deutsche Gesellschaft dem Schwindelwesen. entgegen- tritt, desto heftiger und gemeiner werden natürlich die Angriffe der dadurch Beeinträchtigten ! — Die neuesten bei -dem Centralvereine eingegangenen Berichte aus Brasilien (Rio de Janeiro vom 13. u. ,14. Febr.) geben zu den ernstesten Erwägungen Veraulas sung. Es ist nämlich jetzt in Rio de Janeiro ein förmlicher Handel mit deutschen Einwanderern ganz ähnlich dem Negersclavenhandel, organisirt worden, wie nachstehende Thatsachen beweisen, — Vor einiger Zeit zeigte im „Jour. de Com." zu Rio de Janeiro das Haus Gexu. Deconterd an, daß ein Schiff mit Auswanderern aus Hamburg erwartet werde, und daß, wer auf dieselben reflectire, sich melden solle! — Das Schiff (die „America") kam an. Die Auswanderer waren dem Vernehmen nach auf Bestellung des schweiz. General- consuls Peret - Gentil durch den Auswandereragenten Fröbel in Rudolstadt engagirt und durch Valentin in Hamburg cxpcdirt worden. Sie hatten Contracte, welche ähnlich wie diejenigen der „fünf großen Grundbesitzer" (vor denen der Centralverein seiner Zeit öffent- lich gewarnt hät) lauteten, allein der Name des Grundherrn und der Ort, wohin die Auswanderer gebracht werden sollten, war in den Contracten offen gelassen und sollte -erst, nachdem sich ein Uebernehmcr gefunden, ausgrfüllt werden! Diese Contracte waren von dem kaiserl. brasilianischen Generalconsul Correa zu Hamburg contrasignirt! So ist cs gekommen, daß unsere deutschen Landsleute auf dem Markte von Rio de Janeiro förmlich wie die Negersclaveu seilgeboten worben sind!! Es fanden sich keine Liebhaber, da Hr. Peret- Gentil die Klausel in den Kontrakt hatte ausnehmen
lassen, daß die Leute nach 4 Jahren Land in Erbpacht erhalten sollten. Zuletzt ist noch ein ziemlich billiges Arrangement getroffn worden, nachdem auch die königl. preußische Gesandtschaft intercedirt haben soll. Dieser Menschenhandel hat selbst in Brasilien die tiefste Ent rüstung aller honneten Leute hervorgerufen, von denen namentlich über die Behörden Hamburgs bittere Klage geführt wird, daß diese solches Treiben dulden. — Mochte doch die gesammte Presse Deutschlands sich einmütig erheben, um diesen Schimpf des deutschen Namens, so wie er es verdient, zu brandmarken. Der Centralverein behält sich überdies noch anderweite Schritte vor. — Ueber die Colonie Blumenau in der Provinz St. Catharina in Südbrasilie n ist der neueste Rechenschaftsbericht erschienen. Derselbe wird auch durch andere Quellen als richtig bestätigt. Nach demselben nimmt diese Colonie einen gedeihlichen Fortgang und die dortigen Ansiedler befinden sich wohl; dasselbe ist der Fall mit der Colonie Dona Francisca. Beide aber stehen, wohl bemerkt, unter zuverlässiger und solider deutscher Leitung und sind nicht nach dem brasilianischen Regicrungssystem angelegt. — Aus Mittel- america (Costa Rica) sind bei der dortigen Colonisa- tionsgesellschast für Mittelamerica neuere Nachrichten eingegangen und dem Centralverein mitgetheilt worden. Danach schreiten die Vorbcrcitungsarbeiten für die künftige Colonie rüstig vor. Die Stadt an dem neuen Hafen an der atlantischen Küste (Porto de Cartago) ist ausgelegt, ein Hafencommandant in der Person eines Deutschen ernannt und der Weg nach Cartago obgeiteeft. — Für Australien wird außerordentlich agitirt, namentlich von der englischen Presse. Das Interesse Englands, Australien möglichst schnell zu bevölkern, motivirt dies hinreichend. Man darf aber nur auf die Zustände von Kalifornien blicken, um der Ansicht des Centralvereins beizupflichten, daß die Entdeckung von großen Goldlagern die Verhältnisse der Einwanderer im All- gemeinen keineswegs besser gestaltet. Wenige Einzelne gewinne», Viele werden unglücklich oder kommen gar im Elend um.
Deutschland.
4 Wiesbaden, 4. April. Die in diesem Blatte angezeigte Nichtigkeitsbeschwerde des Jacob Seibold und Joseph Schramm von Weißkirchen wurde in der öffentliche» Sitzung des Cassationshofes vom 1. d. Mts. unter Verfälligung der Recurrenten in die Kosten verworfen.
8 Wiesbaden, 1. April. Man hört in der letzten Zeit so viel von Eingaben fremder Aerzte bei unserm Ministerium um die Erlaubniß, in Nassau prac- ticireu zu dürfen, Heilanstalten zu gründen unb dergleichen, daß es wohl der Mühe werth ist, einmal darauf in diesen Blättern zurückzukommen. Abgesehen davon, daß in unserm Ländchen schon eine solche Ueberfüllung von Aerzten existirt, daß die Candidaten erst nach jahrelangem Harren eine schlechte Stelle bekommen können, möchte eS nicht uninteressant sein, zu erfahren, welche Bestimmungen in Preußen gelten, wenn ein Anslan- der oder richtiger ein Nicht-Preuße in Preußen ärztliche Praxis ausüben will. Die Gesetzsammlung 1843 §. 15 sagt ausdrücklich: Vor erfolgter Naturalisation werden Ausländer nur ausnahmsweise — und zwar entweder auf Gruud ein- für allemal mit ihren sämmtlichen Regierungen getroffenen Vereinbarungen, oder in Folge besonderer Verwendung ihrer heimathlichen Regierungen - zu den m od i c i n i f cb e « Staatspr ü - Jungen in Preußen zugelassen. Dieselben erhalten in solchen Fällen ein Attest über das Resultat der Prüfung, aber nicht die Approbation als practische Aerzte, sind also auch zur Ausübung der Heilkunde nicht befugt. Ausländer der Art erlangen, auch wenn sie nachträglich die Naturalisation als Preuße erhalten nicht ohne Weiteres das Recht, in Preußen als praktischer Arzt zu fungiren. — Eine Circularverfügung des Ministers der geistlichen Unterrichts- und Medic. Angelegenheiten vom 4. März 1853 erklärt ausdrücklich Folgendes: Da in mehreren Fällen eine entgegengesetzte Meinung hervorgc- treten, so erscheint es ratsam , solche Ausländer, welche ausnahmsweise zu den ärztlichen Staatsprüfungen zugelassen und in denselben bestanden sind, demnächst aber die Naturalisation nachsuchen, darauf aufmerksam zu machen, daß sie aus dem ihnen ertheilte» Attest über das Bestehe» der medicinischen Staatsprü-
füngen ein Recht auf Erlangung , der Approbation zur Ausübung der Heilkunde' in Preußen nicht herleite» könne». Es ist dies schön dadurch gerechtfertigt, daß bei Zulassung von Ausländern zur Prüfung die Bedingungen, welche für Zulassung von Inländern zur Staatsprüfung vorgeschriebcn sind, nicht in ihrer ganzen Ausdehnung zur Erörterung gezogen werden. Dahin gehört insbesondere der Nachweis, daß der Be- theiligte von einem inländischen Gymnasium mit dem Zeugniß der Reife abgegangen ist rc. Fiat applicatio!
Vorn Mcritt, 3. April. Die Nachricht über den Stand der v. d. Ketlenburgischen Angelegenheit, ist nach dem Mainz. Jonrn. nicht ganz richtig. Die Majorität des ReclamationsauSschusses, vertreten durch die Gesandten von Baden, Großh. Hessen und Oldenburg, hat sich f ü r die Kompetenz des Bundestages in dieser Frage, die Minorität, darunter Hannover, gegen dieselbe ausgesprochen. Zu einer Beschlußsaffung kam es in der Sitzung vom 17. März nicht, weil ein Theil der Gesandten wegen der hohen Wichtigkeit der Sache resp. des Princips, ohne vorher cingeholte besondere Instruction nicht abstimmcn zu können erklärte. Die Abstimmung ist deßhalb auf sechs Wochen vertagt worden,
Aus der ^falz, 2. April. (Pf. Z.) Dem Vernehme» nach sind die Vorarbeiten an der Neustadt- Weißenburger Bahn soweit gediehen, daß nächstens mit den Grunderwerbnngen der Anfang gemacht werden kann. Die eigentlichen Arbeiten werden jedoch, wie man hört, nicht eher beginnen, bis die Anstände beseitigt sind, welche der deutsche Bund bezüglich der Vorbeifuhrung des Schienenweges an der Festung Landau erhoben hat. Es ist indessen gegründete Hoffnung vorhanden, daß diese Frage durch Verwendung unserer königlichen Staats- regicrung in kurzer Zeit aus besriedigende Weise entschieden werde.
Zweibrücken, 1. April. Das Pröject einer Zweigbahn von Homburg hierher ist neuerdings mit Entschiedenheit aufgegriffen worden. Wie man hört, sind bereits für einige hundert Tausend Gulden Aktien gezeichnet und zur Sicherung des Unternehmens will man mit einem soliden Bankhause in Unterhandlung treten.
Stuttgart, 2. April.' Es ist nunmehr gewiß, daß die württembergische Handelsgesellschaft in's Leben treten wird. Der Staatsbeitrag zu derselben ist definitiv genehmigt und, wie wir hören, ist die constituirende Generalversammlung der Actionäre auf Samstag den 14. Mai (den Samstag vor Pfingsten) festgesetzt. Diese Generalversammlung hat den definitiven Ausschuß zu wählen, der dann den Director bestellt und das Geschäft ins Leben ruft.
Ulm, 31. März, (Württ. Staatsanz.) An unserer Eisenbahnbrücke über die Donau für die Ulm-Augsburger Linie sind jetzt alle Pfeiler außer Wasser gearbeitet und erheben sich bereits mehr oder weniger über den Wasserspiegel.
München, 2- April. Se, Maj. der König hat, d. d. Neapel, 15. März, dem Flügeladjutanten Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich, Grafen O'Donnell, in Anerkennung seiner bei Gelegenheit des auf S. Maj. den Kaiser verübten Attentats bewiesenen edlen Treue und Hingebung das Comthurkreuz des Civildienstordens der bayerischen Krone verliehen. —Hr. Reichsrath Graf Armausperg ist seit gestern Nachmittag sehr schwer erkrankt; es soll sehr geringe Hoffnung vorhanden sein, den hochgeachteten Staatsmann zu retten.
Altona, 1. April. Laut officiellcr Mittheilung sind bei der Universität in Kiel neu angestellt: in der .juristischen Facnltät die Professoren Dr. Schmidt, ein eingebauter Schleswiger und Pryfffsor Dr. Girtanner, früher in Jena; in der medicinischen Facultät der frühere Privatdocent und Oberarzt in der schleswig-holsteinischen Armee, Dr. Kirchner, der nun zum Professor ernannt worden und Professor Dr. Panum, und in der philosophischen Facultät Professor Molbeck, ein Däne für die dänische Sprache. Außerdem findet man auf dem Verzeichniß viele neue Docenten.
* Berlin, 2. April. Die N. Pr. Ztg. unterzieht heute die Haltung des Preußischen Wochenblattes bezüglich des entdeckten demokratischen Komplotts und dessen Ausfälle gegen Herrn v. Hinckeldèy einer scharfen Kritik. Sie vergleicht die Vorschläge dieses Blattes bezüglich radicaler Heilung der Staatsgebrechen geradezu mit dem System deS Dr. Eisenbart. „Die