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Nassauische Allgemeine Leitung.

Wf Montag den 4. April 18&3.

Bestellungen auf dieNass Allgem. Zeitung" für das zweite Quartal 1853 werden baldigst erbeten.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" ersMein«, Sonntags ausgenommen, lägii» und betragt der PränumeratisnSpreiS für Wiesbaden und , nad> dein neuen Postregulaiiv nunmehr aui Lr den ganzen Umfang des Dbnrn- und TariS'schcn Berwattnngsbczirks mit Inbegriff des Postausscblags 2 st., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 tr. Inserate werden die dierspallf Petit, eile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu mache».

Lur JoUfrage.

Die ofsicielle Denkschrift über den preußisch­österreichischen Handelsvertrag vom 19. Februar ist wenig umfänglich und stellt die Haupt­punkte des Vertrages unter gewissen Kategorien zusam­men. Sie unterscheidet namentlich die in dem Vertrage gemachten Zugeständnisse, je nachdem dieselben gegen- jeitige allgemeine oder gegenseitige Zugeständnisse besonderer Art sind. Zu jenen zählt sie 1) die Verpflichtung, den gegenseitigen Verkehr durch keinerlei Einfuhr-, Ausfuhr- und Durchfuhrverbote zu hemmen; 2) die gegenseitige Gleichstellung hinsichtlich des Betra­ges, der Sicherung und Erhebung der Eingangs-, Aus­gangs- und Durchgangs-Abgaben mit den am meisten von beiden Theilen begünstigten Staaten; 3) Pie Be­stimmungen zum Behufe der Erleichterung des gegen­seitigen Verkehrs, welche in 12 Punkten speciflcirt wer- den; endlich 4) das Zoll-Cartel. Die zweite Kategorie, die der besonderen Zugeständnisse, umfaßt die aus gedehnten Zollbefreiungen und Zollermäßigungen, welche, wie die Denkschrift sagt,zwar auf der Grundlage der Gegenseitigkeit beruhen, ihren Wirkungen nach jedoch zu einem eigenthümlichen Verhältnisse zwischen den beiden contrahireNden Theilen Veranlassung geben". Die sti- pulirten Ermäßigungen und Befreiungen werden dem­nächst erörtert und die Abweichungen, zu welchen man sich in mehrfachen Beziehungen genöthigt sah, gerechtfer­tigt. Die Ausscheidung der eisernen Maschinen und Maschinenbestandtheile aus den Eisenwaaren wird aus­führlicher begründet. Dasselbe geschieht rücksichtlich der Behandlung der zusammengesetzten Waaren. In Bezug auf die Ermäßigung des allgemeinen Zolles für den Zwischenverkehr mit Webe- und Wirkwaa- ren wird bemerkt, daß sich einer Vereinbarung hierüber besondere Schwierigkeiten entgegengestellt hätten.Ohne eine wesentliche Abänderung sagt in dieser Beziehung die Denkschrift des einen oder des andern, oder d/r beiderseitigen allgemeinen Zolltarife, sowohl nach der Classification als auch nach den Zollsätzen, ließ sich hier­nach , für die Webe- und Wirkwaaren die Feststellung gleichmäßiger Zwischenzölle nicht erreichen. Jene Abän­derung war zur Zeit unmöglich, da eine Aenderung des Zollvereinstarifs nicht Gegenstand der vorliegenden Ver­handlungen sein konnte, und die österreichische Regierung Bedenken trug, ihren nach Aufhebung deS Prohibitiv- systems erst kürzlich erlassenen Zolltarif gerade m Be­ziehung auf die Gewebe zu modiftciren. Außerdem wurde für einzelne Artikel eine gegenseitige gleiche Be­günstigung eintreten zu lassen, österreichischer Seits bei dem Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Webe- und Wirkwaaren, für unthunlich erklärt. Einen Ver­trag abzuschließen, in welchem der größte Theil der ge­genseitigen Erzeugnisse, jedoch nicht die Producte der Weberei, Berücksichtigung fänden , muß jedoch Bedenken getragen werden, und es blieb unter den obwaltenden ilmständen und bei der Dringlichkeit eines baldigen Vertragsabschlusses nur übrig, sich vorläufig in der Weise, wie es nach pos. 30 B der Anlage I. geschehen ist, zu verständigen. Beiderseits sind dadurch Erleichterungen in den Zollsätzen gewährt worden, und es darf von den nach Art. 3 bevorstehenden Verhandlungen die Herbei­führung einer weiteren angemessenen Verständigung hin­sichtlich des Verkehrs mit den Webe- und Wirkwaaren erwartet werden." Am Schlüsse der Denkschrift wird auf den schon im Voraus zugesagten Anschluß der Regierungen von Parma mnd Modena Hingewieseu.

Die Handelspolitische Beilage der Frankfurter Post­zeitung stellt in ihrer neuesten Nummer Vergleiche an zwischen der früher und der jetzt von gewissen Organen in der Zollfrage beobachteten Haltnng. Von einer Zoll­einigung sollte nie und nimmer die Rede sein, und vou einem Staatsvcrtrage nur insofern gesprochen werden, als er keine innere Annäherung bedingte, und auf gleiche Weise auch mit einem fremden Staate abgeschlossen werden könnte. Unbeirrt schlossen aber die Großstaaten einen Vertrag, wie außer dem Zollverein noch kein zweiter geschlossen wurde. Und kaum erschien derselbe vor dem Gerichte der öffentlichen Meinung, als beinahe ' alle Stimmen sich gleichmäßig vereinigten, diesen Act als die Grundlage einer neuen, in dieser Innigkeit nie dagewesenen Verschmelzung der gesammten staatlichen und materiellen Interessen darzustellen. Eine ausfallende Erscheinung bei dieser Meinungsäußerung besteht darin,

daß gerade die früheren Gegner der Zolleiniguug den Februarvertrag deßhalb zum Gegenstände ihres Angrif­fes machen, weil er nicht genug biete, und daß man augenblicklich darauf Bedacht nehmen müsse, den Zwi­schenverkehr noch umfassender zu erweitern, die ange­nommenen Zwischenzollsätze herabzusetzen und noch mehr Jndustriegcgenstände in den Kreis des Zwischenverkehrs noch umsassender zu erweitern, die angenommenen Zwi- schenzollsätze herabzusetzen und noch mehr Jndustriege-- genstände in den Kreis des Zwischenverkehrs Hereiuzu- ziehen. Diese an sich harmlose Beschäftigung wäre die­sen Blättern zu gönnen. Einige derselben, und nament­lich preußische gehen soweit, der Regierung Preußens die Benützung der orientalischen Wirren zu einer poli­tischen Demonstration und Allianz gegen Oesterreich an- zurathen! Andere gehen einen Schritt weiter. Untröst­lich über den Handelsvertrag vom 19. Februar, bringen sie einen preußisch-englischen Handelsvertrag aufs Ta­pet: Preußen soll eine wesentliche Zollermäßiguug für seinen Spiritus erwirken, und als Preis dieses Zuge- ständniffes Zollsreihcit für schottisches Eisen und eng­lischen Twist bewilligen. Ein Handelsvertrag mit Eng­land würde auch den süddeutschen Staaten weit mund­gerechter sein, als der durch hohe Zölle monopolisirte Einfluß Oesterreichs, denn England habe seinen Schutz­zolltarif noch hinreichend conscrvirt, - um große Conces­sionen für Zollvercinssabricate, namentlich Papier, Le­der-, Glas- und Seidenwaaren, dann chemische Fabri- cate zu bewilligen. Glücklicherweise fällt diesendeutschen Patrioten" noch zu rechter Zeit ein, daß Oesterreich sich auch für den Fall einer Ermäßigung des Zollvereins­tarifes, also für den Fall eines Handelsvertrages mit einem andern Staate, eine entsprechende Erhöhung sei­nes Zwischenzolles Vorbehalten hat. Aber Act nehmen muß man gleichwohl von den perfiden Einflüsterungen. Die preußische Regierung freilich steht solchen ehrlose» Machinationen ferne; die Verpflichtungen, die sie durch den mit Oesterreich abgeschlossenen Handelsvertrag ein­gegangen M, find für ihre HanMspolitik allein maß­gebend, denn Der müßte geradezu blind sein, der nicht einsehen wollte, daß es sich bei dem Vertrage vom 19. Februar um etwas ganz Anderes als um Verkehrser- leichterungett, daß es sich dabei vieimehr um ein han­delspolitisches Princip handelt, dessen Bedeutung und Tragweite einen echt deutschen Character haben. Solche entscheidende Schritte lassen sich nicht mehr rückgängig machen, und wir können, sagt der Berliner Correspou- dent desLloyd", den betreffenden Blättern die Ver­sicherung geben, daß die preußische Regierung recht wohl wußte, was sie that, als sie den Vertrag mit Oester­reich abschloß. Auch wissen es, fährt er fort, die preu­ßischen Industriellen am besten zu schätzen, welcher Ge­winn einem deutsch-österreichischen Handelsvertrag Ange­sichts der zu erwartenden Handelseinigung daraus er­wächst, daß das Wiener Cabinet, in richtiger Würdigung aller dabei betbeiligten Interessen, gerade den Herrn v. Bruck für den hochwichtigen Posten eines Jntcrnun- tius in Konstantinopel aus ersehen hat. Es sollen damit nicht blos den österreichischen, es sollen dem gesammten deutschen Handelsverkehr Bahnen und Absatzwege eröff­net werden, vermittelst deren sich nicht blos ein natür­liches Gleichgewicht in den europäischen Handelsverbin­dungen hcrstèüt, sondern ebenso deutsche Jndustriccrzeug- Nisse einen gewinnreichen Markt finden, von dem sie durch die britische Industrie ganz oder doch zum Theile verdrängt waren. England weiß recht wohl, daß es nach der Türkei mehr Fabricate absetzt, als nach Ruß­land und Oesterreich zusammen. Darum Ehre der österreichischen Regierung, die dem großen Gedanken eines mitteleuropäischen HaudclSgebieteö auf diese Weise Bahn bricht.

Einen zweiten Artikel widmet dieBeilage" den Eisenzöllen und dem drohenden Project, die Eisenzölle allgemein gegen das Ausland theils gänzlich ausznheben, theils bedeutend herabzusetzen, was die Eisenindustrie eine der ältesten und wichtigsten des Vereins bei ihrer seiner Zeit bewiesenen Opferfreudigkeit nicht verdient habe. Man bezeichne als vorzüglichen Grund für diese Maßregel den Nutzen, welchen Norddeutschenland durch Wohlfeilerwerdcn deS Eisens für Ackergeräthe und Schiffsbaueisen erlangen würde. Es ist nachgewieseu, daß bei ersteren der Grund der Theuerung nicht in den Zöllen liegt, in zweiter Beziehung könne durch freie Einfuhr deS Eisens zum Schiffbau geholfen werden.

Deutschland.

* Wiesbaden, 2. April. 3. Sitzung der II

Kammer. Der Präsident des Ministeriums, P r i n Wittgenstein, zeigt der Kammer- die Vèrlobunc Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Helene von Nasiar Mit des regierenden Herrn Fürsten Victor vor Waldeck und Pyrmönt Durchlaucht an und du Kammer beschließt darauf, Seine Hoheit den Herzog, sowie Ihrer Kon. Hoheit der verwittweter Frau Herzogin durch eine Deputation ihre Glück­wünsche aussprechen zn lassen.

Dann wurde über die Wahl des Abg. Gödeck« int IV. Wahlbezirk Bericht erstattet ünd dieselbe als giltig anerkannt; ferner beschlossen auf die von einen Dritten gegen das Verfahren des Wahlcommiffärs be dieser Wahl erhobene Reclamation, die Regierung un Untersuchung und Verfügung zu ersuchen.

* Wiesbaden, 4. April. Seine Hoheit dei Herzog und Ihre Kön. Hoheit die venvittwete Frau Herzogin haben heute die Deputationen der beider Kammern in Veranlassung der Verlobung Ihrer Durch­laucht der Prinzessin Helene mit des regierender Herrn Fürsten Victor von Waldeck Durchlaucht zi empfangen geruht.

Mannheim, 1. April. Ueber hiesigen Platz sink seit 1. Januar d. J. 4153 Auswanderer (Erwachsen« und größere Kinder) mit 78 Säumlingen gekommen Davon kamen ans den Monat Januar 254, Februar 1339^ und März 2560.

Freiburg, 31. März. Die zur oberrheinischer Kirchenprovinz gehörigen Bischöfe werden am 6. Apri zu einer Konferenz hier in Freiburg mit dem Herrn Erzbischof zusammentreten, um sich über ihr gemein, sames Verhalten gegenüber der neueren kirchenrechtlichen Erlassen der betreffenden Regierungen zu berathen unt Beschluß zu fassen. Der Bischof von Rottenburg ifl zwar bereits abgereist, wird aber erst noch kirchlichen Verrichtungen obliegen und dann am 6. L M. in Frei­burg eintreffern Unser zur Greuzbewachnrig »er, wendetes Jäger-Bataillon kam heute, mit Ausnahme von etwa 90 Mann, welche zum Dienst zurückgeblieben waren, von Lörrach mit dem 1-Uhr-Zuge wieder hier am

Kassel, 1. April. Gegen den Schuldirector Dr Gräfe soll eine neue Untersuchung bevorstehen unt zwar in Folge einer von ihm in einem norddeutschen Blatte gegebenen Erklärung, daß er cs unter feinet Würde gehalten, eine Milderung seiner Strafe auf dem Gnadenweg zu erwirken , in welcher Erklärung der Staatsanwalt eine Majestatsbeleidigung erblickt.

Marburg, 29. März. Der von der hiesigen phi­losophischen Facnltät unlängst dem Prof. Thiersch ertheil­ten Habilitation ist von dem Ministerium die Genehmiglmg versagt worden.

Hamburg , 29. März. (Wes.-Ztg.) Man weiß hier jetzt, daß die beträchtlichen Goldmassen, welche im Laufe dieses Winters von mehreren unserer großen Bankiers int Anfrage cxpednt wurden sämmtlich ihren Weg nach Rußland nahmen; bereits im November hat­ten ' diese Baar- und Barrcnscndungcn, von welchen man einen Theil nach Oesterreich bestimmt glaubte, ihren Anfang genommen und sind bis vor Kurzem fort­gesetzt worden.

Bremen, 29. März. Heute wurden hier in der Amtswohnung Mobilien und Effecten Dulon's auf Ver­fügen seiner Frau öffentlich versteigert, thcilweise zn sehr hohen Preisen; Dulon's Familie begiebt sich nach Hel­goland. Dulon wird, wie es heißt, am 1. April mit seiner Familie nach America nuöwandttn, um daselbst eine Prediger- und Lehrer stelle, welche vorangega'ugene Freunde ihm bereit halten anznnehmcn.

DerKurier an der Weser" meldet, daß von den am 18. März in Bremen verhafteten Personen mehrere freigelasien worden sind.Sie wurden von der Be­hörde wegen Betheiligung an einer Ziisammenknnft po­litischer Gesiunungsgenossen vernommen". Dem H. K." schreibt man: Gestern (28.) Morgen sind wiederum mehrere Verhaftungen vorgenommen worden, die wahrscheinlich mit den am 18. verfügten Maßregeln im Zusammenhänge stehen. Auch ist die Tischlerherberge polizeilich geschlossen worden.

Schwerin, 30. März. Die Regierung ist der Ansicht, daß durch die Beförderung von Nachrichten mittelst des Telegraphen der Postcasse eine Schmäle- rung erwachse. Deßhalb will sie nicht anders als gegen