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Nassauische Allgemeine Zeitung

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M 76. Mag den 1. April 18&8.

Bestellungen auf dieNass. Allgem. Zeitung" für das zweite Quartal 1853 werden baldigst erbeten.

DitNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erfdirtnt, Sonntag« ausgenommen, täglitb und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen poftreguiatio nunmehr auch âr den ganjen Umfang des rdurn« und TariS'scken PerwaltungSbettrkS mit Inbegriff des Postausschlags 2 ft, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, rote für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die Bierspattig Petitzeile ober deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwârtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

D i e « st n a ch r i ch t.

Seine Hoheit der Herzog haben den fnn- girenden Auditeur Dörr zu Weilburg zum Auditeur für die Garnisonen Weilburg und Diez mit Ober- Lieutenantsrang zu ernennen geruht.

Nichtamtlicher Theil.

Jur orientaischen Frage.

AuS Constantinopel, 14. März, wird der Trie­ster Ztg. über die letzten diplomatischen Scenen unter anderm mitgetheilt: Oberst Rose habe sich mit Geneh­migung des GroßwessierS zu Fürst Menczikoff begeben, um ihn zu bitten, nicht länger auf der Entlassung Fuad Effendi's zu bestehen. Der Fürst ließ aber dem eng­lischen Diplomaten durch Hrn. Ozeroff mitthcilen, cr könne nicht mit ihm über Fuad Effendi sprechen, weil sein Auftreten gegen den türkischen Staatsmann ihm von seinem Monarchen vorgeschrieben worden. (Etwas ist jedenfalls bei allen diesen politischen Begebenheiten unklar: das langsame Reisen und Verweilen an ver­schiedenen Orten des Lord Stratford und die beinahe ostensible Saumseligkeit, womit der Fürst Menczikoff seine Foxderungen bei der Pforte betreibt. Beide Di­plomaten, der Lord und der Fürst scheinen in Soufian tinopel nichts zu versäumen zu haben; beide Kabinette, das englische und das russische, müssen die Gewißheit haben, daß Dinge, die da kommen sollen, eintreten wer­den, ohne daß sie sich ändern oder abwenden lassen. Außerdem wäre es unbegreiflich, daß Fürst Menczikoff der Pforte nicht peremtorische Termine gesetzt hätte oder Lord Stratford bereits in Constantinopel wäre. Oberst Rose tappt jedenfalls im Dunkeln, er hat nicht recht gbsthttr was vorging. Der Admiral der englischen Flotte im Mittelmeer hatte andere Instructionen als der Geschäftsträger und das lakonische Verbot an die englische Flotte nach der Levante zu segeln, läßt fast vermuthen, als sei die eigentliche Begebenheit in London entschieden worden. Sieht man die Dinge auf diese Art an, so würde die Episode am goldenen Horn die einzige Bedeutung haben, der französischen Diplomatie wegen Anmaßung eines ungebührlichen Einflusses eine Lehre zu geben. Daö wenigstens hat sich uns bei dem letzten Wetterleuchten im und am schwarzen Meer ent­hüllt, daß kein Einvernehmen zwischen den westlichen Mächten über die Frage deS Jahrhnnderrs bestehe.) Fürst Menczikoff soll sich bei der Abreise geäußert ha­ben : Je vais porter un petit papier au sultan, et le prévenir que sil veut me le signer, il pourra man- ger du mouton, mais si non, quil devra manger du porc. (Ich werde dem Sultan ein kleines Papier bringen und ihn in Kenntniß setzen, daß, wenn er cs unterzeichnen will, er Hammelfleisch essen darf; wenn aber nicht, so muß er Schweinefleisch essen.) Das letztere ist natürlich nur eine gut erfundene Anecdote, und hat eben nur als gute Erfindung einigen Werth, wird gleichwohl von der F. P. Z. zu dem Ausgangspunct eines offenbar in Frankfurt fabtickten Leitartikelsvon der Donau" benutzt. (S. u. Warschau.)

Aus dem gestern erwähnten Leitartikel derDcbats" heben wir noch folgendes hervor:Wenn das otloma- tiische Reich im Interesse der Civilisation zn Grunde gehen soll, so muß man nicht blos die europäische Tür­kei, sondern die ganze Türkei opfern. . . . Die grie­chische Kirche hat eine große Zukunft und bereitet einen Kampf zwischen dem abendländischen und byzantinischen Katholicismus vor. Sind die Einzelnheiten der Sen­dung Menczikoffs wahr, so kann man bereits die Zu­kunft der griechischen Kirche im Oriente wahrnehmen, deren Papst der Czaar in Petersburg sein wird. Aus Rußland gestützt, verlangt die griechische Kirche bereits durch den gebieterischen Mund Menczikoffs in Coustan­tinopel die Unabhängigkeit. Die Primatcu der griechi­schen Kirche sollen den Patriarchen von Constantinopel ernennen, dem der Kaiser voiC Rußland, als der einzige orthodoxe Kaiser, die Investitur geben wird. Die grie­chische Kirche, welche in Constantinopel die Unabhängig­keit verlangt, fordert in Jerusalem dem Katholicismus gegenüber ' die Gleichheit, wenn nicht das Ucbergewicht. Was beweist mehr die Größe, welche die griechische Kirche anstrcbt? Diese Kirche macht aber auch Rußland stark, von dem sie ihre Kraft entlehnt. Die Eroberung

Constantinopels ist der Traum aller orientalischen Chri­sten, aller Russen, ein Traum, welcher in tausend popu­lären Legenden lebt. Ein Diplomat erzählte mir, daß er in St. Petersburg im Hofe des Ministerins der aus­wärtigen Angelegenheiten stets einen bespannten Wagen sah, der jeden Augenblick zur Reise befreit war. Es war im Jahre 1828 während des Krieges mit der Türkei, der mit dem Frieden von Adrianopel endigte. Der Diplomat sah oft den Minister der auswärtigen Angelegenheiten und fragte ihn eines Tages, was die­ser Wagen im Hofe unten bedeute.In diesem Wa­gen", antwortete der Minister,befindet sich ein Wun­derbild der h. Jungfrau, das an dem Tage des Ein­zuges der Türken in Constantinopel aus der Sophieu- kirche gerettet wurde und das wir bei unserem Einzuge in Constantinopel der Sophienkirche zurückgebeu werden. Sagen Sie, ich bitte sie recht sehr, dem Tuilerieucabi- nete, daß es den Abschluß des Friedens zwischen unS und den Türken beschleunige, denn wenn wir das Bild fortschicken und an dex Spitze unserer Armee vortragen lassen, so muß die H. Jungfrau (Panagia) in die So­phienkirche zurückkehren, und die ganze Armee folgt ihr, ohne daß wir sie aufhalten können." Man sieht hieraus, wie stark das religiöse Gefühl ist, das die Christen deS Orientes nach Constantinopel zieht und welch ein Hebel dies in Rußlands Händen ist. Diesen Hebel hat aber Rußland angelegt, indem cs heute das Protectorat der Christen in der Türkei verlangt."

Drutschluud.

* Wiesbaden, 1. April. Gestern Vormittag um 9 Uhr hielten'beide Kammern Sitzungen, um 10 Uhr vereinigten sich dieselben zu einer gemeinschaftlichen Sitzung.

In der Sitzung erster Kammer wurden zuvörderst die Ramen der ernannten Regierungs-Commissäre mit­getheilt; sie sind dieselben wie im vorigen Jahre, nur daß an die.Stelle des in Wien so plötzlich verstorbenen Herrn Oberstcllerrathes SA) olz Herr Obersteuerrath Herget mit den betreffenden Functionen betraut wurde. Hierauf wurde der Kammer mitgetheilt, daß Seine Hoheit der Herzog für die Dauer des diesjährigen Landtages den Grafen v. Walderdorff zum Prä­sidenten und den Freiherrn v. Bock-Herms- dorsf zum Vicepräsidenten der ersten Kammer wieder zu ernennen geruht habe. Zu Schriftführern wurden wieher gewählt: Bellinger (mit 10) ; v. Eck (mit 11 Stimmen). In die Commission zur Begutachtung eingehender Petitionen wurden gewählt: Höchst (mit 11), Trombetta (mit 10), Lossen (mit 5 Stimmen); in den Ausschuß zur Berichterstattung über das Pen­sion s g e s e tz vom 27. November 1851: Bertram (mit 7 St.) v. Bock (mit 4 St) und Höchst (mit 4 Stimmen).

Der Abgeordnete Bellinger erhält hierauf das Wort zu nachstehender Interpellation: Durch das Gesetz vom 26. October 1850 ist bestimmt, daß die Besoldun­gen der Neal« und Elementarlehrer durch die Herzogli­chen Necepturen ausbezahlt werden sollen. Es soll nun inzwischen »eine Verordnung Seitens deS Herzoglichen Finanzministerinms erlassen worden sein, wodurch daS angczogene Gesetz bedeutend alterirt wird. Ich erlaube mir an den landesherrlichen Herrn Commissär die An­frage, ob wirklich ein Versuch der Aenderung jenes Ge­setzes stattgefunden habe?

Der Äbg. Bertram beantragt: Die hohe Kam­mer wolle beschließen, die Herzogliche Regierung um eine Vorlage zu ersuchen, woruach unter Vorbehalt der Verständigung mit der Königl. Preußischen Staatsrcgic. rung der Bau einer Eisenbahn vom Wiesbaden über Limburg nach Deutz unter entsprechender Be­theiligung des Staates an den Erbauungskosten in Vor­schlag gebracht wird.

In der zweiten Kammer wurde nach Entgegen­nahme der Regierungsvorlagen und nach Bekanntma­chung der ernannten Regierungs Commissäre (s. o.) be­schlossen, die Präsidentenwahl in der nächsten Sitzung (heute Vormittags) vorzunehmen.

In der vereinigten Sitzung wurde von Seiten der Regierung das Budget vorgelcgl und die Wahl der Mitglieder für die einzelnen Commissionen vorgenom- men. In die erste Commission (Justiz) wurden ge­wählt: Braun, Halbey, Keim, Lang, Bellinger, Wil­helmi, Losstn. In die zweite Commission (Inne­res): Gödecke, Heydenreich, Schlachter, Schrodt, Wirth, v. Bock, Höchst, Trombetta. In die dritte Com­

mission (Krieg): Dombois, Rullman, Schwickert, Vog­ler, Bertram, Möller, Schlachter. In die vierte Commission (Finanzen): Knapp, König, Rau, v. Eck, Marburg, Müller, Sebastian. In die fünfte Com­mission (Rechnungsprüfung): Eigner, Metzler, Münch, Reichmanns Ulrich, Kraus, v. Syberg. Abgeordneter Reichmann stellt den Antrag, die einzelnen Ausschuß­berichte unverzüglich drucken und unter die Mitglieder der Ständeversammlung vertheilen zu lassen. Dieser Antrag wird zum Beschluß erhoben.

Frankfurt, 31. März. Der seitherige größherzogl, hessische Ministerrefident bei der freien Stadt Frankfurt, Freiherr von Leonhardi, hat gestern Mittag Hohem Senate seine neuen Accreditive als großherzoglich be­vollmächtigter Minister und außerordentlicher Gesandte überreicht.

Heute Morgen sah man wieder das bayerische Dampf­schiff mit Auswanderern aus Oberbayern augefüllt an unserer Stadt vorüberpassiren. Ihr Aeußeres, z. B. die silbernen Knöpfe der wohlgekleideten Frauen deutete auf Wohlstand.

Ludwigshafen, 26. März., (Pfälz. Ztg.) Die Arbeiten zur Tclegraphenverbinduug zwischen Bayern und Frankreich sind bereits in Angriff genommen, und cs wird zu dem Zwecke die Linie, welche in Landau enden sollte, bis Weißenburg fortgesetzt, wo sie mit der französischen zusammentrifft. In Straßburg wird eine bayerische Station errichtet, welche die Depeschen nach der Pfalz und dem jenseitigen Bayern und umgekehrt besördcrt. Bis zur Vollendung der ganzen Linie, deren Eröffnung gleichzeitig stattfinden soll, werden jedoch noch einige Monate verfließen, da der Rheinübergang bei Worms längere Zeit in Anspruch nimmt. Von dem Plane, eine oberirdische Leitung über den Strom zu führen, ist man, dem Vernehmen nach, wegen der be­deutenden , auf 20,000 Gulden veranschlagten Kosten abgekommen und wird jetzt die Verbindung durch in den Strom gelegte Röhren, ähnlich der Leitung im Kanal zwischen Frankreich und England, Herstellen. Wie man hört, soll ein Theil dieses Apparates in Eng­land bestellt sein, während die gußeisernen Röhren von einer Nürnberger Fabrik geliefert werden.

Speyer, 31. März. Ihrer früheren Ankündigung gemäß ist dieNeue Speyerer Zeitung" heute zum letztenmal erschienen. Sie tritt von dem Schauplatze ab mit einem Danke für die rege Theilnahme deS Publicnms.

Vom unteren Haarbtgebirge, 29. März. (Pfälz. Ztg.) Die Preise der ältern Weine, insbeson­dere der 1846er und 1848er sind in der letzten Zeit wieder nicht unbedeutend gestiegen; von den beiden ge­nannten Jahrgängen sind aber auch nur mehr geringe Vorräthe zu finden. Auch die Preise des 1849er haben etwas angezogen, während im Neuen gegenwärtig keine große Kauflust herrscht. Beim Rebschncidcn zeigt es sich nun, daß der Schaden, welchen die Traubcukrankheit am Holze angerichtet hat, in einzelnen Weinbergen sehr beträchtlich ist.

München, 29. März. Der preußische Gesandte dahier, Graf Bockelberg, ist seit einigen Tagen nicht unbebeutentb erkrankt; auch im Befinden des Grafen Saporta ist noch keine entschiedene Besserung ein- gctrcten. Neuerdings beißt cs, daß demnächst die Einberufung der Gesetzgebungs-Ausschüsse beider Kam­mern zu erwarten sein dürfte. Die Fürst Wrede'fche Angelegenheit wird in den ersten Wochen des Aprils am». Kreis- und Stadtgericht dahier zur Verhand­lung kommen.

Der». Hoftheatcri»tendant, Hr. Dr. Dingelstedt, bat während her Ostertheaterferien seinen dreitägigen Polizeiarrest abgebüßt.

Gotha, 30. März. Der erste gemeinschaftliche Landtag wird in Koburg zusammentrctcn uiiir vom Her­zog in Person eröffnet werden.

' Köln, 30. März. Die heutigeD. Vokkshalle" bringt einen durch Beschluß der Rathskammer freige- gebencn Artikel über den Waldbott'schen Antrag. Zu­gleich macht sie bei dieser Gelegenheit die Mittheilung, daß am 23. d. in der Wohnung des Druckers der D. Volkshalle, in dem Geschäftslocale der Expedition und in der Wohnung des verantwortlichen Redacteurs eine gerichtliche Haussuchung gehalten worden ist, nm die Maunscripte der übrigen fünf, im Laufe dieses Jahres confiscirten Nummern zu finden, welche inzwischen nicht mehr existirtcn.

Berlin, 28. März. Der hannover'fche General-