Nassauische Allgemeine Zeitung.
â «S Dienstag den 22. My £853.
Bestellungen auf die „Nass. Allgem. Zeitung" für das zweite Quartal 1853 werden baldigst erbeten.
Die „Naffauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânnmerativnSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch fit den ganzen Umfang des Ldurn. und Taris'schcn Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PostanfschlagS 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostuereinS, wie für das Ausland 2 ft. 24 fr. — Inserate werden die viersdaltig Petitjeile oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. F r i e dr i ch, Langgaffe 42, auswärts bei den nâchstgelcgenen Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
Verfügung, betreffend die ordentlichen Assifen der Hofgerichtsbezir ke Dillenburg und Wiesbaden im zweiten Quartale des Jahres 1853.
Der Unterzeignete verfügt hierdurch in Gemäßheit der Artikel 7, 8 und 11 des Strafproceßgesetzes : daß die ordentlichen Assifen im 2ten Quartal 1853 a) im Hofgcricktsbezirke Dillenburg Mittwoch den 19. Mai und
b) im Hofgerichtsbezirke Wiesbaden Montag den 23. Mai,
Vormittags 9 Uhr eröffnet werden sollen, und ernennt zugleich den Herzoglichen Hof- und Appellationsgcrichts- Director, Herrn Flach dahier zum Präsidenten der Assifen des hiesigen Hofgerichtsbezirks, und den Herzog!. Hof- und AppeUationsgerichtsrath, Herrn Trepka zu dessen Stellvertreter, sowie den Herzog!. Hof- und Ap- pellationsgerichtsrath, Herrn v. Reichen â u zum Präsidenten der Assifen des Hofgerichtsbezirks Dillenburg und ben Herzoglichen Hof- und ApellalwnSgerichtsmth, Herrn v. Bierbrauer zu dessen Stellvertreter, und überläßt es dem Herzogs Generalsiaatsprocurator, Herrn Hergenhahn, diese Verfügung öffentlich bekannt zu machen.
So geschehen Wiesbaden den 17. März 1853.
Der Präsident des Herzog!. Nass. Cassationshofs (LS.) gez. M usse t.
Für die richtige Ausfertigung:
Der Secretär des Cassationshofes aez. Hofman n.
Verkündigt:
Wiesbaden, den 18. März 1853.
Der. Generalsiaatsprocurator Herge n hahn.
Nichtamtlicher Theil.
Mr Auswanderer.
Das Bremer Nachweisungsbureau.
Wenn auch der jährlich anschwellende Strom der deutschen Auswanderung nach den transatlantischen Ländern neuerdings die Aufmerksamkeit der deutschen Regie- rjyigeu in erhöhtem Maße auf sich gezogen zu haben scheint, so fehlt cs doch immer noch an einer Gesetzge- bung für das gesammte Deutschland, welche sich nameut- lich auch die Aufgabe zu stellen hätte, nach Kräften die Auswanderer gegen die Uebervortheilung der zahlreichen und verschiedenartigsten Speculanten sicher zu stellen, die sich der Auswanderung als eines neuen gewinnreichen Erwerbszweigeö bemächtigt haben. Verdient es auch alle Anerkennung, daß einzelne Regierungen, wie u. A. die Bremer, auf diesem Gebiete mit einer nachahmungswür- digeii Fürsorge für das Wohl der scheidenden Landsleute vorangeschritten sind, so liegt es doch in der Natur der Sache, daß ihre aus bestimmte örtliche Gränzen beschränkte Thätigkeit in vielen Fällen zu spät eintritt, um Schaden ganz oder theilweise zu verhüten. Um so erfreulicher ist es, wenn ein Institut von ursprünglich privativem Charakter, welches lediglich aus Motiven der Humanität und ohne Aussicht auf einen Gewinn zum Schutze der Auswanderer thätig ist, sich durch seine umsichtige und erfolgreiche Wirksamkeit eine Stellung und ein Vertrauen erringt, wie es sonst nur Einrich- luugen von ausgesprochenem officiellen Charakter beigelegtwird. Ein solches Institut ist das Bremer Nach- , Weisungsbureau für Auswanderer. In dem unterm 31. December v. I. veröffentlichten zweiten Be- - richte dieses Nachweisungsbureau's liegt ein neuer Beweis vor, wie Segensreiches von demselben auf dem Gebiete seiner Thätigkeit geleistet worden ist; es hat sich uns aber zugleich die Thatsache aufgedrängt, daß die große Masse der Auswanderer, namentlich aus dem Innern Deutschlands, noch immer nicht genügend gegen das sie mit unsichtbaren Fäden umspannende Netz einer gewissenlosen Industrie gewarnt erscheint. Diese Thatsache ist es, welche die Herzog!. Regierung veranlaßt hat, für die größtmögliche Verbreitung der in dem Bericht des Bremer Nachweisungsbureau enhaltenen nützlichen Andeutungen zu sorgen.. Es wurde den Kreisämter des Landes aufgegeben, den Inhalt des erwähnten Berichtes zur Kenntniß der Bewohner zu brin
gen. Wir glauben auch unsererseits zur Erreichung dieses Zweckes mitwirken zu können, indem wir aus dem gedachten Bericht des, Bremer Nachweisungsbureans dasjenige, was uns für Auswanderer besonders bemer- kcnswerth zu sein scheint, in unser Blatt aufnehmen, ihn dadurch manchen Lesern, denen der Bericht selber nicht vor's Auge kommt, zugänglich machen, — durch derartige auf zuverlässigen Quellen beruhende Mittheilungen die Aufklärung über die Gefahren, denen die Auswanderer ausgesetzt sind, über das Verfahren, welches sie einzuschlagen haben u. s. w. zu verbreiten und dadurch so manches bejammernswerthe^Opfer seiner Unkunde vor großer Benachtheiligung oder gar dem Untergänge zu retten suchen.
Das Unwesen eigennütziger und gewissenloser Menschen, welche die Unkunde des Auswanderers als willkommenen Gegenstand schmutziger Speculationcn and' beuten, hat nach dem eben erwähnten Bericht des Bremer Nachweisungsbureaus keineswegs aufgehört, sondern eher noch zugenommen, höchstens daß diese verwerfliche Industrie an manchen Orten verborgenere Wege einzuschlagen für gut gehalten hat, auf denen sie ihre Zwecke ungestörter verfolgen kann. Der Bericht gibt darüber folgende nähere Andeutungen:
Die größeren Landspeculanten im Innern Americas pflegen mit den Verwaltungen der verschiedenen Eisenbahn- und Dampsschiffgesellschaften, welche die Passagiere vom Hafenplatze weiter befördern, in Verbindung zu stehen, damit ihnen Kundschaft zugeführt werde. Jene Gesellschaften halten Agenten, oder überlassen ihre Billets, meist mit Bewilligung eines Rabatts, au beliebige Privatpersonen, die aus dem Vertriebe im Kleinen Vortheil ziehen wollen. Zu dem Behufe treffen sie mit Wirthen, Händlern und sonstigen Personen Verabredungen, die Allen die Aussicht sichern, an der sogenannten „Fürsorge" für Auswanderer, d. h. an dem von diesen zu erwartenden Gewinne Theil nehmen zu dürfen. Ein förmliches Heer untergeordneter Mäkler und Agenten übernimmt Die Aufgabe, Auswanderer auf «ne Weise und aller Orten anzulocken, deßhalb reist man diesen auf Dampfschiffen entgegen und bemächtigt sich ihrer mit anscheinend so treuherziger Miene und so hülfreichem Wesen, daß selbst die in der Heimath Gewarnten den ihnen gelegten Fallen selten entgehen. Das ist auch schwierig, weil hauptsächlich Deutsche zu jenem Gewerbe, ihre Landsleute zu verführen, sich hergeben. Der unter dem Namen „Deutsche Gesellschaft" in Baltimore, St. Louis, New-Jork, New-Orleans und Philadelphia bestehende Wohlthätigkeitsverein tritt dem Unfuge kräftig und nicht ohne Erfolg entgegen, unbekümmert um die stete Verdächtigung seiner Absichten und Handlungsweise. In den Vereinigten Staaten würde sich auch die Wahrheit Bahn brechen und der guten Sache, trotz aller, kein Mittel verschmähender Angriffe der Gegner, bald die Oberhand verschaffen, wenn nicht letztere ihre Bemühungen auf einen andern und ergiebigeren Boden, den deutschen nämlich, ausgedehnt hätten. Aber leider ist das der Fall. Zahlreiche Verbindungen mit Schiffs beförderen!, Gastwirthen und andern Perso- neu bringen das Plündernugssystem schon hier zur Anwendung , indem sie den Auswanderer von seinem Abgangs- oder Heimathsorte au mittelst Empfehlungen, Adressen, oder wohl gar durch besondere Begleiter immer in bestimmte, dasselbe Geschäft treibende Hände überliefern. Der Verkauf von Fahrbillets auf Eisenbahnen, Dampfschiffen oder Kaualböten vom transatlantischen Hafen nach dem Innern ist theils Hauptwerk, theils nur Vorwand oder untergeordnetes Mittel, um größere Vortheile zu erreichen. Außer den ständigen Agenten werden, mindestens an wichtigeren Plätzen, Specialcommifsare unterhalten, gewöhnlich Leute, die schon einmal jenseits des Oceans gewesen und mit den betreffenden Verhältnissen vertraut geworden sind. Die Concurrenz erhöht den Eifer und dient zugleich zur Controlle. Menschenfreundlichkeit ist der gewöhnliche Deckmantel.
Manche Inhaber amerjcanischer Beförderungsburcaux erlassen von Zeit zu Zeit förmliche Programme, deren einschmeichelnde, nur dem Erfahrenen erkennbare Zweideutigkeit die Empfehlung der „Deutschen Gesellschaft" nachzuahmen scheint, in der That aber nur darauf berechnet ist, im entgegengesetzten Sinne zu wirken. Man hat aber auch keinen Anstand genommen, in solcher Entwickelung vielen Behörden und anerkannt rein philautropischen Vereinen sich zu
i nähern, es liegen auch mehrere Versuche vor, mit unser i rer Anstalt anzuknüpfen, hauptsächlich aber wird gegen j die Privatpersonen direct verfahren und zwar meist in verschmitztester Weise. Ein Agent des americanischen Speculanten macht z. B. auf der Reise oder im Gastbause die Bekanntschaft der Auswandernden, erfährt mit welchem Schiffe dieselben abgehen, welche Freunde und Verwandte sie drüben erwarten, und begreiflich auch über wie große Mittel sie zu verfügen haben. Lohnt cs sich dann, so wird mit dem Dampfschiffe Alles nach America berichtet und seiner Zeit dem Ankömmling gegenüber der geeignete Gebrauch gemacht. Ihm werden bei der Landung Grüße und Rathschläge, angeblich von seinen Angehörigem, überbracht, fremde Personen als Agenten der „Deutschen Gesellschaft" oder Commis ehrenwcrther Handlungshäuser, an die er empfohlen ify vorgestellt, kurz, so viele und so künstliche Schlingen gelegt, daß ein Ausweichen wahrlich schwer ist."
J«r Geschichte der Campagne 1815 iu Frankreich.
£ In der Beilage zu Nr. 304 dieser Blätter vom 26 December v. I. erschien eine Berichtigung der Stärke der Nassauer in der Schlacht von Waterloo, welche deßhalb auf einem Irrthume beruht, weil der Herr Ver- sasfer die Organisationsstärke der verschiedenen Corps, anstatt jene verwirklich in der Schlacht praesont Gewesenen angenommen hat. E
Bereits vor vielen Jahren ist von dem Stäbs-Offi' zier, welcher in der ganzen Campagne in Frankreich von Vereinigung der beiden Herzoglichen Regimenter, den Juni 1815, unfern Gomignieö au den Dienst des ChefS des Generalstabs versehen hat, eine Uebersicht des An- theils der Herzogl. Nassauischen Truppen an der Campagne 1815 in Frankreich aufgestellt und an geeigneter Stelle übergeben worden.
Wenn nun gleich nach dem Titel nur von den Herzoglichen Truppen, nämlich dem 1. und 2. Regiment, tue Rede sein konnte, so -ifi- in der Uec erficht über die Stärke der Nassauer in der Schlacht von Waterloo
dennoch auch die Bemerkung über die Stärke des Ora- nien- Nassauischen Regiments, sowie des Oranischen freiwilligen Jäger-Corps enthalten, und diese Stärke der
in der Schlacht von Waterloo wirklich praesent gewesenen Nassauer stellte sich nach den Rapporten der verschiedenen Corps-Chefs folgendermaßen heraus: Generalstab ... 5 Offiziere 5 Mannschaften 1stcs Regiment . . 66 „ 2834
2teS Regiment78 Regiment Oranien Nassau.... 39 Oranifche freiwillige Jäger .... 5
* 2400
„ 1427
„ 166 „
Summa 193 Offiziere 6832 Mannschaften
Total 7025 Köpfe. *)
Von dem Augenblicke der Vereinigung der beiden Herzoglichen Regimenter bildeten dieselben, jedes Regiment als Brigade bezeichnet, die 4. oder Nassauische Division durch General v. Kruse commandirt unter dem Oberbefehle des Prinzen Friedrich von Oranien.
Indessen schon den folgenden Tag, den 24. Juni, kam die Division als 2. Division zum 2. englischen Armee-Corps unter dem Oberbefehl des General Lord Hill, und blieb bei demselben bis zum Schluß der Campagne.
Am 8. November 1815 ist das 2. Regiment auf Befehl des Herzogs Wellington wieder in die 2. Division der königlich Niederländischen Armee eingerückt und von demselben Tage an das Oranien-Nassauische Regiment als 2. Brigade in die Division eingetreten, welche den 2. December 1815 in's Land zurückmarschirte.
Deutschland.
* Wiesbaden, 22. März. Die gestern zu Limburg von den höchstbcstcnertcn Gewerbetreibenden vor- genommene Wahl eines Abgeordneten zur ersten Kammer der Ständeversammlung fiel aus den hiesigen Kaufmann L. Marburg.
*) In dem obenerwähnten zuerst in der Darmstädter Militär-Zeitung ersckitnencn Artikel war die Zahl der bei der Schlacht von Waterloo betherligten nassauischen Truppen auf 8100 Mann angegeben. Jedenfalls sind aber die jetzt an« gegebenen 7025 Mann bei weitem mehr als die in allen seitherigen Schlachtberichten angeführten „stereotyp" gewordenen 2900 Nassauer. Diè Red.