Nassauische Allgemeine Zeitung
M «7 Samstag -ell 19. My m«.
Bestellungen auf die „Nass. Allgein. Zeitung" für das zweite Quartal 1853 werden baldigst erbeten.
Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspieis für Wiesbaden und , nach dem neuen PostregulaU» nunmehr auch ür den ganzen Umfang deS Tdurne und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 fL^ für die übrigen Länder des beutfMfterreidiifdwi Postoereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. — Inserate werden die vierspaltiss Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
Der Schulinspector Decan Wilhelmi in Diez ist auf sein Ansuchen von der Schulinspection über einen Theil der Schulen im Herzogl. Justizamte Diez entbunden und dieselbe dem Pfarrer Dietz daselbst übertragen worden.
Nichtamtlicher Theil.
Die wissenschaftliche Forschung.
Das „Mannheimer Journal", dessen Ansichten wir sonst nicht immer theilen, bringt aus Anlaß der kürzlich in Baden erfolgten Verurtheilung des Prof. G e rvinu s einen gediegenen Artikel über die „wissenschaftliche Forschung", unter deren Aegide man in neuerer Zeit alle möglichen tendenziösen Bestrebungen verfolgen will. Es ist dies abermals eines der demokratischen Schlagwörter, das am allerwenigsten auf die Schrift des vielgenannten Professors paßt, welche, wie ihre Vertheidiger besonders hervorheben, nur längst Gesagtes, aber dieses sehr zur Unzeit widerholt, und deren wissenschaftliche Haltung mehr ein Vorwa'd, als eine innere Nothwendigkeit ist. Der Artikel lautet:
Es ist in neuerer Zeit öfters geklagt worden , daß die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung beeinträchtigt werde, und man hat da .und dort Beweise hervorgebracht, um diese Behauptung zu begründen. Vielleicht hat der erste Anblick auch dahin geführt, diesem Glauben zu schenken, wer aber den Dingen und dem Laufe der Welt tiefer auf den Grund sieht, muß einfach gestehen, daß im Allgemeinen solche Bestrebungen, den freien Geist wissenschaftlicher Forschung zu lähmen, oder gar zu tödten, nicht Vorkommen, oder da, wo sie sich an's Tageslicht wagen, nicht anzuhalten vermögen.
Was vorerst diese Forschungen selbst betrifft, so müssen wir gestehen, daß cs in Europa kaum ein Land geben wird, wo man nicht Alles sagen kann, was sich auf Wissenschaft stützt, vorausgesetzt, daß weder gehässige Leidenschaften vorwiegen, noch einseitige Entgegenstellungen igeschehen und daß Man das, was wirklich noch Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung ist, nicht in ordinären Pamphleten oder als ausgemachte Wahrheiten hinstellt. Es gibt hier ein Maß, das man einhalten muß, eine Grenze, die man nicht überschreiten darf, und wir glauben nicht, daß innerhalb dieser Grenzen irgendwo einer wissenschaftlichen Forschung, mag sie noch so paradox klingen, Etwas eutgegengestellt wird oder werden darf. Selbst wenn Alles, was besteht und als Grundpfeiler des Bestehenden gilt, Gegenstand wiffen- schaftlicher Angriffe wird, dürfte man nichts dagegen haben, so mir der rein wissenschaftliche Standpunkt und die bezeichneten Grenzen eingehalten bleiben und es könnten höchstens einseitige Richtungen sich dagegen auflehnen, denn jede wissenschaftliche Erörterung kann ja nur der Wissenschaft selbst nützen, die nie stabil bleiben darf; und wollte man heute dieselbe hindern, was würde die Nachwelt dazu sagen, wenn sich die aufgestellten wissenschaftlichen Ansichten später doch bestätigten und die vorhergehende Zeit sie gehemmt hätte?
Freilich ein Axiom unter die Menge werfen und von ihm sagen, es sei unfehlbar, es sei ausgemacht, während dies noch nicht der Fall ist, das ist ein Anderes; doch was uns betrifft , so würden wir auch daraus gerade nicht viel befürchten, denn die Kritik fällt allsogleich über Alles her und macht es herunter, so daß immerhin die Wirkung nur eine schwäche sein würde; ja ein Angriff ist gewöhnlich nur eine neue Ursache zur größeren Befestigung des bisher Bestehenden, so fern es haltbar ist. Was aber unhaltbar ist, das wird Niemand halten können, wenn die Zeit erfüllt ist, und vergebens möchte man schreien und aus Büchern documen- tiren: die Sonne dreht sich um die Erde; es wird eben doch nicht anders werden als wie es die wissenschaftliche Forschung bewiesen hat.
Man muß immer im Auge behalten, daß jede neuere wissenschaftliche Forschung nichts anders bezwecken kann, als die prüfende Hand an das Alte zu legen und noch neuere, weitere Gesetze auszusuchen. Namentlich alle praktische Wissenschaften haben immer an die Stelle der alten Systeme wichtigere und eindringcndere neuere Systeme gesetzt und es wäre z. B. lächerlich gewesen, zu verlangen,, man solle in der Botanik beim Linuei'schen
Systeme flehen bleiben und es erweitern, anstatt neuere, genauere und naturgemäßere aufzufinden und das Litt- nei'sche dadurch zu verdrängen. Man hätte dadurch blos die Wissenschaft getödtet. Ebenso ist es in anderen Zweigen und wenn man über irgend eine Branche der Wissenschaft überhaupt zu lehren erlaubt, so muß es auch erlaubt sein, wissenschaftlich zu erforschen und nachzuweisen, welches das beste System ist, denn in der Wissenschaft gibt es keine alleinherrschende Autorität und es wäre mehr als höchst sonderbar, wollte eiu'Staat sagen: ich erlaube blos dies oder jenes System aufzn- stellen, für gut zu erklären und zu loben. Dies wäre der Tod nicht nur dieser einen Wissenschaft, sondern, weil alle enge zusammenhängen, auch der Tod aller üb- rigeu Wissenschaften, denen dann eine wahrhaft chinesische Mauer gezogen wäre.
Wir glauben nicht, daß es in Deutschland einen vernünftigen Menschen geben kann, der nicht mit uns übereinstimmte, wir glauben aber auch nicht, wenn man mit Gewalt eine andere Ansicht aufrecht halten wollte, daß dies Etwas nützen würde. Die Wissenschaft ist über alle Welt verbreitet. Tritt mau ihr da entgegen, so findet sie anderwärts Boden genug zur Entwicklung, sie wird nie stille stehen, nie schweigen, wie das Wasser durch alle Poren der abhaltenden Dämme dringen und zuletzt doch zu Recht bestehen, denn gegen die Gewalt der Ideen zu kämpfen ist unmöglich.
Wir glauben daher auch nicht, daß es in unserem so weit vorangeschrittenen Deutschland einen Staat geben könne, der gegen diese wissenschaftliche Forschung überhaupt Etwas habe oder mit Erfolg haben kann. Was allein beanstandet zu werden vermag, ist die Form, in der sie" zu Tage tritt, und hier freilich sollten Männer der Wissenschaft wählerisch sein und sie sollten bedenken, daß cs, ehe ein Axiom erwiesen ist, nicht gut sein kann, es der Masse hinzuwerfen, sondern daß man es zuerst in Werken der reinen Wissenschaft darlegen, begründen und durch die andern Männer der Wissenschaft bestätigen lassen muß, zumal in unseren Tagen, wo man so viel Halbverstandenes aufliest.
Unserer Ansicht nach wird man der wahren wissenschaftlichen Forschung nirgends entgegentreten oder ent- gegentreten können, und ist es immerhin nur die Form, die man beanstanden kann und leider, wie wir schon öfters gesehen, mit Recht. Eine wirkliche Wahrheit kann und wird man aber nicht verhindern.
Deutschland.
* Wiesbaden, 19. März. Durch ein Rescript der Herzoglichen Ministerialabtheilung des Innern vom 35. v. Mts. sind die Kreisämter angewiesen, den kürzlich veröffentlichten zweiten Bericht des Bremer Nachwei s u n g s b u r e a u' s für Auswanderer nach Möglichkeit zur Kenntniß der Bewohner des Herzogtums zu zu bringen. Wir werden denselben auszugsweise mit» theilen.
Am 11. April beginnen in den sechs Bezirken des Vereins nassauischer Land- und Forstwirtbe die üblichen Frühjabrsversammlungen; dieselben werden bis zum 21. April dauern. Tagesordnung ist in allen Bezirken die Wahl der Bezirksvorstände, die Ergänzungswahl für das Direktorium, Besprechung über die Einführung von Dreschmaschinen , desgleichen über die Juoculation oder Impfung als Schutzmittel gegen die Lungenseuche, und über einen Antrag des Gestüts- Jnspectors Schneider von Weilburg auf Verlegung der General-Versammlung des Vereins in den Monat September rc.
Mainz, 18. März Bis nächsten Mittwoch, den 23. d. M., wird die bis Oppenheim fahrbare Strecke unserer rheinhessischen Ludwigsbahn dem Persottenverkehre übergeben, so zwar, daß in der Richtung von hier nach Oppenheim täglich vier Fahrten, und ebenso viele von Oppenheim zurück nach Mainz fiaktfinden werden. ■ Stationen und Halteplätze befinden sich zu Laubenheim, 'Bodenheim, Nackenheim und Nierstein und wird die ganze Strecke in circa 40 Minuten zurückgelege werden.
Frankenthal, 16. März. Seit gestern ist man hier damit beschäftigt, das Terrain des Bahnhofes, mit welchem ein großes Kohlenlager verbunden werden soll, abzustecken. Auch an anderen Puncten wurden die Arbeiten auf der Bahnstrecke von| Ludwigshafen nach Worms in Angriff genommen.
* Aus dem Badischen, 16. März. Unter vorstehendem Datum sucht ein Korrespondent der Köln.
Ztg. nachzuweisen, daß das gegen Gervinus gefällte Urtheil (welches beiläufig gesagt, am 25. Febr. gefällt, am 8., wie bekannt, verkündet und am 13. März, also zwei Tage vor Ablauf der Appelationsfrist, dem Angeklagten zugestellt worden sein soll) nichtig sei. Erstens, sagt derselbe, sei Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung keine in Baden mit peinlicher oder bürgerlicher Strafe bedrohte Handlung, sondern nnr die Ueber- schrift der Artikel 630 und 631 des Strafgesetzbuchs nach der Fassung des Gesetzes vom 5. Februar 1851; 2) habe der Staatsanwalt nicht beantragt, den Angeklagten der „Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung" für schuldig zu erklären, sondern der Aufreizung gegen die konstitutionelle Monarchie, 3) habe das Hofgericht weder den Staatsanwalt, noch den Angeklagten , bevor cs sein Urtheil gefällt hatte, zur Erklärung über das Dasein und die rechtlichen Folgen des in der Anklage nicht enthaltenen Verbrechens dieser „Gefährdung" aufgefordert, und sei eine solche Aufforderung auch in der Verhandlung vor dem Gerichtshöfe von dessen Präsidenten nicht erfolgt. Ferner sei das Urtheil nicht „alsbald", wie es f«^- schrieben ist, gefällt. Gervinus wird von T Nichtigkeitsgründcu, obwohl sie ihm unabweisbar ^,- nen, dennoch nicht Gebrauch machen; „er hält es seiner Ehre und Schrift nicht würdig, darauf einzugehen, weil er dann den gegen ihn mit Unrecht angefangenen Proceß aus einem formellen Grunde gewinnen würde, während er eine Freisprechung aus der Sache selbst fordert und erwartet, und wenn er sich darin täuschen sollte, selbst die Täuschung einem solchen Behelfe vorzieht."
Würtemberg. Der Stuttg. Beobachter schreibt: Das Würt. Polit. Wochenblatt meldete, die von den Localpolizeibehörden verfügte Beschlagnahme der Schrift von Gervinus sei alsbald vom Ministerium wieder aufgehoben worden. Wir haben uns in den hiesigen Buchhandlungen erkundigt; dort aber weiß man von dieser Aufhebung nichts. Da nun nicht angenommen werden darf, daß die k. Stadtdirection eine vom EigenthumSrecht gebotene Anzeige unterlassen haben würde, so wird die Nachricht des Wochenblattes als irrig betrachtet werden müssen.
Würzburg, 15. März. . Heute Nachmittag 3 Uhr wurde ein Schlevpboot, welches die Maindampf- schifffahrtsgesellsckaft auf ihrem eigenen Werft dahier hat erbauen lassen, vom Stapel gelassen. Die Gesellschaft besitzt nun acht solche Boote, nämlich außer diesem neuen drei ältere hier erbaute und vier erst kürzlich in Frankfurt angekaufte. Mit diesen und dem ebenfalls erst vor Kurzem in Paris gekauften Remorqueur soll dieses Frühjahr eine Dampfschleppschifffahrt auf dem Main, wie auch auf dem Rhein bis Köln eingerichtet werden. Bekanntlich hat dieser Plan große Gereiztheit unter dem Schifferstande des Mainstroms erzeugt, der sich dadurch in seiner Nahrung gefährdet glaubt und der Maiudampf- schifffahrtsgesellschaft das Recht bestreitet, ihre Concession auch auf die Schlcppfahrt anSzudehnen. Der Schifferstand hat deßhalb auch vor einiger Zeit eine Vorstellung an höchster Stelle eingereicht, es ist aber noch nicht bekannt, welcher Bescheid ihm darauf geworden ist; schwerlich dürfte derselbe seinen Wünschen entsprechen.
München, 16. März. Nach Briefen aus der Umgebung des Königs, welche durch den Courier aus Neapel überbracht und in einigen Cirkeln vorgelesen wurden, beabsichtigt Sr. Majestät nach der Rückkehr einige Ministerial-Veränderungen vorzunehmen, und eö soll Herrn v. Wendland in Paris das Portefeuille des königlichen Hauses zugedacht sein. Herr v. d. Pfordten behält die beiden Ministerien des Aeußern und des Handels, Herr v. Aschenbrenner (Finanzminister) tritt in den Ruhestand und an feine Stelle Dr. v. Hermann, der Vertreter Baierns bei den Wiener Zollconferenzen. — Die Königin von Griechenland wird nun dennoch, wie neuere Nachrichten besagen, die beabsichtigte Reise nach Deutschland, um ihre hohen Verwandten in Oldenburg zu besuchen, und zwar bereits | am 27. dieses antreten. Nach der Rückkehr der Königin im Monat Juni wird sodann König Otto Griechenland auf einige Monate verlassen, um die Bäder in Böhmen zu gebrauchen. — Herr Dr. Carrisre, der nach Ostern seine Vorlesungen an unserer Universität beginnt, ist bereits hier angekomMèn. —• Die leuch- tenbergische Gemälde-Galerie wird, einem aus Petersburg eingetroffenen Befehle gemäß, nach der russischen Hauptstadt gebracht; seit einigen Tagen ist man bereits mit dem Einpacken beschäftigt. — Nach der „Berl. N.