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Vortheil der billigeren directen Dampfschifffahrt darf nicht dem Agenten allein zu Gute kommen, besonders da der Auswanderer sich während derselben mindestens zwei Tage länger zu verpflegen hat. Ja, wenn selbst die Verpflegung in der Contractsumme inbegriffen , so muß dem Emigranten für größere Unannehmlichkeiten ein Aegnivalcnt durch niedrigere Preise gegeben werden. Da ans den Rotterdam - Haller und Hamburg - Hüller Dampfbooten sehr viel Weh tranSportirt wird, so wäre es auch nicht übel angebracht, es sich dringend angele­gen sein zu lassen, daß dem auswandernden Menschen dem Vieh gegenüber eine angemessene Stellung ange­wiesen werde.

Die Reise der Emigranten möge nun bis Hull qe« geordnet von Statten gegangen sein und schärfen mir den Reisenden nur noch ein, verzollbare Gegenstände, als besonders Wein, Branntwein, Tabak und Cigarren verschlossen in ihren Kisten, welche als Transitgut gehen, zu landen. Wissentliche oder unwissentliche Schmuggeleien könnten nur zu leicht den untergeordneten, schnapslieben- den Zollbeamten zu quasi gesetzlichen Confiscationen Veranlassung geben. Die Uebernahme und Weitersen- dung der Passagiere und ihrer Effecten ist bis jetzt von dem Hüller Spediteur, Hru. R. J. Cortis, mit sol­cher Ordnung und Pünktlichkeit geschehen, daß wir nicht umhin können, die Art und Weise seiner Geschäftsfüh­rung öffentlich lobend anzuerkennen. Für Hull mag fer­ner nicht übersehen werden, daß die Passagiere sehr oft, je nach dem Eintreffen des Dampfbovtes daselbst zu über­nachten haben.

Die Emigranten müssen hier durch den Wirth, wel­chem sie zur Verköstigung bis zur Verschiffung zugcwic- sen sind, von der Eisenbahn oder bei directer Fahrt von Rotterdam aus den Docks abgeholt werden, und muß es die erste Arbeit desjenigen sein, welcher den deutschen Agenten hier am Platze repräseutirt, dafür zu sorgen, daß der englische Verschiffer sofort Billete für sie auShändigt, deren Segeldatum mit dem Inhalte der be­treffenden, in unserer ersten Abhandlung angeführten Clau- sei correspondirt.

Nöthiges Bettzeug und Blechgeschirr dürften sich die Auswanderer.schwcrlich billiger in der Hcimath als dort am Platze verschaffen können (brauchen cs aber schon auf der Ucberfahrt nach Hull) ; dagegen ist ihnen anzu- rathcn, sich extraproviant, als: Fleisch, Butter, gebacke­nes Obst rc., vom Conlinente mitzubringen. Was an Lieferungen von Bettzeug, Kochgeschirr und Extrapro­viant hier zu geschehen hat, wird am geeignetsten von dem Wirthe ausgehen müssen, da es den sprachunkundi- gen Auswanderern nur nachtheilig sein kann, selbst in der Stadt zum Zwecke von Ankäufen herumzu gehen. Es thut uns leid, hier sagen zu müssen, daß man bis auf den heutigen Tag in dortigen Auswandererhäusern den Emigranten für manche Gegenstände bis zu 100 Procent Mabatt zahlen läßt, und den Agenten selbst werden für Lieferungen , welche auf ihre Rechnung von dem Wirthe oder Zwischendeckvcrmäkler an den Auswan­derer zu machen sind, dnrchfchniullch 40 50 Procent abgenommen. Und dabei werden die Waaren für die einzelnen EmigrantentrauSporte in kleinen Ona ich täten von einigen .Pfund. Sterling von winzigen Krämern be zogen, um nur das Geld so oft wie möglich umwerfen zu können. Der Kaufmann mag allerdings für seine Waare nehmen, was er bekommen kann, wenn der Käufer das Recht hat, sich allseitig nach den Preisen zu erkundigen. In unserm Falle aber können die Käufer dies nicht thun, und ihre Ueber« vortheilung gehört in das Gebiet modernen Wcgelagerns. Wißt Ihr, deutsche Agenten, was ein Centner Kartoffeln, ein Ouart Essig, ein Pfund Salz dort kosten? Ihr wißt cs nicht. Ihr solltet cs aber wissen! Nur mit Wiederstreben lassen wir den Gedanken in uns aufkom- mcn, daß alle, (?) durch deren Hände die Auswanderer ge­hen, sich in stillschweigender Verschwörung gegen den an und für sich schwindsüchtigen Geldbeutel des Auswande­rers mästen. (Schluß folgt.)

Deutschland.

* Wiesbaden , 11. März. Der zum Bevoll­mächtigten der Herzogs. Regierung bei den Berliner Zollconferenzen ernannte Tomaiuenrath Freiherr von Marschall ist nach Berlin abgereist.

* Wiesbaden, 12. März. Hofrath Med. Dr. Spengler in Bad-Ems hat von der Gesellschaft zur Beförderung der gejammten Naturwissenschaften an der Universität zu Marburg, der gegenwärtig die Professo­ren Roser, Hüter, Fick und Kolbe vorsitzen, in ; Anerkennung seines Wirkens das Diplom als correspon- direndes Mitglied erhalten.

Dillenbur g, 8. März. Heute wurde der in letzter Zeit in öffentlichen Blättern oft genannte frühere evangelische Pfarrer Christs re und und der Müller Born von Oberroßbach durch den hiesigen Herrn Pfarrer Müller in die katholische Kirche ausgenommen.

Vom Rhein, 7. März. (A. A. Z.) Der mehr und mehr wahrscheinlich werdende Fürstencougreß soll am 31. d. M. in Berlin seinen Anfang nehmen. Der­selbe würde, einer in den am besten unterrichteten Kreisen accreditirten Ansicht zufolge, zuerst zu Haupt- verhandlungen zwischen den Monarchen Oesterreichs, Preußens und Rußlands Veranlassung geben, und im

Laufe des Aprils die Mitwirkung aller deutschen Re­genten, sowie auch der Könige der Niederlande und Belgiens und mehrerer italienischen Fürsten in Anspruch nehmen.

Mainz, 11. März. (M. I.) Als in der ver­flossenen Nacht die Sturmglocke eben unsere Pompiers auf ihren Posten rief, um einen in Haftel ausgebro­chen eu Braud löschen zu helfen, brach auch fast zu glei­cher Zeit in dem zwischen dem Fischthor unt) dem Holz­thore gelegenen Holzhofe von Heinrich Nosoly ein Feuer aus. Die wegen des Brandes in Kastel am Fischthore versammelten Offiziere unserer Pompiers eil­ten mit der nöthigen Hilfe sogleich auf die nahegelegene Brandstätte und kamen gerade noch zur rechten Zeit dort an, um das schmachvollste aller Verbrechen, eine Brandstiftung zu entdecken. An den vier Ecken des von Niemanden bewohnten Holzbofes-Zanden sich nämlich brennende, mit Terpentin gefüllte Töpfe ausge­stellt, über welche auf der inneren Seite mit Theer getränkte Kübelreife pyramidenartig aufgeschichtet waren. Für einstweilen fand unsere Behörde es für nothwendig, sich der Person des Eigcnthümers zu versichern und denselben sofort zu verhaften. Die Holzvorräthe sind bei der Aachen-Münchner Assecuranz versichert, und es ist nur zu bedauern, daß eine Partie Wellenbcngel ein Raub der Flammen wurde, welche früher anstatt demo­kratischer Wahlzettel im Frankfurter Hofe ü. s. w. ver- theilt worden waren. Der Brand wurde in circa zwei Stunden gelöscht und beschränkte sich auf den ge­nannten Holzhof, jedoch nicht, ohne einen benachbarten Holz Hof zu beschädigen. Dieses glückliche Resultat ver­danken wir nur dem Umstände, daß unsere Pompiers durch den Brand in Kastel bereits geweckt waren und auf diese Weiss sich im Stande befanden, das Feuer sogleich mit voller Kraft und Energie bemeistern zu können. Wäre dies nicht der Fall gewesen und die Löschmannschaft nur wenig später auf der Brandstätte erschienen, so wäre Mainz von einem Brande beimge- sucht worden, wie er hier seit Mmfchen gedenken nicht erlebt wurde, ein Brand, der, genährt durch die ansto­ßenden Holz - und Steinkohlenlager mit ihren reichen Verrathen und bei der Nachbarschaft der engsten Stra­ßen unserer Stadt, mehrere Tage lang gewüthet haben würde. Wir haben uns also diesmal bei Kastel zu be­danken, indem dieses in der vergangenen Nacht die Rolle einer ständigen Nachtfeuerwache für Mainz über­nommen und letzteres von einem furchtbaren Unglücke bewahrt hat.

Der Urtheilsspruch des großh. Obergerichts gegen den Abgeordneten Müller-Melchior lautet auf 2 Monate bürgerlichen Gefängnisses. Herr Jörg, der die 91 ebe geLruckt, hat seine 5 Monate Corrections- haüs behalten. Müller-Melchior befindet sich zut Zeit nicht in Mainz.

. Frankfurt a. M., 7. Mär. (A. A. Z.) All­mählich wird es licht in der Genesis der neuesten hier verübten größern Diebstähle , welche so vielfaches Auf- scheu erregt haben. Das mit einem Verbrecher unter geordneten Ranges in Gießen vorgenommene Verhör über einen von demselben verübten unbedeutenden Dieb­stahl hat plötzlich auf die Spur derjenigen Gauner ge­führt, von denen der hiesige Goldarbeiter Joh. Jakob Wicht in der durchdachtesten und schlauesten Weise um den Werth von etwa 2300 fl. im Gasthause zum Lands­berg bestohlen worden. Ein sehr anständig gekleideter Herr war nämlich zu Wicht gekommen, hatte nach langem Wählen und Markten Goldwaaren von dem eben bezeichneten Werthe erstanden, und den Goldar- bciter ersucht, sich mit ihm in sein Hotel zu begeben, um die bestimmte Summe in Empfang zu nehmen. Dort hatte er le^term Papiergeld mit Agio oder preu­ßisches Courant ohne solches angeboten. Da Hr. Wicht letzter»» den Vorzug zugestand, hatte der Gauner die Brieftasche, in welcher sich das Papiergeld befand, nebst teil Go'dwaarcu in Gegenwart des Hrn. Wicht in einen Schreibpult gethan und dessen Schlüssel umgedreht, ohne ihn jedoch abzuziehen, wonach er sich in ein Neben- zimmer begab , unter dem Vorwand, das preußische klingende Geld zu holen. Mehrere Minuten vergingen, Herr Wicht schöpfte Verdacht, fand das Nebenzimmer leer und nahm polizeiliche Hülfe in Anspruch. Man entdeckte nun, daß die Wand' an welcher das Pult stand, sowie die Rückseite des letzter», durchbrochen wa­ren, so daß der in dem Nebenzimmer befindliche zweite Gauner Brieftasche und Goldwaarenpaket in demselben Augenblicke nehmen konnte, als beide in das Pult ge­legt wurden. Man erfuhr zwar, daß die beiden Diebe sich nach dem eine Stunde von hier entfernten großh. hejstfchen Städtchen Rödelheim gewendet hatten, konnte aber ihre Spur nicht weiter verfolgen. Nun ergibt sich aus den Aussagen Les Anfangs bezeichneten Diebes, daß er den beiden andern Gaunern als Führer nach dem Dorfe Sossenheim rc. gedient, und daß in Rödel­heim ansässige sehr wohlhabende Israeliten (ein Metzger, ein Handelsmann u. m. a.) diesen als Vermittler und Hehler gedient. Alle sind verhaftet und nach Gießen abgeführt worden. Ein Fcäiieuzimmer, das der Angabe nach unter der Aegide eines Parisers Bankiers stand und verdächtige Personen ebenfalls in Rödelheim be« herbergte , war verschwunden als es verhaftet werden sollte. Die in Folge des großen Diebstahls bei den

Gebrüdern Schuster (Döngesgasse 55) entdeckte Spur führte bis zur Hausthür eines Gcrüinplers in einer be- nachbarten Gasse, und veranlaßte dessen Verhaftung. Mehrere andere Personen, die man in Verdacht hatte, sind wieder frcigegebcn worden, ebenso wie alle die­jenigen, weile bisher wegen des an Sigmund Schwarz­schild verübten Verbrechens inguirirt worden.

Sranffint, 9. März. Zwei Gebote, welche auf die letzten Schiffe der deutschen Flotte:Hansa" und Erzherzog Johann", von zwei Gesellschaften gethan sind, wurden in der letzten Sitzung der Bundes-Ver­sammlung vorgelegt und von dieser- dem betreffenden Aus­schuß zur Begutachtung und Berichte» stattung überwiesen.

Speye»', 12. März. Die Redaction derSpeye­rer Ztg." erklärt in ihrer heutigen Nummer, daß vom 31. d. M. an, und so lange die jetzigen Prcßverhält- nisse dauern würden, dieSpeyerer Ztg." nicht ferner erscheinen werde.

Heidelberg, 8. März. (Pf. Z.) Vor einigen Tagen wurde biet die in der bayerischen Pfalz wohl­bekannte Freischärlerin Demoifelle Hitzfeld verhaftet. Man soll bei ihr eine ansehnliche Zabl verbotener Schriften gefunden haben. Diese Weibsperson hatte an dem Aufruhre in der Pfalz und an einigen Führern desselben lebhaften Antheil genommen, war später nach America ausgewandert, aber bald wieder in ihre Hei­math zurückgekehrt , um dasgeknechtete" Deutschland befreien" zu helfen. Sie ist aus Kirchheimbolanden gebürtig, wohnte aber zuletzt in Neustadt. (Eine an einem öffeiiilichen Orte gemachte Aeußerung, welche nichts weniger als das Bedauern über das jüngst vor­gefallene Attentat gegen den Kaiser von Oesterreich enthielt, war der Grund ihrer Festnehmung.)

Stuttgart, 8. März. (S. M.) Herr Director v. Sigel ist heute nach Berlin zu ben Zoll-Confereuzen abgereis't.

München, 9. März. Die Abtheilungen des zur Berathung des Entwurfs einer neuen Gcwerbeinstruc- tion berufenen Sachverständigen - Gremiums haben ihre Aufgabe erledigt, so daß vorgestern die Pleuarberatbun- gen begini.cn konnten; dieselben dürften 810 Tage in Anspruch nehmen.

Von Seite einiger ZollvereinsregierunKn wird die Absendung besonderer Commissäre nach New-Uork zur Berichtelstattung über die dortige Industrie-Ausstellung beabsichtigt.

O Düsseldorf, 10. März. Der Verein der Aerzte des Regierungsbezirkes Düsseldorf hat unter dem Vorsitze des Geh. Sanitätsrathes Dr. Ruer den Be­schluß gefaßt, daß künftig von keinem Mitgliede des Vereins mehr ein Zeugniß über Gehcimmittel ausge­stellt werden dürfe, und hat dies durch die dortigen Zeitungen in allen Kre-seu bekannt gemacht. -------

Bei der täglich überhand nehmenden Charlatanerie verdient dieser Beschluß alle Beachtung; und es wäre erwünscht, wenn solche Erklärnugen eine recht weite Verbreitung erhielten, so wie cs nicht minder zweckmä­ßig wäre, trenn zum Bestell der ärztlichen Verhältnisse die benachbarten ärztlichen Vereine sich in eine engere Verbindung setzten.

Berlin, 9. März. Es heißt, in Folge der Ver­werfung der Gruudsteuervorlagen habe der Finanzminister seine Entlassung cingereicht. Es wird hinzugefiM/ daß das Miuisteri.im überhaupt- in der Mundsteuerfrage zwiespältiger Ansicht gewesen sei, und daß namentlich die Herreit von Rau m c r und von Westphale n mit den Gesetzesvorlagen, die eben beseitigt sind, nicht über« ein stimmten. Auffallend war es allerdings, daß beider gestrigen Abstimmung gerade diese beiden Minister fehl­ten; Hr. v. Raumer erschien erst, nachdem» die Abstim­mung eben geschlossen war.

Der Präsident desvolkswirthschaftlichen Vereins für den dentschen Zollverband", Herr Degenkolb, hat vermittels Circulars die hiesigen Mitglieder des ge­dachten Vereins auf heute Abends zu einer Versammlung imHotel de Russic" cingeladcu. In demselben heißt es:Der nun durch die öffentlichen Blätter veröffent­lichte Handelsvertrag mit Oesterreich entspricht zwar im Allgemeinen den Grundsätzen, welche unser Verein viel­fach der königl. Regierung gegenüber vertreten hat, da­bei sind aber auch manche ausgesprochene Wünsche des Handels und der Industrie unerlcdfât geblieben, H beren Geltendmachung eine Mitwirkung der hiesigen Herren Lcreinsmitglicder in hohem Grade erwünscht sein dürfte."

Die Zoll- Confer enz wird morgen ihren Anfang nehmen. Als Commissarien Preußens erscheinen wieder die Geh. Räthe P b i l i p p s b o r n und Delbrück.

Berlin, 10. März. Se. Hoheit der Herzog von Braunschweig wird morgen zu einem Besuche am Königlichen Hofe erwartet. DasC. B." schreibt: In den katholischen Abgeordnetenkreiscn ist in der jüng­sten Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten der Wunsch nach Anstellung eines römisch-katholischen Bischofs in der Preußischen Hauptstadt laut geworden. Die Er­füllung dieses Wunsches wird insbesondere seit dem Tode des Cardinals von Diepen brock angestrebt wird, und zwar in der Art daß die fürstbischöflische Diöcese Breslau getheilt werde. Die Provinzen Brandenburg, Pommern m® Sachsen sollten danach zu eincin Bisthurn vereinigt werden, das seinen Sitz in Berlin habe.

Nach derN. Pr. Ztg." wird der Generalsteuer-