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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Samstag den 5. May

1853.

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DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerntionspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen dosiregul-ti» nunmehr amch für den ganzen Umsang de» Tburnr und Taris'fchcn Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postanfschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutfch.österreichischen PostvsreinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 tr. Inserate werten die vierspaltig Petitjeile oder deren Raum mit 5 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Fri edri ch, Langgersse 42, auswärts bei den nLchstgelegeuen Postämtern, zu machen.

Deutsche Ausmanderungsang elegenheit.

Am 23. Februar fand die zweite diesjährige (öffent­liche) Sitzung des Berliner Central-Vereins für die Deutsche Auswanderungs- und Colonisations-Angelegenheit Statt. Hier­nach breitet sich die Wirksamkeit des Vereins immer weiter aus. Die Zahl der Blätter, welche die Publi­cationen desselben aufnehmen, ist von 450 auf mehr als 600 gestiegen; namentlich finden dieselben immer mehr Anerkennung bei den Local - Blättern , welche auf den größeren Theil des auswandernden Publicums vorzugs­weise cinwirken. Der Verein hat auch für die wissen­schaftliche Richtung seiner Wirksamkeit ein besonderes Organ (Otto Hubner'sNachrichten aus dem Gebiete der Staats- und Volks­wirthschaft") gefunden. In diesem Blatte werden künftig auch die in den öffentlichen Sitzungen des Ver­eins gehaltenen Vorträge veröffentlicht werden.

Die Wichtigkeit der Auswanderungs - Angelegenheit wird auch von den Regierungen immer mehr anerkannt. Zu chen Verordnungen, welche in Deutschen Länder in Bezug hierauf kürzlich erlassen worden sind, tritt eine der Sächsischen Regierung vom 3. v. Mts. Auch den Preußischen Kammern ist der Entwurf eines Gesetzes zur Berathung vorgelegt worden, der indeß nur die Grundsätze für das Agentenwesen, d. h. diejenige Seite, welche am dringendsten der Regelung bedurfte, festsetzt und so einer allgemeinen Auffassung der Auswanderungs- Angelegenheit Raum läßt.

Die besondere Aufmerksamkeit des Central-Vereins nimmt die Auswanderung nach Brasilien in An­spruch. Die Hoffnung, welche in der Januars-Sitzung ausgesprochen wurde , daß die Brasilianische Regierung bald ein anderes und zwar verständiges Colouisätions- System annehmen werde, ist durch die neueren Nach­richten sehr getrübt worden. In einem dem Central- Verein leider erst jetzt in officieller Form zugegaggeuen Bericht, welchen der Vice-Präsident der Provsnz Rio grande do Sul, Herr Bello, in der gesetzgebenden Pro- vincial-Versammlung am 1. October v. I. erstattet hat, spricht derselbe geradezu aus, daß er die Einwanderungs- K:eiheit, wie sie in Nordamerica bestehe, nicht empfeh­len könne, vielmehr ein System Vorschläge, nach welchem gewiffe Punkte als Colonien bezeichnet, die Zahl der dort anzusiedelnden Einwanderer bestimmt und Agenten mit deren Lieferung betraut werden,denn" (heißt es an einer Stelle wörtlich) es scheint mir nicht zu conve- niren, die ausländische Bevölkerung von San Leopoldo (der einzigen Colonie, wo die Deutsche Bevölkerung durch ihre compacte Masse von circa 11,000 Köpfen sich einigermaßen selbstständig fühlt und wirklich bereits im gedeihlichen Zustande lebt) noch weiter zu vermeh­ren. Wir bedürfen vieler Colonien, aber es con- venirt, daß sie nicht sehr bevölkert seien"!! Der Grundgedanke dieses Brasilianischen Systems wird merkwürdig klar durch eine andere Stelle dieses Berichts, worin der Präsident vorschlägt, die Deutschen Colo nisten mit Strafe zu belegen, wenn sie ihre Kin- der in ihre D eutschc u'Schu l e n schicken, b vor dieselben in deu Brasilianischen Schu- l c n B r a l i l i a n i s ch gelernt haben.

Gegen dergleichen Tendenzen muß im Interesse der Humanität mit aller Entschiedenheit aufgetreten werden. Will Brasilien die Deutschen Auswanderer als Coloni- sten haben, so bewillige cs die Forderungen, welche Ge­rechtigkeit und Civilisation erheischen. Daß Brasilien seit der strengeren Aufsicht der Englischen Kreuzer auf den immer noch heimlich getriebenen Sclavcnhandel, und seit der dadurch eingetreteuen enormen Steigerung der Preise für Sclaven, gern freie Arbeiter an die Stelle der Sclaven einführen möchte, ist wohl begreif­lich, und die im letzten Jahre von mehreren Plantage- besitzern gemachten Bestellungen auf Tausende von Deutschen Auswanderern gegen baar vorgeschossene Pas­sage geben davon Zeugniß, daß man es sich sogar viel Geld kosten läßt, um diesen Zweck zu erreichen. Allein Deutschland kann eben so gewiß verlangen, daß seine Söhne nicht bloß als Surrogat für Ncgersclaven ver­wendet und in seinen Häfen keineweißen Sclaven- Märkte" etablirt werden. Ueberhaupt steht die Sclaven­frage in Brasilien mit der Deutschen Einwanderung in einem weit innigeren Zusammenhänge, als man vermu­then sollte. Merkwürdig ist, daß stets, wenn die Englischen Kreuzer besondere Strenge gegen den Scla­venhandel entfalteten, sehr geschäftig inDeutscher Ein­wanderung" gemacht und Gesetze berathen resp, erlassen wurden, welche, wenn die Gefahr vorüber war, ruhig

wieder einschliefen. Auf dieses Verhältniß ist man so­wohl in Deutschland als auch in England schon aus­merksam geworden, und bei der Erörterung dieses Ge­genstandes ist man auch zu dem interessanten Resultate gelangt, daß alle seit 1826 und mindestens seit dem Jahre 1831 gegen die ausdrücklichen, den Sclavenhan­del für Seeraub erklärenden Brasilianischen Gesetze ein­geführten Sclaven und deren Nachkommen eigentlich gesetzlichfreie Leute" sind und ganz mit Un­recht in der Sclaverei gehalten werden! Dem Centralverein liegt eine specielle Behandlung die­ses Verhältnisses noch zu fern; sollte indeß der syste­matische Widerstand gegen eine freie Ansiedelung in Brasilien nicht aufgegeben werden, so würde in Erwä­gung zu ziehen sein, ob der Centralverein nicht mit den philanthropischen Vereinen Englands in Verbindung zu treten habe, um mit ihnen vereint ein Resultat her­beizuführen, das man vielleicht in Brasilien kaum er­wartet haben möchte.

So wie die Sachen gegenwärtig liegen, und" so lange die Brasilianische Regierung nicht den gerechten Forderungen, welche man in ihrem eigenen wohlver­standenen ,Interesse und im Interesse der Deutschen Auswanderer an sie zu stellen berechtigt ist, thatsächlich Anerkennung gewährt, muß der Centralverein Jeder­mann vor der Auswanderung nach Brasilien warnen, sofern er sich nicht in den Colonieen San Leopoldo (Prov. Rio Grande do Sul), Dona Francisca oder Blumenau (Prov.Santa Catharina) niederlassen will. Die Erstere zählt schon so viele Deutsche, daß man Anstand nimmt, geradezu ungerechte Maßregeln gegen sie mit Gewalt in Ausführung zu bringen; die beiden Letzteren stehen unter Deutschen wohlwollenden Di- rectionen, die das zur Colonisation zu verwendende und an die Coloniste» zum freien Eigenthum zu verkaufende Land im Privatbefitz haben. Namentlich sind aus Dona Francisca ganz kürzlich Nachrichten eingegangen, die ein befriedigendes Bild von den Fortschritten der Colonie gewähren.

Dem Central-Vereine sind die Rechenschaftsberichte des Bremer Wchweisungs-BureaMs für Auswanderer und des Hamburger Vereins zum Schutz von Auswan­derern zugegangen. Beide geben einen erfreulichen Be­weis dafür, daß der philanthropische Gedanke, der sie schuf, von segensreichen Folgen für Tausende von Aus­wanderern gewesen ist. Der Bremer Rechenschaftsbe­richt enthält eine' interessante Uebersicht von der Thätig­keit des Bureaus. An dasselbe haben sich ins verflosse­nen Jahre 28,723 Personen gewendet; es kamen 260 Diffcrenzfälle vor, von denen 209 vom Bureau erle­digt und 51 den Behörden überwiesen wurden. Dem Berichte sind sehr praktische Verhaltungsregeln für die einzelnen Nordamerikanischen Einwanderungshäsen, ver­schiedene sehr zweckmäßige obrigkeitliche Verordnungen und Verzeichnisse der im verstossenen Jahre aus der Weser fahrenden Schiffe beigegeben. Ungërn vermißt man die schon mehrfach in Anregung gebrachte nähere Statistik der über Bremen Mwdirten Auswanderer nach Vaterland und Berufsgeschäften geordnet, wie solche auf dem Bureau des Central-Vereins und auf dem Ham­burger Vereine geführt werden.

Der Rechenschaftsbericht des Hamburger Vereins sucht einen allgemeineren Standpunct festzuhalten und namentlich mehr statistisches Material zu geben. Un­glücklicherweise ist das Letztere sehr fehlerhaft ausgefal­len. Endlich äußert sich der Hamburger Bericht sehr ungehalten über die von einem Bremer Statistiker zuerst in bcr* Deutschen Auswanderer-Zeitung veröffentlichten und nach erfolgter Prüfung, auch in das vorletzte Re­ferat des Central-Vereins ßhergegangeuen Procentsatzc derjenigen Passagierschiffe, welche zu Klagen Veranlas­sung gegeben haben, Gewiß mit Unrecht. Die Ver­öffentlichung dieser Procentsätze durch den Central-Verein hat schon auch in anderer Hinsicht ihr Gutes gehabt. So hat namentlich auch die Holländische Regie­rung, offenbar betroffen über die Thatsache, daß von den aus Holländischen Häfen abgegangenen Passagier- Schiffen 54 pCt. zu Klagen Veranlassung gegeben hat­ten, durch das Königs. Ministerium den Central-Verein um Darlegung der Mängel auf den Holländischen Schif­fen ersuchen lgsscu, damit dieselbe aus deren Beseitigung hinwirken könne.

* Wiesbaden, 4. März. (Assiscnverhandlung gegen Phil. Schmidt von Eschbach wegen Verun­treuung im Dienste.) Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Assi

senhofe zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und einem Monat verurtheilt. Die Kosten betragen 56 fl. 10 fr.

Die, Anklage gegen Ludwig Semmler von Hall- garten, wegen Schrfftfälschung, konnte nicht stattfiuden, da der Hauptbelastungszeuge ausgeblieben ist, und ist deßhalb diese Sache auf die nächsten Ouartalsitzungen vertagt worden.

* Wiesbaden, 5. März. (Assiscnverhandlung gegen Georg Gärtner von Schwanheim wegen Ver­ausgabung falscher Preuß. Kassenscheine.) G. Gärtner, 39 Jahr alt, Mäkler von Schwanheim, ist angeklagt, um Weihnachten 1851 in Frankfurt a. M. zwei falsche Preuß. Fünfthalerscheiue verausgabt zu haben. Die Versuche im Sommer des Jahrcs 1851 einen falschen Fünfthalerschein in Unterliederbach und um die oben angegebene Zeit zwei solche in Frankfurt für ächt aus­zugeben, schlugen fehl. Der Angeklagte ist geständig, von dem wegen Verausgabung falschen Geldes bereits correctionei abgeurtheilten Joh. Leicher von Stockum etwa 30 bis 40 Stück falscher Scheine erhalten und etwa 9 Stück derselben in Frankfurt ausgegeben zu ha­ben. Etwa 20 Stück derselben waren in der Wohnung des Angeklagten versteckt. Der Angeklagte ist schon mehrmals wegen Diebstahls und einmal wegen Verwun­dung bestraft.

Die Verhandlung leitet der Assisenpräsident Forst, als StaatSprocurator fungirt StaatSprocurator-Substitut Flachs als Vertheidiger des Angeklagten Prokurator Wilhelmi jun.

t Wiesbaden, 4. März. Der erste Lehrcursus in der Central-Flechtschule der Filanda ist nun beendigt und die Schülerinnen kehren schon in ihre Heimath zu­rück, um dort als Flechtmeisterinuen die Local - Flecht- schulen zu eröffnen. Es sind darunter ausgezeichnete Talente, die es nicht nur in der Kunst der Strohflech­terei sondern auch in der Fabrication von Stroharbeiten in der kurzen Zeit, die ihnen dazu nur vergönnt war, sehr weit gebracht haben. Am 15. März beginnt ein neuer Lehrcursus in der Central-Flechtschule der Filanda und sind dazu bereits viele neue Schülerinnen angemel« det worden. Es ist erfreulich, daß namentlich die Geistlichkeit die Ueberzeugung mit uns theilt, daß nebst der Religion und Gottesfurcht auch eine angemessene Beschäftigung und damit verbundener Verdienst vor­nehmlich geeignet sind, die ärmere Classe des Volkes von so manchen Irrwegen abzuhalten, auf die es so oft durch die Noth geführt wird. Schon viele Geistliche des Landes und selbst des Auslandes haben auf die Gemeindevorstände zur Einführung der Strohflechtcrei eingewirkt und sich von denselben ermäßigen lassen, dies­falls in Unterhandlungen mit der Filanda zu treten..

-«-Aus dem Amte Selters. Wie nachtheilig die Leitung der Posten zwischen Köln und Frankfurt, über die hohe Straße für den Verkehr ist, hat sich jetzt wieder auf's Schlagendste gezeigt. Seit dem bedeutenden Schneefall vom 24. und 25. v. M. sind diese Posten überall, und zwar mitunter mehr als 30 Stunden verspätet angekommen, weil der Schnee auf dem Gebirge nicht zu bewältigen war. Die größte Schncemasse soll aus der wenig bevölkerten Strecke von Hundsangen im Amte Wallmerod über Freilingen bis Altenkirchen liegen, und der Postwagen dort, nur mit der größten Anstrengung durchzubringen sein. Da sich dieser Uebclstand allwiuterlich wiederholt, so wäre es im Interesse des Publicums und der öffentlichen Ver­waltung höchst wüuscheuSwerth, wenn der Weg zwischen Montabaur und Mogendorf in chansseemäßigen Stand, gestellt würde, um cs der Postadministrakion zu ermög- lichku, die Posten über Montabaur, Selters, Herschbach und Hachenburg nach Altenkirchen, auf einer am Ge­birge vorbei und durch eine sehr bevölkerte Gegend ziehenden Straße, aus welcher die Communication bei dem stärksten Schneefalle nur auf wenige Stunden ge­hemmt war, zu leiten. Es würde dadurch nicht nur dee jetzige Uebclstand beseitigt, sondern die Benützung der Postfahrteil dem Publicum zugänglicher, die Sicher­heit der Post am wenigsten gefährdet, gleichzeitig aber auch "der Amtsort Selters mit dem übrigen Herzogthum in Verbindung gebracht sein, die ihm dermalen ganz abgeht.

.Heidelberg, 3. März. Als Ursache der Ver­schiebung des hofgerichtlichen Urtheils in der Gervinus- schcn Angelegenheit vom 2. auf den 8. d. M. gab das Franks. Journal an, daß das Hofgerichtnoch nähere Verbaltuugsbcfehle erwarte. Wegen dieser beleidigenden, die Würde der badischen Gerichte verletzenden Bemer-i kung wurde heute die betreffende Beilage des Franks.